Archiv der Kategorie: Operative Restrukturierung

Sanierungsverfahren der Hebar Gesenkschmiede erfolgreich beendet

  • Amtsgericht hebt Eigenverwaltung auf
  • Sämtliche Arbeitsplätze konnten gerettet werden
  • Hebar will Kundenstruktur weiter ausbauen

 

Halver, 4. Oktober 2018. Das Amtsgericht Hagen hat das Eigenverwaltungsverfahren der Hebar Gesenkschmiede GmbH aufgehoben. Das Unternehmen gilt damit als erfolgreich saniert und entschuldet. Nachdem die Gläubiger den Insolvenzplan Anfang September einstimmig angenommen hatten, konnte der Weg für die Beendigung des Sanierungsverfahrens eingeleitet werden. Hebar-Geschäftsführer Ulrich Barz, Sanierungsgeschäftsführer Nils Averbeck sowie die Düsseldorfer Kanzlei und Unternehmensberatung Buchalik Brömmekamp hatten das Sanierungskonzept entwickelt. Es regelt die Entschuldung sowie die erforderlichen Sanierungsmaßnahmen zum Fortbestehen der des Unternehmens. Bereits im Verfahren hat Hebar seine Kundenstruktur neben dem Automobilsektor deutlich verbreitert. Alle 27 Arbeitsplätze blieben trotz des Verfahrens erhalten.

Das über 130 Jahre alte Familienunternehmen, das hochwertige Schmiedestücke nach Kundenvorgaben produziert, war im vergangenen Jahr aufgrund des Diesel-Abgas-Skandals in die wirtschaftliche Schieflage geraten. Eine Dieselventilklappe, deren Produktion bis dato einen erheblichen Teil des Umsatzes ausmachte, wurde plötzlich vom Kunden nicht weiter benötigt. Der mit dem Auftragsverlust einhergehende Umsatzeinbruch konnte trotz sofortiger Maßnahmen nicht aufgefangen werden. Die Geschäftsleitung entschloss sich deshalb zu einer Sanierung des Unternehmens im Rahmen einer Eigenverwaltung.

„Hebar konnte die schwierige Phase durch die hohe Loyalität und Einsatzbereitschaft unserer Mitarbeiter sowie das uneingeschränkte Vertrauen der Kunden und Lieferanten meistern. Durch das Eigenverwaltungsverfahren konnten wir uns wieder wettbewerbsfähig am Markt aufstellen. Ich bedanke mich deshalb bei allen Beteiligten. Wir durchlaufen aktuell eine sehr positive Entwicklung“, erklärt Hebar-Geschäftsführer Ulrich Barz.

Mit der Eigenverwaltung nutzte die Gesenkschmiede eine Sanierungsmöglichkeit, die Unternehmen erst seit 2012 zur Verfügung steht. Im Vordergrund der sogenannten Sanierung unter Insolvenzschutz steht die Fortführung des Unternehmens, weshalb die unternehmerische Verantwortung auch bei der Geschäftsführung verbleibt, die den Sanierungsprozess selbstständig ohne Einsatz eines Insolvenzverwalters durchführt.

Sanierungsgeschäftsführer Nils Averbeck, der Hebar planmäßig wieder verlassen wird, sieht ebenfalls gute Chancen für die nachhaltige Fortführung des Unternehmens: „Die Signale stehen auf grün. Das Umsatzniveau des Vorjahres konnte trotz des Wegfalls eines Großkunden wieder erreicht werden. Jetzt gilt es die begonnenen Maßnahmen konsequent weiter zu führen.“ In der Zukunft wird sich Hebar noch unabhängiger vom Automotiv-Bereich aufstellen. Der Grundstein hierfür wurde bereits im Rahmen des Sanierungsverfahrens gelegt, indem es dem Unternehmen bereits gelang, den Vertrieb neu auszurichten und eine Vielzahl neuer Kunden aus dem Maschinen- und Anlagenbau sowie der Luftfahrt zu akquirieren. In der Phase der Eigenverwaltung hat Hebar sechs Neukunden gewinnen können und vierzig Neuteile erhalten. Von diesen vierzig Neuteilen stammen 25 von Neukunden und 15 von bereits bestehenden Kunden, die dem Unternehmen dadurch ihre Unterstützung zukommen ließen. „Das, was uns im vergangenen Jahr passiert ist, soll sich nicht noch einmal wiederholen. Die Insolvenz hat uns gelehrt, dass man sich als Unternehmer niemals zu sehr von einem Kunden oder gar einer Branche abhängig machen sollte. Wir haben eine zweite Chance bekommen, die werden wir nutzen“, erklärt Ulrich Barz abschließend.

Ideenmanagement in der Produktentwicklung – Dr. Dümpelmann in Edelstahl aktuell

Um neue Produkte erfolgreich auf den Markt zu bringen, muss der Prozess von der Idee bis zum fertigen Produkt konsequent durchgeplant werden. Beginnend mit einer strukturierten Bewertung der vielen Produktideen, ist eine Markt- und Wettbewerbsbeobachtung und eine Kosteneinschätzung vor der ersten Produktion unabdingbar. Mit der Prüfung einfacher Meilensteine wird zudem die Bewertung von Entwicklungsprojekten transparent. Dadurch
können Fehleinschätzungen und Probleme bei der Produkteinführung frühzeitig erkannt und Gegenmaßnahmen entwickelt werden. Ein klar definierter Prozess erhöht deutlich die Wahrscheinlichkeit, die Ziele bei Umsatz und Ertrag mit den neuen Produkten zu erreichen.

