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Handlungsbedarf nach der ESUG Evaluation? – Robert Buchalik in der ZInsO: Es liegt nun am Gesetzgeber, Änderungen am ESUG mit dem nötigen Augenmaß und eingriffsinvasiv vorzunehmen.

Zwischenzeitlich steht der Bericht zur Evaluation des ESUG auch öffentlich zur Verfügung. Zusammenfassend kommt das Expertenteam zu dem Ergebnis, dass eine Abkehr vom ESUG, insbesondere eine grundlegende Umgestaltung der 2011 reformierten Eigenverwaltung als zentralem Baustein der Reform, weder durch die Befragungsergebnisse noch durch die rechtswissenschaftliche Bewertung empfohlen wird. Die Evaluation zeigt zwar Korrektur- und Ergänzungsbedarf in Bezug auf einige, allerdings durchaus gewichtige Regelungspunkte sowie Einzelfragen auf. Die Rückkehr zum früheren Recht sehen die Experten aber nicht veranlasst, ebenso wenig wie die Bundesregierung. Die Befragung hat vielmehr ergeben, „ dass das ESUG in der Summe die Erwartungen eher erfüllt hat “…

Anders als es von interessierten Kreisen gerne gesehen und vermittelt wird, ist das ESUG in der Insolvenzpraxis angekommen und zwischenzeitlich auch nicht mehr wegzudenken. Es spielt nicht nur bei größeren Unternehmen eine wichtige Rolle. Auch viele kleinere Unternehmen nutzen die Möglichkeiten des ESUG. Dass es nicht noch viel mehr sind, liegt aus Sicht des Verfassers und den Erhebungen der Praxis an der fehlenden Aufklärung im Allgemeinen, aber auch daran, dass insbesondere Insolvenzverwalter kriselnden Unternehmen eher zur Regelinsolvenz als zur Eigenverwaltung raten. Einerseits ist das ESUG mittlerweile Normalität, andererseits ist der Wandel in eine andere Insolvenzkultur noch nicht gelungen. Das liegt nicht allein daran, dass das Stigma der Insolvenz noch nicht aus den Köpfen der Unternehmer und der Allgemeinheit verschwunden ist, sondern auch am Primat der sog. „bestmöglichen Gläubigerbefriedigung“, die in vielen Fällen zu einem Verlust des Unternehmens für den antragstellenden Unternehmer führt. Erst wenn dieser mehr Sicherheit bekommt, wird die Sanierung in Eigenverwaltung einhergehend mit umfassender Aufklärung vollständige Normalität in einer wachsenden Kultur der Zweiten Chance.

Ein großer Teil früherer Eigenverwaltungshindernisse wurden jüngst durch die Gesetzgebung zum Sanierungsgewinn, aber auch durch aktuelle BGH-Rechtsprechung, wie z.B. zur Eingehung von Masseverbindlichkeiten in der vorläufigen Eigenverwaltung (§ 270a InsO), der Nichtanwendbarkeit des § 55 Abs. 4 InsO und zur Haftung der Organe in der Eigenverwaltung ausgeräumt bzw. wurde diesbezüglich eine klarere Rechtslage geschaffen.

Es liegt nun am Gesetzgeber, Änderungen am ESUG mit dem nötigen Augenmaß und eingriffsinvasiv vorzunehmen, keinesfalls aber das Rad wieder zurückzudrehen. Das Gesetz hat sich bewährt. Deutschland hat vom Gesetzgeber ein Sanierungsinstrument bekommen, um das wir weltweit beneidet werden. Es ist ein Gesetz vor allem für den Mittelstand und dabei sollte es auch bleiben. Bestrebungen, das ESUG nur auf größere Unternehmen zu beschränken, sollte eine klare Absage erteilt werden, denn ansonsten wird die Eigenverwaltung wieder in die Bedeutungslosigkeit geführt.

