Eigenverwaltungsverfahren bei Becker Plastics eröffnet

  • Nächster Meilenstein in der Sanierung des Kunststoffrohr-Herstellers erreicht

Datteln. 29. September 2015. Die Becker Plastics GmbH hat einen weiteren entscheidenden Schritt in eine wirtschaftlich erfolgreiche Zukunft getan. Das Amtsgericht Bochum hat am 28. September 2015 planmäßig das Eigenverwaltungsverfahren über das Vermögen des Unternehmens eröffnet. Zuvor hat das Unternehmen den Insolvenzplan, der mit der Wirtschaftskanzlei Buchalik Brömmekamp entwickelt wurde und der die Entschuldung der Becker Plastics regelt, beim Bochumer Amtsgericht eingereicht. Die wesentlichen Gläubiger und der Gläubigerausschuss stehen hinter dem Sanierungskonzept. Sachwalterin und Rechtsanwältin Dr. Anja Commandeur, Seniorpartnerin der Kanzlei Görg, hatte in ihrem Gutachten die positiven Fortführungsaussichten des Unternehmens bestätigt. Damit können die Geschäftsführer Thomas Finkewirth, Sascha Allissat und der Sanierungsexperte Nils Averbeck die Restrukturierungsmaßnahmen zur Fortführung des Unternehmens umsetzen. Die Aufhebung des Verfahrens soll Ende 2015 oder Anfang 2016 erfolgen, um Becker Plastics danach operativ und finanzwirtschaftlich saniert fortzuführen.

Vorgesehen sind eine Verkleinerung der Produktion sowie eine Konzentration auf ausgewählte Produkte und Kunden. Diese Neuausrichtung macht einen sozialverträglichen Arbeitsplatzabbau von 58 Stellen erforderlich. Die Geschäftsführung hat die Maßnahmen bereits mit dem Betriebsrat und der IG Metall abgestimmt und den Interessenausgleich verhandelt. Die betroffenen Mitarbeiter können in eine sog. Transfergesellschaft wechseln. Die Transfergesellschaft hat die Aufgabe, die betreuten Beschäftigten mit individuell abgestimmten Weiterbildungsmaßnahmen zusätzlich zu qualifizieren und so schnell wie möglich wieder in neue Beschäftigungsverhältnisse zu vermitteln. „Natürlich sind uns die Personalmaßnahmen nicht leichtgefallen. Damit Becker Plastics langfristig und  wettbewerbsfähig am Markt agieren kann, gibt es zu diesem Schritt aber keine Alternative", erklärt Geschäftsführer Sascha Allissat.

Ursache für die wirtschaftliche Schieflage der Becker Plastics sind Überkapazitäten im Markt, die zu einem Preisverfall führen, sowie die Entwicklung zunehmend zum Massenmarkt. Wegen des hohen Qualitätsniveaus kann Becker Plastics gegen die Billigangebote, insbesondere aus dem Ausland, nicht konkurrieren. Mit einem deutlichen Strukturwandel hin zu einem spezialisierten Anbieter von PE-Xc Rohren und Aluminiumverbundrohren will das Unternehmen innerhalb des Eigenverwaltungsverfahrens darauf reagieren. „Wir haben in vielen Gesprächen mit Kunden und Lieferanten unser Zukunftskonzept vorgestellt. Bisher haben uns diese Geschäftspartner die Treue gehalten und zum Teil deutlich mehr Aufträge geordert als von uns prognostiziert. Ebenso stehen die Mitarbeiter zum Unternehmen und gehen mit großem Engagement an die Umsetzung der Sanierungsmaßnahmen", erklärt Sanierungsgeschäftsführer Nils Averbeck. Die Fertigung und die Auslieferung der Produkte laufen auch im eröffneten Verfahren ungehindert weiter.