Die KMU-Anleihe – neue Finanzierungsmöglichkeit für den Mittelstand

Bei der Fremdfinanzierung greifen mittelständische Unternehmen mangels attraktiver Angebote fast ausnahmslos auf Bankkredite zurück. Mit der KMU-Anleihe bietet die WIR Finanzierer Gruppe kleinen und mittelgroßen Unter- nehmen nun einen neuen Finanzierungsbaustein an. Finanziert werden die rund 30 gebündelten KMU-Anleihen mittels einer Kapitalmarktanleihe, woraus sich wesentliche Kosten- und Prozessvorteile ergeben. Um sich vor Ausfällen zu schützen, hat WIR Finanzierer einen dreistufigen Auswahlprozess etabliert und greift im Fall der Fälle mit Buchalik Brömmekamp auf einen erfahrenen Recovery Manager zurück. Der Newsletter sprach mit WIR Finanzierer Geschäftsführer Mark van den Arend und Harald Kam, Geschäftsführer der Buchalik Brömmekamp Unternehmensberatung, über Chancen und Risiken.

Newsletter: Die bedeutendste Finanzierungsquelle neben der Bank ist der Kapitalmarkt. Faktisch steht sie jedoch nur Unternehmen offen, die mindestens 20 Mio. Euro finanzieren wollen. Was ist anders an der KMU-Anleihe?

Mark van den Arend: Durch Bündelung des Finanzierungsbedarfs von rund 30 Unternehmen, mit Beträgen von 500.000 Euro bis circa 10 Mio. Euro und einer zentralen Abwicklung der Transaktion, wird eine für kleinere und mittelgroße Unternehmen wie auch für Investoren gleichermaßen interessante Struktur geschaffen.

Zur Finanzierung dieses Bündels konzipierten wir eine von Euler Hermes geratete und gelistete Anleihe mit einer Laufzeit von fünf Jahren. Das angestrebte Gesamttrans- aktionsvolumen liegt bei rund 120 Mio. Euro. Weil die unterschiedlichsten Unternehmen gebündelt werden, reduziert sich das Risiko für den Investor auch ohne jegliche gegenseitige Haftung der Unternehmen. Auf dieses Weise verschaffen wir Investoren einen neuen Investitionszugang zum deutschen Mittelstand.

Newsletter: Welche Voraussetzungen muss ein Unternehmen für die KMU-Anleihe mitbringen?

Mark van den Arend: Für den Einstieg in den Kapitalmarkt mittels KMU-Anleihe gibt es bei uns eine sehr überschaubare Liste an Anforderungen. Neben einer befriedigenden Bonität und einer mindestens fünfjährigen Unternehmenshistorie gibt es insbesondere die Anforderung, dass der KMU- Anleiheemittent stets über Bankbarkredite und/oder -kreditlinien verfügen muss, die in Summe mindestens dem Betrag der KMU-Anleihe entsprechen.

Newsletter: Wie erfolgt bei der KMU-Anleihe der Auswahlprozess der Unternehmen?

Mark van den Arend: Um eine solide Auswahl der Unter- nehmen zu treffen, haben wir ein Bonitätsdreieck etabliert. Die drei Ecken stehen dabei für die Krediteinschätzung des größten Kreditgebers, die Krediteinschätzung der Deutschen Bundesbank und die Krediteinschätzung der Euler Hermes Rating. Die letztendliche Auswahl trifft WIR Finanzierer auf Basis eines Interviews mit den Unternehmensverantwortlichen und einer Betriebsbesichtigung.

Newsletter: Statistisch gesehen, geraten jedes Jahr zehn Prozent der mittelständischen Unternehmen in eine wirtschaftliche Schieflage. Trotz einer rigiden Auswahl könnte danach auch ein KMU-Emittent im Worst-Case-Szenario bei der Rückzahlung ausfallen. Wie wollen Sie sich davor schützen?

Mark van den Arend: Mit dem zuvor beschriebenen Bonitätsdreieck haben wir bereits einen ersten Schutzmechanismus eingebaut. Wir sehen uns als Partner der Unternehmen und begleiten Sie während der fünfjährigen Laufzeit. Hier setzen wir auf Transparenz. So erfolgt ein quartalsweises Reporting seitens der Unternehmen und ein laufendes Monitoring durch Euler Hermes. Für den denkbaren Fall, dass es bei dem einen oder anderen Unternehmen zu Schwierigkeiten kommt, wird der Recovery Manager sehr zeitnah mit eingebunden. Wir sind glücklich, mit Buchalik Brömmekamp einen äußerst erfahrenen Partner an unserer Seite zu haben, der als Restrukturierungsspezialist einen guten Ruf genießt.