Das ESUG hatte und hat zum Ziel, den Gläubigereinfluss zu stärken. Das ist vollumfänglich gelungen und einer der wesentlichen Gründe für den Erfolg der Neuregelungen. Allen Versuchen, dies zu revidieren und gar Kompetenzen wieder auf das Gericht zu verlagern, sollte ebenfalls eine klare Absage erteilt werden. Das Gericht entscheidet in sehr verantwortungssensibler Weise über die Zusammensetzung des Gläubigerausschusses. Damit hat das Gericht auf Kompetenz und Seriosität des Gremiums Einfluss, was genügen sollte, denn letztlich handelt es sich um ein gläubigerautonom zu gestaltendes Verfahren.

Weder hat der Evaluierungsbericht die immer wieder herbeigeredete Missbrauchsanfälligkeit der Eigenverwaltung bestätigt, noch konnte belegt werden, dass die Kosten der Eigenverwaltung die einer Regelinsolvenz überschreiten. Dass hier gleichwohl eine sinnvolle Kontrolle durch die Gerichte und Gläubiger erfolgen sollte, ist selbstverständlich.

Sicher gibt es Nachjustierungsbedarf, insbesondere was die Zugangsvoraussetzungen betrifft. Ein professioneller, erfahrener Berater beachtet aber schon heute die wesentlichen Forderungen. Viele Vorschläge im Gesamtbericht sind weitgehend – mit den hier dargelegten Einschränkungen – akzeptabel. Viele darüber hinausgehende Vorschläge sind eher von dem Wunsch getragen, die Möglichkeiten der Eigenverwaltung zu beschränken. Die Eigenverwaltung ist letztlich auch zu einem Wirtschaftsfaktor in der sog. Crash-Industry geworden, von der einige, die bislang gut von der Insolvenz gelebt haben, von der Einnahmequelle zumindest teilweise abgeschnitten wurden und zugleich neue Wettbewerber aufgetreten sind, die an dem ohnehin durch die rückläufige Zahl von Insolvenzen geminderten Umsatz partizipieren, was den bisherigen Beteiligten naturgemäß auch nicht gefallen kann. Es liegt aber an jedem, die Möglichkeiten der Eigenverwaltung ernst zu nehmen und von den damit verbundenen wirtschaftlichen Möglichkeiten zu partizipieren. Vielen, insbesondere auch Insolvenzverwaltern, ist das in hervorragender Weise gelungen.

Der komplette Beitrag „Handlungsbedarf nach der ESUG Evaluation?“ aus der ZInsO 31/32.
Die Veröffentlichung erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Wolters Kluwer Deutschland GmbH

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Robert Buchalik in der Lebensmittel Praxis: ESUG – Ein gutes Modell

Insolvenz heißt nicht Scheitern: Sieben Jahre nach der Einführung des neuen Insolvenzrechts zieht Robert Buchalik, Insolvenzrechtsexperte, eine positive Bilanz.

Seit sieben Jahren gilt das neue Insolvenzrecht. Wie fällt Ihr Fazit aus?
Robert Buchalik: Das Gesetz zur weiteren Erleichterung der Sanierung von Unternehmen (ESUG) ist allen Unkenrufen zum Trotz ein Erfolgsmodell. Während es in den ersten Jahren insbesondere vonseiten einiger Insolvenzverwalter kleingeredet wurde, ist es heute zum Geschäftsmodell auch für Insolvenzverwalter geworden. Aktuelle Fälle belegen das eindrucksvoll. Mehr als die Hälfte aller großen Fälle finden heute bereits in Eigenverwaltung statt, und es gelingt nicht nur immer häufiger, Unternehmen zu erhalten, sondern sie auch dem Unternehmer zu erhalten.

