Die Qualität von Sanierungskonzepten frühzeitig erkennen - Bewertungsmöglichkeiten für Finanzierer

Die Begleitung eines Krisenunternehmens birgt juristische und wirtschaftliche Risiken für alle Beteiligten, die durch ein ordnungsgemäßes Sanierungskonzept minimiert werden können. Die Geschäftsführung des aufraggebenden Unternehmens wird in der Regel keine Erfahrungswerte in der Auswahl des Beraters und der Erstellung von Sanierungskonzepten haben. Kreditinstitute verfügen über unterschiedliche Erfahrungen in der Krisenbewältigung und können wertvolle Hilfestellungen bei der Auswahl des Beraters, der Durchführung des Auftrages und der Beurteilung des Konzeptes geben. Dadurch kann die Wahrscheinlichkeit für ein tragfähiges Konzept deutlich erhöht werden.

Die Qualität eines Sanierungskonzeptes ist für das Gelingen einer Unternehmenssanierung von fundamentaler Bedeutung. Während die formalen Anforderungen durch die Rechtsprechung weitestgehend vorgegeben sind, ist die inhaltliche Qualität nur unzureichend in Standards zu beschreiben und nicht objektiv messbar. Um trotzdem ein für alle Beteiligten inhaltlich gutes Ergebnis zu erzielen, ist eine enge Zusammenarbeit zwischen den finanzierenden Banken, dem Krisenunternehmen und dessen Beratern im Vorfeld und während der Konzepterstellung notwendig. Die begleitenden Kreditinstitute können ihre Erfahrungswerte in den verschiedenen Phasen in den Erstellungsprozess einbringen und damit einen wichtigen Beitrag für ein gelungenes Sanierungskonzept beisteuern.  

Beraterauswahl

Zur Minimierung der juristischen und wirtschaftlichen Risiken hat sich in der Restrukturierungspraxis die Erstellung von Sanierungskonzepten nach den Anforderungen der höchstrichterlichen Rechtsprechung etabliert, die nach herrschender Meinung im IDW S6 vereint sind. Rund 70 Prozent aller Restrukturierungskonzepte werden laut einer Studie der SRH Heidelberg zum deutschen Restrukturierungsmarkt durch die Kreditinstitute oder Kreditversicherer angestoßen, indem den Krisenunternehmen empfohlen wird, ein Sanierungskonzept nach dem IDW S6 bei einem Sanierungsberater zu beauftragen. Mit der Empfehlung benennt das Kreditinstitut regelmäßig einige ihm bekannte Beratungshäuser, die für die Aufgabenstellung geeignet sein könnten. Um ein gutes Projektergebnis zu begünstigen, sollte unserer Erfahrung nach darauf geachtet werden, dass die Berater – neben der Kenntnis der gültigen Standards – vor allem über die folgenden Fähigkeiten verfügen:

1. Erfahrung (Fach- und Methodenkompetenz) nicht nur in der Erstellung, sondern auch in der Umsetzung von Sanierungskonzepten,

 2. Sozialkompetenz und ein gutes Stakeholder-Management,

3. Projekt- und Change-Managementerfahrung,

4. Kreative Nutzung und Kenntnis der rechtlichen Möglichkeiten (z. B. auch bzgl. einer Sanierung unter Insolvenzschutz).

Im Vorfeld der Beraterauswahl sollte das Krisenunternehmen  mit den beteiligten Kreditinstituten besprechen, ob die vorgeschlagenen Berater diese Fähigkeiten mitbringen und die Rückmeldungen in die Auswahlentscheidung miteinfließen lassen. Das Kreditinstitut sollte offen die Vor- und Nachteile der jeweiligen Berater aufzeigen und damit Hilfestellungen geben, ohne den Auswahlprozess unangemessen zu beeinflussen.  

Auftragsklärung und Konzepterstellung

Bereits vor Auftragserteilung hat sich der Konzeptersteller ein Bild von der aktuellen Unternehmenslage, dem Krisenstadium und den voraussichtlichen Handlungsfeldern zu machen. Dazu dient ein ausführliches Interview des Beraters mit der Unternehmensleitung. Danach sollte der Auftragsgegenstand mit dem Kunden und den Kapitalgebern sowie möglicherweise weiteren involvierten Dritten so abgestimmt werden, dass das zu erwartende Arbeitsergebnis alle notwendigen Informationen für eine Entscheidung zur weiteren Begleitung der Sanierung enthält. Im Zuge dieser Auftragsklärung sollte der Umfang und der Fokus des Konzeptes zwischen den Beteiligten abgestimmt werden, um ein zielorientiertes Arbeitsergebnis zu erhalten und unnötige Aufwendungen zu vermeiden. In dieser Phase sollte auch geklärt werden, ob alle Denkrichtungen verfolgt werden und ob der potenzielle Berater in der Lage ist, dass Mandat auch in der Umsetzungsphase weiter zu begleiten. Wie wichtig die Diskussion im Rahmen der Auftragsklärung ist, zeigt eine Auswahl der Kritikpunkte am IDW S6, die in vorgenannter Studie von den befragten Banken benannt wurden:

