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Bozidar Radner und Harald Kam: Lightversion für Sanierungsgutachten

Sanierungsgutachten steigern die Kooperationsbereitschaft aller Beteiligten und erhöhen die Sanierungswahrscheinlichkeit. Doch der Aufwand für ein solches Konzept ist enorm. Dabei können aus Zeit- und Kostengründen die Anforderungen an ein solches Gutachten heruntergeschraubt werden. Als „Lightversion“ reicht ein Konzept aus, das langfristig die Wettbewerbs- und Renditefähigkeit aufzeigt.

So unterschiedlich die Gründe für die Schieflage von Unternehmen auch sind, sie haben drei Dinge gemeinsam: kein Geld, keine Zeit zu handeln und kein Vertrauen der Stakeholder. Vor dem Hintergrund allgemeiner Marktunsicherheiten sowie strikterer Informationsanforderungen von finanzierenden Banken oder Stakeholdern stehen Unternehmen dann vor besonderen Herausforderungen.

Um die Wahrscheinlichkeit der Sanierung eines Unternehmens zu erhöhen, hat sich die Erstellung von Sanierungsgutachten mit der Einhaltung gewisser Sanierungsmindeststandards bewährt, wobei eine Prognose über die zukünftige Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens unverzichtbar ist.

Die Schaffung von Transparenz und damit das Zurückgewinnen des Vertrauens aller Stakeholder steht dabei zu Beginn einer jeden Sanierung.

Inhalte eines Sanierungskonzepts

Die Aufgabe eines Sanierungskonzepts ist es, die erforderlichen Maßnahmen zur Sanierung eines in der Krise befindlichen Unternehmens aufzuzeigen. Dazu wird zunächst
die wirtschaftliche Lage beurteilt und die Ursachen der Krise detailliert analysiert. Im sogenannten Leitbild wird festgelegt, wie das Unternehmen nach Umsetzung der Sanierungsmaßnahmen aufgestellt sein soll (Wettbewerbsposition und Wettbewerbsvorteile), um wieder erfolgreich am Markt agieren zu können. In der nachfolgenden integrierten GuV-, Bilanz- und Finanzplanung erfolgt der Nachweis der Umsetzbarkeit und Tragfähigkeit des geplanten Sanierungskonzepts. Es wird aufgezeigt, inwieweit das Unternehmen mit schrittweiser Umsetzung der Maßnahmen eine nachhaltige Rendite erwirtschaften kann und damit sanierungsfähig ist.

Wann überzeugt die Sanierungswahrscheinlichkeit in der Praxis alle Stakeholder?

Wettbewerbsfähigkeit als Sanierungsschlüssel 

Am Anfang eines tragfähigen Konzepts steht die Darlegung der Krisenursachen. Nur so ist die nachhaltige Rückgewinnung und Stärkung der Wettbewerbs- und Renditefähigkeit eines Unternehmens situationsgerecht zu leisten. Ebenso werden hierdurch in der Regel die Analyseschwerpunkte definiert.

Im Mittelpunkt der Beurteilung des Unternehmens steht seine zukünftige Wettbewerbsfähigkeit. Es muss in der Lage sein, nachhaltig eine branchenübliche Rendite zu erwirtschaften. Die Sicherstellung dieser Wettbewerbsfähigkeit beruht dabei auf der Optimierung der Leistungswirtschaft (insbesondere Working-Capital-Management,  Kostensenkungsmaßnahmen, Kapazitätsanpassungen, Portfoliobereinigung). Gefordert ist hier die ganzheitliche Betrachtung der Wertschöpfungskette. Wettbewerbsfähig ist nur, wer die renditestarken Produkte der Unternehmung forciert und unprofitable Leistungen eliminiert. Die hierfür notwendige Transparenz in Form von Sparten- und/oder Deckungsbeitragsrechnungen ist zu schaffen. Ansonsten droht das Risiko von Fehlentscheidungen. Dabei ist es zwingend erforderlich, den relevanten Markt abzugrenzen. Die Anforderungen der Kunden müssen ebenso bekannt sein wie die Wettbewerbsstruktur des zu bearbeitenden Segments.

Um einer Marktverdrängung vorzubeugen, ist die Konzentration auf wesentliche strategische Erfolgsfaktoren wichtig. Es gilt, den richtigen Produkt-/Kundenmix zu definieren. Zentrale Kriterien dabei können beispielsweise das Qualitätsniveau, der geleistete Serviceumfang und die Innovationskraft der vermarkteten Produkte und Leistungen sein. Entscheidender Faktor ist oft der Preis, und dieser muss eine adäquate Marge enthalten.

Drei Kernfragen muss der Konzeptersteller beantworten:

1. Hat das Unternehmen eine erfolgversprechende
Strategie?
2. Sind die Ertragssteigerungsmaßnahmen
konkret und valide?
3. Reichen diese aus, um nachhaltig wettbewerbsfähig
zu sein?

Drei Schritte zur Beurteilung der Wettbewerbsfähigkeit

Zur Beurteilung der Wettbewerbsfähigkeit wendet die Buchalik Brömmekamp Unternehmensberatung drei ineinandergreifende Instrumente an: Strategieworkshop, Ertragssteigerungsworkshop und Planplausibilisierung.