Was sind die häufigsten Ursachen, die zur Insolvenz führen?
Eine Krise kommt aber selten über Nacht, und die Gründe dafür sind meist vielschichtig und auch branchenabhängig. Zu hohe Ladenmieten, gestiegene Personalkosten, Preiskampf in einer Branche, teure Kreditverträge, ungünstige Liefer-, Leasing- oder Absatzverträge können – meist in Kombination – in eine
Ertragskrise führen. In der Praxis kommt dann oft auch noch ein schwerwiegendes singuläres Ereignis hinzu, welches dann eine Insolvenzantragspflicht auslöst. Das kann etwa der plötzliche Verlust eines Großauftrags, die Kündigung von Kreditverträgen, die Pleite des Hauptlieferanten oder ein Totalschaden an der wichtigsten Produktionsmaschine sein. Vielfach sind es auch konjunkturelle Einflüsse. Oft spielt der Preiskampf unter Wettwerbern eine große Rolle, nicht selten haben die Unternehmen es versäumt, ihr Geschäftsmodell den sich verändernden Gegebenheiten anzupassen. Ein Unternehmen muss sich insbesondere im Zeitalter der Digitalisierung ständig neu erfinden, macht es das nicht, verliert es schnell den Anschluss.

Was würden Sie einem Unternehmer mitgeben, der beabsichtigt, einen solchen Weg zu beschreiten?
Das Wichtigste ist, dass er den richtigen Berater findet. Leider tummeln sich viele Berater im Markt, die entweder „Jugend forscht“ betreiben oder andere Ziele als den Unternehmenserhalt im Auge haben. Der Unternehmer muss großes Vertrauen zum Berater entwickeln, denn zunächst legt er – wenn auch nur vorübergehend – sein geschäftliches Schicksal in die Hände seines Beraters. Er sollte sich davon überzeugen, dass es dem Berater in erster Linie um den Erhalt des Unternehmens und um den Schutz des Unternehmers geht, damit die Existenz des Unternehmers weiterhin gesichert ist.

Das komplette Interview ESUG – Ein gutes Modell aus der Lebensmittel Praxis

Wir suchen Sie als Wirtschaftsjurist (m/w) mit Schwerpunkt Insolvenzrecht (Eigenverwaltung) – Buchalik Brömmekamp verstärkt sein Team

Für den Standort Düsseldorf suchen wir

Wirtschaftsjurist (m/w) mit Schwerpunkt Insolvenzrecht (Eigenverwaltung)

Sie arbeiten in einem interdisziplinären Team von Rechtsanwälten und Betriebswirten.

Zu Ihrem Aufgabengebiet gehören unter anderem

  • Koordinierung des Informationsaustausches zwischen am Verfahren Beteiligten und aller maßgeblichen Vorgänge zur Abwicklung (u.a. Berichtswesen)
  • Unterstützung bei der Vorbereitung von Insolvenz(plan)verfahren in Eigenverwaltung
  • Erarbeitung von Insolvenzplänen
  • Intensive Kommunikation mit Gerichten, Sachwaltern und Gläubigern

Für diese anspruchsvolle Aufgabe wenden wir uns bevorzugt an Kolleginnen/Kollegen mit mindestens 2-jähriger Berufserfahrung auf dem Gebiet Insolvenzrecht, aber auch Berufsanfänger mit sehr guten Examen und einem Ausbildungsschwerpunkt im Insolvenzrecht sind willkommen.

Praxiserprobte Englischkenntnisse und ein ausgeprägtes Verständnis wirtschaftlicher Zusammenhänge runden Ihr Profil ab. Daneben legen wir Wert auf Teamfähigkeit sowie Freude an analytischer und strukturierter Arbeit.

Wir bieten Ihnen

  • Interessante Entwicklungsmöglichkeiten
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  • Spannende Projekte bei mittelständisch geprägten Mandanten in einem weitgehend neuen rechtlichen Umfeld
  • Die Möglichkeit zur persönlichen Förderung durch Veröffentlichungen, Vorträge sowie Aus-und Weiterbildung

Wenn Sie diese Herausforderung interessiert, dann senden Sie uns bitte Ihre Bewerbungsunterlagen per E-Mail an:

Frau Nicole Schuler
Prinzenallee 15
40549 Düsseldorf
bewerbung@buchalik-broemmekamp.de

