Insolvenzforderungsanmeldung

Wenn Sie als Unternehmen oder Verbraucher offene Forderungen und Ansprüche gegen ein insolventes Unternehmen haben, ist das Thema Insolvenz und Forderungsanmeldung bzw. Durchsetzung für viele Neuland. Dieser Frage- und Antwortkatalog versucht, die wichtigsten Fragen zu klären. Allerdings sollten Sie im Zweifel einen Rechtsrat eines erfahrenen Fachanwaltes für Insolvenzrecht einholen. Hierzu stehen wir Ihnen jederzeit zur Seite. Profitieren Sie von unserer Erfahrung und Expertise durch die Vertretung von mehr als 1.000 Gläubigern beispielsweise bei großen Anlageinsolvenzen wie P&R, bei Großinsolvenzen wie Air Berlin und KNV oder auch kleineren Insolvenzfällen.

Die neun wichtigsten Fragen und Antworten

Wann kann ich meine Forderung anmelden?

Die offene Forderung kann man immer erst nach der Eröffnung des Insolvenzverfahrens anmelden. Hierfür erhalten Sie in der Regel ein Anschreiben vom Insolvenzverwalter, der Sie zwecks Anmeldung Ihrer Forderung auffordert. Den gerichtlichen Beschluss der Verfahrenseröffnung (Eröffnungsbeschluss) können Sie auch im Internet unter https://www.insolvenzbekanntmachungen.de/ abrufen. Hierfür müssen Sie allerdings zumindest das zuständige Insolvenzgericht sowie den Namen oder die Firma des insolventen Unternehmens kennen. Oftmals kann man diese Informationen auch im Internet recherchieren.

In welcher Form muss ich meine offene Forderung anmelden?

Zur Anmeldung sollten Sie das vom Insolvenzverwalter zugesandte Anmeldungsformular verwenden. Dieses muss zweifach eingereicht werden. Dieses Musterformular Forderungsanmeldung haben wir Ihnen auch hier zur Verfügung gestellt. Dem ist auch ein offizielles Merkblatt zur Forderungsanmeldung im Insolvenzverfahren zum Ausdrucken beigefügt. In diesem Forderungsformular ist grundsätzlich der sogenannte Forderungsgrund (Warenlieferung, Miete, Darlehen etc.) anzugeben. Neben der Höhe der Forderung können Sie Zinsen bis zum Zeitpunkt der Verfahrenseröffnung geltend machen. Das Datum der Verfahrenseröffnung ergibt sich aus dem gerichtlichen Beschluss, den Sie unter https://www.insolvenzbekanntmachungen.de/ abrufen können. Sie erhalten diesen Beschluss auch in der Regel vom Insolvenzverwalter. Ihre Forderung müssen Sie auch belegen. Fügen Sie also entsprechende Rechnungen oder Verträge bei. Wenn Sie einen sogenannten Vollstreckungstitel bereits erwirkt haben, muss dieser im Original beigefügt werden. Achtung: Beachten Sie hierbei auch die untenstehenden Ausführungen zu den Fallstricken bei der Forderungsanmeldung.

Bei wem muss ich meine offene Forderung anmelden?

Ihre Forderungen können Sie ausschließlich beim Insolvenzverwalter oder beim Sachwalter (im Fall der Eigenverwaltung) anmelden!

Bis wann muss ich meine Forderung anmelden. Ich erfahre erst später von der Insolvenz. Bin ich dann zu spät?

Die Frist, innerhalb derer eine Forderung angemeldet werden kann, wird vom Gericht festgelegt und ergibt sich ebenfalls aus dem Eröffnungsbeschluss (siehe oben). Sie können aber auch noch zu einem späteren Zeitpunkt – allerdings nur bis zum sogenannten Schlusstermin am Ende des Verfahrens – ihre Forderungen als sogenannte nachträgliche Forderungsanmeldung geltend machen. Hierfür müssen Sie allerdings einen Betrag in Höhe von 20 Euro an das Gericht bezahlen.

Lohnt es sich überhaupt, Forderungen im Insolvenzverfahren anzumelden?