Zusammenfassend zeigt sich, dass das Portfolio an unterschiedlichen Produktideen mit Hilfe dieser Matrix direkt verglichen werden kann und das Ideenmanagement vereinfacht wird. Diese Matrixdarstellung wird mittlerweile von mehreren der durch Buchalik Brömmekamp beratenen Unternehmen für das Ideenmanagement in der Produktentwicklung verwendet.

Der komplette Artikel Ideenmanagement in der Produktentwicklung  in Edelstahl aktuell.

Tetenal Europe stellt sich durch Sanierungsverfahren wieder profitabel auf – Tim Langstädtler wird Sanierungsgeschäftsführer

  • Produktion und Versand weiterhin und uneingeschränkt sichergestellt

Norderstedt. 1. Oktober 2018. Der seit Jahren rückläufige Umsatz in der Fotodruck-Industrie im zweistelligen Prozentbereich und ein rund fünfmonatiger Lieferausfall eines Herstellers für Colorpapiere haben die Tetenal Europe GmbH in eine wirtschaftliche Schieflage gebracht. Vor diesem Hintergrund hat Geschäftsführer Daniel Middendorf für das Unternehmen beim Amtsgericht Norderstedt einen Antrag auf eine Sanierung unter Insolvenzschutz gestellt. „Tetenal steht seit Jahren unter hohem Anpassungsdruck durch radikale Veränderungen in unseren Märkten. Dieser Druck von außen führt jetzt dazu, dass wir unsere gesamten Strukturen überprüfen und anpassen müssen. Der jetzt eingeschlagene Sanierungsweg wird das Unternehmen auf neue Beine stellen und uns zu nachhaltiger Profitabilität führen“, erklärt Geschäftsführer Middendorf.

Das Gericht hat dem Antrag stattgegeben und die vorläufige Eigenverwaltung angeordnet. Mit dem ESUG, dem Gesetz zur weiteren Erleichterung der Sanierung von Unternehmen, hat der Gesetzgeber seit 2012 hierzu die gesetzlichen Voraussetzungen geschaffen. Sie sollen Unternehmen eine wettbewerbliche Auszeit ermöglichen, um sich wieder marktgerecht aufzustellen.

Das Besondere des Eigenverwaltungsverfahrens ist, dass der bisherige Geschäftsführer weiterhin im Amt bleibt und die Sanierung selbstständig durchführen kann. Dabei wird er durch die Sanierungsexperten des Beratungsunternehmens Buchalik Brömmekamp begleitet. Tim Langstädtler ergänzt die Unternehmensleitung als Sanierungsgeschäftsführer. Weiterhin übernimmt ein vorläufiger Sachwalter eine Aufsichtsfunktion. Er hat die Aufgabe, die wirtschaftliche Lage des Schuldners zu prüfen. Das Amtsgericht hat Dr. Sven-Holger Undritz von der Kanzlei White & Case zum vorläufigen Sachwalter bestellt.

„Die Produktion, der Vertrieb sowie unsere Handelsplattformen bleiben während des Verfahrens weiterhin uneingeschränkt geöffnet. Die Anordnung der Eigenverwaltung hat keinerlei Auswirkungen auf den laufenden Geschäftsbetrieb. Es ist sichergestellt, dass alle Aufträge weiter ausgeführt und auch neue Aufträge angenommen werden können“, so Daniel Middendorf. Die Tetenal Europe GmbH entwickelt, produziert und vertreibt hochwertige chemische Spezialprodukte für die professionelle Fotobilderzeugung (Imaging), die Wasseraufbereitung (Aquaristik), den Agrar- und Biogasbereich (Mikronährstofflösungen) sowie Kosmetik. Weiterhin verkauft das Norderstedter Traditionsunternehmen Geräte und Verbrauchsmaterialien ausgewählter Markenhersteller im Bereich Druck und Fotobilderzeugung. Am Produktionsstandort in Norderstedt sind rund 120 Mitarbeiter beschäftigt. Die Tochtergesellschaften in Großbritannien, Frankreich und Polen sind von dem Eigenverwaltungsverfahren nicht betroffen.

Die Mitarbeiter wurden bereits in einer Mitarbeiterversammlung über das Verfahren informiert. Die Löhne und Gehälter sind in den nächsten drei Monaten über das Insolvenzgeld gesichert, danach übernimmt das Unternehmen wieder die Zahlungen.

In dem Verfahren wird das Unternehmen von der Kanzlei und Unternehmensberatung Buchalik Brömmekamp aus Düsseldorf begleitet, die mit der Geschäftsführung ein Zukunftskonzept entwickelt. Dem Zukunftskonzept, das die Fortführung von Tetenal und die Entschuldung aufzeigt, müssen später die Gläubiger zustimmen. „Tetenal ist im operativen Bereich in fast allen Geschäftsbereichen kerngesund. Nicht gesunde Bereiche werden wir nachhaltig restrukturieren. Die Eigenverwaltung ist der richtige Weg, um die Sanierung im Interesse aller Beteiligten umzusetzen. Im Verfahren müssen wir nun die grundsätzlichen Strukturen schaffen, um das Unternehmen so aufzustellen, dass es mittel- bis langfristig eine gute Chance hat und an die gesunkenen Umsätze angepasst ist“, erklärt Langstädtler. Der Sanierungsexperte hat erst kürzlich die Höltl Retail Solutions (Bad Hersfeld) durch ein Eigenverwaltungsverfahren erfolgreich begleitet.

