Was ist eine Eigenverwaltung?

Die Eigenverwaltung bedeutet, dass der Schuldner die Verfügungsgewalt über sein Unternehmen behält und insoweit Herr des Geschehens bleibt. Anders als im herkömmlichen Insolvenzverfahren, in dem die Unternehmensführung die Kontrolle an den Insolvenzverwalter abgibt, bleibt die Verfügungsgewalt und Finanzhoheit bei der Geschäftsführung. Sie erhält einen Sachwalter an die Seite gestellt, dessen Handlungsspielraum sich ganz überwiegend auf Überwachungsaufgaben beschränkt.  

Professionelle Vorbereitung von vorläufiger Eigenverwaltung oder Schutzschirmverfahren

Der Schuldner muss beim Gericht einen Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung bzw. einen Antrag auf Einleitung eines Schutzschirmverfahrens stellen. Was so harmlos klingt, ist aber längst nicht mit einem einfachen Gang zum Richter getan.

Das Antragsverfahren beider Verfahrensarten ist höchstkomplex und bedarf einer professionellen Vorbereitung durch einen erfahrenen Sanierungsberater. Zwar  wirbt der Gesetzgeber damit, dass die Verfahren nach § 270a bzw. § 270b Inso Sanierungsverfahren in Eigenregie darstellen, deren Antragsanforderungen dürfen aber auf keinen Fall vom Schuldner unterschätzt werden! Schließlich muss das Gericht davon überzeugt werden, dass das Unternehmen „der Eigenverwaltung würdig“ ist. Können hier anfängliche Bedenken nicht aus dem Weg geräumt werden, besteht kaum eine Chance, dass dem Antrag seitens des Gerichts entsprochen wird. Ein seriöser Berater wird sich daher eingangs gemeinsam mit dem Schuldner die Frage stellen, mit welchen Maßnahmen die Insolvenzursachen beseitigt und das Unternehmen nachhaltig operativ saniert werden kann, denn letztlich macht die Einleitung eines vorläufigen Eigenverwaltungs- oder Schutzschirmverfahrens nur dann Sinn, wenn die Markt- und Wettbewerbsfähigkeit wieder hergestellt werden kann. Zwar zielen die Verfahren auch darauf ab, dass Unternehmen deutlich zu entschulden, wenn aber weiter Verluste erwirtschaftet werden, ist die nächste Insolvenz absehbar.

Die operative Sanierung wird aber unter Insolvenzschutz erheblich erleichtert. So können langlaufende Dauerschuldverhältnisse (wie beispielsweise Mietverträge) unabhängig von der Restlaufzeit mit einer Frist von drei Monaten gekündigt werden. Erleichterte Kündigung von Mitarbeitern, Begrenzung der Kündigungsfristen auf maximal drei Monate – ungeachtet der Dauer der Betriebszugehörigkeit – und Begrenzung von Sozialplankosten auf maximal zweieinhalb Monatsgehältern leisten ihren Beitrag zur Gesundung des Unternehmens. Nicht zuletzt tragen dann die dauerhafte Befreiung von ungesicherten Altverbindlichkeiten (z.B. Pensionsrückstellungen) dazu bei, dass die operative Sanierung nachhaltig gelingt.

Die Antragsvorbereitung dauert dabei mindestens ein bis zwei Wochen, idealerweise sind vier bis sechs Wochen Vorbereitungszeit vorhanden, in denen der Sanierungsberater insbesondere eine Liquiditätsplanung aufstellen und ein Sanierungskonzept erarbeiten kann, dem bereits konkrete Sanierungsmaßnahmen zu entnehmen sind. Auch sollten die wichtigsten Stakeholder bereits frühestmöglich eingebunden werden, um ein Scheitern des Verfahrens zu vermeiden und das Vertrauen in das Unternehmen zu stärken.

Der erfahrene Sanierungsberater wird sodann das persönliche Gespräch mit dem zuständigen Richter suchen und ihn dabei von der Sinnhaftigkeit der (vorläufigen) Eigenverwaltung bzw. des Schutzschirmverfahrens im konkreten Fall anhand zuvor herausgearbeiteter Fakten überzeugen. Einem Laien, aber auch einem nicht im Insolvenzrecht erfahrenen und mit der neuen Materie nicht intensiv vertrauten Berater, ist dies kaum möglich, zumal der Schuldner, der das Unternehmen zuvor in die wirtschaftliche Schieflage gebracht hat, ohnehin kritisch beäugt wird.

Entspricht das Gericht dem Antrag, wird die vorläufige Eigenverwaltung oder – je nach Antrag – auch ein Schutzschirmverfahren angeordnet und ein vorläufiger Sachwalter bestellt, der das Unternehmen dann lediglich beaufsichtigt, also die wirtschaftliche Lage prüft und die Geschäftsleitung überwacht.

Im Einvernehmen mit den Gläubigern wird sodann ein Insolvenzplan erarbeitet.

Professionelle Begleitung ist erforderlich

Regelmäßig gehen Unternehmen deutlich gestärkt aus dem Eigenverwaltungsverfahren hervor, denn die Passivseite der Bilanz wird durch die Verzichte der Gläubiger erheblich optimiert und das Unternehmen erhält ausreichend Spielräume, um auch operativ unter Insolvenzschutz saniert zu werden.

Der Insolvenzplan sieht eine quotale Befriedigung der ungesicherten Gläubiger (meist zwischen 5% und 20% ihrer ungesicherten Ausgangsforderung) vor, auf den Rest der Forderung müssen sie verzichten. Das führt meist zu einem erheblichen Sanierungsgewinn, der aber bei entsprechender Gestaltung im Insolvenzplan steuerfrei ist und das Unternehmen nicht belastet. Die Gläubigerverzichte verbessern fast immer auch die Eigenkapitalquote, in der Regel in einer Größenordnung zwischen 40% und 70%. Regelmäßig ist es auch entbehrlich neue, bisher benötigte Liquidität von außen zuzuführen, weil über das Insolvenzgeld und Nichtzahlung von Altverbindlichkeiten ausreichend Liquidität generiert werden konnte.

Das Verfahren kann bei entsprechend professioneller Begleitung praktisch rechtssicher gestaltet werden.

Ohne professionelle Beratung und Begleitung ist der Verfahrenserfolg praktisch ausgeschlossen. Bevor Sie sich für einen Berater entscheiden, lassen Sie sich von diesem Referenzen geben, mit denen Sie sprechen dürfen. Nur wenn nachgewiesene Erfahrung auf Seiten des Beraters besteht, ist der Erfolg des Verfahrens praktisch garantiert. Auch die Erfahrung als Insolvenzverwalter allein ist hierzu nicht ausreichend.