Mit einem eintägigen Strategieworkshop wird Verständnis über das aktuelle Kunden- und Produktportfolio, den Markt, den Wettbewerb und exogene Einflussgrößen gewonnen sowie erste strategische Maßnahmen abgeleitet. Die strategischen Erfolgsfaktoren werden identifiziert und einer Strategievalidierung unterzogen. Der Workshop wird mit den Unternehmensvertretern maßgeschneidert auf die Unternehmenssituation vorbereitet, folgt jedoch stets einheitlichen Strukturen und Prüfpunkten, die den akademischen Standards entsprechen. Eine 360-Grad-Sicht auf das Unternehmen erhält man durch einen eintägigen Ertragssteigerungsworkshop. Ziel ist, Verständnis für die Wertschöpfungskette des Unternehmens zu erhalten, wesentliche Ertragssteigerungspotentiale zu identifizieren sowie ein Meinungsbild über Organisation und Management zu erlangen.

Alle Ergebnisse werden innerhalb einer Planplausibilisierung zusammengeführt und durch Überprüfung der Prämissen der Basisplanung ersetzt. Eine Kurzbeurteilung des
Managements kann diese Aussage bei Bedarf abrunden. Die Beteiligten am Sanierungsprozess können somit auch ohne ein vollumfängliches IDW-S6-Gutachten Transparenz
und somit Glaubwürdigkeit erlangen.

 

Der Artikel zum donwload:JB-RE-2014-Sanierungsgutachten_Kam_Radner

Zukunft der Gebr. Vollmer nach erfolgreichem Sanierungsverfahren gesichert

Duisburg, 4. Oktober 2013. „Die Sanierung von Vollmer ist erfolgreich abgeschlossen. Nun befinden wir uns wieder im normalen Geschäftsbetrieb und können in eine aussichtsreiche Zukunft blicken“, erklärt Geschäftsführer Thomas Möller, nachdem das Amtsgericht Duisburg den vom Unternehmen eingereichten Insolvenzplan bestätigte. Zuvor hatten bereits die Gläubiger dem Insolvenzplan, der von der Kanzlei Buchalik Brömmekamp erarbeitet wurde, einstimmig zugestimmt und damit den eingeschlagenen Sanierungskurs bestätigt. Das Einverständnis der Gläubigerversammlung ist die wesentliche Voraussetzung für die Beendigung des Insolvenzverfahrens. Die Geschäftsführung stellte im Oktober 2012 einen Antrag auf ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung. Das Verfahren wurde am 1. Januar 2013 eröffnet und soll vom Duisburger Amtsgericht Ende Oktober 2013 aufgehoben werden.

Insbesondere der zunehmende regionale Wettbewerbsdruck in der Baubranche, unrentable Aufträge sowie die Insolvenz eines Großkunden aus dem Bereich Feuerfestbau hatten das Unternehmen schleichend in finanzielle Schwierigkeiten gebracht. Im Zuge der Sanierung hat sich Vollmer nun als spezialisierter Dienstleister für die Bereiche „Feuerfestbau“ und „Bauen im Bestand“ aufgestellt. Gleichzeitig soll die Kundenstruktur durch vermehrte Akquisition im Privatkundenbereich vergrößert werden und eine Neuorientierung in den angrenzenden Großraum Düsseldorf erfolgen. „Mit der Planbestätigung haben wir die Ziellinie erreicht und die Insolvenz ist beendet. Mein Dank gilt Mitarbeitern, Lieferanten aber auch unseren Baupartnern, die uns in den letzten Monaten unterstützt haben“, so Thomas Möller.

„Mit Vollmer konnten wir bereits das zweite Bauunternehmen in einem Eigenverwaltungsverfahren über einen Insolvenzplan sanieren“, so Dr. Jasper Stahlschmidt von Buchalik Brömmekamp, der das Unternehmen während der gesamten Phase begleitet hat. „In der Baubranche besteht die Schwierigkeit, dass durch Sonderkündigungsrechte in der Insolvenz die Umsätze stark einbrechen können. Die Kunden haben dem Unternehmen jedoch jederzeit vertraut. Darüber hinaus führte das große Engagement der Mitarbeiter und die umfangreiche Unterstützung der Gläubiger zur erfolgreichen Sanierung.“

Wesentlich für das jetzt Erreichte war auch die konstruktive Zusammenarbeit mit Sachwalter Dr. Sebastian Henneke von der Kanzlei hrm Henneke Röpke Rechtsanwälte. In der Eigenverwaltung bleibt die Geschäftsführung weiterhin im Amt und kann die Restrukturierung selbstständig unter Aufsicht des Gerichts und eines Sachwalters durchführen. „Das Verfahren in Eigenverwaltung war für Vollmer der richtige Weg. Das Unternehmen konnte ein nachvollziehbares Sanierungskonzept vorlegen, das mich und die Gläubiger überzeugte. Der Geschäftsbetrieb wurde auch während des Verfahrens weitergeführt. Ich sehe einer positiven Zukunft für das Unternehmen entgegen“, sagt Sachwalter Dr. Henneke.

Hintergrund: Was ist eine vorläufige Eigenverwaltung (§270a InsO): Seit dem 1. März 2012 lässt die neue Insolvenzordnung auf Antragstellung eine sogenannte vorläufige Eigenverwaltung zu. In der Eigenverwaltung bleibt die Geschäftsführung weiterhin im Amt und kann die Geschicke des Unternehmens weiter lenken. Anstatt eines Insolvenzverwalters wird ein vorläufiger Sachwalter bestellt. Der vorläufige Sachwalter hat hauptsächlich die Aufgabe, die wirtschaftliche Lage des Schuldners zu prüfen und die Geschäftsführung zu überwachen. Im Einvernehmen mit den Gläubigern, dem vorläufigen Sachwalter und dem Insolvenzgericht will das Verfahren die Fortführung eines Unternehmens unter dem Schutz der Insolvenzordnung ermöglichen.