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  • Daniel middendorf

EU-Kommission stimmt deutscher Steuerbefreiung von Sanierungsgewinnen zu

  • Einjährige Hängepartie um die steuerliche Beurteilung von Sanierungen fast beendet
  • Noch formelle Gesetzgebung erforderlich

Düsseldorf / Brüssel. 13. August 2018. Die EU-Kommission hat in einem Schreiben an das Bundesministerium der Finanzen der Steuerbefreiung von Sanierungsgewinnen zugestimmt und die Vereinbarkeit der deutschen gesetzlichen Regelung mit dem europäischen Beihilfenrecht bestätigt, wie die Wirtschaftskanzlei Buchalik Brömmekamp aus gut unterrichteten Kreisen in Berlin erfuhr. Das BMF hat den Eingang des Schreibens bestätigt. „Wir begrüßen die Entscheidung der EU-Kommission, denn die rechtlichen Unsicherheiten bei der steuerlichen Behandlung von Sanierungsgewinnen, insbesondere im Rahmen eines Insolvenzplans, sind damit ausgeräumt. Ohne die Bestätigung wären Sanierungen innerhalb eines Insolvenzverfahrens kaum noch möglich gewesen und einige erfolgreich sanierte Unternehmen hätten doch noch eine Folgeinsolvenz anmelden müssen, wenn es zu einer Besteuerung des Sanierungsgewinns oftmals in Millionenhöhe gekommen wäre“, erklärte Robert Buchalik, Geschäftsführer von Buchalik Brömmekamp und Vorstandsvorsitzender des BV ESUG.

Verzichten Gläubiger innerhalb einer Sanierung ganz oder teilweise auf ihre Forderungen, dann erhöht sich das Betriebsvermögen. Dieser durch die Verzichte entstehende Gewinn ist grundsätzlich steuerpflichtig. Aufgrund des sogenannten Sanierungserlasses konnten die Finanzämter die sanierten Unternehmen von dieser Steuer, die auf den Sanierungsgewinn anfielen, befreien. Der Bundesfinanzhof hatte in einer im Februar 2017 veröffentlichten Entscheidung diese Regelung allerdings gekippt, da dieser Vorgehensweise eine gesetzliche Grundlage fehlte. Bundestag und Bundesrat beschlossen daraufhin bereits Ende April und Anfang Juni 2017 eine neue gesetzliche Regelung. Der Gesetzgeber machte die Einführung jedoch von der Zustimmung der EU-Kommission abhängig, die eine Unbedenklichkeit zum europäischen Beihilfenrecht untersuchen sollte. Da die EU-Kommission nur einen „Comfort Letter“ an das Finanzministerium schrieb und keinen formellen Beschluss fasste, kann das Gesetz nicht wie geplant automatisch in Kraft treten. Der Gesetzgeber muss nun noch einmal nachbessern.

„Mit der jetzt geklärten Wirksamkeit der Steuerbefreiung für Sanierungsgewinne wird ein erheblicher Fortschritt im Bereich der steuerlichen Beurteilung von Sanierungen insbesondere mittels Insolvenzplan erreicht. Die Unternehmen im Insolvenzplanverfahren verfügen endlich über ertragssteuerliche Planungssicherheit, und bei den derzeit schwebenden Verfahren wird die große Rechtsunsicherheit beseitigt. Die Entscheidung ist eine weitere deutliche Erleichterung für Sanierungen in Deutschland, insbesondere im Rahmen von Eigenverwaltungsverfahren. Die Chancen, das Unternehmen dem Unternehmer auch im Rahmen eines Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung zu erhalten, erhöhen sich damit signifikant. Das Risiko eines Kommanditisten einer KG bei einer Plansanierung in Eigenverwaltung zur Einkommensteuer auf den Sanierungsgewinn herangezogen zu werden, entfällt völlig“, erklärt Sanierungsexperte Robert Buchalik.

Die Bestätigung bezieht sich sowohl auf § 3a EStG für Einkommensteuer und Körperschaftsteuer (i. V. m. § 8 KStG) als auch auf § 7a GewStG für die Gewerbesteuer. Die Folgen sind weitreichend. Es ist nur noch das Finanzamt für die Entscheidung der Steuerbefreiung zuständig, auch im Bereich der Gewerbesteuer. Die Zuständigkeit der Kommunen im Bereich der Gewerbesteuer entfällt. Weiterhin ist bei Personengesellschaften nur noch das Betriebsfinanzamt der Personengesellschaft selbst zuständig. Die Einbeziehung der Wohnsitzfinanzämter der Gesellschafter (Kommanditisten bzw. Vollhafter) entfällt.

Durch die dann verpflichtende gesetzliche Regelung haben die Finanzämter keinen Ermessensspielraum mehr. Bei einer Ablehnung der Bewilligung durch das Finanzamt hat das Unternehmen vor den Finanzgerichten umfassenden gerichtlichen Rechtsschutz. Die Neuregelung geht damit auch inhaltlich deutlich über die Regelungen des Sanierungserlasses hinaus. Noch nicht entschieden sei, ob die bisherige Anwendungsregelung nur für Sanierungen im Rahmen eines Insolvenzplans, die nach dem 8. Februar 2017 rechtskräftig wurden, anwendbar sind oder ob die Neuregelung auch für ältere Fälle gelten wird und diese Fälle beispielsweise im Hinblick auf die Gewerbesteuer von den Kommunen entschieden werden.