Newsletter: Welche Aufgaben hat der Recovery Manager?

Harald Kam:  Der Recovery Manager dient den Unternehmen und WIR Finanzierer in schwierigen Situationen als Sparringspartner und Ideengeber zur Problemlösung. Unser Ein- satz ist klar geregelt und orientiert sich nach den Ergebnissen des regelmäßigen Monitorings. Sinkt das Rating um eine Stufe, verpflichtet sich das Unternehmen zu einem erläutern- den Interview mit uns. Bei einer weiteren Verschlechterung des Ratings führen wir mit dem Unternehmen einen Workshop durch, in dem wir das Unternehmen einer 360°- Analyse unterziehen, bereits ergriffene Gegensteuerungsmaßnahmen bewerten oder darauf aufsetzend, Handlungsempfehlungen aussprechen. 

Newsletter: Wie erhalten Sie aus einem Interview die Erkenntnisse, ob sich das Unternehmen aus der Schieflage befreien kann?

Harald Kam: Im Mittelpunkt steht für WIR Finanzierer die Beantwortung der Frage: Wie wird sichergestellt, dass der Kapitaldienst auch zukünftig erbracht werden kann und dass das Unternehmen in seinem Marktumfeld wettbewerbsfähig bleibt? Unsere Aufgabe ist es, dies im Rahmen des Interviews zu verstehen und möglichst objektiv zu beurteilen.

Im Interview legen wir daher den Fokus auf die Diskussion der Ursachen der eingetretenen Schieflage und die bereits ergriffenen oder zu ergreifenden Maßnahmen. Die Geschäfts- führung muss uns plausibel erläutern, dass sie die Ursachen erkannt hat und einen nachvollziehbaren Plan verfolgt, um diese Ursachen zeitnah und wirksam zu bekämpfen.

Newsletter: Können Sie das konkretisieren?

Harald Kam: Zur Beurteilung der Krisenursachen und der zukünftigen Entwicklung reicht kein Blick in die historischen Zahlen. Dort lassen sich die Ursachen nicht erkennen, sondern allenfalls ein Teil der Symptome. Zur Ursachenanalyse benötigt man ein tiefergehendes Verständnis der Spielregeln des relevanten Marktes, des Leistungserstellungsprozesses und der Organisation des Unternehmens sowie der Wertbeiträge des Angebotssortiments. Genau hier setzen wir an.

Newsletter: In dem Workshop gehen Sie deutlich tiefer in das Unternehmen und entwickeln Potenziale zur Verbesserung der Unternehmenslage. Was steckt dahinter?

Harald Kam: In dem Workshop mit der Geschäftsführung und der zweiten Führungsebene beleuchten wir das Unter- nehmen und sein Umfeld aus den verschiedensten Perspektiven. Den Kern dieses Workshops setzen wir in unseren Restrukturierungsprojekten sehr erfolgreich ein. Mit Hilfe praxiserprobter Leitfragen zum relevanten Markt und dem Unternehmen erhalten wir in diesem moderierten Dialog einen guten Blick auf die Krisenursachen, die Stärken und Schwächen sowie Chancen und Risiken des Unternehmens. Unser Team besteht aus erfahrenen leistungs- und finanzwirtschaftlichen Praktikern, sodass wir in der Lage sind, die Wertschöpfungsprozesse eines Unternehmens schnell zu verstehen und die Auswirkungen geplanter oder notwendiger Maßnahmen zu beurteilen. Aufgrund des gewählten Teilnehmerkreises bekommen wir einen guten Eindruck über das Zusammenspiel und die jeweiligen Rollen der Führungsmannschaft. Dieses Zusammenspiel stellt einen ent- scheidenden Faktor für die Fähigkeit zur Überwindung von Problemsituationen dar und muss in die Beurteilung der Zukunftserwartungen mit einfließen.

Unsere Aufgabe ist es, ein gemeinsames Verständnis für die Schwere der jeweiligen Problemsituation zwischen den Beteiligten zu schaffen, die gegebenen Handlungsoptionen und Optimierungspotenziale neutral zu bewerten und Handlungsempfehlungen für die Überwindung der schwierigen Phase auszusprechen.

Wir sind davon überzeugt, diese Rolle für WIR Finanzierer, die Investoren und die Unternehmen zu erfüllen und durch unsere Arbeit einen Mehrwert für alle Beteiligten zu schaffen.

Mark van den Arend, Geschäftsführer der  WIR   Finanzierer GmbH
Harald Kam, Geschäftsführer Buchalik Brömmekamp Unternehmensberatung GmbH