Planplausibilisierung – Gütesiegel für die Unternehmensplanung

Wenn Banken an den Planzahlen ihrer Kreditnehmer zweifeln, fordern sie meist eine Plausibilisierung der Finanzzahlen durch einen externen Gutachter. Die umfassende Business-Analyse durchleuchtet Prozesse, Prämissen und Instrumente und zeigt Verbesserungsmaßnahmen auf. Mit den Ergebnissen können Gespräche mit Geldgebern positiv beeinflusst werden. Im nachfolgenden Fall sicherte die Planplausibilisierung die kurzfristige Finanzierung und damit die Fortführung eines Unternehmens.

 Eine Planplausibilisierung wird nicht nur von Banken, sondern auch von anderen Kapitalgebern (Mezzanine, Private Equity etc.) oder auch Organen des Unternehmens (Geschäftsführung, Aufsichtsrat, etc.) eingefordert. Sie umfasst eine Analyse und Bewertung der Unternehmensentwicklung und -positionierung, des Planungsprozesses und -instrumentariums (inkl. Planungsrechnung), der Planungsprämissen sowie der Maßnahmen zur Erreichung der Planwerte.

Im vorliegenden Fall war das Unternehmen ab Mitte des Jahres 2012 von einem massiven Einbruch der Nachfrage betroffen. Zu diesem Zeitpunkt war nicht erkennbar, dass der Auftragseingang nachhaltig rückläufig sein würde. Die den Banken vorgelegte erste Planung ging daher noch von einer kurzfristigen Nachfrageschwäche aus, die keine Auswirkung auf das Folgejahr haben würde. Bereits acht Wochen später zeigte sich aufgrund des weiterhin schwachen Auftragseingangs, dass die Planung des Normal-Szenarios für das Folgejahr nicht mehr aufrecht zu erhalten war. In Übereinstimmung mit den Banken wurde die Planung daher auf ein Worst-Case-Szenario umgestellt. 

Die den Banken in der nächsten Sitzung präsentierten Planzahlen lösten jedoch Zweifel aus. Während die Ergebnisplanung noch weitestgehend nachvollzogen werden konnte, war die vorgelegte Finanzplanung nicht stringent. Die Geschäftsführung sah sich nicht in der Lage, die Bedenken zu zerstreuen, da die Planung nicht integriert erfolgte, d.h. es gab keine logische Verknüpfung zwischen Ergebnis-, Bilanz- und Finanzplanung. Letztlich forderten die Banken die Einschaltung eines externen Gutachters, der die Planung einer Plausibilitätsprüfung unterziehen und gegebenenfalls Maßnahmen zur Beseitigung des aufgezeigten Liquiditätsengpasses aufzeigen sollte. Das Unternehmen entschied sich für die Buchalik Brömmekamp Unternehmensberatung als externen Gutachter.

 Herangehensweise bei der Planplausibilisierung 

Die Planplausibilisierung erfolgt generell in drei Schritten: Zunächst unterziehen die Berater die vorgelegte Planung einer intensiven Prüfung. Dabei werden die Marktposition des Unternehmens analysiert und die strategischen Ziele aufgenommen. Neben einer Bewertung der aktuellen wirtschaftlichen Entwicklung erfolgt eine Untersuchung der Marktkräfte und der Wettbewerber sowie eine Stärken-Schwächen-Analyse (SWOT).

In einem zweiten Schritt wird mit dem Unternehmen der Planungsprozess und die eingesetzten Planungswerkzeuge und -techniken geklärt. Hierbei wird geprüft, ob die Planung formal korrekt durchgeführt wird, wie gut die Planungsgenauigkeit ist und inwieweit der Planungsprozess EDV-technisch unterstützt wird. Untersucht wird in diesem Zusammenhang auch, ob die Planung eine logische Verknüpfung zwischen Ergebnis-, Bilanz- und Finanzplanung aufweist. Im Regelfall lassen sich bereits in dieser Phase erste Schwachpunkte erkennen, die sich auch auf die Planungsqualität auswirken können. 

Der dritte Schritt umfasst die Dokumentation und Bewertung der Planungsprämissen. Als Ausgangspunkt der Planung ist zunächst zu klären, ob die Absatz- und Umsatzplanungen realistisch sind und den Erkenntnissen aus der bereits durchgeführten Markt- und Wettbewerbsanalyse gerecht werden. Im Detail findet eine Untersuchung der kunden- und produktbezogenen Absatz- und Umsatzpläne statt, die mit den erwarteten Entwicklungen der Kundenbranchen abgeglichen wird. Besondere Beachtung findet in diesem Zusammenhang auch die Aufteilung der Umsatz-Planwerte auf die Kalendermonate des Planjahres.

