Textilunternehmen Hecking setzt Restrukturierung durch ein Eigenverwaltungsverfahren um

  • Weitere Fokussierung auf technische Textilien

Stadtlohn/Zittau. 7. August 2017. Die beiden Textilunternehmen H. Hecking Söhne GmbH & Co. KG aus Stadtlohn und die Baumwollweberei Zittau GmbH aus Zittau wollen den bisher eingeschlagenen Restrukturierungsweg weiter forcieren. Dazu hat die Geschäftsführung für beide Unternehmen einen Antrag auf ein Eigenverwaltungsverfahren gestellt, den Anträgen wurde entsprochen. „Unsere Anstrengungen in den vergangenen Jahren, die Leistung und Effizienz deutlich zu erhöhen, haben noch nicht den nötigen Erfolg gehabt. Um das Unternehmen neu und langfristig zukunftsfähig zu positionieren, haben wir uns für ein Eigenverwaltungsverfahren entschieden“, erklärt Geschäftsführer Heinrich-Hermann Hecking.

Die 190 Mitarbeiter wurden am Montag in Mitarbeiterversammlungen an den beiden Produktionsstandorten über das Verfahren informiert. Die Löhne und Gehälter in diesem Verfahren sind für drei Monate institutionell gesichert und werden anschließend wieder vom Unternehmen gezahlt, die Produktion und die Belieferung der Kunden läuft unverändert weiter.

Um die Interessen aller Beteiligten zu wahren, wird ein vorläufiger Sachwalter bestellt. Diese Aufgabe übernimmt Rechtsanwalt Dr. Sebastian Henneke, Partner der Kanzlei hrm Henneke Röpke Rechtsanwälte aus Bocholt. „Durch das Verfahren kann mit der Unterstützung aller Beteiligten, die Unternehmensgruppe auf wirtschaftlich erfolgreiche Füße gestellt werden. Hierbei will ich alle Beteiligten im Rahmen der mir übertragenen Aufgaben und der gesetzlichen Vorgaben bestmöglich unter Wahrung der Gläubigerinteressen unterstützen“, meint der vorläufige Sachwalter Dr. Henneke.

Ein detaillierter Umsetzungsplan zum Konzept wird zusammen mit dem Beratungsunternehmen Buchalik Brömmekamp ausgearbeitet. Bei der Umsetzung werden die beiden Firmen durch den Restrukturierungsexperten Volker Schreck, ebenfalls von Buchalik Brömmekamp, unterstützt. Dazu wird Volker Schreck in die Geschäftsführung berufen. „Die deutsche Textilindustrie agiert in einem sehr schwierigen Umfeld, in dem die Unternehmen nur durch Spezialisierungen ihre Marktstellung behaupten können. Im Rahmen der Eigenverwaltung ergeben sich Möglichkeiten, die Restrukturierung effektiver und schneller voranzutreiben“, so Volker Schreck.

Mit einer Neuausrichtung wollen die beiden Unternehmen vor allem der Konkurrenz aus den Niedriglohnländern begegnen. „Wir haben uns weitestgehend von der Produktion üblicher Massenprodukte verabschiedet, vor allem bei den Heim- und Bekleidungstextilien. Dagegen zeigen sich erhebliche Potentiale im Bereich der technischen Textilien. Die in diesem Segment geforderten Qualitätsmaßstäbe können wir mit unserem Maschinenpark und den gut ausgebildeten Mitarbeitern sehr gut erfüllen. Deshalb werden wir uns in der Produktion weiter auf diesen Bereich fokussieren“, so Hecking.