Verschlechterung von Zinskonditionen: Handlungsansätze für Ursachenanalyse und Problemlösung

Erhöhen Kreditinstitute im Laufe der Kreditbeziehung ihre Zinsmargen oder machen sie die Fortsetzung des Kreditverhältnisses davon abhängig, dass der Kreditnehmer einer solchen Erhöhung zustimmt, kann das Ausdruck einer Verschlechterung der Kreditwürdigkeit des betroffenen Unternehmens und damit Symptom einer beginnenden oder sich vertiefenden Unternehmenskrise sein. Der folgende Beitrag zeigt auf, wie mit solchen Situationen konstruktiv umgegangen werden kann.

Erhöht ein Kreditinstitut die Zinsen für den an ein Unternehmen ausgereichten Kredit oder eine ausgereichte Kreditlinie, obwohl die Zinssätze für vergleichbare Kredite am Kapitalmarkt gleichgeblieben oder sogar gefallen sind, kann hierin ein Indiz für den Beginn oder die Vertiefung einer vom Kreditinstitut erkannten Unternehmenskrise liegen. Denn eine beginnende oder sich vertiefende Unternehmenskrise bedeutet für die Gläubiger des betreffenden Unternehmens, also auch seiner Kreditgeber eine Erhöhung ihres Ausfallrisikos.

Mögliche Gründe für die Verschlechterung der Zinskonditionen

Das bedeutet erstens, dass die eigenen Kosten der Kreditinstitute für betreffende Finanzierungen, welche neben den reinen Refinanzierungskosten auch das kalkulatorische Ausfallrisiko beinhalten, steigen. Zweitens sind Kreditinstitute rechtlich dazu angehalten, Kreditengagements, die ein hohes Ausfallrisiko beinhalten, mit einem höheren Eigenkapitalanteil zu unterlegen als solche mit einem geringen oder mittleren Ausfallrisiko. Ein sich verschlechterndes Rating eines Kredites macht daher für das Kreditinstitut die Erhöhung des dem Engagement zu unterlegenden Eigenkapitalanteils erforderlich, was die Kreditkosten ebenfalls erhöht. Andererseits können Kreditinstitute bei einer sich verschlechternden Bonität ihres Kreditnehmers davon ausgehen, höhere Zinsmargen durchsetzen zu können, weil seine Möglichkeiten, sich am Markt anderweitig zu günstigeren Konditionen zu finanzieren, abnehmen bzw. schon nicht mehr bestehen.

Außerdem kann die Motivation eines Kreditinstitutes für die Erhöhung der Zinsmarge sogar darin begründet liegen, den betreffenden Kreditnehmer dazu zu motivieren, die Kreditinanspruchnahme bei dem betreffenden Kreditinstitut von sich aus zurückzuführen und verstärkt auf anderweitige Finanzierungsquellen zurückzugreifen, solange solche noch bestehen. Man spricht dann von „Abwehrkonditionen". Denn für ein Kreditinstitut ist die Kündigung einer Kreditlinie, die ohnehin nicht mehr in Anspruch genommen wird, sowohl in wirtschaftlicher, als auch in rechtlicher Hinsicht deutlich weniger risikobehaftet, als die Kündigung einer voll in Anspruch genommenen Kreditlinie. Vor diesem Hintergrund ist es für das betreffende Unternehmen in derartigen Situationen regelmäßig auch nicht empfehlenswert, auf eine Zinserhöhung nur in der Weise zu reagieren, dass die betreffende Kreditlinie zurückgefahren und nur noch in Anspruch genommen wird, wenn und solange alle anderen Liquiditätsquellen erschöpft sind. Denn in solchen Fällen besteht ein erhebliches Risiko, dass die nicht in Anspruch genommenen Teile der Kreditlinie sukzessive gestrichen werden.

Zu klärende Punkte im Rahmen der Sachverhaltsanalyse

Vor diesem Hintergrund sollte sich die Geschäftsführung eines Unternehmens, dessen Kreditgeber die Zinsmargen erhöhen, zunächst mit folgenden Fragen beschäftigen:

• Was ist das Motiv für die Erhöhung der Zinsmarge?

• Besteht die Möglichkeit, den Kreditgeber dazu zu bewegen, von der Erhöhung der Zinsmarge Abstand zu nehmen?

• Ist der Kreditgeber dazu berechtigt, die Zinsmarge einseitig zu erhöhen oder die weitere Kreditgewährung von einer Zustimmung des Unternehmens zur Erhöhung der Zinsmarge abhängig zu machen?

• Ist das Unternehmen auf die Inanspruchnahme des betreffenden Kredits angewiesen?

• Sind andere Kreditgeber bereit, die benötigten Finanzierungsmittel zu günstigeren Konditionen zu gewähren, indem sie ihr Kreditengagement erhöhen oder erstmals ein Kreditverhältnis mit dem Unternehmen eingehen?

Die Beantwortung der beiden ersten Fragen kann in der Regel nur im Rahmen eines Gesprächs mit dem betreffenden Kreditinstitut erfolgen.

