Oehmetic ist erfolgreich saniert

  • Amtsgericht hebt Eigenverwaltungsverfahren auf
  • Automobilzulieferer ist wieder auf Wachstumskurs und wird sich weiter als Entwicklungspartner positionieren

Wilnsdorf. 19. August 2016. Das Amtsgericht Siegen hat das Eigenverwaltungsverfahren des Automobilzulieferers Oehmetic GmbH aufgehoben. Damit gilt das Unternehmen als erfolgreich saniert und entschuldet. Für die Zukunft ist Oehmetic mit Abschluss des Verfahrens gut aufgestellt. So konnte der Auftragseingang gegenüber dem Vorjahr um 12 Prozent gesteigert werden. Darüber hinaus wurden für fünf neue Fahrzeugmodelle von drei deutschen Premiumherstellern größere Neuprojekte mit Serienstart in 2017 akquiriert. Damit trägt das Zukunftskonzept, nachdem das Unternehmen im Bereich Stanzen zum Entwicklungspartner der Automobilhersteller weiter ausgebaut werden soll, erste Früchte. Ebenso positiv sind die Aussichten für die Mitarbeiter. Während des Verfahrens konnten nicht nur alle 121 Arbeitsplätze gerettet werden, sondern dank der guten Beschäftigungslage stieg die Anzahl der Mitarbeiter auf 131. Darin enthalten sind auch fünf neue Auszubildende, die Anfang August den Schritt ins Berufsleben gemacht haben.

„Oehmetic konnte die schwierige Phase durch die hohe Loyalität und Einsatzbereitschaft der Mitarbeiter sowie das uneingeschränkte Vertrauen der Kunden und Lieferanten meistern. Durch das Eigenverwaltungsverfahren konnten wir uns wieder wettbewerbsfähig und neu aufstellen. Allen Beteiligten gilt deshalb mein aufrichtiger Dank. Derzeit entwickeln wir uns sehr positiv“, erklärt Geschäftsführer Ulrich Oehm, nach dem Beschluss des Amtsgerichts Siegen. 

Mit der Eigenverwaltung nutzte Oehmetic die seit dem 1. März 2012 geltenden Möglichkeiten einer Sanierung unter Insolvenzschutz. Es handelt sich dabei nicht um eine Insolvenz im klassischen Sinn, sondern um ein Sanierungsverfahren mit dem obersten Ziel der Unternehmensfortführung. Deshalb leitete Geschäftsführer Ulrich Oehm das Unternehmen auch im Verfahren unverändert weiter. Zusätzlich führte der Restrukturierungsexperte Norbert Schröer vom Beratungsunternehmen Buchalik Brömmekamp als Sanierungsgeschäftsführer die Oehmetic durch das Verfahren. Weiterhin beaufsichtigte ein Sachwalter die Geschäftsführung. Für diese Aufsichtsfunktion bestellte das Amtsgericht Siegen den Rechtsanwalt Dr. Jan-Philipp Hoos von der Kanzlei White & Case Insolvenz GbR.

Das Team von Buchalik Brömmekamp übernahm die Aufgabe, mit dem Unternehmen das tragfähige Zukunftskonzept sowie die strategische Neuausrichtung zu entwickeln und die daraus gewonnenen Sanierungsmaßnahmen umzusetzen. „Im Fokus der Eigenverwaltung steht die Fortführung des Unternehmens und damit der Erhalt der Arbeitsplätze sowie der Kunden- und Lieferantenbeziehungen. Oehmetic hat die Instrumente der Sanierung unter Insolvenzschutz optimal eingesetzt. Nun kann das Unternehmen konsequent sein Kerngeschäft in der Automobilindustrie stärken“, so Sanierungsgeschäftsführer Norbert Schröer.

Insbesondere der Automotiv-Sektor steht immer wieder vor neuen Herausforderungen: Das selbstfahrende Auto, neue Werkstoffe zur Gewichtsreduzierung und schadstoffarme Motorentechnik zwingen die Hersteller zu neuen Lösungen. Um den sich ändernden Anforderungen gerecht zu werden und die Kapazitäten für Wachstum zu erweitern, wird Oehmetic mittelfristig in den bestehenden Stanz- und Pressenpark investieren. Bereits während des Verfahrens wurde auf die steigenden Kundenanfragen reagiert und eine moderne, automatische Schweißanlage angeschafft. Für das nächste Jahr ist die Einführung eines neuen ERP-Datenverarbeitungssystems geplant, welches die organisatorischen Abläufe und Prozesse besser abbildet und unterstützt. Dazu wurden bereits im Rahmen des Neuausrichtungskonzeptes die Fertigungsabläufe und -prozesse optimiert, die zu einer deutlich höheren Produktivität führten.

Die Geschäftsführung des Automobilzulieferers Oehmetic GmbH hatte Anfang Juni 2015 beim Amtsgericht Siegen einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt. Der Antrag war die Reaktion auf einen Großmaschinenschaden, der zu erheblichen Produktionsausfällen geführt hatte, sowie den immer höheren Preisdruck auf die Automobilzulieferer. „Das eher junge Instrument des Eigenverwaltungsverfahrens ist hervorragend geeignet, eine unvorhergesehene und plötzliche Krisensituation zu meistern, welche bei uns im Frühjahr 2015 durch einen Maschinengroßschaden entstanden war. Die dabei der Situation und dem Verfahren geschuldete Mehrbelastung, der hohe Arbeitsanfall sowie die rechtlichen Anforderungen bedingen aber die Begleitung durch einen auf das Eigenverwaltungsverfahren spezialisierten Berater, der dieses Terrain beherrscht und absichert, während ich mich mit meinem kompetenten Team auch während des Verfahrens um Kundenbeziehungen und strategische Neuprojekte kümmern konnte“, erklärt Geschäftsführer Ulrich Oehm.