Alno Küchenwelten Reimers saniert sich in Eigenverwaltung

  • Ausstellungsräume in Bonn, St. Augustin und Bergisch Gladbach weiterhin geöffnet
  • Bestellte Küchen werden ausgeliefert
  • Die Auslieferung von neuverkauften Küchen ist gesichert

Bonn. 28. Juli 2017. Die Insolvenz des Küchenherstellers Alno hat nun auch die Alno Küchenwelten Reimers GmbH, mit Hauptsitz in Bonn, in wirtschaftliche Schwierigkeiten gebracht. Die Lieferschwierigkeiten von Alno, bei dem die Produktion Mitte dieser Woche erst wieder angelaufen ist, haben beim Küchenfachberater zu einem Liquiditätsengpass geführt. Vorsorglich hat Geschäftsführer Uwe Reimers beim Amtsgericht Bonn deshalb einen Antrag auf ein Eigenverwaltungsverfahren gestellt, um das Unternehmen umfassend zu sanieren und in Zukunft unabhängiger vom Hersteller Alno zu werden. Das Amtsgericht Bonn hat heute dem Antrag des Unternehmens entsprochen und eine vorläufige Eigenverwaltung angeordnet. „Das Verfahren hat das Ziel, das Unternehmen dauerhaft mit dem bestehenden Gesellschafter fortzuführen. Deshalb erhalten unsere Kunden auch weiterhin die bisher bestellten Küchen. Aber auch während des Verfahrens können unsere Kunden neue Küchen bestellen, die auch termingerecht ausgeliefert werden“, versichert Geschäftsführer Uwe Reimers. Die Verkaufsräume an den drei Standorten in Bonn, St. Augustin und Bergisch Gladbach sind weiterhin und unverändert geöffnet. Die Alno Küchenwelten Reimers ist mit der Alno AG, Pfullendorf, in keinem gesellschaftsrechtlichen Verhältnis verbunden, sondern nutzt lediglich die Marke Alno und vertreibt bisher ausschließlich Alno-Küchen.

Geschäftsführer Uwe Reimers wird nun zusammen mit dem Beratungsunternehmen Buchalik Brömmekamp (Düsseldorf) ein tragfähiges Sanierungskonzept entwickeln, dem das Gericht und die Gläubiger zustimmen müssen. Außerdem begleitet der Sanierungsexperte Philipp Künne, Buchalik Brömmekamp Rechtsanwaltsgesellschaft, das Unternehmen während des Eigenverwaltungsverfahrens. Buchalik Brömmekamp hat bereits über 100 weitere Unternehmen erfolgreich durch ein Eigenverwaltungsverfahren begleitet. Diese agieren durch das Verfahren gestärkt wieder am Markt.

„Mit den Möglichkeiten des Verfahrens werden wir die Liquiditätssituation deutlich verbessern und so den wesentlichen Sanierungsansatz umsetzen. Vor allem sollen die Kunden in Zukunft aus einem deutlich erweiterten Produktangebot auswählen können“, erklärt Geschäftsführer Uwe Reimers.

In einer Betriebsversammlung wurden heute die insgesamt 40 Beschäftigten über das Verfahren informiert. Die Löhne und Gehälter sind in den nächsten drei Monaten über das Insolvenzgeld gesichert. In dem Verfahren sollen alle Arbeitsplätze erhalten bleiben.

Mit der Eigenverwaltung nutzt die Alno Küchenwelten Reimers die seit 2012 geltenden Möglichkeiten einer Sanierung unter Insolvenzschutz. Im Eigenverwaltungsverfahren bleibt die unternehmerische Verantwortung bei der bisherigen Geschäftsführung. Sie führen den Sanierungsprozess selbstständig und ohne Insolvenzverwalter aber mit einem zur Seite gestellten Sachwalter durch. Das Bonner Amtsgericht hat als vorläufige Sachwalterin Rechtsanwältin Nada Nasser, Partnerin der Kanzlei Kreplin & Partner, bestellt. Die Sachwalterin übernimmt eine Aufsichtsfunktion und hat darüber hinaus die Aufgabe, die wirtschaftliche Lage des Schuldners zu prüfen.

