• Übli­ches Mahn­we­sen erhöht Risi­ko der Insol­venz­an­fech­tung deutlich
  • Raten­zah­lungs­ver­ein­ba­run­gen und Inkas­so­auf­trä­ge vermeiden
  • Spe­di­ti­on zur Rück­zah­lung verurteilt

Düs­sel­dorf, 21. März 2016. Der Bun­des­ge­richts­hof hat die Pro­ble­ma­tik der Insol­venz­an­fech­tung für Gläu­bi­ger durch sein aktu­el­les Urteil wei­ter ver­schärft. Zugleich macht die Ent­schei­dung (BGH, Urt. v. 25.02.2016 – IX ZR 109/15) deut­lich, dass die geplan­te Geset­zes­än­de­rung zum Anfech­tungs­recht wir­kungs­los blei­ben wird. „Zah­lun­gen des Schuld­ners an sei­nen Gläu­bi­ger nach Raten­zah­lungs­ver­ein­ba­run­gen und Mah­nun­gen oder nach der Dro­hung mit Inkas­so­un­ter­neh­men, einem Anwalt, einem Gerichts­ver­fah­ren oder dem Lie­fer­stopp wer­den auch künf­tig sehr leicht anfecht­bar sein“, erklär­te Dr. Olaf Hie­bert, Anfech­tungs­rechts­ex­per­te der Wirt­schafts­kanz­lei Bucha­lik Brömmekamp.

Ein eng­ma­schi­ges Rech­­nungs- und Mahn­we­sen baue nach Ansicht des BGH einen erheb­li­chen Zah­lungs­druck beim Schuld­ner auf. Die­ses Vor­ge­hen soll bei einer spä­te­ren Insol­venz des Schuld­ners nach der aktu­el­len Recht­spre­chung des BGH ein schwer­wie­gen­der Nach­teil sein und einen Anspruch des Insol­venz­ver­wal­ters auf Rück­zah­lung von dem Schuld­ner an den Gläu­bi­ger erbrach­ter Zah­lun­gen begründen.

In dem der Ent­schei­dung zugrun­de lie­gen­den Fall war ein­mal mehr ein Spe­di­teur betrof­fen, der im Rah­men einer stän­di­gen Geschäfts­be­zie­hung Waren für den spä­ter in Insol­venz gera­te­nen Unter­neh­mer trans­por­tier­te. Der Unter­neh­mer zahl­te die Rech­nung des Spe­di­teurs zunächst nicht und igno­rier­te schlicht des­sen Zah­lungs­auf­for­de­run­gen. Erst nach zahl­rei­chen Mah­nun­gen, der Ein­schal­tung eines Inkas­so­un­ter­neh­mens und dem Erlass eines gericht­li­chen Mahn­be­schei­des, der in ein Gerichts­ver­fah­ren mün­de­te, bot der Schuld­ner eine Raten­zah­lung an. Der Schuld­ner muss­te spä­ter Insol­venz anmel­den und der Insol­venz­ver­wal­ter ver­lang­te nun die gezahl­ten Raten von dem Spe­di­ti­ons­un­ter­neh­men zurück. Wäh­rend die Vor­in­stan­zen dem Spe­di­teur Recht gaben, ver­ur­teil­te der BGH den Spe­di­teur zur Rückzahlung.

Straf­fes Mahn­we­sen und Inkas­so­un­ter­neh­men wer­den für Gläu­bi­ger zum Eigentor

Dem Spe­di­teur wur­den ins­be­son­de­re sei­ne viel­fäl­ti­gen Mah­nun­gen zum Ver­häng­nis. Die­se – in Kom­bi­na­ti­on mit dem mona­te­lan­gen Schwei­gen des Schuld­ners – begrün­den nach Auf­fas­sung des Gerichts (BGH aaO Rn. 13) schon für sich genom­men ein Indiz für eine Zah­lungs­ein­stel­lung des Schuld­ners, die ihrer­seits gemäß § 17 Abs. 2 Satz 2 InsO die Zah­lungs­un­fä­hig­keit des Schuld­ners ver­mu­ten lässt. Der Schuld­ner habe ange­sichts des inten­si­ven Zah­lungs­ver­lan­gens mit einer als­bal­di­gen Gel­tend­ma­chung gericht­li­cher Schrit­te durch den Gläu­bi­ger rech­nen müs­sen. Vor dem Hin­ter­grund die­ses Drucks sei­tens des Gläu­bi­gers, kön­ne das fünf Mona­te wäh­ren­de Schwei­gen des Schuld­ners nicht mehr als andau­ern­de For­de­rungs­prü­fung ver­stan­den wer­den; zumal die Geschäfts­be­zie­hung bis dahin stö­rungs­frei ver­lief. Auch der Umstand, dass der Schuld­ner selbst nach der Beauf­tra­gung eines Inkas­so­un­ter­neh­mens nicht leis­te­te, ist als Indiz für die Kennt­nis des Gläu­bi­gers von der Zah­lungs­ein­stel­lung des Schuld­ners zu werten.

