Archiv der Kategorie: Allg. Rechtsberatung

Heidelberger Druckmaschinen AG plant bis zu 2.000 Stellen abzubauen – Folgen durch Corona noch nicht absehbar

Die Situation der Heidelberger Druckmaschinen AG war bereits vor der aktuellen Corona-Krise angespannt. Die sich seit letztem Jahr abzeichnende Konjunkturabkühlung hatte dem Unternehmen bereits schwer zugesetzt. Nun versucht das Unternehmen gegenzusteuern und den wegbrechenden Einnahmen durch eine umfangreiche Anpassung von Produktions- und Strukturkosten zu begegnen. Das Unternehmen selbst spricht von bis zu 2.000 Mitarbeitern, die europaweit im Zuge dieser Entwicklung ihren Job verlieren könnten. Auch Betriebsschließungen werden nicht ausgeschlossen. Inwieweit die Corona-Krise die wirtschaftlich schwierige Situation der Heidelberger Druckmaschinen AG vertieft und damit auch ein noch umfangreicherer Stellenabbau droht, ist derzeit noch nicht absehbar.

Der Verlust des Arbeitsplatzes ist ein einschneidendes Erlebnis mit weitreichenden Folgen. Warten Sie nicht bis zur Kündigung und informieren Sie sich bereits vorher bei unseren Experten über Ihre Rechte und Möglichkeiten. Wir unterstützen Sie dabei, das Bestmögliche für Sie aus der Situation herauszuholen. Die Höhe einer möglicherweise in Betracht kommenden Abfindung können Sie ganz unkompliziert mit unserem Abfindungsrechner berechnen.

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  • betriebsschliessung kraussmaffei

Auch Soforthilfen benötigen Zeit!

Der Chef der Bäckerei Bosselmann hat mit seinem viralen Video auf YouTube Millionen gerührt, und leider hat er nicht Unrecht mit seinem Vorwurf, dass die Aussagen der Politiker von der schnellen finanziellen Hilfe von Unternehmen in vielen Fällen später als angekündigt, wenn nicht gar zu spät, kommen werden.

Dies hängt nicht zwingend nur an der Politik, die mit Hochdruck daran arbeitet, die neuen gesetzlichen Rahmenbedingungen zu gestalten, damit überhaupt Darlehen an Unternehmen in Schwierigkeiten vergeben werden können. Der faktische Flaschenhals liegt bei den Hausbanken und Förderinstituten. Der Darlehensnehmer spricht mit seiner Hausbank (unterstellt er hat eine), und bringt idealerweise bereits die entsprechenden Entscheidungsunterlagen mit. Die Hausbank stößt einen eigenen Kreditgenehmigungsprozess an, da diese ein prozentuales Restrisiko aus der Finanzierung trägt. Unterstellt, parallel zu der eigenen Entscheidung, wird die Entscheidung der Förderbank, sei es ein Landesförderinstitut oder die KfW, sofort beantragt, dauert allein dieser Prozess in Zeiten, in denen viele Anträge auf einmal gestellt werden und gleichzeitig der operative Prozess in der Bank durch Krankheiten oder Homeoffice beeinträchtigt ist, Tage, wenn nicht sogar Wochen.

Mit der positiven Entscheidung ist es aber nicht getan. Vielmehr muss diese auch noch im Rahmen eines Darlehensvertrages umgesetzt werden, unter Umständen zusammen mit der Vereinbarung von Sicherheiten. Erst nach Unterzeichnung und Erfüllung der im Vertrag aufgeführten Auszahlungsvoraussetzungen kann das Darlehen ausgezahlt werden. Dieser Prozess zeigt, dass die Versprechen der Politik wahrscheinlich nicht in böser Absicht, aber in Unkenntnis des administrativen und regulatorischen Aufwandes abgegeben wurde.

Jedem, der auf Mittel angewiesen ist, kann deshalb nur angeraten werden, zusammen mit seinen Gläubigern erst einmal Zeit zu gewinnen, z.B. durch Stundungen oder Aussetzungen von Zahlungen. Jeder Gläubiger braucht auch zukünftig noch Vertragspartner, mit denen er Geld verdient. Auch Kurzarbeitergeld und Steuerstundungen sind möglich. Außerdem wird die Insolvenzantragspflicht für Unternehmen ausgesetzt, die aufgrund der Corona-Krise antragspflichtig werden.

