Bau­in­sol­venz

Sanieren unter Insolvenzschutz – Eine echte Zukunftsoption für Bauunternehmen!

„Wenn die Öffentlichkeit erfährt, dass mein Bauunternehmen in die Krise geraten ist, dann kündigen alle Auftraggeber sofort die Bauaufträge. Die Lieferanten holen die bereits gelieferten Waren ab und verweigern jegliche weitere Lieferung an uns.“ So die landläufige Meinung. Es herrscht bei vielen Bauunternehmen daher das Gefühl, dass es nur zwei Wege gäbe: Entweder die Gesundung des Unternehmens außerhalb der Öffentlichkeit oder den Weg über die Insolvenz. Meist ist der Restrukturierungsaufwand kaum zu finanzieren, somit bleibt nur Letzteres mit der möglichen Folge der Einstellung des Geschäftsbetriebs.

Exakt das Gegenteil wollte der Gesetzgeber mit dem ESUG erreichen. Unternehmen, die in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten sind, sollen saniert, restrukturiert und gestärkt für den Markt wieder hergestellt werden. Das Stigma der „Insolvenz“ soll beseitigt und die Unternehmer ermuntert werden, frühzeitig über die Alternativen nachzudenken. Die Frage ist, ob dieses Ziel trotz der Besonderheiten wie der VOB auch für Bauunternehmen erreichbar ist.

Die Antwort lautet eindeutig: Ja!

Viele, durch ESUG sanierte Bauunternehmen haben bewiesen, dass die Sanierung unter Insolvenzschutz gerade für Bauunternehmen, die im schwierigen Umfeld des Projektgeschäfts tätig sind, eine echte Alternative für die Sicherung der Zukunft ist.

Das ESUG-Verfahren bei Bauunternehmen

Durch die Einführung des Insolvenzverfahrens mit Eigenverwaltung (§270b InsO) und des Schutzschirmverfahrens (§270d InsO) ist dem Gesetzgeber ein grundlegender Systemwechsel beim Insolvenzrecht gelungen. Beide Verfahren zielen auf die Sanierung und Stärkung des Bauunternehmens ab und erhalten somit das Bauunternehmen dem Unternehmer.

Kundenaufträge, Mitarbeiter, Nachunternehmer und Zulieferer

Damit die Sanierungsmaßnahmen ihre Wirkung auch tatsächlich entfalten können, muss der operative Geschäftsbetrieb in Form der Bauvorhaben mit möglichst wenigen Einschränkungen weitergeführt werden. Die größte Sorge aller Bauunternehmer, die Buchalik Brömmekamp begleitet hat, war, dass die Kunden sämtliche Bauaufträge fristlos kündigen. Die rechtliche Grundlage hierzu findet sich in § 8 (2) 1. VOB/B. In den von uns begleiteten ESUG Verfahren in der Bauwirtschaft haben wir gegenteilige Erfahrungen gemacht.

Unmittelbar nach Stellung eines Antrags besuchen wir gemeinsam mit der Geschäftsleitung die wichtigsten Kunden und erläutern den dortigen Verantwortlichen das Verfahren. Wir schaffen Vertrauen beim Auftraggeber, dass das Bauunternehmen die vertraglich geschuldete Leistung inkl. der späteren Gewährleistung auch erfüllen wird. Dieses Vertrauen ist die Grundlage für die weiteren Überlegungen auf Seiten des Auftraggebers. Eine Kündigung des Auftrags durch den Auftraggeber hat zur Folge, dass er den aktuellen Leistungsstand auf der Baustelle genau ermitteln muss, dass er für die Restleitung in der Regel wieder eine Ausschreibung nach VOB/A durchführen muss (zeitliche Verzögerung und zusätzliche Leistungen von Architekten und Fachingenieuren) und dass er Gefahr läuft, dass das nachfolgende Unternehmen für einzelne Teilleistungen höhere Preise verlangt und in der Regel die Gewährleistung ablehnen wird.

Das ESUG-Verfahren ist auf eine Fortführung des Bauunternehmens ausgerichtet.