Im vorliegenden Fall hatte der Vertrieb die vorgelegten Jahresumsatz-Planwerte über historisch etablierte Verteilungsschlüssel auf die Kalendermonate heruntergebrochen. Kurzfristige, konjunkturelle Einflüsse blieben damit nur unzureichend berücksichtigt. Daher wurde der aktuelle Auftragsbestand zur Validierung der ersten Monatsumsätze des Planjahres herangezogen, was zu einer ersten Anpassung der Absatz-/Umsatzplanung führte.

Grundsätzlich leitete das Unternehmen die geplanten Kostenarten aus den Vergangenheitsdaten ab und ergänzte diese punktuell um aktuelle Entwicklungen (Energiepreise, Rohstoffpreise). Absatz-/umsatzabhängige Kosten wurden mit den bekannten Kostenquoten unter Einbezug neuer Zielsetzungen (Materialverbrauch, Maschinenstundensätze) fortgeführt. Die Gemeinkosten entsprachen in aller Regel den Vorjahreswerten. Die Berater analysierten deshalb die Vergangenheitsdaten im Detail und prüften deren Tauglichkeit als Planansatz für das Folgejahr.

Die Analyse der geplanten Personalkosten umfasste u.a. die Aufnahme und Bewertung der verschiedenen Kostenpositionen (Lohn und Gehalt, Überstunden, Boni, gesetzliche Sozialabgaben, freiwillige soziale Leistungen, Pensionsaufwand, etc.) in Bezug auf den aktuellen Personalbestand. Geplante Veränderungen im Mitarbeiterstamm sowie Veränderungen, die sich aus Betriebsvereinbarungen und Tarif-Regelungen ergaben, mussten darüber hinaus beachtet werden. Die Krisensituation des Unternehmens spiegelte sich auch darin wider, dass neben den üblichen Kostenarten auch Effekte aus Kurzarbeit, Personalabbau, Abfindungen und Transfer-Kurzarbeitergeld auftraten.

Neben den Planungsprämissen für die Ergebnisrechnung wurden die Annahmen für die Bilanzplanung analysiert und bewertet. Darunter fielen die Entwicklung des Anlagevermögens (unter Berücksichtigung der Investitionsplanung), der Vorratsbestände, der Forderungen und Verbindlichkeiten sowie der Rückstellungen.

Abschließend erfolgte eine Würdigung der vorgelegten Planung und eine Beurteilung der Planungsqualität, die ein Abgleich der Planung mit den strategischen Zielen des Unternehmens beinhaltete. Die Planungsprämissen und deren Transfer in Planzahlen wurden kritisch hinterfragt. Im Regelfall wird in den Planungsprämissen bereits die Umsetzung einiger Maßnahmen vorausgesetzt, um angestrebte Zielgrößen zu erreichen. Hier war zu untersuchen, ob die Maßnahmen für die Zielerreichung geeignet und ausreichend waren, in welchem Umsetzungsstatus sie sich befanden und in welchem Umfang sie in die Planung eingeflossen waren. Zur Sicherstellung der in der Planung enthaltenen Effekte war zu prüfen, wie die Umsetzung der Maßnahmen gesteuert werden sollte.  

Buchalik Brömmekamp Unternehmensberatung erstellte nach der Anpassung einiger Planungsprämissen eine integrierte Business-Planung, die neben der Ergebnisplanung eine darauf aufbauende Bilanz- und Finanzplanung umfasste. Die Berater erarbeiteten mit dem Unternehmen Chancen und Risiken sowie weitere Maßnahmen zur Optimierung der Finanzsituation. Die Ergebnisse wurden in einem Bericht zusammengefasst, dem Unternehmen zur Verfügung gestellt und dienten als Gesprächsgrundlage für das nächste Bankengespräch.

 Ergebnis

Nach der Plausibilisierung durch Buchalik Brömmekamp konnte das Unternehmen durch die Neuregelung von Tilgungsvereinbarungen mit den Banken die kurzfristige Finanzierung des Unternehmens sichern. Das Unternehmen erhielt zudem weitere Hinweise, welche Maßnahmen es zur Liquiditätssicherung noch ergreifen kann. 

Eine Planplausibilisierung in der zuvor beschriebenen Form verleiht der Planung ein Gütesiegel. Neben der Einhaltung der Grundsätze ordnungsgemäßer Planung (GoP) werden eventuelle Schwachstellen im Planungsprozess oder bei der Umsetzung der Planungsprämissen in Planzahlen  aufgezeigt. Das Instrument unterstützt zudem die Gespräche mit Stakeholdern  und trägt zur Versachlichung bei. Durch Aufzeigen der Effekte einzelner Maßnahmen in Form von Szenariobetrachtungen können außerdem verschiedene Lösungswege für aktuelle Problemlagen (z.B. Finanzierungsalternativen bei Liquiditätsengpässen) aufgezeigt werden. Die Qualität des Planungsprozesses und des Planergebnisses in den Unternehmen erhöht sich deutlich.

Rüdiger Oymanns
Manager Finance,  Buchalik Brömmekamp Unternehmensberatung GmbH