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  • Ertragssteuerliche bahandlung von sanierungsgewinn bei gemeinnügtzigkeit

Die passenden Mittel zur richtigen Lösung – Edinger/Bartel in Unternehmeredition zum Maßnahmenmangement mm+

Gerade in einer Unternehmenskrise ist die Anpassung und Optimierung der Geschäftsprozesse unumgänglich. Die Mitarbeiter kennen das Unternehmen und sein Geschäftsumfeld meist sehr gut und sind oftmals in der Lage, viele sinnvolle Vorschläge zu generieren. Oft fehlt es in den Restrukturierungsprozessen also nicht an der richtigen Problemlösung, sondern lediglich an dem passenden Mittel auf dem Weg zur Lösung. Denn ob sich Projekte zur Verbesserung interner Abläufe erfolgreich umsetzen lassen, hängt von einer ganzen Reihe von Faktoren ab. Besonders in Unternehmen mit streng hierarchischer Führungskultur ist die Veränderungsbereitschaft häufig stark eingeschränkt. Das fehlende Vertrauen der Führung in die Mitarbeiter, gepaart mit einer festgefahrenen Organisationsstruktur, führen dazu, dass viele gute Ideen nicht aufgegriffen werden. Daneben können flexible Zeitfenster zu Umsetzungsfallen werden. Hinzu kommen eine fehlende Kontrolle und Dokumentation von Fortschritten sowie die Nichteinhaltung von Deadlines im Controlling.

Tools allein sind kein Allheilmittel

Um diese Umsetzungsfallen zu vermeiden, hat sich der Einsatz von Softwaretools in der Praxis bewährt. Allerdings sind sie kein Allheilmittel, denn sie sind nur so gut wie die Menschen, die sie bedienen. Softwaretools werden meist durch reine IT-Unternehmen entwickelt. Diese sind ausschließlich Programmierer, und es mangelt ihnen häufig an Praxiserfahrung und Know-how. Schnell werden diese Tools zum Selbstzweck, anstatt die Verantwortlichen bei der Maßnahmenrealisierung zu unterstützen. Insofern stellt ein softwaregestütztes Management von Optimierungsmaßnahmen keine Ad-hoc-Lösung dar. Entscheidend ist vielmehr der richtige Umgang damit – also die Anpassung des Strategie-Tools an das jeweilige Unternehmen und die für die Umsetzung verantwortlichen Mitarbeiter. Deshalb ist – neben der Einführung eines solchen Tools – immer auch eine Beratung erforderlich. Dafür hat sich der Einsatz eines Maßnahmencontrollers bewährt.

Fazit

Besonders für Unternehmen, die sich in einer schwierigen wirtschaftlichen Lage befinden, sind Veränderungen entscheidend. Um das Unternehmen wieder zukunftsfähig zu machen, müssen Maßnahmen formuliert und erfolgreich umgesetzt werden. Management-Tools erleichtern und unterstützen dieses Vorgehen. Sie bündeln alle relevanten Funktionen, die dazu beitragen können, dass Projekte gelingen und das Unternehmen erfolgreich fortgeführt werden kann.

Den gesamten Beitrag lesen Sie hier.

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Ernst Keller setzt Sanierung mit Schutzschirmverfahren fort

  • M&A-Prozess für den Verkauf an strategischen Partner gestartet
  • Produktion läuft unverändert weiter

Arnsberg. 20. Juni 2018. Die Ernst Keller GmbH & Co. KG will ihren Sanierungsweg durch ein Schutzschirmverfahren fortsetzen. Hintergrund ist der weiter sinkende Umsatz des Verbindungstechnikers. Wettbewerber in Osteuropa mit einem deutlich niedrigeren Lohn- und Kostenniveau können die Keller-Produkte deutlich preiswerter anbieten und setzen sich bei Kundenaufträgen immer weiter durch. Keller produziert und vertreibt Seilkomponenten für Sicherheitsgurte. „In den vergangen Jahren ist unser Umsatz immer wieder deutlich eingebrochen. Optimierungen bei den Prozessen und Kosten und auch der Interessenausgleich haben nicht zu der erforderlichen Kostenstruktur geführt, um wettbewerbsfähige Preise anzubieten. Deshalb haben wir uns vorsorglich für eine Sanierung innerhalb eines Schutzschirmverfahrens entschieden“, erklärt der geschäftsführende Gesellschafter Detlev Guht. Dazu stellte Ernst Keller einen entsprechenden Antrag beim Amtsgericht Arnsberg. Das Gericht hat dem Antrag vollumfänglich entsprochen und die Eigenverwaltung angeordnet.

Einen Bezug zu den namensähnlichen und benachbarten Unternehmen A. + E. Keller GmbH & Co. KG und zu Ernst Keller Forming Tools GmbH & Co. KG, gibt es in diesem Zusammenhang nicht.

Beim Schutzschirmverfahren, ähnlich dem amerikanischen Chapter-11-Verfahren, in dem sich beispielsweise General Motors sanierte, trägt die bisherige Geschäftsführung weiterhin die Verantwortung für alle Entscheidungen. Sie führt die Sanierung selber durch. Voraussetzung für das Schutzschirmverfahren ist, das keine Zahlungsunfähigkeit vorliegt. Zudem hat ein externer Gutachter die Sanierungsfähigkeit des Unternehmens bestätigt. Im Schutzschirmverfahren wird das Unternehmen von der Wirtschaftskanzlei und Unternehmensberatung Buchalik Brömmekamp aus Düsseldorf juristisch und betriebswirtschaftlich beraten.

Die 42 Mitarbeiter und der Betriebsrat am Standort in Arnsberg sind über den Verlauf des Verfahrens informiert worden. Die Löhne und Gehälter der Mitarbeiter werden pünktlich und ohne Einschränkungen weiterbezahlt. Dabei werden die ersten drei Monate über das Insolvenzgeld abgesichert; danach übernimmt das Unternehmen wieder die Zahlungen. Ernst Keller beschäftigt weiterhin rund 120 Mitarbeiter am zweiten Standort in der Slowakei. Die Auslandsgesellschaft ist von dem Schutzschirmverfahren nicht betroffen.