Für Kleinstunternehmen und Verbraucher arbeitet die Politik auch an weiteren Optionen, wie z.B. Leistungsverweigerungsrechte für Verbraucher und Kleinstunternehmen im Rahmen von Dauerschuldverhältnissen, die Aussetzung von Kündigungsrechten für Mieter und die Einschränkung von Kündigungsrechten für Banken sowie gesetzliche Stundungsregelungen bei Verbraucherdarlehen. Auch wird die Politik für diese Gruppe kurzfristig schnelle finanzielle Soforthilfe liefern, die nicht durch einen langfristigen Genehmigungsprozess laufen müssen.

Corona und Fußball – Dr. Utz Brömmekamp am 22.03.20 in Live-Talkrunde „Doppelpass“ auf Sport1

Wie wirkt sich die Corona-Pandemie auf den (deutschen) Fußball aus? Betreibt der DFB ein sinnvolles Krisenmanagement und was, wenn Vereine nun von der Insolvenz bedroht sind? Antworten auf diese und viele weitere Fragen werden im Rahmen des Live-Talks „Doppelpass“ bei Sport1 am kommenden Sonntag um 11:00 Uhr diskutiert. Dr. Utz Brömmekamp wird die Talkrunde rund um Moderator Thomas Helmer aus Beratersicht ergänzen. Durch seine Aufsichtsratstätigkeit beim MSV Duisburg ist er dem Profifußball eng verbunden und als krisenerprobter Fußballspezialist gefragt.

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  • brömmekamp Düsseldorf Sport 1 msv

Corona-Virus – Was Arbeitnehmer wissen müssen – Fragen und Antworten

Darf ich von Zuhause aus arbeiten, also Home-Office machen?

Sofern es an Ihrer Arbeitsstelle keine Infektionen oder konkrete Verdachtsfälle gibt, dürfen Sie nicht ohne vorherige Absprache mit ihrem Arbeitgeber von Zuhause aus arbeiten. Stimmen Sie sich hierzu also mit ihrem Arbeitgeber ab.

Bekomme ich mein Entgelt fortgezahlt, wenn ich in Quarantäne bin?

Da der Arbeitnehmer die Arbeitsleistung, zu der er sich vertraglich verpflichtet hat, nicht erbringt, besteht auch kein Entgeltanspruch. Wohl aber hat er einen Entschädigungsanspruch gegen das Land, welches die Quarantäne angeordnet hat. In der Praxis verhält es sich aber so, dass der Arbeitgeber diese Entschädigungszahlung zunächst anstelle des Landes vornimmt und später das Land auf Erstattung in Anspruch nimmt.

Darf ich vorsorglich zum Schutz vor einer Ansteckung der Arbeit fernbleiben?

Sofern Sie selbst nicht krank sind und auch keine Quarantäne für Sie angeordnet wurde, müssen Sie zur Arbeit erscheinen und Ihre Arbeitsleistung erbringen. Nur in den obigen Fällen, zum einen aufgrund einer Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung bzw. zum anderen aufgrund der behördlichen Anordnung, ist ein Fernbleiben vom Arbeitsplatz gerechtfertigt. Gegenteiliges Verhalten kann zu arbeitsrechtlichen Sanktionierungen durch den Arbeitgeber, Abmahnung und Kündigung, führen.

Darf ich zur Betreuung meines Kindes zu Hause bleiben?

Vor dem Hintergrund, dass aktuell Schulen und Kindertagesstätten geschlossen sind, stellt sich für viele Arbeitnehmer, insbesondere alleinerziehende Eltern, das Problem der Kinderbetreuung. Unabgesprochen darf ein Arbeitnehmer nicht der Arbeit fernbleiben, nur um sich um die Betreuung des Kindes zu kümmern. Die Eltern bleiben für die Betreuung ihres Kindes verantwortlich. Allerdings wird es Eltern von Kindern unter zwölf Jahren erlaubt sein, zu Hause zu bleiben, wenn Sie nachweisen können, dass sie sich erfolglos um eine Betreuung bemüht haben. Ergänzend ergänzende Informationen hierzu finden Sie zu meinem Rechtstipp, der sich explizit ausschließlich mit diesem Thema beschäftigt.