Das hat für alle Beteiligten folgende Vorteile:

  • Die Bauunternehmen, die wir durch eine Sanierung unter Insolvenzschutz führten, haben über 95% aller Bauaufträge „normal“ weiterführen können.
  • Öffentliche Auftraggeber erteilen den Bauunternehmen während des Verfahrens weiterhin neue Aufträge.
  • Mitarbeiter halten weiterhin zum Bauunternehmen, da sie die große Chance der Sanierung für das Bauunternehmen und für den eigenen Arbeitsplatz erkennen. Gerade bei Bauunternehmen mit Tradition und langjährigen Beschäftigungsdauern zahlt sich die gegenseitige Treue auch in der Krise aus.
  • Der Nachunternehmer bzw. der Lieferant erhält weiterhin seinen Kunden. Auch für diese Gruppe ist das beste Motiv für eine weitere Zusammenarbeit, dass das Bauunternehmen nach der Sanierung wieder ein verlässlicher und rentabler Kunde ist.
  • Im Falle des ESUG-Verfahrens für Bauunternehmen erhalten die Nachunternehmer und Lieferanten eine Quote für ihre Forderungen (vor Antragstellung), die im Durchschnitt über den Quoten im Regelinsolvenzverfahren liegen. Zudem wird die Quote sehr zeitnah ausbezahlt. (Weitere Infos im Thema „Eigenverwaltung und Insolvenzplan„)

Liquiditätszufuhr von außen

Das ESUG-Verfahren selbst hält für das Bauunternehmen und für den Bauunternehmer anspruchsvolle Aufgaben bereit und fordert die Verantwortlichen mit ihrem ganzen Können. Das Verfahren kostet Zeit und Geld. Aber auch von Dritter Seite erhält das zu sanierende Bauunternehmen Hilfen. Die Bundesagentur für Arbeit übernimmt z. B. für max. drei Monate die Lohn- und Gehaltszahlungen. Gerade für die Bauwirtschaft, die häufig einen Anteil der Personalkosten von 30-45% an den Produktionskosten hat, ist dies ein ernstzunehmender Faktor. Sollte im Rahmen einer solchen Sanierung doch eine Reduzierung von Mitarbeitern und Dauerschuldverhältnissen unumgänglich sein, so ergeben sich durch das ESUG erleichterte Rahmenbedingungen für das Bauunternehmen in der Sanierung.

Neben den externen Faktoren ist die Sanierung des Bauunternehmens der ideale Zeitpunkt, um die Strukturen und alle Prozesse bei der Erstellung der Bauvorhaben grundlegend zu überprüfen und sofern sich Änderungsbedarf zeigt, diese Restrukturierung auch konkret umzusetzen. Die umfasst z. B. den notwendigen und meistens überfälligen Generationenwechsel, die Schließung von nicht profitablen Geschäftsfeldern oder von Standorten, die seit vielen Jahren nur Verluste erwirtschaften.

Verfahren trotz VOB geeignet

Auch für Bauunternehmen sind die Regelungen des ESUG trotz der Einschränkungen der VOB nutzbar und die Sanierung unter dem Schutz des ESUG ist eine echte Option für die Zukunftssicherung des Bauunternehmens. Die erfolgreich über ESUG sanierten und restrukturierten Bauunternehmen beweisen das. Je frühzeitiger die Krise erkannt und akzeptiert wird, desto größer ist der Werkzeugkasten zur Lösung des Problems. Die Sanierung und Restrukturierung des Bauunternehmens unter dem Schutz des ESUG ist eine Option davon.

Eigenverwaltung und Insolvenzplan

Sowohl mit der (vorläufigen) Eigenverwaltung als auch mit dem Schutzschirmverfahren eröffnet die Insolvenzordnung dem Bauunternehmen in der Krise die Möglichkeit, ein Insolvenzverfahren ohne einen vom Gericht bestellten (vorläufigen) Insolvenzverwalter durchzuführen und so das in die Krise geratene Bauunternehmen in Eigenregie wirtschaftlich wieder auf die Beine zu stellen. Beide Verfahrensarten sind gleichermaßen geeignet den angestrebten Erfolg zu erreichen, unterscheiden sich aber vor allem hinsichtlich der Antragsvoraussetzungen und dem Umfang der eingeräumten Rechte.