Raten­zah­lungs­ver­ein­ba­run­gen blei­ben pro­ble­ma­tisch ins­be­son­de­re bei Prozessvergleichen 

Zwar stell­te der BGH (Beschl. v. 16.04.2015 – IX ZR 6/14 Rn. 3) bereits im ver­gan­ge­nen Jahr klar, dass eine Raten­zah­lungs­ver­ein­ba­rung und die Zah­lung in Raten kein Indiz für eine Zah­lungs­ein­stel­lung oder Zah­lungs­un­fä­hig­keit des Schuld­ners ist, wenn sie im Rah­men der Gepflo­gen­hei­ten des Geschäfts­ver­kehrs erfolgt. Wird die Bit­te des Schuld­ners um Raten­zah­lung jedoch mit der Erklä­rung ver­bun­den, er kön­ne sei­ne fäl­li­gen Ver­bind­lich­kei­ten anders nicht zah­len, so ist dies eben doch ein Indiz (BGH, Beschl. v. 16.04.2015 – IX ZR 6/14 Rn. 4). Für den Gerichts­hof ist eine erst nach Offen­bar­wer­den von Zah­lungs­schwie­rig­kei­ten im Rah­men eines Rechts­streits geschlos­se­ne Raten­zah­lungs­ver­ein­ba­rung ein Indiz, weil eine sol­che Ver­ein­ba­rung nicht den übli­chen Gepflo­gen­hei­ten des Geschäfts­ver­kehrs ent­spricht. Denn kein red­li­cher Schuld­ner las­se sich, ohne die gel­tend gemach­te For­de­rung sach­lich abweh­ren zu wol­len, ver­kla­gen, nur um den Gläu­bi­ger zum Abschluss einer Raten­zah­lungs­ver­ein­ba­rung zu brin­gen. Die­se Aus­le­gung bedeu­tet für die bei Gericht häu­fig – auch in Anse­hung der wirt­schaft­li­chen Leis­tungs­fä­hig­keit des Beklag­ten – geschlos­se­nen Ver­glei­che mit ver­ein­bar­ter Raten­zah­lung ein erheb­li­ches Anfechtungsrisiko.

Insol­venz­ex­per­ten emp­feh­len: Wer mit Anwalt oder Voll­stre­ckung droht, muss auch handeln

Rechts­an­walt Dr. Olaf Hie­bert emp­fiehlt seit lan­gem: „Der durch E‑Mails, Brie­fe und Faxe doku­men­tier­te Druck eines Gläu­bi­gers auf des­sen Schuld­ner wird im Fall der – auch erst vie­le Jah­re spä­ter – ein­tre­ten­den Insol­venz zum Pro­blem. Wer Druck auf­baut und droht, muss auch han­deln, andern­falls droht die Rück­zah­lung.“ Die Doku­men­ta­ti­on durch ein straf­fes Rech­­nungs- und Mahn­we­sen ist in einem Insol­venz­an­fech­tungs­pro­zess ein erheb­li­cher Nach­teil, weil die­se Unter­la­gen ein nütz­li­ches Beweis­mit­tel für den Insol­venz­ver­wal­ter sind. Auch ein Lie­fer­stopp sol­le, so der Spe­zia­list für Insol­venz­an­fech­tung der Kanz­lei Bucha­lik Bröm­me­kamp, nie­mals schrift­lich ange­droht wer­den. Die Beauf­tra­gung eines Rechts­an­walts oder Inkas­so­un­ter­neh­mens mit dem For­de­rungs­ein­zug sei nicht nur teu­er, sie erhö­he zudem ganz erheb­lich das Anfech­tungs­ri­si­ko. Wenn der Gläu­bi­ger ent­schei­det, den Schuld­ner unter Druck zu set­zen, muss er die Sache auch kon­se­quent zu Ende brin­gen, einen Titel erwir­ken und gegen den Schuld­ner voll­stre­cken. Eine im Wege der Voll­stre­ckung erlang­te Zah­lung ist schon heu­te über­wie­gend nicht anfecht­bar und die geplan­te Geset­zes­än­de­rung wer­de voll­streck­te Beträ­ge noch bes­ser schützen.

Geplan­te Geset­zes­än­de­rung zum Anfech­tungs­recht ist wirkungslos

Vor dem Hin­ter­grund die­ser seit 2012 kon­ti­nu­ier­lich aus­ge­bau­ten höchst­rich­ter­li­chen Recht­spre­chung wird die geplan­te Ände­rung des Gesetz­ge­bers ganz über­wie­gend wir­kungs­los blei­ben. Ledig­lich in zeit­li­cher Hin­sicht wird sich das Risi­ko min­dern. Künf­tig soll der Insol­venz­ver­wal­ter nur noch Zah­lun­gen des Schuld­ners in einem Zeit­raum von vier statt zehn Jah­ren von dem Gläu­bi­ger zurück­ver­lan­gen kön­nen. Eben­so soll er Zin­sen erst bean­spru­chen kön­nen, wenn der Gläu­bi­ger mit der Rück­zah­lung in Ver­zug gera­ten ist. „Dass Voll­stre­ckungs­hand­lun­gen bes­ser geschützt wer­den, zwingt Gläu­bi­ger fak­tisch, sich an einem Wett­lauf um die letz­ten Ver­mö­gens­wer­te des Schuld­ners zu betei­li­gen“, befürch­tet Dr. Hiebert.

Kon­takt: RA Dr. Olaf Hie­bert, Tel. +49 211 828977–268 , E‑Mail: olaf.hiebert@buchalik-broemmekamp.

Wei­te­re Infor­ma­tio­nen und Urtei­le zur Insol­venz­an­fech­tung fin­den Sie auf: www.insolvenzanfechtung-buchalik.de

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