ESUG-Evaluierung bietet Chance für Reformen – Start der Umfrage

Mit dem Gesetz zur weiteren Erleichterung der Sanierung von Unternehmen (ESUG) wurde die Insolvenzordnung zum 01. März 2012 umfassend geändert, um die Sanierung von Unternehmen zu erleichtern und eine Kultur der zweiten Chance zu etablieren. Zu diesem Zweck sollte der Einfluss der Gläubiger auf die Auswahl des Insolvenzverwalters gestärkt, die Nutzung der Eigenverwaltung erleichtert und das Insolvenzplanverfahren von Hemmnissen und Verzögerungen befreit werden. Um zu untersuchen, ob das Gesetz an der ein oder anderen Stelle Nachjustierungs- oder Verbesserungsbedarf aufweist, hat der Bundestag die Bundesregierung gleichzeitig aufgefordert, die Erfahrungen mit der Anwendung des Gesetzes nach Ablauf von fünf Jahren nach dem Inkrafttreten zu evaluieren und auf dieser Grundlage Bericht zu erstatten. Bei der Evaluierung und der Berichterstattung sollen die folgenden Sachverhalte geprüft und erläutert werden (BR-Drs. 679/11, S. 3):

  • In welchem Umfang hat sich der stärkere Einfluss der Gläubiger auf die Auswahl des Insolvenzverwalters auf dessen Unabhängigkeit ausgewirkt? Ist es im nennenswerten Umfang vorgekommen, dass im Interesse einzelner Gläubiger Verwalter bestellt wurden, an deren Unabhängigkeit erhebliche Zweifel bestanden haben?
  • Wurde von der Möglichkeit, über einen Insolvenzplan in die Rechtsstellung von Gesellschaftern einzugreifen, Gebrauch gemacht und wie hat sich dies auf die Schuldnerunternehmen ausgewirkt? In welchem Umfang wurden Forderungen in Eigenkapital umgewandelt, und hat dieser Debt-Equity-Swap im nennenswerten Umfang grob egoistische Strategien ermöglicht, die sich letztlich zum Nachteil der Unternehmen und ihrer Arbeitnehmer ausgewirkt haben?
  • Wird das neu geschaffene „Schutzschirmverfahren“ des § 270b InsO den Erwartungen gerecht und hat es insbesondere zu einer frühzeitigen Antragstellung und zu einer Stärkung der Eigenverwaltung geführt? Wird trotz § 270b InsO noch ein Bedürfnis für ein vorinsolvenzliches Sanierungsverfahren gesehen?
  • Ist die Aufgabenverteilung zwischen Richter und Rechtspfleger angemessen oder sollte im Interesse einer effektiven Verfahrensabwicklung die funktionelle Zuständigkeit neu austariert werden?

Am 11. Mai 2017 hat sich das Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (BMJV) dazu entschieden, dass die Bietergemeinschaft Jacoby/Madaus/Sack/Schmidt/Thole die wissenschaftliche Evaluation durchführen werden. Bis Mai 2018 soll zunächst eine rechtstatsächliche Untersuchung durchgeführt werden, die neben statistischen Daten (erhoben von INDat) vor allem auch eine Befragung der mit dem ESUG beschäftigten Berufsträger beinhaltet (https://www.esug-evaluation.de/). Danach werden die Daten analysiert und in eine rechtswissenschaftliche Evaluation der ESUG-Reformen eingepflegt. Die Ergebnisse sollen gegen Ende des Untersuchungszeitraums in einem Symposium mit Vertretern von relevanten Berufsverbänden diskutiert werden.