Innerhalb der nächsten drei Monate wird das Unternehmen unter einem gesetzlichen Schutzschirm einen Sanierungsplan erstellen. Diesem Plan, der die Fortführung des Unternehmens aufzeigt, müssen die Gläubiger zustimmen und er muss anschließend vom Amtsgericht Arnsberg bestätigt werden. Ziel des Sanierungsplanes ist es, den Verbindungstechniker fortzuführen und wieder wettbewerbsfähig aufzustellen. Das Unternehmen will nun alle Sanierungsoptionen ergebnisoffen prüfen. „Vorrangig werden wir einen Unternehmensverkauf anstreben. Dazu stoßen wir in den nächsten Tagen einen Investorenprozess an, um einen strategischen Partner zu gewinnen. Eine Schließung der Produktion am Standort in Arnsberg ist aber auch nicht auszuschließen, wenn sich kein Käufer findet“, so Geschäftsführer Guht.

Während des Verfahrens wird das Unternehmen, das den Antrag freiwillig gestellt hat, dem unmittelbaren Zugriff seiner Gläubiger entzogen. Ein Schutzschirmverfahren kann jedoch nur beantragt werden, wenn noch keine Zahlungsunfähigkeit vorliegt. Ein unabhängiger Sachverständiger muss diesen Finanzstatus dem Gericht nachweisen. Zusätzlich muss bescheinigt werden, dass die angestrebte Sanierung möglich ist. Darüber hinaus beaufsichtigt ein vorläufiger Sachwalter die Geschäftsführung. Dieser überwacht die Einhaltung der insolvenzrechtlichen Regelungen und soll Gläubigerbenachteiligungen verhindern. Als vorläufigen Sachwalter bestellte das Amtsgericht Wilfried Pohle von der Kanzlei Dr. Kloke und Kollegen aus Marsberg.

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Eigenverwaltungsverfahren von Stockheim mit Unterstützung durch Buchalik Brömmekamp erfolgreich beendet

  • Amtsgericht Düsseldorf hebt Sanierungsverfahren auf
  • Kerngeschäft Restaurationsbetriebe mit Messe- und Eventcatering wird weiter ausgebaut

Düsseldorf. 17. April 2018. Das Düsseldorfer Traditionsunternehmen Stockheim kann nach dem erfolgreichen Ende des Insolvenzverfahrens wieder durchstarten. Das Amtsgericht Düsseldorf hat die Eigenverwaltungsverfahren der Gastronomiegruppe aufgehoben. Damit wechselt Stockheim wieder in den regulären Geschäftsbetrieb. Innerhalb der Eigenverwaltung hat Stockheim die Weichen für eine umfangreiche Neuausrichtung gestellt. Das Ziel ist es, sich auf das Kerngeschäft zu konzentrieren und sich damit langfristig wieder wirtschaftlich erfolgreich aufzustellen. Stockheim setzt dabei auf seine langjährigen Partner und Locations –  das Congress Center Düsseldorf (CCD), die Messe Düsseldorf und die Rheinterrasse sowie den weiteren Ausbau des Eventcaterings. „In diesem Zusammenhang bedanken wir uns ausdrücklich bei unseren Geschäftspartnern für das entgegengebrachte Vertrauen und die konstruktive Zusammenarbeit. Unsere volle Aufmerksamkeit gehört dem Messe- und Veranstaltungsgeschäft in Düsseldorf. Wir werden nun alle Energien bündeln und auch weiter in die Expansion investieren“, so Stockheim-Geschäftsführer Özgür Günes.

Im Kernbereich von Stockheim werden nun klare Schwerpunkte gesetzt, um weitere Wachstumspotenziale wahrzunehmen. Die wesentlichen Leistungsorte der Restaurationsbetriebe, die Rheinterrasse, der angrenzende Stockheim RheinBlick 33, das CCD und die Messehallen werden in den nächsten Monaten den Kundenbedürfnissen entsprechend weiter überarbeitet. Konzeptionell wird der Ausbau von gastronomischen Konzepten in den Vordergrund gestellt. „Die Stockheim-Produkte werden wir zukünftig überwiegend in Themenwelten und Konzepten wiederfinden“, so Carla Stockheim, verantwortlich für Brand Management & Development bei Stockheim. „An dieser Stelle gilt unser Dank natürlich auch den Gesellschaftern Karl-Heinz und Margret Stockheim für das außerordentliche Vertrauen und die allzeit tatkräftige Unterstützung“, ergänzen Carla Stockheim und Özgür Günes.

Mit der Eigenverwaltung nutzte Stockheim die seit dem 1. März 2012 geltenden Möglichkeiten einer Sanierung unter Insolvenzschutz. Es handelt sich dabei nicht um eine Insolvenz im klassischen Sinne, sondern um ein Sanierungsverfahren mit dem obersten Ziel des Unternehmenserhalts und der Unternehmensfortführung. Die Geschäftsführung bleibt weiterhin im Amt und führt die Sanierungsmaßnahmen selbstständig durch.