Die Geschäftsleitung des Bauunternehmens kann die Geschicke des Unternehmens weiter leiten, sie behält vollumfänglich die Verwaltungs- und Verfügungsbefugnisse, die in einem Regelinsolvenzverfahren spätestens mit Eröffnung des Verfahrens auf den Insolvenzverwalter übergehen und den Unternehmer dadurch praktisch „entmündigen“ würden. Die Geschäftsführung ist in der Eigenverwaltung damit quasi ihr eigener Verwalter und erhält eine zweite Chance.

Die vorläufige Eigenverwaltung und das Schutzschirmverfahren für Bauunternehmen sind ausschließlich in der Zeit zwischen Insolvenzantragstellung und Eröffnung des Insolvenzverfahrens denkbar – mit der Eröffnung enden beide Verfahren zwangsläufig und gehen in ein Eigenverwaltungsverfahren nach § 270 InsO über.

Ziel der Verfahren ist es, das Bauunternehmen dem Unternehmer zu erhalten und es nicht – wie in einer Regelinsolvenz üblich – zu zerschlagen bzw. ganz oder in Teilen zu verkaufen (sog. Übertragende Sanierung / „Asset deal“). Während ein „normales Insolvenzverfahren“ auf Abwicklung programmiert ist, wird das Unternehmen bei der Eigenverwaltung im Rahmen eines Insolvenzplans entschuldet. Der Bauunternehmer sollte daher immer dann ein vorläufiges Eigenverwaltungs- oder Schutzschirmverfahren beantragen, wenn er sein Bauunternehmen sanieren und fortführen will.

Vorteile

Die Sanierung eines Bauunternehmens im Rahmen einer (vorläufigen) Eigenverwaltung oder eines Schutzschirmverfahrens bietet gegenüber dem Regelinsolvenzverfahren für das Bauunternehmen viele Vorteile:

Stigma der Insolvenz für den Bauunternehmer kaum spürbar

Ein nicht zu unterschätzender Pluspunkt stellt die Bezeichnung der Verfahren als „Eigenverwaltung“ bzw. „Schutzschirmverfahren“ dar. Im Gegensatz zum Regelinsolvenzverfahren sind diese Begriffe bei Geschäftspartnern des Bauunternehmers und Außenstehenden nicht negativ behaftet. Während mit einer Insolvenz „im klassischen Sinne“ vor allem das Scheitern des Bauunternehmers und als dessen Resultat die Zerschlagung des Betriebes verbunden wird, werden die (vorläufige) Eigenverwaltung und v.a. das Schutzschirmverfahren hingegen als Möglichkeit einer nachhaltigen Sanierung und Chance für einen Neustart verstanden.

Darüber hinaus wissen viele Dritte mangels öffentlicher Bekanntmachung des Schutzschirmverfahrens oder der vorläufigen Eigenverwaltung nicht unbedingt, dass sich das Bauunternehmen in einer Insolvenz befindet. Das gilt jedenfalls bis zur Eröffnung des Verfahrens. Das Verfahren kann bis dahin, soweit nicht durch Presse oder Mitarbeiter kommuniziert, nach außen hin praktisch „geheim gehalten“ werden. Mit der Eröffnung des Verfahrens wird die Insolvenz des Bauunternehmens dann allerdings bekannt gemacht.

Die Geschäftsführung des Bauunternehmens bleibt im Amt

In beiden Verfahrensarten immanent bleibt die Geschäftsführung dem Bauunternehmen erhalten. Gemeinsam mit dem Sanierungsberater wird das geballte Know-how genutzt, um das Bauunternehmen wieder konkurrenzfähig am Markt zu platzieren. Es gibt keinen (vorläufigen) Insolvenzverwalter, der die Geschäftsführung „entmündigt“. Der vom Gericht eingesetzte (vorläufige) Sachwalter übt lediglich eine Überwachungs- und Kontrollfunktion aus und steht der Geschäftsleitung darüber hinaus ebenfalls beratend zur Seite. Ziel der Sanierung ist der Erhalt und Verbleib des Bauunternehmens!