Vorbereitung des Gesprächs mit dem Kreditgeber

Zur Vorbereitung dieses Gesprächs sollte zumindest über die vorstehenden Fragen 3 und 4 sowie über folgende Punkte Klarheit geschaffen werden:

• Wurde der betreffende Kredit befristet gewährt oder wurde er nur unbefristet (bis auf Weiteres) eingeräumt und kann mithin jederzeit gekündigt werden?

• Wurde ein Festzinssatz, ein variabler Zinssatz oder eine Zinsgleitklausel (z. B. 3-Monats-Euribor + Marge) vereinbart?

• Wie hoch war die Zinsmarge zum einschlägigen Referenzzins bei Beginn des Kreditverhältnisses und wie hoch war sie zuletzt?

• Wurden (rechtswirksam?) Kreditsicherheiten bestellt und wie hoch ist ihr aktueller Wert im Falle eines Insolvenzszenarios?

• Hat sich das Kreditausfallrisiko auch unter Berücksichtigung etwa bestellter Sicherheiten seit Einräumung bzw. Ausreichung des Kredits erhöht oder droht eine Erhöhung des Ausfallrisikos?

• Welchen Anteil hat der betreffende Kredit und welchen Anteil hat das betreffende Kreditinstitut am Fremdkapital des Unternehmens?

• Was kann man dem Kreditinstitut anbieten, um eine möglichst langfristige Zinsfestschreibung auf einem für das Unternehmen vertretbaren Niveau zu erreichen?

Mögliche Verhandlungsansätze

Unter Umständen kann bereits die vorgeschaltete Rechtsprüfung ergeben, dass das Kreditinstitut zur Erhöhung des Zinssatzes nicht berechtigt ist. In solchen Fällen kann es gelingen, das Kreditinstitut bereits durch einen Hinweis auf die Rechtslage dazu zu bringen, von der Zinserhöhung Abstand zu nehmen. Zu einer Verbesserung der Geschäftsbeziehung trägt ein solcher Verhandlungsansatz allerdings in den seltensten Fällen ein. Er sollte deshalb nur gewählt werden, wenn man sich sicher ist, auf eine Finanzierung durch das betreffende Kreditinstitut über die bereits vereinbarte Laufzeit hinaus nicht angewiesen zu sein. Andernfalls sollte das Gespräch zunächst darauf ausgerichtet sein, die Gründe für die Erhöhung der Zinsmarge zu erfahren und, darauf aufbauend, Möglichkeiten für deren einvernehmliche Beseitigung zu sondieren, z. B. durch eine Verbesserung der Kennzahlen des Unternehmens oder der Besicherungssituation des Kreditinstituts. Soweit sich dies nicht erreichen lässt, sollte angestrebt werden, zumindest für die Zukunft eine Zinsfestschreibung zu vereinbaren, welche dem Unternehmen Planungssicherheit bezüglich der Zinsentwicklung bietet.

Notwendige Konsequenzen bei erkannter Verschlechterung der Kreditwürdigkeit

Stellt sich heraus, dass die angestrebte Zinserhöhung letztlich darauf abzielt, das Unternehmen zu einer Verringerung der Kreditinanspruchnahme oder sogar einer Beendigung des Kreditverhältnisses zu motivieren, begründet das oftmals ein ernstzunehmendes Indiz für einen bereits fortgeschrittenen Verlust der Kreditwürdigkeit und damit der Fremdfinanzierungsfähigkeit des Unternehmens. In solchen Fällen führt Nichtstun häufig auf direktem Weg in die Liquiditätskrise.

In einer solchen Situation ist es daher geboten, sämtliche Maßnahmen auf den Prüfstand zu stellen, welche geeignet sein können, die Bonität, vor allem aber auch die freie Liquidität des Unternehmens kurzfristig zu erhöhen. Insbesondere folgende Maßnahmen kommen in Betracht:

• Optimierung von Debitoren- und Kreditorenmanagement,

• Prüfung bisher nicht erschlossener Liquiditätsquellen, z. B. Leasing, Factoring, Fine Trading,

• Prüfung möglicher „Quick wins" im operativen Geschäft,

• Optimierung des Reportings und

• Verstärkung der Eigenkapitalbasis durch Zuführung von Eigenkapital oder Rangrücktrittserklärungen.

Darüber hinaus kann es bereits angezeigt sein, ein Sanierungskonzept zu entwickeln, dieses allen wesentlichen Gläubigern vorzustellen und auf diese Weise eine Sanierungsvereinbarung unter Einbindung aller Stakeholder anzustreben. Denn das ist der probateste Weg, um sicherzustellen, dass sich alle wesentlichen Gläubiger an der Sanierung beteiligen, indem sie zumindest ihre bisherigen Engagements aufrechterhalten, und zwar zu Bedingungen, welche eine Sanierung überwiegend wahrscheinlich machen.

RA Jochen Rechtmann, Geschäftsführer der Buchalik Brömmekamp Unternehmensberatung GmbH und Partner der Buchalik Brömmekamp Rechtsanwälte | Steuerberater