Stockheim hatte im Mai 2017 beim Amtsgericht Düsseldorf für sechs Unternehmen einen Antrag auf Einleitung eines vorläufigen Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung gestellt: Stockheim GmbH & Co. KG, Stockheim Systemgastronomie GmbH & Co. KG, Stockheim (Hbf-Köln) GmbH, Restaurationsbetriebe Stockheim GmbH & Co. KG, Stockheim Catering Hamburg GmbH und HAGATEC Koordination & Planung GmbH & Co. KG. Während der Verfahren wurden die Unternehmen vom Beratungshaus Buchalik Brömmekamp aus Düsseldorf betriebswirtschaftlich und rechtlich begleitet. Darüber hinaus ergänzten Dr. Utz Brömmekamp (Stockheim GmbH & Co. KG), Daniel Meintz (Stockheim Systemgastronomie GmbH & Co. KG und Stockheim (Hbf-Köln) GmbH) sowie Dr. Adrian Bölingen (Restaurationsbetriebe Stockheim GmbH & Co. KG und Stockheim Catering Hamburg GmbH) das Management als Sanierungsgeschäftsführer. Mit dem Verfahrensende scheiden sie aus ihren Ämtern aus. Als vom Amtsgericht Düsseldorf bestellter Sachwalter war der renommierte White & Case-Partner Dr. Biner Bähr tätig.

Zusammen mit dem Beratungsunternehmen Buchalik Brömmekamp hatte Stockheim-Geschäftsführer Özgür Günes die Sanierungspläne entwickelt, in denen die Entschuldung und nachhaltige Fortführung der Unternehmensteile aufgezeigt wurden. Den Plänen haben die Gläubiger zugestimmt. „Es freut mich außerordentlich, dass wir Stockheim mit der umfassenden Sanierung wieder zukunftsfähig aufstellen konnten. Im Fokus stand hierbei die Rückbesinnung auf die Wurzeln als Düsseldorfer Familienunternehmen, welches seinen nationalen und internationalen Kunden durch Qualität, Innovation und Leidenschaft einmalige Erlebnisse bieten möchte“, so Bozidar Radner, geschäftsführender Gesellschafter von Buchalik Brömmekamp und zuständiger Projektpartner.

Ein wesentlicher Schritt, die finanzielle Stabilität von Stockheim zu erreichen, war die Trennung von Unternehmensteilen. Die Sparte Systemgastronomie mit den Gesellschaften Stockheim (Hbf.-Köln) GmbH und Stockheim Systemgastronomie GmbH & Co. KG wurde im Dezember 2017 an die SSP veräußert. Die in beiden Unternehmen beschäftigten rund 500 Mitarbeiter wurden von SSP übernommen. Die Cateringaktivitäten und die Mitarbeiter am Standort in Hamburg gingen im Dezember 2017 an die Käfer-Gruppe.

„Das Insolvenzplanverfahren in Eigenverwaltung“, so der Sanierungsexperte Dr. Utz Brömmekamp, „hat sich hier erfreulicherweise als besonderes Erfolgsmodell präsentiert. Denn die Gläubiger erhalten Befriedigungsquoten zwischen 55 und 100 Prozent.“ Zum Vergleich: Laut Statistischem Bundesamt liegt die durchschnittliche Quote in Regelinsolvenzverfahren gerade einmal bei drei Prozent. „Gläubiger, Mitarbeiter, Sachwalter und das Gericht haben den eingeschlagenen Sanierungsweg immer konstruktiv unterstützt. Mein Dank gilt deshalb allen Beteiligten für ihr Engagement. Das Ergebnis stimmt mich sehr zuversichtlich, dass Stockheim in der Düsseldorfer Messe- und Eventgastronomie wieder eine führende Rolle einnehmen kann“, ist sich Dr. Brömmekamp sicher.

Stockheim beschäftigt nach der Umstrukturierung weiterhin 120 Mitarbeiter. „Obwohl die Trennung von den Geschäftsbereichen aus strategischer Sicht die sinnvollste Lösung war, haben wir uns die Entscheidung nicht leicht gemacht. Ich danke auch nochmal im Namen der Familie Stockheim, dass die vielen Mitarbeiter mit so viel Herzblut und Loyalität ihrer Arbeit im Unternehmen nachgegangen sind. Ich weiß, wie schwierig das war, und das schätzen wir sehr. Die Umstrukturierung war mit vielen Unsicherheiten verbunden. Am Ende jedoch konnten wir so gut wie alle Arbeitsplätze erhalten oder die Mitarbeiter in Folgebeschäftigungen überführen. Wir sind überzeugt, dass sich in dieser Ausrichtung die Geschäftsbereiche nun besser entwickeln können.“, erklärt Carla Stockheim.

Gläubiger stimmen umfassender Sanierung der Frischback-Gruppe einstimmig zu

  • Alle Arbeitsplätze wurden gerettet
  • Produktion und Filialen auf den neuesten Stand gebracht

Arnstadt. 10. April 2018. In den insgesamt drei Eigenverwaltungsverfahren der Bäckereigruppe Frischback in Arnstadt haben die Gläubiger die Insolvenzpläne einstimmig angenommen. Die Sanierungsverfahren werden daher aller Voraussicht nach Ende April aufgehoben. Die letzten Sanierungsmaßnahmen sollen dann bis September beendet sein. Frischback betreibt 120 Filialen und beschäftigt 821 Mitarbeiter.

Laut Sanierungskonzept fokussiert sich die Gruppe auf den Thüringer Markt und baut während der Sanierung ihr Filialnetz um. So wurden und werden neue Filialen im direkten Umfeld der Produktion in Arnstadt übernommen oder neu eröffnet. Zusammen mit einer Optimierung der gesamten Logistik kann nun noch mehr Frische in den Filialen sichergestellt werden. Zusätzlich wurde das Produktportfolio überarbeitet, sodass auch die Produktionsabläufe sich nun nachhaltig verbessern. Von den rund 500 Backerzeugnissen wurden bereits 50 unrentable Produkte aus dem Sortiment genommen. Im Ergebnis wird die Bäckereigruppe Frischback ihrem Anspruch als regionaler Handwerksbäcker nun noch besser gerecht.