Schaffung von Liquidität und Freiräumen für den Bauunternehmer

In dem rund dreimonatigen Zeitraum zwischen der Insolvenzantragstellung und der Eröffnung des Verfahrens kann sich das Bauunternehmen neue Liquidität verschaffen, z.B. durch Insolvenzgeld der Arbeitsagentur und Nichtabführung von Sozialabgaben und Steuern, keine Zahlung von Zinsen und Tilgungen oder die phasenweise Nichtbedienung von Dauerschuldverhältnissen. Die Nichtabführung von Steuerverbindlichkeiten ist eine Besonderheit, die es nur in der Eigenverwaltung und nicht in der Regelinsolvenz gibt.

Höhere Verteilungsquoten für die Gläubiger des Bauunternehmens durch kostengünstigeres Verfahren

In der Regelinsolvenz kostet vor allem der Insolvenzverwalter Geld. Seine Abwicklung des Verfahrens verschlingt oftmals einen großen Teil der Masse. Für die Gläubiger bleibt dann am Ende meist nur eine kleine Quote. Im Eigenverwaltungsverfahren, in welches sowohl die vorläufige Eigenverwaltung als auch das Schutzschirmverfahren münden, sind die Verfahrenskosten meist deutlich geringer. So steht den Gläubigern des Bauunternehmens eine größere verteilungsfähige Masse zur Verfügung, vor allem aber verbleibt deutlich mehr Liquidität beim Bauunternehmen, was sich wiederum positiv auf die Chancen einer erfolgreichen Sanierung auswirkt.

Zeit ist Geld!

Ein weiterer Vorteil stellt die Kürze der Verfahren dar, die im Normalfall auf sechs bis sieben Monate begrenzt werden kann. Dieser Umstand wirkt sich zudem positiv auf die meisten Geschäftsbeziehungen aus, bleiben diese dem Bauunternehmen doch eher erhalten als in einer Jahre andauernden Regelinsolvenz.

Gutachten

Umfassende Unternehmensanalyse als Grundlage für eine nachhaltige Sanierung

Insbesondere in Krisensituationen besteht oftmals ein Vertrauensproblem zwischen dem Bauunternehmen und den Stakeholdern. Um einen Liquiditätsengpass zu überbrücken oder eine nachhaltige Finanzierung des Bauunternehmens in Krisenzeiten sicher zu stellen, ist ein überzeugendes Gesamtkonzept von Nöten. Die Kreditinstitute und andere Stakeholder fordern immer häufiger ein Sanierungsgutachten, das den Erfordernissen nach IDW S6 entspricht. Dies hat für das Bauunternehmen den Vorteil, dass die Darlehensgeber durch einen unabhängigen Dritten eine Sicherheit im Bezug auf ihre Kreditvergabe erhalten und die Zukunftsfähigkeit ihres Bauunternehmens gesichert wird.

Der Kern und Inhalt eines Sanierungskonzeptes nach IDW S6 ist es, die Sanierungsfähigkeit des Baunternehmens zu untersuchen und Lösungsmöglichkeiten zu entwickeln. Aufbauend auf intensiven Untersuchungen, die sich entlang der Wertschöpfungskette Ihres Bauunternehmens orientieren, erstellt Buchalik Brömmekamp Unternehmensberatung ein IDW S6-Gutachten, das neben der Analyse der Krisenursachen insbesondere auch Umsetzungsempfehlungen beinhaltet, die eine Rückkehr in die Rentabilität ermöglichen.

Neben operativen Umsetzungsmaßnahmen werden insbesondere auch tragfähige Finanzierungskonzepte entwickelt, die das wirtschaftliche Überleben des Bauunternehmens sicherstellen.

IDW S6 erfordert juristisches und betriebswirtschaftliches Know-how

Durch unseren interdisziplinären Ansatz mit Buchalik Brömmekamp stellen wir sicher, dass die juristischen Besonderheiten und Anforderungen in dem Gutachten berücksichtigt werden. Das ist insbesondere wichtig, da ausschließlich eine umfassende Prüfung der rechtlichen und wirtschaftlichen Risiken eine verlässliche Aussage über die Zukunftsfähigkeit Ihres Bauunternehmens gewährleistet. Dieser Aussage können die Stakeholder vertrauen. Es bietet dem Bauunternehmen und sämtlichen Beteiligten die Möglichkeit, sich umfassend über die Chancen und Risiken der Restrukturierung zu informieren und dient somit als eine valide Entscheidungsgrundlage für die analysierten Handlungsoptionen.

