ELRO beantragt Eröffnung eines Insolvenzverfahrens

  • Sanierungsexperte von mbb [consult] unterstützt die Geschäftsführung
  • bb [sozietät] erstellt Insolvenzplan

Rostock, 5. September 2012. Das Amtsgericht Rostock hat am 5. September 2012 dem Insolvenzantrag der ELRO Holding sowie fünf weiterer Tochtergesellschaften zugestimmt und die vorläufige Eigenverwaltung angeordnet. Der Antrag, der am vergangenen Donnerstag beim Amtsgericht eingereicht wurde, betrifft die ELRO-Gruppe GmbH, Rostock, die Elmenhorster Fruchtsaftgetränke GmbH, Rostock, die Großkelterei Rötha GmbH, Rötha, die Rottaler Fruchtsaft GmbH & Co KG, Rotthalmünster, die RoKoMa Konfitüren-Feinkost GmbH, Rostock sowie die Mecklenburger Spirituosenfabrik G. Winkelhausen GmbH, Güstrow. Der Geschäftsbetrieb der Holding sowie der Tochtergesellschaften läuft während des Verfahrens in vorläufiger Eigenverwaltung weiter. Die 350 Mitarbeiter werden in Betriebsversammlungen an den jeweiligen Standorten über die eingeleiteten Maßnahmen informiert. Die Löhne und Gehälter der Mitarbeiter sind für die ersten drei Monate des Verfahrens gesichert. Das Gericht hat einen vorläufigen Gläubigerausschuss eingesetzt.

Mit der Anordnung der vorläufigen Eigenverwaltung sind die Unternehmen weiterhin voll handlungsfähig und können die unternehmerischen Entscheidungen eigenverantwortlich treffen. Zum vorläufigen Sachwalter hat das Gericht Rechtsanwalt Berthold Brinkmann bestellt, mit dem alle wesentlichen Maßnahmen und Ausgaben abgestimmt werden. Das Insolvenzverfahren soll vorrausichtlich Ende Oktober eröffnet werden.

Juristisch wird die ELRO-Gruppe durch die Anwaltskanzlei bb [sozietät] Buchalik Brömmekamp aus Düsseldorf beraten, die bereits in den letzten Jahren eine Vielzahl von Unternehmen erfolgreich durch eine Planinsolvenz in Eigenverwaltung geführt hat. ELRO und die auf Restrukturierung spezialisierte Unternehmensberatung mbb [consult] erarbeiten derzeit ein Sanierungskonzept, dass nach der Eröffnung des Insolvenzverfahrens in einen Insolvenzplan mündet. Im Konzept wird die Sanierungsfähigkeit der ELRO-Gruppe von unabhängiger Seite bestätigt. Mit Dr. Wolf-Dietrich von Heyking von der mbb [consult] steht der Geschäftsführung ein ausgewiesener Sanierungsexperte zur Seite. Herr von Heyking war u.a. in den Jahren 2002-2004 kaufmännischer Vorstand der Spar AG, hat aber auch darüber hinaus umfassende Erfahrung im Einzelhandel und produzierenden Unternehmen gesammelt, häufig in der Position eines Geschäftsführers oder Vorstand mit Sanierungsverantwortung gesammelt.

Die größten Kunden haben sich in den bisherigen Gesprächen sehr positiv für eine Fortführung des Geschäftsbetriebes ausgesprochen. Zeitgleich werden erste Sondierungsgespräche mit Investoren über eine wesentliche Beteiligung an der ELRO-Gruppe geführt. „Wir sind sehr zuversichtlich, dass das Unternehmen weiterhin Bestand haben wird“, so ELRO-Geschäftsführer Bernd Pawlowski. Die ELRO-Gruppe ist mit einem Umsatz von knapp 150 Mio. Euro und etwa 350 Mitarbeitern einer der wesentlichen Fruchtsafthersteller und -lieferanten für den Lebensmitteleinzelhandel in Deutschland.

Hintergrund: Was ist eine vorläufige Eigenverwaltung (§270a InsO):

Seit März 2012 lässt die neue Insolvenzordnung auf Antragstellung eine sogenannte vorläufige Eigenverwaltung zu. Ein vorläufiger Insolvenzverwalter wird nicht bestellt, sondern ein sog. vorläufiger Sachwalter. Damit wird die auch nach altem Recht zulässige Eigenverwaltung in das sogenannte Insolvenzeröffnungsverfahren, also dem Zeitraum zwischen Antragstellung und Eröffnung, vor verlagert. Im Einvernehmen mit den Gläubigern, vorläufigem Sachwalter und dem Insolvenzgericht ist Ziel des Verfahrens die Fortführung eines Unternehmens unter dem Schutz der Insolvenzordnung zu erreichen. Die Geschäftsführung bleibt in diesem Verfahren weiterhin im Amt und kann die Geschicke des Unternehmens weiter lenken. Der vorläufige Sachwalter hat im Gegensatz zum Insolvenzverwalter, der praktisch die Kontrolle des Unternehmens übernimmt, hauptsächlich die Aufgabe, die wirtschaftliche Lage des Schuldners zu prüfen und die Geschäftsführung zu überwachen.