Nach der Gläubigerversammlung vor dem Amtsgericht Erfurt bedankte sich der Geschäftsführer Alfred Heyl entsprechend: „Nach der erfolgreichen tiefgreifenden Restrukturierung besteht jetzt Sicherheit für die mehr als 800 Mitarbeiter. Ich bemühe mich weiter, Frischback optimal am Markt zu positionieren und werde mich hierbei auf die durch die erneuerte Struktur vorgegebene Region konzentrieren. Bei allen Beteiligten und besonders meinen Mitarbeitern bedanke ich mich für das Vertrauen und die oft intensive Zusammenarbeit.“

Besonders erfreulich ist, dass der Gläubigerausschuss und insbesondere die sehr engagierte Commerzbank AG nicht nur vollumfänglich hinter dem in den vergangenen neun Monaten erarbeiteten Sanierungskonzept der Handwerksbäckerei stehen, sondern alle Gläubigerausschussmitglieder ihre eigenen Erfahrungen und Sichtweisen konstruktiv in die gemeinsame Erarbeitung dieses Ergebnisses haben einfließen lassen.

Gleiches gilt für den Sachwalter Rolf Rombach von der gleichnamigen Sozietät in Erfurt und seinem Team. Rombach hatte seine Zustimmung zu den Plänen bereits vor der Gläubigerversammlung erteilt. Das positive Votum für die Sanierungspläne ist eine wichtige Voraussetzung für die Beendigungen der Verfahren durch das Amtsgericht Erfurt.

Die Frischback-Gruppe, bestehend aus der frischBack GmbH Arnstadt, der Arnstädter Landbrotbäckerei GmbH und der Backspezialitäten GmbH Thüringen, hatte am 10. August 2017 für alle drei Unternehmen Insolvenzanträge in Eigenverwaltung gestellt. Die Verfahren wurden Anfang Januar 2018 eröffnet.

„Im Vordergrund der Neuausrichtung der Frischback-Gruppe standen von Beginn an die Reduktion der Komplexität, die Optimierung der Filialstruktur sowie die Positionierung als regionaler, inhabergeführter Qualitätsanbieter. Gemeinsam mit dem Unternehmen haben wir hierzu nicht nur ein passgenaues Konzept erarbeitet, sondern bereits eine Vielzahl von Maßnahmen umgesetzt und die Neuausrichtung somit bereits auf einen guten Weg gebracht“, erklärt Bozidar Radner, geschäftsführender Gesellschafter der Buchalik Brömmekamp, der die Restrukturierung des Unternehmens mit seinem Team begleitet.

Dass mit der Sanierung und Restrukturierung eines Unternehmens nicht zwangsläufig ein Stellen- und Filialabbau, sondern vielmehr ein entsprechender Ausbau verbunden sein kann, zeigt sich im hiesigen Fall deutlich: Im Rahmen der Optimierung der Filialstruktur übernahm die Frischback von der ebenfalls insolventen elmi-Bäckerei sechs Filialen. Den dort gekündigten Mitarbeitern konnten von Frischback neue Stellen angeboten werden. Weiterhin übernahm der Traditionsbäcker innerhalb des Sanierungsverfahrens weitere attraktive Filialstandorte wie das traditionsreiche Café am Dom in Erfurt. Die diesbezüglichen Verhandlungen und die Einarbeitung der teilweisen Übernahme des Wettbewerbers in das Gesamtsanierungskonzept waren dabei von großer Individualität geprägt und bewegten sich weit außerhalb jedweden üblichen Sanierungsansatzes.

„In enger Zusammenarbeit mit der Unternehmerfamilie ist es uns so gelungen, die Frischback-Gruppe sowohl auf die Bedürfnisse der Unternehmerfamilie Heyl anzupassen als auch produktions- und vertriebsseitig fit für die Zukunft zu trimmen. Mit einer weiteren Verstärkung durch einen branchenerfahrenen Vertriebsgeschäftsführer wird die Neuausrichtung in den kommenden Jahren nachhaltig fortgeführt und vertieft werden“, so Dr. Hubertus Bartelheimer, der federführend die insolvenzrechtliche Beratung der Unternehmensgruppe begleitet. Dr. Bartelheimer ist geschäftsführender Gesellschafter sowie Leiter der Berliner und Dresdner Büros von Buchalik Brömmekamp.

Die Insolvenzverschleppungshaftung von Steuerberatern bei pflichtwidrigem Ansatz von Fortführungswerten – Robert Buchalik in Service Seiten FSR

Wege zur Haftungsvermeidung

Das Risiko von Steuerberatern für Schäden ihrer Mandanten aufgrund einer verspäteten Insolvenzantragstellung haften zu müssen, war in der Vergangenheit vergleichsweise gering. Dies hat sich durch ein Urteil des BGH vom 26.01.2017 (Az. IX ZR 285/14) grundlegend geändert. Das in der Entscheidung aufgestoßene Einfallstor für die Haftung des mit der Erstellung des Jahresabschlusses beauftragten Steuerberaters gründet auf dem Vorwurf der unrichtigen Bilanzerstellung aufgrund eines pflichtwidrigen Ansatzes von Fortführungswerten gem. § 252 Abs. 1 Nr. 2 HGB in Verbindung mit einer Verschärfung der Hinweispflichten des Steuerberaters. Einige Steuerberater kommen deshalb zu dem Ergebnis, dass es aufgrund dieses Urteils in einer Krisensituation in den Mandatsverhältnissen zwischen Unternehmen und Steuerberatern zu schweren Verwerfungen kommen wird: Unternehmer würden in der Krise kaum noch Beratung bekommen können. 