Fragestellungen des IDW S6

Im Sanierungskonzept nach IDW S6 wird insbesondere auf folgende Fragestellungen detailliert eingegangen:

  • Wie stellt sich die Ausgangssituation des Bauunternehmens dar?
  • In welchem Krisenstadium befindet sich das Bauunternehmen und welche Krisenursachen sind hierfür verantwortlich?
  • Welche Möglichkeiten und Sanierungsmaßnahmen sind für das Bauunternehmen vorhanden und wie können diese umgesetzt werden?
  • Welchen Beitrag leistet der Gesellschafter des Bauunternehmens für die Sanierung?
  • Welche Chancen und Risiken bestehen bei der Umsetzung der Sanierungsmaßnahmen für das Bauunternehmen?

Avalmanagement

Die Verbreitung von Risikomanagementsystemen verschiedenster Ausprägung hat in den letzten Jahren stark zugenommen. Vergleichsweise wenig beachtet werden von Bauunternehmen in diesem Zusammenhang bislang Risiken aus der Beauftragung oder Herauslage von Avalen. Mit dem Oberbegriff „Avale“ werden Bürgschaften, Garantien und sonstige Gewährleistungen bezeichnet, die Kreditinstitute oder Kautionsversicherer (Avalgeber) im Auftrag ihrer Kunden (Avalauftraggeber) gegenüber deren Vertragspartnern (Avalbegünstigten) übernehmen. Das Avalmanagement (Bondmanagement) beinhaltet Maßnahmenpakete zur Minimierung sowie Beseitigung von Liquiditäts- und Zahlungsausfallrisiken.

Avalarten

Anzahlungsaval
Im Bauprojektgeschäft müssen die Auftragnehmer für die Durchführung eines Bauprojektes oftmals umfangreiche Vorleistungen (Planungsleistungen, Vorfertigung von Elementen etc.) erbringen. Andererseits schuldet der Auftraggeber die Bezahlung in der Regel erst nach erfolgreicher Erbringung der versprochenen Bauleistung. Da die Vorleistung des Auftragnehmers und die spätere Zahlung durch den Auftraggeber zeitlich weit auseinanderfallen können, kommt es in der Praxis vor, dass der Auftraggeber dem Auftragnehmer eine Anzahlung für die Finanzierung der Vorleistungen überweist. Damit der Auftraggeber eine Sicherheit hat, dass der Auftragnehmer die vertraglich zugesicherten Leistungen später erfüllt, vereinbaren die Parteien in diesem Falle, dass der Auftraggeber ein Anzahlungsaval erhält.

Vertragserfüllungs- bzw. Leistungsaval
Besonders im Bauwesen ist die Form des Vertragserfüllungsavals, auch Leistungs- oder Ausführungsaval genannt, sehr verbreitet. Gemäß § 17 Abs. 1 Ziff. 2 VOB/B dient eine vereinbarte Sicherheit dazu, die vertragsgemäße Ausführung der Bauleistung durch den Auftragnehmer gegenüber dem Auftraggeber sicherzustellen. Hierzu kann der Auftragnehmer eine Bürgschaft eines Kreditinstituts oder eines Kreditversicherers leisten (vgl. § 17 Abs. 2 VOB/B). In der Regel wird ein Höchstbetrag in Höhe von fünf bis zehn Prozent der Auftragssumme vereinbart.

Gewährleistungsaval
Bei Werkverträgen bzw. Werklieferungsverträgen schuldet der Auftragnehmer neben der mängelfreien Erstellung des Werkes die Gewährleistung, dass in einem vertraglich bedungenen Zeitraum von in der Regel drei bis fünf Jahren keine Mängel gegenüber der vertraglich geschuldeten Leistung auftreten. Für den Fall, dass der Auftragnehmer seine Gewährleistungsverpflichtung zur Beseitigung etwaiger Mängel nicht oder schlecht erfüllt, dient das Gewährleistungsaval der Sicherstellung der Gewährleistungsansprüche des Auftraggebers.