Wichtig in diesem Zusammenhang ist jedenfalls die Abstimmung mit dem Arbeitgeber.

Darf der Arbeitgeber gegen meinen Willen Urlaub anordnen?

Nach dem Bundesurlaubsgesetz hat der Arbeitgeber die Wünsche des Arbeitnehmers im Hinblick auf die Lage des Urlaubs zu berücksichtigen. Gegen den Willen des Arbeitnehmers kann der Arbeitgeber keinen Urlaub anordnen. Gewährt er dennoch Urlaub muss der Arbeitnehmer die Annahme des Urlaubs verweigern und für einen anderen Zeitraum Urlaub beantragen.

Datenschutz bei M&A-Prozessen beachten / Share- oder besser Asset-Deals? – Dirk Eichelbaum in Armaturen Welt

Die Spielregeln für Unternehmensverkäufe haben sich seit Ende Mai 2018 grundlegend geändert. Derzeit erfreuen sich Mergers & Acquisitions (M&A-Prozesse) einer großen Beliebtheit. Beim Begriff M&A handelt es sich um den Sammelbegriff für Unternehmenstransaktionen in mehreren möglichen Ausgestaltungsformen. Diese haben gerade aus den verschiedensten Gründen Hochkonjunktur. Das gilt auch für Restrukturierungsfälle oder bei insolventen Unternehmen. Die seit dem 25. Mai 2018 geltende Datenschutz- Grundverordnung (DSGVO) und das neugefasste Bundesdatenschutzgesetz (BDSG-neu) veränderten die hierbei zu beachtenden Spielregeln grundlegend. Ein Überblick von Dirk Eichelbaum, Rechtsanwalt und Fachanwalt für Insolvenzrecht, und Geschäftsführer Buchalik Brömmekamp Rechtsanwaltsgesellschaft mbH.
Unter dem neuen Datenschutzrecht ist es nicht mehr ohne weiteres sanktionslos möglich, unternehmensrelevante Daten in virtuelle Datenräume für Dritte sichtbar einzustellen. Die Handhabe für M&A-Berater wird folglich erschwert; Investoren droht, „die Katze im Sack“ kaufen zu müssen.

Lesen Sie den kompletten Artikel Datenschutz bei M&A-Prozessen beachten / Verstöße sind Straftat / Share oder besser Asset Deals?

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  • m?belbranche umsatzentwicklung

Bundesrat stellt Gesetz zur Steuerbefreiung von Sanierungsgewinnen vor

  • Regelung schafft Klarheit in der Sanierung von Unternehmen

Düsseldorf. 6. März 2017. Der Bundesrat wird in seiner Sitzung am 10. März über eine gesetzliche Regelung der Steuerbefreiung von Sanierungsgewinnen für die Einkommen-, Körperschaft- und Gewerbesteuer beraten. Nachdem der BFH in einer Grundsatzentscheidung den seit 2003 geltenden Sanierungserlass des Bundesfinanzministeriums Anfang Februar 2017 gekippt hatte, weil es nach seiner Auffassung an einer gesetzlichen Grundlage dafür fehle, soll nun ein Gesetz für die Steuerbefreiung geschaffen werden. „Der Sanierungserlass war die Grundlage einer Vielzahl von Sanierungen insbesondere unter dem ESUG. Wir begrüßen, dass der Gesetzgeber hier schnell Klarheit schaffen will und die Rettung von kriselnden Unternehmen im Rahmen einer Sanierung weiter forciert“, erklärt Robert Buchalik, Vorsitzender des Bundesverbandes ESUG und Geschäftsführer der Buchalik Brömmekamp Rechtsanwaltsgesellschaft mbH.