Ganz so kritisch stellt sich die Situation nicht dar, denn es gibt Lösungswege, allerdings ist die Problematik und das für die Steuerberater daraus resultierende Risiko auch nicht zu unterschätzen.

Jugendhilfe Let’s go will erfolgreiches Kinder- und Jugendhilfekonzept durch Eigenverwaltung fortführen

  • Alle pädagogischen Einrichtungen bleiben unverändert geöffnet und das Betreuungsangebot ist weiterhin sichergestellt

 

Brilon. 1. Februar 2018. Viele haben bereits die Schattenseite des Lebens gesehen und benötigen pädagogische/psychologische Unterstützung. Das gilt ebenso für die rund 200 Kinder und Jugendlichen, die vom Verein Let’s go! betreut werden, wie auch für die vierbeinigen therapeutischen Helfer der Jugendhilfeeinrichtung. Die verhaltensauffälligen Jugendlichen und Tiere helfen sich in dem ungewöhnlichen Konzept gegenseitig. Sie verarbeiten gemeinsam negative Erlebnisse und wollen damit wieder Vertrauen zu anderen Menschen fassen. Rund 250 Pädagogen, Therapeuten und Mitarbeiter kümmern sich in den knapp 40 Einrichtungen in Nordrhein-Westfalen und Hessen sowie in zwei Auslandsstandorten um die traumatisierten Kinder und Jugendlichen. Während die tiergestützte Pädagogik von den Jugendämtern stark nachgefragt wird und die Wartelisten für freiwerdende Plätze immer länger werden, ist der Trägerverein aus Brilon in finanzielle Schwierigkeiten geraten. Mit einem Eigenverwaltungsverfahren soll die Jugendhilfeeinrichtung saniert und das erfolgreiche Angebot fortgeführt werden.

„Der Verein hat in seiner kurzen zehnjährigen Geschichte einen enormen Zuwachs erfahren. Heute betreuen wir fast viermal so viele Jugendliche wie in unserer Anfangsphase. Während wir die Betreuungsplätze immer weiter ausgebaut haben, sind allerdings unsere Verwaltungsabläufe und Strukturen nicht mitgewachsen. Das hat uns eingeholt. Mit dem Eigenverwaltungsverfahren wollen wir uns neu aufstellen“, erklärt Let’s Go-Vorstand Helga Senger. Verspätete Zahlungen für das Betreuungsangebot sowie ein vom Verein vorfinanzierter Immobilienkredit hatten im vergangen Jahr zu einem Liquiditätsengpass und dann im Oktober 2017 zur Insolvenzantragstellung geführt. Während das vorläufige Verfahren noch im Rahmen einer Regelinsolvenz durchgeführt wurde, hat mit der Eröffnung die Verfahrensart gewechselt. Das Amtsgericht Arnsberg unterstützt den Antrag des Vereins auf eine Eigenverwaltung.

 

 

Das Besondere des Eigenverwaltungsverfahrens ist, dass der Vorstand nun wieder die Vereinsgeschäfte übernommen hat und die weitere Sanierung selbstständig übernehmen kann. Alle Maßnahmen erfolgen im Einvernehmen mit den Gläubigern, dem überwachenden Sachwalter und dem Insolvenzgericht. Der Vorstand wird zudem durch die Sanierungsexperten der Wirtschaftskanzlei und Unternehmensberatung Buchalik Brömmekamp aus Düsseldorf unterstützt. Das Düsseldorfer Unternehmen begleitet derzeit die AWO Mülheim sowie die Suchtklinik „Neue Rhön“ durch ein Eigenverwaltungsverfahren. Vor Ort soll Tim Langstädtler (ebenfalls Buchalik Brömmekamp) den Vorstand ergänzen. Zudem hat das Amtsgericht Arnsberg den Rechtsanwalt Dr. Christoph Schulte-Kaubrügger von der Kanzlei White & Case als Sachwalter bestellt. Der Sachwalter übernimmt eine Aufsichtsfunktion und hat darüber hinaus die Aufgabe, die wirtschaftliche Lage des Schuldners zu prüfen.

Die Jugendhilfeeinrichtung hat das bisherige Verfahren genutzt, um gemeinsam mit Buchalik Brömmekamp ein zukunftsfähiges Sanierungskonzept zu erstellen, das die Fortführung des Vereins darstellt. Alle pädagogischen Einrichtungen bleiben unverändert geöffnet und das Betreuungsangebot war und ist weiterhin sichergestellt. „Zunächst werden wir die unrentablen Leistungen auf den Prüfstand stellen und diese Fit für die Zukunft machen. Zusätzlich soll das ambulante und beratende Angebot ausgebaut werden. Darüber hinaus müssen wir aber noch viel mehr auf die Bevölkerung zugehen und für den Verein werben. Denn bisher fließen der Jugendhilfeeinrichtung trotz der hervorragenden Arbeit der Mitarbeiter nur sehr wenige Spenden zu“, erläutert Sanierungsexperte Tim Langstädtler die nächsten Schritte.

Rechtliche Grundlage für die Eigenverwaltung ist das Gesetz zur Erleichterung der Sanierung von Unternehmen, kurz ESUG genannt. Es trat im März 2012 in Kraft. Das ESUG eröffnet betroffenen Unternehmern und auch Vereinen eine Vielzahl von Möglichkeiten, Liquidität zu generieren, die sie für die Sanierung benötigen und die das Eigenkapital wiederherstellen. Am Ende des Verfahrens steht ein Sanierungsplan, der die Entschuldung des Vereins, die Befriedigung gesicherter und ungesicherter Gläubiger regelt sowie die erforderlichen Sanierungsmaßnahmen aufzeigt. Diesem Plan müssen die Gläubiger zustimmen.

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