Wenn Kredite knapp werden, … Welche Alternativen haben KMU heute?

Angesichts der angespannten Wirtschaftslage ist Cash für Mittelständler längst wieder King. Doch während der Liquiditätsbedarf steigt, werden klassische Finanzierungswege immer enger. Wer investieren, sich stabilisieren oder reorganisieren muss, braucht neue Pfade. Alternative Finanzierungen wie Sale & Lease Back können diese bereitstellen. Deshalb werden sie in der aktuell dynamischen Zeit für viele KMU zum entscheidenden Taktgeber.

Die wirtschaftliche Lage bleibt angespannt: Das ifo-Institut beispielsweise rechnet in seiner Frühjahrsprognose für 2026 lediglich mit einem BIP-Wachstum von rund 0,6 Prozent. Der ersehnte Aufschwung verläuft damit wesentlich schleppender als zunächst angenommen. Gleichzeitig sorgen geopolitische Risiken, insbesondere die wirtschaftlichen Auswirkungen des Iran-Konflikts, für zusätzliche Unsicherheit, etwa über Energiepreise und Lieferketten.

Für Unternehmen bedeutet das: Die Rahmenbedingungen stabilisieren sich – wenn überhaupt – nur langsam, während strukturelle Belastungen bestehen bleiben. Investitionen werden zurückgestellt, obwohl Transformationsdruck besteht. Die Margen geraten immer häufiger ins Wanken und die Finanzierung wird zur Zitterpartie.

Kreditzugang bleibt zentrale Hürde

Die volatile Situation hält auch den Kreditmarkt in Atem. So zeigt die KfW-ifo-Kredithürde weiterhin ein schwieriges Umfeld, gerade für kleine mittelständische Unternehmen (KMU). Zuletzt berichteten 34 Prozent der Unternehmen von restriktiveren Verhandlungen mit Banken. Hinzu kommen oft längere Entscheidungsprozesse und höhere Anforderungen an Bonität, Sicherheiten und Transparenz. Manche Branche wird derzeit generell nicht mehr mit Krediten bedient. Gleichzeitig verzichten nicht wenige Betriebe bereits im Vorfeld auf Kreditanfragen, weil sie eine Ablehnung erwarten.

Regulierung verschärft die Situation zusätzlich

Neben der konjunkturellen Lage wirkt ein zweiter Treiber: die Regulierung. Die Aufsichtsprioritäten der Europäischen Zentralbank für die Jahre 2026 bis 2028 setzen klare Schwerpunkte – insbesondere bei Kreditrisiken, der Kapitalunterlegung und der operationellen Resilienz. Damit steigen die Anforderungen an Banken weiter. Hinzu kommen Vorgaben wie DORA, die die digitale Widerstandsfähigkeit von Finanzinstituten stärken sollen, etwa im Umgang mit Cyberrisiken, IT-Ausfällen und Abhängigkeiten von Drittanbietern. Parallel dazu rücken Themen wie ESG-Risiken, Datenqualität und Risikotransparenz stärker in den Fokus der Aufsicht.

Für die Kreditvergabe hat das konkrete Folgen: Banken müssen Risiken konservativer bewerten, ihr Eigenkapital gezielter einsetzen und ihre Portfolios aktiver steuern. Engagements mit erhöhtem Risiko oder unklarer Datenlage werden damit deutlich anspruchsvoller. Selbst tragfähige mittelständische Geschäftsmodelle können in bestimmten Situationen an regulatorisch verursachte Grenzen stoßen, unabhängig davon, ob sie langfristig wirtschaftlich sind.

Finanzierungslücken entstehen immer häufiger

Diese Entwicklung betrifft längst nicht mehr nur Unternehmen in Schieflage. Finanzierungslücken entstehen heute in einer Vielzahl unternehmerischer Situationen – etwa, wenn Investitionen in Digitalisierung, Energieeffizienz oder neue Geschäftsmodelle anstehen, wenn Wachstum zusätzlichen Working-Capital-Bedarf erzeugt oder wenn größere Aufträge vorfinanziert werden müssen. Auch Umstrukturierungen, Nachfolgelösungen oder (distressed) M&A-Prozesse führen häufig zu ungedecktem Kapitalbedarf.

Gemeinsam ist all diesen Situationen, dass Liquidität schnell verfügbar sein muss, während klassische Kreditprozesse Zeit benötigen oder aufgrund der derzeitigen Risikoaversion nicht greifen. Genau hier entsteht die Lücke, die zunehmend durch alternative Finanzierungsarten geschlossen wird.