Die Ausschüsse für Finanzen und für Wirtschaft des Bundesrates stellen mehrere Kernpunkte in dem Gesetzentwurf vor. Zunächst wird die Steuerbefreiung für Sanierungsgewinne neu geregelt. Die Steuerbegünstigung erfolgt auf Antrag des Steuerpflichtigen. Der Begriff des Sanierungsgewinns wird dabei definiert als Schuldenerlass zum Zwecke einer unternehmensbezogenen Sanierung. Mit dem Begriff der unternehmensbezogenen Sanierung hält der Vorschlag an der bisherigen Praxis fest, dass eine unternehmerbezogene Sanierung, d.h. ein Schulderlass, um dem Unternehmer einen schuldenfreien Neustart ohne Fortführung des Unternehmens zu ermöglichen, nicht von der Steuervergünstigung umfasst wird.

In Übereinstimmung mit dem bisherigen Sanierungserlass werden vier Voraussetzungen gefordert. Die Sanierungsbedürftigkeit des Unternehmens, die Sanierungsfähigkeit des Unternehmens, die Eignung des Schuldenerlasses als Sanierungsmaßnahme und die Sanierungsabsicht der Gläubiger. Darüber hinaus soll der Gesetzesvorschlag um ein weiteres Kriterium ergänzt werden. Das „Handeln der Gläubiger aus betrieblichen Gründen“. Dieses Kriterium dient der Abgrenzung von Schulderlassen nahestehender Personen, z. B. von Angehörigen oder verbundenen Unternehmen.

Wird ein Antrag auf Steuerbefreiung von Sanierungsgewinnen gestellt, so ergeben sich Einschränkungen bei der steuerlichen Nutzung von Verlusten:

  • Sämtliche Verlustvorträge aus Vorjahren entfallen.
  • Verluste des laufenden Jahres können nicht mit anderen Gewinnen außer dem Sanierungsgewinn saldiert werden.
  • Beide Folgen gelten auch, soweit die entsprechenden Beträge den Betrag des Sanierungsgewinns übersteigen.

Kosten, die mit einem steuerfreien Sanierungsgewinn in unmittelbarem wirtschaftlichen Zusammenhang stehen, dürfen nicht steuermindernd geltend gemacht werden.

Der Gesetzentwurf soll auch einen seit Jahren langwierigen Abstimmungsprozess bei der erfolgreichen Sanierung von Unternehmen beseitigen. So liegt die Zuständigkeit für die Stundung oder den Erlass von Einkommen- und Körperschaftsteuer bei den Finanzämtern. Für Billigkeitsmaßnahmen im Bereich der Gewerbesteuer sind hingegen die Gemeinden verantwortlich. Derselbe Sachverhalt wurde demnach doppelt geprüft, einmal von der Finanzbehörde und zum anderen von der zuständigen Gemeinde für die Gewerbesteuer. Nicht immer haben sich die Gemeinden der Auffassung der Finanzämter angeschlossen, so dass in Einzelfällen erhebliche Steuern auf den Sanierungsgewinn bei der Gewerbesteuer drohten. Die neuen Regelungen sollen deshalb auch für die Gewerbesteuer gelten und rückwirkend in allen noch nicht endgültig veranlagten Fällen Anwendung finden. Damit wird auch die bislang geltende Unsicherheit im Hinblick auf die Gewerbesteuer beseitigt.

Die gesetzlichen Regelungen stehen allerdings unter dem Vorbehalt der Zustimmung der Europäischen Kommission, die sich zu der bislang nicht abschließend geklärten Frage, ob es sich um eine unzulässige Beihilfe handelt, äußern muss. „Sollte die EU-Kommission darin tatsächlich eine unzulässige Beihilfe sehen, würde nicht nur die Möglichkeiten einer Sanierung im Rahmen eines Insolvenzplanverfahrens einen herben Rückschlag erleiden, sondern auch das von der EU-Kommission forcierte präventive Sanierungsverfahren in der Bedeutungslosigkeit verschwinden. Auch deshalb und weil die Voraussetzungen für eine unzulässige Beihilfe nicht erfüllt sind, rechnen wir damit, dass die EU darin keine unzulässige Beihilfe sehen wird“, so Robert Buchalik.

