Deutsche Mechatronics GmbH wurde durch Insolvenzplanverfahren umfassend entschuldet

Die Deutsche Mechatronics (DTMT) befand sich seit mehreren Jahren in einer Ergebniskrise. Anhängige Rechtsstreitigkeiten zu fraglichen Pensionsansprüchen von Arbeitnehmern verhinderten die Erschließung neuer Finanzierungsquellen. Gravierende Probleme bei der Einführung eines neuen ERP-Systems im Jahr 2012 verschärften die Krisensituation deutlich. Anfang April 2013 entschied sich der geschäftsführende Gesellschafter des Unternehmens für eine Sanierung über ein Insolvenzplanverfahren in Eigenverwaltung. Acht Monate später konnte das Insolvenzverfahren wieder aufgehoben werden.

Die Deutsche Mechatronics GmbH ist Systemlieferant (Mechanik, Elektrotechnik, Software) für Produktentwicklung sowie Produktion und beliefert vor allem Kunden im deutschsprachigen Raum. Historisch bedingt besteht eine hohe Abhängigkeit von der Druckindustrie. Das Unternehmen wurde von der anhaltenden Krise der Druckindustrie erfasst und hatte von 2007 bis zum Jahr 2012 einen Umsatzrückgang von 73 Mio. Euro auf 50 Mio. Euro zu verkraften. Während sich der Umsatz mit der Druckindustrie im Jahre 2007 auf 72 Prozent belief, war dieser Anteil auf 50 Prozent im Jahre 2012 gefallen. Aufgrund der Vergangenheit als Teil des RWE-Konzerns war das Unternehmen zudem Pensionsverpflichtungen von rund 17 Mio. Euro ausgesetzt, die weder mittel-noch langfristig erfüllt werden konnten. Zusätzlich wurde das Unternehmen durch die unzureichende Vorbereitung der Einführung eines neuen ERP-Systems belastet. Mit der Einführung im Jahr 2012 waren wesentliche Informationen zur kaufmännischen Steuerung des Geschäftsbetriebs verloren gegangen.

Für die Anpassung des Personalbestands von rund 420 Mitarbeitern und andere Restrukturierungsmaßnahmen fehlte das Geld. Als sich die Liquiditätssituation Anfang 2013 zuspitzte, entschied sich der Geschäftsführer, die Sanierung mittels eines Insolvenzplanverfahrens in Eigenverwaltung einzuleiten. Mit der Erstellung des Insolvenzplans sowie der Begleitung des Unternehmens und der Geschäftsführung wurde Buchalik Brömmekamp beauftragt.

Lösung Eigenverwaltung

Oberstes Ziel war zunächst die Aufrechterhaltung der Produktion und damit der Lieferfähigkeit, um das Vertrauen der Kunden nicht zu verlieren. Noch vor der Insolvenzantragstellung in Eigenverwaltung wurde die Insolvenzgeldvorfinanzierung sichergestellt, sodass mit Anordnung der Eigenverwaltung die durch die HSBC-Bank vorfinanzierten Gehälter ausgezahlt werden konnten.

In einem ersten Schritt wurde eine umfassende Ursachenanalyse in sämtlichen Bereichen des Unternehmens durchgeführt. Beispielsweise wurden die nachfolgenden operativen Schwachstellen identifiziert:

• Die historisch gewachsene, aber stark zergliederte Struktur des Unternehmens schaffte erhebliche Schnittstellenprobleme und unklare Verantwortlichkeiten. Zudem war die Kommunikation zwischen den Mitarbeiterebenen schwach ausgeprägt. Der Auftragsdurchlauf war zudem durch viele Schnittstellen zu komplex und durch etliche Übergaben gingen Informationen verloren.

• Die Abhängigkeit von nur einem Großkunden machte Neugeschäft in der gleichen Branche unmöglich.

• DTMT ist in den Bereichen Serienfertigung, Teilefertigung und Einzelfertigung (Anlagenbau) tätig. Die Anforderungen der Kunden an den Technologieeinsatz und Entwicklungsaufwand sind jedoch sehr heterogen. Die Fertigung war mit diesen unterschiedlichen Anforderungen nicht mitgewachsen.

• Aufgrund fehlender Kennzahlen zur operativen Steuerung und fehlender Verantwortlichkeit konnten Aufträge nicht kostendeckend und zeitgerecht abgearbeitet werden.

Gemeinsam mit den Führungskräften des Unternehmens wurde auf Basis dieser Ursachenanalysen ein umfassendes Sanierungskonzept ausgearbeitet. Dabei wurde ein besonderes Augenmerk auf folgende Bereiche gerichtet:

• Analyse der einkaufsrelevanten Daten und des Beschaffungsvolumens,

• Analyse der Vertriebsorganisation,

• Analyse der Produktionsprozesse und Planung,

• Bewertung des Working Capitals hinsichtlich bestehender Cash-Potenziale,

• Neustrukturierung der Organisation,

• Anpassung des ERP-Systems und

• Zuordnung der Kosten zu jeweiligen Verursachern und Anpassung der Kostenrechnung.