Alternative Finanzierungen als pragmatische Ergänzung

Das Spektrum alternativer Finanzierungen ist breit. Factoring ermöglicht es etwa, Forderungen unmittelbar in Liquidität umzuwandeln. Einkaufs- und Lagerfinanzierungen entlasten das Working Capital. Für spezielle Situationen kommen zudem Private-Debt- oder Mezzanine-Lösungen in Betracht.
Alle diese Instrumente ersetzen die klassische Bankfinanzierung zwar nicht, aber sie ergänzen diese pragmatisch: Sie springen überall dort in die Bresche, wo Banken aus regulatorischen oder risikobedingten Gründen nicht oder nicht schnell genug agieren können. So wird zusätzlicher Handlungsspielraum geschaffen.

Sale & Lease Back: Liquidität aus gebrauchten Maschinen

Im industriellen Mittelstand gewinnt dabei auch die objektbasierte Finanzierung an Bedeutung. Modelle wie Sale & Lease Back (SLB) setzen dort an, wo in vielen Unternehmen erhebliche Werte gebunden sind: im mobilen Anlagevermögen. Maschinen, Anlagen oder Fahrzeuge werden an einen Finanzierungspartner verkauft und unmittelbar zurückgeleast. Der operative Betrieb bleibt unbelastet, während Liquidität freigesetzt wird.

Ein grundsätzlicher Unterschied zur klassischen Kreditfinanzierung liegt hier im Bewertungsansatz. Während Banken primär auf die optimale Bonität abstellen, steht bei SLB die Werthaltigkeit der betrieblichen Vermögensgegenstände im Mittelpunkt. Für Unternehmen, deren Kennzahlen zeitweise unter Druck stehen, die aber über substanzielles mobiles Anlagevermögen verfügen, eröffnet das neue Handlungsspielräume. Damit lassen sich auch stille Reserven heben, wenn die entsprechenden Assets bereits größtenteils abgeschrieben sind. Die Leasingraten der Maschinen sind zudem steuerlich absetzbar.

Finanzierungsvoraussetzung: Qualität der Assets

Durch SLB ergeben sich gleichzeitig auch bilanzielle Effekte: Die Bilanzsumme lässt sich damit reduzieren, die Eigenkapitalquote verbessern. Das kann die Ausgangssituation für spätere Kreditverhandlungen stärken und dazu beitragen, die Finanzierungsfähigkeit von KMU mittelfristig wieder zu erhöhen.

Allerdings ist auch dieses Instrument kein universeller Lösungsansatz. Entscheidend ist, ob geeignete Vermögenswerte vorhanden sind. In Frage kommen vor allem marktgängige, fungible Maschinen, Anlagen oder Fahrzeuge mit stabilem Wiederverkaufswert. Spezialanfertigungen, Prototypen oder stark verkettete sowie mit der Halle fest verbaute Anlagen sind dagegen in der Regel nicht geeignet. Die Struktur des Anlagevermögens bestimmt somit maßgeblich, ob und in welchem Umfang SLB eingesetzt werden kann.

Ein verändertes Finanzierungs-Ökosystem

Für Unternehmen bedeuten Ansätze wie SLB ein erweitertes Instrumentarium, um Finanzierungslücken zu schließen und in volatilen Zeiten handlungsfähig zu bleiben. Für Banken eröffnet sich die Möglichkeit, Kundenbeziehungen auch dann zu halten, wenn klassische Kredite nicht darstellbar sind. Und für Berater entstehen zusätzliche Ansatzpunkte, um tragfähige Lösungen in komplexen Situationen zu entwickeln.

Denn: In einem Umfeld mit schwachem Wachstum, geopolitischen Risiken und steigenden regulatorischen Anforderungen wird Finanzierung zunehmend zur Frage der Passgenauigkeit. Nicht jedes Unternehmen scheitert heute an einem unzeitgemäßen Geschäftsmodell. Häufig entscheidet auch der Zugang zu Liquidität darüber, ob operative Kontinuität, Stabilisierung und Transformation gelingen oder misslingen.

Die wachsende Bedeutung alternativer Modelle ist Ausdruck eines strukturellen Wandels in der Unternehmensfinanzierung. Es entsteht ein neues Finanzierungs-Ökosystem. Banken bleiben hier zwar zentrale Partner, agieren jedoch selektiver und stärker risikoorientiert. Alternative Finanzierer treten nicht an ihre Stelle, sondern ergänzen sie, wo es nötig ist. Gerade in anspruchsvollen Phasen entsteht daraus ein Zusammenspiel, das mittelständischen Unternehmen zusätzliche Optionen eröffnet.

Über den Autor

Carl-Jan von der Goltz, Geschäftsführender Gesellschafter, Maturus Finance GmbH

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