 

Hintergrund Sanierungserlass

Bis 1997 waren Sanierungsgewinne in voller Höhe steuerfrei. Verzichten Gläubiger voll oder teilweise auf ihre Forderungen erhöht sich das Betriebsvermögen und das ist grundsätzlich steuerbar. Voraussetzung war die Sanierungsbedürftigkeit des Unternehmens, der volle oder teilweise Erlass seiner Schulden, die insoweit bestehende Sanierungsabsicht der Gläubiger sowie die Sanierungseignung des Schuldenerlasses. Seit 1997 ist ein Sanierungsgewinn demgegenüber grundsätzlich steuerpflichtig. 2003 führte das Finanzministerium mit dem Erlass die Steuerbefreiung wieder ein.

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  • neues gesetz zum sanierungsgewinn

Buchalik in Börsenzeitung: Kritik an Zunft der Insolvenzverwalter – Stigma der Insolvenz problematisch

Mit dem ESUG (Gesetz zur weiteren Erleichterung der Sanierung von Unternehmen) hat der Unternehmer einen neuen Weg aus der Krise erhalten. Die Regelungen sollen das Insolvenzverfahren planbar machen und die Unternehmer motivieren, frühzeitig eine Sanierung zu starten. Die Bilanz nach fünf Jahren: Das Gesetz hat seine Ziele teilweise erreicht. Rund 1300 Unternehmer haben bisher ein Eigenverwaltungsverfahren im Rahmen des ESUG genutzt. Das Potenzial ist jedoch dreimal so hoch. Hinderungsgrund ist weiterhin das Stigma der Insolvenz. Sanierungsberater Robert Buchalik zieht in der Börsenzeitung positive Bilanz nach fünf Jahren ESUG.

Das komplette Interview in der Börsenzeitung lesen Sie hier

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  • kritik buchalik brömmerkamp

Robert Buchalik zu 5 Jahre ESUG: Stigma der Insolvenz verhindert immer noch viele Firmenrettungen

Mit dem ESUG (Gesetz zur weiteren Erleichterung der Sanierung von Unternehmen) hat der Unternehmer einen neuen Weg aus der Krise erhalten. Die Regelungen sollen das Insolvenzverfahren planbar machen und die Unternehmer motivieren, frühzeitig eine Sanierung zu starten. Die Bilanz nach fünf Jahren: Das Gesetz hat seine Ziele teilweise erreicht. Rund 1300 Unternehmer haben bisher ein Eigenverwaltungsverfahren im Rahmen des ESUG genutzt. Das Potenzial ist jedoch dreimal so hoch. Hinderungsgrund ist weiterhin das Stigma der Insolvenz.

Deutlich mehr als 20 000 Unternehmen gehen in Deutschland in jedem Jahr in die Insolvenz. Damit werden regelmäßig Werte in Milliarden-Höhe und mehr als 100 000 Arbeitsplätze vernichtet. In vielen Fällen müsste es nicht so weit kommen. Mehrere tausend insolvenzgefährdete Unternehmen wären zu retten, wenn die Verantwortlichen frühzeitig die Option einer Sanierung unter Insolvenzschutz in ihre Überlegungen einbeziehen würden. Stattdessen meiden viele Unternehmen ein gerichtliches Verfahren. Sie melden erst Insolvenz an, wenn auch die letzten finanziellen Reserven erschöpft sind. Für eine Sanierung in Eigenverwaltung ist es dann häufig zu spät.

Um das zu ändern, trat am 1. März 2012 das Gesetz zur weiteren Erleichterung der Sanierung von Unternehmen (ESUG) in Kraft. Damit wollte der Gesetzgeber die Stigmatisierung der Insolvenz überwinden und Unternehmen in einer Krisensituation den Weg ebnen, sich über eine Insolvenz zu sanieren. Gleichzeitig sollte der Gang durch die Insolvenz für den Insolvenzschuldner berechenbar werden. Fünf Jahre nach der Reform des Insolvenzrechts ist dieses Ziel erst teilweise erreicht. „Viele Unternehmen lassen sich inzwischen zielgerichtet und frühzeitig über die Möglichkeiten einer Sanierung im Rahmen des ESUG beraten. Aber noch immer zögert die überwiegende Zahl der Betroffenen zu lange, sich mit der Insolvenz als Sanierungschance zu beschäftigen. Viele kennen diese Option auch noch gar nicht“, stellt Sanierungsexperte Robert Buchalik, Geschäftsführer des Düsseldorfer Beratungsunternehmens Buchalik Brömmekamp, fest.