1. Gemessen am eigentlichen Ziel sind die Konzepte zu lang, zu teuer und zu komplex

2. Falsche Fokussierung a. Zu stark vergangenheitsorientiert  b. Beschreibung der Ursachen oft zu lang c. Schwerpunkt liegt zu wenig auf den Maßnahmen

3. Lückenhaft

a. Einschätzung zur Umsetzbarkeit der Sanierungsmaßnahmen fehlen

b. Zu geringe Analyse der Fähigkeiten des Managements

c. Zu wenig Vergleich von Handlungsalternativen

Sind die Erwartungen im Vorfeld geklärt und dokumentiert, werden die Chancen eines für alle Parteien tragfähigen Konzeptes weiter erhöht. Regelmäßige Information über den Bearbeitungsfortschritt und die gewonnenen Erkenntnisse durch den Berater oder das Unternehmen an die Kapitalgeber helfen, verlorenes Vertrauen wiederzugewinnen und die Chance eines guten Arbeitsergebnisses für alle Beteiligten zu erhöhen. Bei der Vorstellung des geplanten Vorgehens können die Kreditinstitute entsprechende Hinweise an den Berater und die Auftraggeber geben.  

Würdigung des Sanierungskonzeptes

Bringt der Berater die notwendigen Fähigkeiten mit und kann aus seinem geplanten Vorgehen auf die Berücksichtigung der wesentlichen Anforderungen und die Einbindung der Betroffenen geschlossen werden, ist die Basis für die Erarbeitung eines belastbaren Sanierungskonzeptes gelegt. Sobald der Berater das Sanierungskonzept final vorlegt, hilft folgende 10-Punkte-Checkliste bei der abschließenden Bewertung der Qualität des Konzeptes:

1. Entspricht das Konzept den formalen Anforderungen? (insbesondere IDW S6)

2. Sind die Krisenursachen (nicht die Symptome) klar dargelegt?

3. Ist das zukünftige Geschäftsmodell klar herausgearbeitet und plausibel im Abgleich mit der Markt/Wettbewerbs- Situation und den Stärken und Schwächen des Unternehmens?

4. Sind die Sanierungsmaßnahmen konkret und nachvollziehbar dargelegt und bewertet?

5. Beheben die Maßnahmen die Krisenursachen?

6. Sind die Sanierungsplanung und die zu Grunde liegenden Sanierungsmaßnahmen nachvollziehbar dokumentiert?

7. Wurden Chancen und Risiken der Planung dargelegt und Wahrscheinlichkeitsaussagen getroffen?

8. Sind Investitionen im Konzept enthalten? (These: Ohne Investitionen keine nachhaltige Sanierung)

9. Wurden Ausführungen zu dem Willen und der Fähigkeit des Managements gemacht, die Sanierung zu betreiben?

10. Gibt es eine konkrete, zeitliche (Maßnahmen-)Umsetzungsplanung und korrespondiert diese mit der Sanierungsplanung? Können alle Punkte bejaht werden, sollte das vorgelegte Sanierungskonzept  eine fundierte Grundlage für die Entscheidung über die weitere Begleitung des Unternehmens darstellen und als Leitfaden für die Umsetzung dienen.  

Die Basis für eine hohe Qualität eines Sanierungskonzeptes wird schon sehr früh gelegt: Mit der Auswahl des Beraters und einer umfassenden Auftragsklärung. Buchalik Brömmekamp beweist seit nunmehr fast 20 Jahren seine Kompetenz in der Erstellung und Umsetzung von Sanierungskonzepten. Als wohl einzige Beratungsgesellschaft in Deutschland haben wir zudem seit 2012 mehr als 80 Konzepte im Rahmen von Eigenverwaltungen erarbeitet und deren Umsetzung vielfach begleitet. Die daraus gewonnenen Erfahrungen und die interdisziplinäre Zusammenarbeit von Juristen, Betriebswirten und Ingenieuren ermöglicht es uns, in jeder Krisenphase ergebnisoffen zu beraten, Handlungsoptionen fundiert zu bewerten und passende Lösungswege zu entwickeln. Nicht weniger wichtig ist, dass wir Veranwortung für unsere Konzepte übernehmen und die entwickelten Maßnahmen in den Unternehmen auch umsetzen. Sprechen Sie uns an!  

Harald Kam, Geschäftsführender Gesellschafter, Buchalik Brömmekamp Unternehmensberatung GmbH