„Die Entschließung, eine Evaluierungsklausel aufzunehmen, war jedenfalls richtig und wichtig. Jedes Gesetz sollte nach einer bestimmten Zeit auf seine Sinnhaftigkeit und auf seine Wirksamkeit hin überprüft werden. Insofern ist es richtig, dass sich der Gesetzgeber hier verpflichtet hat, nach fünf Jahren das ESUG zu überprüfen“, so Robert Buchalik, Vorstandsvorsitzender des BV ESUG. Außerdem steht der Richtlinienvorschlag der EU über präventive Restrukturierungsrahmen, die zweite Chance und Maßnahmen zur Steigerung der Effizienz von Restrukturierungs-, Insolvenz- und Entschuldungsverfahren und zur Änderung der Richtlinie 2012/30/EU (2016/0359 (COD)) seit dem 22.11.2016 zur Diskussion. Der Richtlinienvorschlag will die Sanierungskultur in Europa stärken. Er hat daher dieselbe Zielrichtung wie das ESUG. Allerdings sollte vor der Umsetzung weiterer Reformen, das bestehende Recht auf seinen Verbesserungs- bzw. Nachjustierungsbedarf hin überprüft werden. Daher ist die Evaluierung über Erfolg und Defizite des ESUG ein wesentlicher Faktor, um fundiert einschätzen zu können, inwieweit das deutsche Restrukturierungsrecht gut funktioniert und inwieweit Reformbedarf besteht. Dieser Reformbedarf könnte sodann ggf. bereits im Rahmen der Richtlinienumsetzung behoben werden.

„Es sollten sich möglichst viele Berater und vor allem diejenigen Unternehmer, die bereits Erfahrungen mit der Eigenverwaltung gemacht haben, sich an der Evaluierung beteiligen und den Fragebogen beantworten“, so Robert Buchalik.

return: Krisen-Ausfahrt – das erfolgreiche Eigenverwaltungsverfahren von Pfeiffer Reisen

Die Stationen der Buslinie 330 kennt Stefan Pfeiffer auswendig: Wiefelstede Am Tief, Neuenkruge Mitte, Metjendorf Am Sportplatz, und dann irgendwann die Endstation, Oldenburg ZOB. Es ist seine Lieblingsstrecke, wenn er einspringt, weil einer seiner Fahrer über Nacht krank geworden ist. 48 Minuten hin, 48 Minuten zurück. „Der Bus ist morgens voll, und ich unterhalte mich gern mit den Fahrgästen.“ Es fehlte nicht viel, und die Fahrgäste hätten den freundlichen Chauffeur nie mehr hinter dem Lenkrad gesehen. Pfeiffer, Inhaber des alteingesessenen Omnibusbetriebs Pfeiffer-Reisen, war zahlungsunfähig. Zu viel angefangen, zu schnell gewachsen, dann noch Pech gehabt. So lässt sich in einem Satz beschreiben, was dem 48-Jährigen mit seiner Firma widerfahren ist. Aber Pfeiffer hatte auch Glück im Unglück. Mitarbeiter und Kunden hielten zu ihm, Gläubiger zeigten Geduld, und ein erfahrener Sanierungsberater half bei der Umstrukturierung des Unternehmens. Heute zieht Pfeiffer das eher ungewöhnliche Fazit: „So schwer die Situation war, ich habe auch schöne Erfahrungen gemacht.“ Und sein Unternehmen? Ist seit acht Monaten raus aus der Insolvenz. Es schreibt schwarze Zahlen und hat 159 Mitarbeiter, 14 mehr als vor dem Konkurs.

Im Herbst 2015 hörte Alfons Kossen, Freund und Steuerberater von Pfeiffer, einen Vortrag der Düsseldorfer Anwaltskanzlei und Unternehmensberatung Buchalik Brömmekamp über das sogenannte Planverfahren in Eigenverwaltung. „Er kam zurück und sagte: Ich glaube, das ist was für dich“, erinnert sich Pfeiffer.

Selbst bei Fachleuten sind die in 2012 verbesserten Möglichkeiten der Eigenverwaltung auch heute noch vielfach unbekannt. Es handelt sich um eine Insolvenz ohne klassischen Insolvenzverwalter. Vielmehr ist es der Geschäftsführer selbst, der sein Unternehmen saniert – unterstütztvon Experten (siehe Kasten). „Zu den Voraussetzungen gehört, dass die Ursachen für die Schieflage durch strukturelle Anpassungen beseitigt werden können“, erklärt Bozidar Radner, Geschäftsführer von Buchalik Brömmekamp.