Bei allen vorstehend dargestellten Avalarten ist die Bereitstellung der Avalurkunde Voraussetzung dafür, dass der Avalbegünstigte seinerseits Leistungen an den Avalauftraggeber erbringt, zum Beispiel eine Anzahlung leistet oder einen Gewährleistungseinbehalt auszahlt.

Herauslage des Avals als Valutierung einer Kreditlinie

Im Verhältnis zwischen dem Avalgeber und seinem Avalauftraggeber erfolgt die Herauslage von Avalen auf der Grundlage eines Avalkredits. Dieser wird in der Regel als revolvierend ausnutzbare (Aval-)kreditlinie eingeräumt. Durch Versendung der Avalurkunde wird die Kreditlinie in Höhe des jeweiligen Avalbetrages in Anspruch genommen. Erst durch vorbehaltlose Rückgabe der Avalurkunde oder schriftliche Verzichtserklärung des Avalbegünstigten wird die Kreditlinie in Höhe des Avalbetrages wieder frei und kann zur Beauftragung neuer Avale eingesetzt werden. Eine freie Avalkreditlinie ist daher eine wesentliche Voraussetzung für die Generierung von Liquidität. Bei Kreditlinien, die wahlweise für die Inanspruchnahme von Barkrediten und Avalkrediten genutzt werden können, wirkt sich die Herauslage bzw. Rückgabe von Avalurkunden sogar unmittelbar in Höhe des jeweiligen Avalbetrages auf die freie Liquidität des Avalauftraggebers aus.

Avalmanagement als Liquiditätsmanagement

Avalmanagement zielt zum einen darauf ab, die Ausnutzbarkeit von Avalkreditlinien zu optimieren und dadurch die Liquidität des Avalauftraggebers zu verbessern. Dies geschieht, indem durch rechtliche und tatsächliche Maßnahmen sichergestellt wird, dass herausgelegte Avale, die wegen Erledigung des Sicherungszweckes vom Avalbegünstigten nicht mehr benötigt und/oder vom Avalauftraggeber nicht mehr geschuldet werden, umgehend an den Avalgeber zurückgegeben werden.

Center of Competence

Avalmanagement kann nur von multidisziplinär aufgestellten Teams optimal umgesetzt werden. Diese müssen nicht nur über Kenntnisse des materiellen Bürgschafts- und Garantierechts sowie des Avalauftrags- bzw. Kreditrechts verfügen, sondern auch in der Lage sein, zu erfassen, welche Leistungen in dem durch das Aval abgesicherten Grundverhältnis, z.B. ein Bauvertrag, geschuldet bzw. tatsächlich erbracht sind. Um diesen Anforderungen zu entsprechen, hat Buchalik Brömmekamp ein Center of Competence gebildet, dem neben erfahrenen und auf Avalrecht sowie -prozesse spezialisierten Bank- und Insolvenzrechtlern auch (Wirtschafts-)Ingenieure und Kaufleute angehören, die über umfangreiche Erfahrungen im Projekt- und Avalmanagement verfügen.

Avalmanagement als Risikomanagement

  • Managen der Risiken des Avalauftraggebers
  • Managen der Risiken des Avalgebers

Unsere Leistungen:

  • Unterstützung bei der Prozessoptimierung
  • Beratung bei der Ausgestaltung von Avalen
  • Begleitung von Unternehmen bei der Optimierung ihres Avalportfolios
  • Leistungen für Banken und Kautionsversicherer

Liquiditätssteuerung

.....nur etwas für Experten?

Die Steuerung der Liquidität bewegt sich bei den meisten Bauunternehmen im Spannungsfeld zwischen dem gelegentlichen Blick auf den Kontostand sowie dem Einsatz von ausgereiften und komplexen Systemen. Nicht selten sind diese Werkzeuge Teil eines gesamten Controlling-Systems, die ausschließlich von Experten bedient und deren Ergebnisse von diesen interpretiert werden können. Es zählt jedoch zu den ureigenen Aufgaben des Bauunternehmers, die kurz- und mittelfristige Entwicklung der Liquidität aktiv zu steuern. Schon durch einfache Tools hat der Bauunternehmer seine Zahlungsströme im Blick und kann frühzeitig bei Engpässen gegensteuern.