Auch bei der vorläufigen Eigenverwaltung oder dem Schutzschirmverfahren handelt es sich um ein Insolvenzverfahren. Allerdings räumt das ESUG Unternehmen, die sich frühzeitig unter den Schutz des Insolvenzrechts stellen, eine Vielzahl von Sondervergünstigungen ein, damit die Sanierung gelingt und Arbeitsplätze erhalten werden. So bleibt die Geschäftsführung im Amt und vertritt das Unternehmen auch weiterhin nach außen – allerdings unter Aufsicht eines (vorläufigen) Sachwalters. Löhne und Gehälter werden bis zu drei Monaten aus den Mitteln des Insolvenzgelds vorfinanziert. Die dadurch gesparte Liquidität kann voll für die Sanierung eingesetzt werden. Zudem kann sich das Unternehmen unter Insolvenzschutz aus ungünstigen, auch langfristigen Verträgen durch einfache Erklärung lösen. Ein Sanierungskonzept bedarf nicht der Zustimmung aller Gläubiger, sondern kann auch mit Mehrheit durchgesetzt werden. Während der Dauer des Verfahrens ist das Unternehmen vor Eingriffen der Gläubiger geschützt.

„Unternehmen in einer Krisensituation, die ausreichend Liquidität haben, um die Verfahrenskosten zu finanzieren und ein belastbares operatives Sanierungskonzept umsetzen, gehen regelmäßig gestärkt aus einem Eigenverwaltungsverfahren hervor“, sagt Buchalik. Im vergangenen Jahr nutzten etwa 250 insolvenzgefährdete Unternehmen diese Option zur Sanierung. „Das zeigt, dass das Thema ESUG in der Breite angekommen ist. Denn von den knapp 22 000 Unternehmen, die im vergangenen Jahr in die Insolvenz gingen, eigneten sich allenfalls 500 bis 600 für ein solches Verfahren“, stellt Buchalik fest. Bei der überwiegenden Zahl der Unternehmensinsolvenzen handelt es sich üblicherweise um sehr kleine Betriebe. Ein Eigenverwaltungsverfahren lässt sich dagegen meist nur bei Unternehmen mit einer Mindestgröße von 20 Mitarbeitern sinnvoll durchführen.Nach Einschätzung von Buchalik würden die Sanierungsmöglichkeiten im Rahmen des ESUG noch stärker genutzt, wenn Industrie- und Fachverbände besser darüber informieren würden. In manchen Branchen, etwa in der Bauwirtschaft oder im Einzelhandel, seien Eigenverwaltungsverfahren erst wenig bekannt. Auch würden insolvenzgefährdete Unternehmen häufig falsch beraten. „Unternehmer gehen in der Krise oft zu einem Insolvenzverwalter. Die haben jedoch kein großes Interesse, ein Eigenverwaltungsverfahren durchzuführen. Viel lieber begleiten sie ein Unternehmen in die Regelinsolvenz. Das ist weniger komplex und verspricht in vielen Fällen ein deutlich höheres Honorar“, beobachtet Buchalik.

Nach seiner Einschätzung ist eine Insolvenz in Deutschland nach wie vor ein Stigma. Sie werde gleichgesetzt mit Versagen. In vielen anderen Ländern, insbesondere in Amerika, sei das ganz anders. Dort gelte es als wertvolle Erfahrung, eine Insolvenz durchlebt zu haben. Niemand werde deshalb geächtet. So seien auch Apple-Gründer Steve Jobs, Henry Ford oder Walt Disney mehrfach gescheitert, bevor sie ihren Durchbruch schafften.