Der komplette Artikel aus der return.

Weitere Artikel zu Sanierung und Restrukturierung lesen Sie im Magazin Return

Kommunikationsagentur FORCE nutzt Eigenverwaltungsverfahren zur Sanierung

  • Verfahren hat keine Auswirkungen auf laufende und künftige Projekte

Düsseldorf. 6. Januar 2017. Die Düsseldorfer Kommunikationsagentur Force Communications & Media GmbH erreicht planmäßig den nächsten Schritt für eine erfolgreiche Sanierung. Das Düsseldorfer Amtsgericht eröffnete das Insolvenzverfahren über das Vermögen von Force und hat zugleich die Eigenverwaltung angeordnet. Mit der Eröffnung sieht auch das Gericht gute Chancen für eine Sanierung der Kommunikationsagentur. Nun können die Sanierungsmaßnahmen zum Erhalt des Unternehmens durch die Geschäftsführer Torsten Kusmanow und Michael Bergmann weiter umgesetzt werden. Der Geschäftsbetrieb läuft uneingeschränkt und unverändert weiter. Laufende und künftige Projekte werden termingerecht fertiggestellt. „Auch unsere Vertriebsoffensive trägt erste Früchte. Aktuell konnten verschiedene Mandate gewonnen werden“, erklärt Geschäftsführer Kusmanow. Wegen drohender Zahlungsunfähigkeit hatte das Unternehmen sehr frühzeitig den entsprechenden Antrag beim Amtsgericht Düsseldorf gestellt. Ursache für den Liquiditätsengpass waren Verschiebungen in der Kundenstruktur.

In dem Verfahren wird Force von den Beratungsunternehmen Buchalik Brömmekamp (Düsseldorf) und Morison Köln AG begleitet. „Derzeit laufen die Maßnahmen zur operativen Restrukturierung und die Fokussierung auf das bestehende Geschäftsmodell auf Hochtouren“, erklärt Tim Langstädtler, zuständiger Projektleiter bei Buchalik Brömmekamp. Im Mittelpunkt des entwickelten Sanierungskonzeptes stehen die Anpassung der Kostenstruktur an die zu erwartenden Umsätze sowie die Optimierung von Unternehmensprozessen. Weiterhin will das Unternehmen künftig stärker seine Digitalkompetenz nutzen und weitere eigene internetbasierte Produkte entwickeln. Dem Sanierungskonzept, das ebenfalls die Entschuldung des Unternehmens aufzeigt, müssen später die Gläubiger zustimmen. Weiterhin muss das Amtsgericht Düsseldorf nach der Gläubigerzustimmung das Konzept bestätigen.

Die Kommunikationsagentur Force Communications & Media hatte Anfang Mai 2016 einen Insolvenzantrag gestellt. Schon damals ordnete das Amtsgericht Düsseldorf auf Antrag des Unternehmens eine vorläufige Eigenverwaltung an. Hintergrund der wirtschaftlichen Schieflage des 2003 gegründeten Unternehmens ist vor allem der Weggang eines Großkunden, der seinen eigenen Marketingbereich hausintern neu ausrichtete. Force will sich durch das Eigenverwaltungsverfahren sanieren, den Umsatzrückgang kompensieren und sich wieder wettbewerbsfähig aufstellen.

In der Eigenverwaltung werden die Geschäfte weiterhin unter der Leitung der bisherigen Geschäftsführung geführt. Anders als in einer Regelinsolvenz wird in diesem Verfahren die Unternehmensleitung unter die Aufsicht eines Sachwalters gestellt, der ähnlich eines Aufsichtsrates die Interessen der Gläubiger vertritt. Das Amtsgericht Düsseldorf hat als Sachwalter Dr. Gregor Bräuer (hww hermann wienberg wilhelm) bestellt. Dr. Bräuer war bereits nach der Antragstellung als vorläufiger Sachwalter bestellt worden.