Die vorhandene Liquidität (Zahlungsmittel) ist auch Ausdruck der Fähigkeit des Bauunternehmers, seine fälligen Verbindlichkeiten fristgerecht und uneingeschränkt zu begleichen. Diese Fähigkeit ist wesentlich von der Tatsache abhängig, in angemessener Weise Gewinne aus dem operativen Geschäft heraus zu erwirtschaften. Ausbleibende Gewinne führen im Zeitablauf zu einem Mangel an Liquidität. Der Gesetzgeber hat sich in der Insolvenzordnung (InsO) mit dieser Situation beschäftigt und den Tatbestand der Zahlungsunfähigkeit als eine Pflicht zur Stellung eines Insolvenzantrags geregelt.

Aber neben der Frage der grundsätzlichen Verfügbarkeit spielt der Zeitpunkt der eingehenden und ausgehenden Zahlungsströme eine wesentliche Rolle für das Vorhandensein ausreichender Liquidität. Diese Zahlungsströme sind u.a. von den rechtlichen und technischen Rahmenbedingungen des Baugewerbes abhängig.

Die Bauwirtschaft als Bereitstellungsgewerbe

Wesentliches Kriterium der Bauwirtschaft ist es, dass dieser Wirtschaftszweig ein Bereitstellungsgewerbe ist. Die Unternehmen (Anbieter) stellen die Struktur zur Erstellung von Bauleistungen nach den Wünschen und Bestellungen des Auftraggebers zur Verfügung. Die öffentlichen und privaten Nachfrager fordern diese Kapazitäten ausschließlich im Bedarfsfalle ab. Eine Lagerhaltung ist bei Bauleistungen nur in wenigen Ausnahmefällen möglich. Analog zu allen Wirtschaftszweigen, die projektbezogen ihre Leistungen erbringen, ist die Auslastung im Bauunternehmen u.a. von kontinuierlichen Folgeaufträgen abhängig. Eine beständige Auslastung ist ein wesentliches Kriterium für regelmäßige Zahlungseingänge.

Der Werkvertrag und die VOB als rechtliche Basis der Liquiditätssteuerung für Bauunternehmer

In der Regel plant der Auftraggeber, bauliche Maßnahmen an einem bestehenden oder neu zu errichtenden Bauwerk vorzunehmen. Hierzu beauftragt er Architekten und Fachplaner mit der Erstellung der Planung vom Entwurf bis zur Ausführungsreife. Haben die Planer die bauliche Aufgabe technisch und künstlerisch intensiv durchdrungen, so kann für das ausführende Bauunternehmen eine Leistungsbeschreibung (ein Leistungsverzeichnis) erstellt werden. Diese Beschreibung stellt die Grundlage für die Kalkulation des Preises dar. Im Auftragsfalle wird kein Kaufvertrag, sondern ein Werkvertrag (§§ 631 ff. BGB) geschlossen. Der Werkvertrag ist an vielen Stellen mit dem Dienstvertrag vergleichbar. Das Besondere des Werkvertrages ist, dass der Auftragnehmer die mangelfreie Herstellung des Werkes und somit den Leistungserfolg schuldet. Es ist nicht der Zeitaufwand des Bauunternehmers, den der Auftraggeber vergüten will, sondern die erfolgreiche Erstellung des Bauwerks auf Basis der Leistungsbeschreibung.

Operative Einflussfaktoren auf die Zahlungsströme

Neben den beschriebenen rechtlichen Rahmenbedingungen beeinflussen auch operative sowie technische Bedingungen der Bauproduktion den Zeitpunkt und die Höhe der Zahlungsströme.