Weil ein gerichtliches Verfahren nach wie vor stigmatisiert ist, wünschen sich große Teile des deutschen Mittelstands ein gesondertes, nicht mehr in der Insolvenzordnung eingebettetes Restrukturierungsverfahren. Das zeigen entsprechende Befragungen. Die Europäische Kommission hat im vergangenen Jahr einen entsprechenden Richtlinienvorschlag veröffentlicht. Die Bundesregierung wird dazu 2017 einen Gesetzesentwurf vorlegen. „Ein solches Verfahren wird allerdings nicht die Möglichkeiten eines Insolvenzplanverfahrens bieten. Der entscheidende Vorteil in der Eigenverwaltung ist, dass man sich leichter von Altlasten und unrentablen Langfristverträgen trennen kann. Vorinsolvenzlich geht das nicht, weil beispielsweise die Rechte der Mitarbeiter nicht angetastet werden dürfen“, sagt Buchalik.

Das komplette Interview mit Robert Buchalik lesen Sie hier

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  • stigma insolvenz deutschland

Reserv GmbH erreicht weiteren Meilenstein in der Sanierung in Eigenverwaltung

  • Uwe Frick wird neue kaufmännischer Leiter

Prenzlau. 11. Dezember 2015. Die Sanierung der Reserv GmbH nimmt weiter Fahrt auf und hat mit der Eröffnung des Eigenverwaltungsverfahrens durch das Amtsgericht Neuruppin einen weiteren Meilenstein erreicht. Mit dem Verfahren soll das überregional tätige Dienstleistungsunternehmen wettbewerbsfähig aufgestellt werden. Die Eröffnung des Verfahrens in Eigenverwaltung beschließt das Gericht nur dann, wenn das Unternehmen realistische Chancen auf eine nachhaltige Sanierung und ein Fortführung hat. Das Besondere eines Eigenverwaltungsverfahrens ist, dass Geschäftsführerin Kirstin Düzel den Restrukturierungsprozess weiter eigenständig durchführen kann. Unterstützt wird Düzel durch den Berliner Sanierungsexperten Dr. Hubertus Bartelheimer von der Wirtschaftskanzlei Buchalik Brömmekamp. Der Geschäftsbetrieb läuft auch im eröffneten Verfahren unverändert weiter.

„Unser vorrangiges Ziel nach der Antragstellung Ende September war es, die Kunden von unserem Sanierungsweg zu überzeugen und sie für die Zukunft zu gewinnen. Das haben wir geschafft. Kunden und Lieferanten stehen zum Unternehmen und trotz des Verfahrens konnten wir den Auftragsbestand weiter halten“, zieht Dr. Bartelheimer ein erstes Fazit. Zusammen mit Kirstin Düzel und den Reserv-Mitarbeitern hat Bartelheimer ein 140-seitiges Sanierungskonzept entwickelt, das die Entschuldung der Reserv regelt und Maßnahmen zur Sanierung im ganzen Unternehmen aufzeigt.

Das Zukunftskonzept sieht in der Führungsetage einige Neuerungen vor. So hat Kirstin Düzel inzwischen die alleinige Geschäftsführung übernommen und zum Jahresanfang wird mit Uwe Frick ein neuer kaufmännischer Leiter seine Tätigkeit in dem Dienstleistungsunternehmen aufnehmen. Frick war zuvor Eigentümer des Autohauses Frick in Prenzlau. Die geplante Organisationsstruktur soll deutlich schlanker, die Prozesse im Unternehmen optimiert und die Geschäftsführung von operativen Tätigkeiten entlastet werden. So will sich Reserv künftig mehr auf das Kerngeschäft der Gebäudereinigung und der Objektpflege, zu dem auch der Winterdienst gehört, konzentrieren. Neben dem kommunalen Kunden, wie die Stadt Prenzlau, sollen deutlich mehr gewerbliche Kunden von den umfassenden Dienstleistungen der Reserv überzeugt werden. Dem Sanierungskonzept müssen nun die Gläubiger und das Gericht zustimmen.