Flankierend wurden zur optimalen Steuerung des Eigenverwaltungsverfahrens folgende Maßnahmen ergriffen:

• Ergänzung der Geschäftsführung durch Hans Fritsche von Buchalik Brömmekamp als insolvenzerfahrenen CRO;

• Implementierung eines Reportings in Form einer so genannten Tagesmeldung mit wesentlichen Kennzahlen zur Unternehmenssteuerung (Umsatz, Auftragseingang, Kontostände etc.);

• Aufsetzung einer kurzfristigen Liquiditätsplanung;

• Anpassung von Betriebsabläufen an insolvenzspezifische Anforderungen;

• regelmäßige Kommunikation mit den beteiligten Stakeholdern über den Verfahrensfortschritt;

• tägliches Führungskreismeeting unter Einbeziehung des Betriebsratsvorsitzenden und

• enge Einbindung der Hauptkundin (40 Prozent Umsatzanteil) in das Eigenverwaltungsverfahren.

Gläubiger waren vom Sanierungskonzept überzeugt

Mit Eröffnung des Insolvenzverfahrens am 01.08.2013 stand ein umfassendes Sanierungskonzept zur Verfügung, das mit dem Sachwalter, Gläubigerausschuss, Betriebsrat und der Hauptkundin abgestimmt war und breite Zustimmung fand.

Nach Verfahrenseröffnung wurde das Unternehmen in drei Business Units aufgeteilt, um die Komplexität zu reduzieren. Die neu strukturierte Organisation führt durch Optimierung der Prozesse in den einzelnen Geschäftseinheiten durch den Abbau von Schnittstellenproblemen dazu, dass Mehrarbeit vermieden wird und damit die einzelnen Geschäftseinheiten schlanker aufgestellt werden konnten.

Der CRO bildete als eingetragener Geschäftsführer die Schnittstelle zwischen dem Sachwalter, dem Gläubigerausschuss, dem Management und der Organisation, aber auch von verschiedenen Beratern, die bereits vor der Insolvenzantragstellung beauftragt worden waren. Daneben übernahm er die Außenkommunikation und den Dialog mit der Presse. Zusätzlich bestand seine Aufgabe gemeinsam mit einem operativ tätigen Berater darin, die zügige Umsetzung der definierten Sanierungsmaßnahmen sicherzustellen. Dazu wurde das Maßnahmenmanagement und -controllingtool „mmt" von der Buchalik Brömmekamp Unternehmensberatung zur Steuerung und Überwachung des Umsetzungsprozesses implementiert.

Mit Gewerkschaft und Betriebsrat wurde ein Interessenausgleich nebst Sozialplan verhandelt, sodass kurzfristig der Personalbestand möglichst sozialverträglich auf 340 Mitarbeiter reduziert werden konnte. Kündigungsschutzklagen hatten damit so gut wie keine Erfolgsaussichten. In einer Transfergesellschaft konnten sich die ehemaligen Mechatroniker weiter qualifizieren lassen und wurden für den freien Arbeitsmarkt vorbreitet.

Durch die Eigenverwaltung und die Kontinuität in der Geschäftsführung gab es keine Irritationen bei den Kunden. Diese sind dem Unternehmen während des Verfahrens treu geblieben, Auftragsrückgänge waren nicht zu verzeichnen.

Der Vertrieb wurde personell verstärkt und neu ausgerichtet, um die rückläufigen Umsätze mit der Druckindustrie durch neue Kunden aufzufangen.

Die erheblichen Pensionsverpflichtungen wurden vom Pensions-Sicherungs-Verein (PSVaG) übernommen. Als ungesicherter Gläubiger erhält der PSVaG die im Insolvenzplan geregelte Quote.

Während das Eigenkapital bei Insolvenzantragstellung vollständig aufgezehrt war, beträgt die Eigenkapitalquote nicht zuletzt aufgrund der fast vollständigen Reduzierung der erheblichen Pensionslasten nach Verfahrensaufhebung rund 70 Prozent.

In der Gläubigerversammlung am 11.11.2013 wurde der aus dem Sanierungskonzept abgeleitete Insolvenzplan von den Gläubigern angenommen. Dadurch konnte das Insolvenzverfahren bereits am 31.12.2013 aufgehoben werden. Mit der Rechtskraft des Insolvenzplanes und der Verfahrensaufhebung war die Arbeit des Sanierungsgeschäftsführers Hans Fritsche erledigt.

RA Hans G. Fritsche, Buchalik Brömmekamp Rechtsanwälte | Steuerberater