Die Erstellung von Bauwerken bzw. die Revitalisierung bestehender Gebäude ist aufgrund der eingesetzten Baustoffe und Bauverfahren an vielen Stellen abhängig vom Wetter, der Temperatur, der Luftfeuchtigkeit etc. Auftraggeber und Auftragnehmer haben sich darauf eingestellt, dass der größte Teil der Bauleistung in den Monaten Mai bis Oktober erfolgt. Insbesondere der öffentliche Auftraggeber hat sein Nachfrageverhalten auf diese Situation abgestellt. So werden Ausschreibungen für neue Bauaufgaben in den Wintermonaten eines neuen Kalenderjahres veröffentlicht. Die Bauaktivitäten starten dann gebündelt im Frühjahr. Bedingt durch die Steuerung der öffentlichen Haushalte (Kameralistik) werden in den Herbstmonaten noch Bauaufgaben ausgeschrieben, die noch im selben Kalenderjahr fertiggestellt werden müssen.

Dieser Ablauf ist für die Liquiditätssteuerung der Bauunternehmung von Bedeutung. Die Tatsache, dass in den Frühjahrsmonaten viele Bauaufträge zeitgleich starten, hat einen hohen Vorfinanzierungseffekt zur Folge. Die bauausführenden Firmen müssen die Ausgaben für Material, Mitarbeiter und Nachunternehmer vorfinanzieren, während die Einzahlungen aus den begonnenen Bauvorhaben aufgrund der vertraglichen Regelungen erst Monate später bei den Unternehmen eingehen. Aufgrund der beschriebenen Witterungsabhängigkeit der Bauarbeiten ist die Bauproduktion in den Wintermonaten auf niedrigerem Niveau. Somit werden unmittelbar die Zahlungseingangsströme aus den Bauvorhaben geringer. Die fixen Auszahlungen für die Angestellten, Mieten, Versicherungen etc. fallen jedoch unabhängig von dieser Situation weiter an.

Technische Behinderungen beeinflussen die Liquidität

Neben der Witterung sind auch technische Einflüsse bei der Planung der Zahlungsströme zu beachten. Bauen bedeutet die Herstellung von Unikaten und birgt daher die Gefahr, dass nicht geplante Situationen eintreten. So berichten die Medien häufig, dass trotz bereits begonnener Bauarbeiten die Planung aufgrund von Änderungen des Bauherrn oder aufgrund von öffentlich rechtlichen Rahmenbedingungen baubegleitend geändert wird. Neben der Planungsänderung erfordert die vor Ort vorgefundene Situation in der Baugrube oder im Bestand Änderungen. In der Regel führen die Veränderungen zur Unterbrechung der Produktion und zur Frage, ob die entstehenden Mehrkosten vom Auftraggeber getragen oder zum geschuldeten Werkerfolg des Bauunternehmers gehören. In dieser Zeit muss in jedem Fall das ausführende Unternehmen die Produktionskosten vorfinanzieren.

Die Harmonisierung der Zahlungsströme als zentrale Aufgabe der Liquiditätssteuerung im Bauunternehmen

Vom ersten Spatenstich auf einer Baustelle über die prüfbare Zusammenstellung der abrechenbaren Leistung, der konkreten Stellung der Rechnungen bis zum ersten Zahlungseingang für eine Baustelle können gemäß den rechtlichen, saisonalen und technischen Rahmenbedingungen zwischen acht und zwölf Wochen liegen. Da die Zeitpunkte der Auszahlungsströme anderen Gesetzmäßigkeiten folgen als die der Eingänge, ist die zentrale Aufgabe der kurz- und mittelfristigen Liquiditätssteuerung die Harmonisierung der Zahlungsströme. Damit soll das Bauunternehmen zu allen Zeitpunkten über ausreichend Liquidität verfügen bzw. drohende Engpässe frühzeitig erkennen und entsprechend gegensteuern können. Trotz der komplexen rechtlichen, witterungsbedingten und technischen Rahmenbedingungen des Bauens ist die Steuerung der Liquidität im Bauunternehmen kein ausschließliches Expertenthema. Beim Einsatz eines Steuerungswerkzeugs muss darauf geachtet werden, dass die Planung der Einzahlungen auf der Ebene der Projekte erfolgt. Sofern es möglich ist, sollten die Ausgaben der Projekte auch einzeln geplant werden. Aber auch für den Fall, dass diese Planungstiefe bei den Auszahlungen zu aufwendig ist, kann durch einfache Werkzeuge die Liquidität wöchentlich gesteuert werden.

Ihre Ansprechpartner

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