„Der gewählte Weg in der Eigenverwaltung ist die beste Lösung für alle Beteiligten. Das haben mir unsere Lieferanten und Kunden immer wieder bestätigt“, erklärt Geschäftsführerin Düzel, „ein großer Dank gilt besonders meinen Mitarbeitern, die derzeit eine Doppelbelastung tragen. Zunächst arbeiten sie intensiv an den Veränderungen mit und dann muss natürlich die Tagesarbeit verrichtet werden. Es macht mich schon stolz, dass alle mit so viel Engagement dabei sind.“

Seit 2012 ermöglicht das ESUG (Gesetz zur weiteren Erleichterung der Sanierung von Unternehmen), ein Unternehmen auf Basis eines abgestimmten Zukunftskonzepts in Eigenverwaltung zu restrukturieren. Es handelt sich dabei um ein modernes Sanierungsverfahren, bei dem das Unternehmen erhalten werden soll. Die Geschäftsführung bleibt weiter im Amt und kann unter Aufsicht eines Sachwalters und des Gerichtes die notwendigen Schritte einleiten. Als Sachwalter hat das Amtsgericht Rechtsanwalt Christian Graf Brockdorff von der Kanzlei BBL Bernsau Brockdorff & Partner aus Potsdam bestellt.

Buchalik Brömmekamp mit neuen Standorten in Berlin und Dresden

  • Hubertus Bartelheimer wird Partner der Wirtschaftskanzlei

Düsseldorf/Berlin. 23. März 2015. Buchalik Brömmekamp eröffnet zum 1. Mai 2015 neue Standorte in Berlin und Dresden. Damit ist die auf Sanierung von Unternehmen spezialisierte Wirtschaftskanzlei in Düsseldorf, Frankfurt, der Bundeshauptstadt und Dresden mit eigenen Büros tätig und verstärkt ihre Präsenz in Ostdeutschland. Das Berliner und das Dresdner Büro mit insgesamt vier Rechtsanwälten wird Dr. Hubertus Bartelheimer leiten. Gleichzeitig wird Dr. Bartelheimer neben den Namensgebern Robert Buchalik und Dr. Utz Brömmekamp sowie Dr. Jasper Stahlschmidt Partner der Sozietät.

Rechtsanwalt Dr. Hubertus Bartelheimer führte seit 2008 zusammen mit seinem Partnerkollegen Dr. Christoph Junker die Insolvenzverwalterkanzlei Junker Bartelheimer und hat sich seit 2002 auf Insolvenzverwaltung und die wirtschaftsrechtliche Beratung von Unternehmen in der Krise, Sanierung und Insolvenz spezialisiert. Daneben ist er Gründer und stellvertretender Vorsitzender der Neuen Insolvenzverwaltervereinigung Deutschlands e.V. (NIVD). Seine Tätigkeit als Insolvenzverwalter, im Rahmen derer er insbesondere von den Gerichten Charlottenburg, Chemnitz, Cottbus, Dresden, Frankfurt / Oder, Leipzig und Potsdam regelmäßig bestellt wurde, gibt er auf. Seine laufenden mehrere hunderte Verfahren wird er durch Beauftragung der ebenfalls von Dr. Junker und ihm seit einigen Jahren betriebenen Insoshare Rechtsanwaltsgesellschaft mbH, einem Spezialdienstleister für Insolvenzverwalter, zu Ende führen.

„Ich freue mich, meine in 13 Jahren auf Verwalterseite gesammelten Erfahrungen durch den Wechsel zu Buchalik Brömmekamp künftig gezielt Unternehmen und Unternehmern zur Sanierung ihrer Gesellschaften zur Verfügung stellen zu können. Mein Wechsel auf die Beraterseite ist gleichzeitig eine Reaktion auf die weiter zunehmende Unberechenbarkeit des Verwaltergeschäfts in Zeiten des ESUG“, erklärt Dr. Bartelheimer seine Aufgabe der Verwaltertätigkeit. Robert Buchalik ergänzt: “Mit Dr. Bartelheimer haben wir einen sehr versierten Kollegen gewinnen können. Seine Erfahrung wird unsere Eigenverwaltungs- und außergerichtlichen Sanierungsverfahren weiter voranbringen, uns dabei unterstützen, unsere führende Marktposition als Berater in Eigenverwaltungsverfahren weiter auszubauen und uns insbesondere in den neuen Bundesländern stärker zu positionieren.“

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  • Bartelheimer 2015 Buchalik