Das erfolgreiche Eigenverwaltungsverfahren der Oehmetic – Wachsam Wandlungsfähiger

Ulrich Oehm kennt viele Krisen, aber weder Furcht noch Flucht davor. Die eigene Misere traf den Unternehmensführer jedoch plötzlich und unerwartet.

Die Gemeinde Wilnsdorf klingt spürbar stolz auf ihre „gesunde Entwicklung“, seitdem elf Ortsteile den heute rund 21.000-Einwohner-Ort bilden. Das Porträt auf der kommunalen Website nennt zuerst den „Anstieg der Zahl der Arbeitsplätze“: von 2.000 auf 6.000. Die Liste der Firmen führt Industriebetriebe auch aus  Maschinenbau und Metallverarbeitung auf – allerdings nicht die Oehmetic GmbH. Dabei hat das Unternehmen doch ungewöhnlich Großes geleistet, um nach Totalschaden den Turnaround zu schaffen. Den Prozess begleitet hat Dirk Eichelbaum, Geschäftsführer der Buchalik Brömmekamp Rechtsanwaltsgesellschaft und Sanierungsexperte für die Autobranche. Auf Anfrage sagt er rückblickend: „Oehmetic verfügt zwar weder über Marken noch über Patente, macht dies aber über Qualität, Tempo und Liefertreue wett. Wenn es dem Zulieferer weiter gelingt, die Produktivität zu steigern und die Unabhängigkeit von der Fahrzeugindustrie zu verstärken, sehe ich gute Chancen für die nachhaltige Zukunftsfähigkeit.“ Für die Transformation „in einem äußerst schwierigen Wettbewerbsumfeld“ der Automotivsparte lobt er die Flexibilität der erfahrenen und kompetenten Belegschaft, als tollen Treiber des Wandels aber vor allem den Inhaber, „der die Sanierung in Eigenverwaltung wie geplant und überzeugend“ umgesetzt habe. …

Viel Aufklärungsarbeit zur geplanten Insolvenz, eine offene Kommunikation gegenüber allen Anspruchsgruppen, mehrere Besuche bei den größten Kundengruppen und wöchentliches Reporting – all dies sei zusätzlich zu leisten gewesen, erinnert sich Ulrich Oehm an 18-Stunden-Tage für den Vertrauensaufbau. Aber dafür bleiben Aufträge erhalten, „obwohl unsere Kunden damit das Risiko eingegangen sind, dass sie sich Ärger mit OEM einhandeln, wenn’s mit uns nicht klappt“. Das Mitziehen der Mitarbeiter beeindruckt ihn noch heute, denn trotz seiner Aufforderung „Keiner soll gehen!“ ist für gute Fachkräfte das Angebot zum Wechsel im Umkreis groß.

Kämpfen bis zur Kehrtwende

Das Bleiben wird belohnt: Als das Amtsgericht Siegen das Verfahren im August 2016 aufhebt, gilt das Unternehmen als saniert und entschuldet. Schon zu dem Zeitpunkt ist der Auftragseingang gegenüber Vorjahr um zwölf Prozent gestiegen – inklusive 40 Neuprojekten. Auch die Zahl der Beschäftigten wuchs wieder auf mehr als 130 Oehmeticer, die laut Slogan nun in doppeltem Sinn für „Präzision. Kraft. Individualität“ stehen. „Wir waren die Ersten im Siegerland, die ein solches Verfahren auf diese Weise durchgezogen haben, und wollten ein Scheitern einfach nicht zulassen“, spricht dann doch noch Stolz aus Ulrich Oehm – auf sein Team. Kämpfen bis zur Kehrtwende – was aber hat er in eigener Sache und übertragbar für andere Unternehmer daraus gelernt? „Erstens: Vertrauen zu schaffen und darauf zu zielen, Kunden, Lieferanten und Geschäftspartner als ,Freunde‘ zu gewinnen. Zweitens: Wo der liebe Gott eine Tür zuschlägt, da öffnet er auch wieder ein Fenster. Drittens: Wir haben jetzt ein Partnernetzwerk von Umformbetrieben aufgebaut und einen Versicherungsschutz für Großschäden.“

Der Artikel ist in der return 04/17 erschienen.

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