Viele denken, dass sie Ihre Forderungen im Fall der Insolvenz abschreiben können und melden deswegen – auch weil es mühsam und arbeitsaufwendig erscheint – ihre offenen Ansprüche gar nicht erst beim Insolvenzverwalter an. Dies mag auf den ersten Blick nachvollziehbar erscheinen, da im Schnitt die Gläubiger im Insolvenzfall mit einer Befriedigungsquote von nur ca. 4 Prozent rechnen können (bei 100 Euro würden dann nur 4 Euro bezahlt): Zudem erfolgt die Auszahlung oft erst Jahre später. Allerdings gibt es genügend Fälle, bei denen eine höhere Befriedigungsquote ausgezahlt wird, und die Gläubiger auch oft im Wege einer Teilausschüttung vorab Geld erhalten. Deswegen raten wir: In jedem Fall die offene Forderung beim Insolvenzverwalter anmelden!

Wann wird meine angemeldete Forderung geprüft? Bekomme ich nach Prüfung der Forderung eine Nachricht?

Wenn Sie ihre Forderung fristgerecht angemeldet haben, dann wird diese Forderung im sogenannten Prüfungstermin festgestellt. Das Datum des Prüfungstermins steht ebenfalls im Eröffnungsbeschluss und schließt sich an den sogenannten Berichtstermin an. Beide Termine werden bei größeren Verfahren vor Ort beim zuständigen Insolvenzgericht abgehalten. Bei kleinen Verfahren wird der Prüfungstermin lediglich schriftlich ohne Präsenzveranstaltung durchgeführt.

Wenn Ihre Forderung vom Insolvenzverwalter anerkannt wird, erhalten Sie keine Nachricht. Nur wenn ihre Forderung bestritten wurde, erhalten Sie hierüber eine Auskunft. Sie müssen jetzt Kontakt mit dem Verwalter aufnehmen, um die Anerkennung der Forderung zu erreichen oder ansonsten eine Klage auf Feststellung der Forderung einreichen. Spätestens jetzt sollten Sie einen Rechtsanwalt beauftragen.

Achtung: Welche Fallstricke können bei der Forderungsanmeldung auftreten?

Passen Sie genau auf, welche Unterlagen Sie mit der Forderungsanmeldung einreichen. Oftmals werden gerade bei Mietverträgen oder sonstigen Dauerschuldverhältnissen Forderungskonten über eine längere Zeit eingereicht. Wenn sich hieraus ergibt, dass das insolvente Unternehmen schon längere Zeit in Rückstand war, sind das wunderbare Argumente für den Insolvenzverwalter im Rahmen der Insolvenzanfechtung. Er kann dann mithilfe dieser Unterlagen, die sie ihm selbst zugesandt haben, Geld von Ihnen zurückverlangen. Über die Insolvenzanfechtung können Sie mehr auf https://www.insolvenzanfechtung-buchalik.de/ erfahren.

Kann mich der Insolvenzverwalter beraten?

Viele Gläubiger sehen den Insolvenzverwalter als Ihren individuellen Rechtsvertreter und versuchen Fragen auch zur Forderungsanmeldung mit ihm zu klären. Hierzu sollten Sie wissen, dass der Verwalter nur die Gläubigergesamtheit berücksichtigen kann und niemals Ihre Individualinteressen. Oftmals erhalten Gläubiger vom Insolvenzverwalter neben der Aufforderung zur Forderungsanmeldung zu einem viel späteren Zeitpunkt nochmals Post. Dann geht es oftmals darum, dass der Verwalter von Ihnen im Wege der Insolvenzanfechtung Geld zurückverlangt. Über die Insolvenzanfechtung können Sie mehr auf https://www.insolvenzanfechtung-buchalik.de/ erfahren. Da auch das Insolvenzgericht keine konkrete Rechtsberatung machen kann, sollten Sie bei Zweifelsfragen immer einen externen Insolvenzrechtsexperten befragen.

Ich habe durch die Insolvenz viel Geld verloren. Lohnt es sich überhaupt, sich als Gläubiger in einem Insolvenzverfahren professionell beraten zu lassen?

Gerade wenn es um einen hohen Betrag geht und Sie als Lieferant ihre Forderung durch einfache, erweitere oder verlängerte Eigentumsvorbehalte abgesichert haben, haben Sie die Chance Ihren Ausfall zu verringern. Dann geht es darum, diese Sicherungsrechte sehr frühzeitig dem Insolvenzverwalter anzuzeigen und mit dem Verwalter Kontakt aufzunehmen. Ohne professionelle Hilfe werden Sie hierbei oft vertröstet. Ein Dialog mit dem Insolvenzverwalter „auf Augenhöhe“ verbessert ganz klar ihre Situation.

Aber auch ohne diese Sicherungsrechte sollten Sie sich als Gläubiger vergegenwärtigen, dass das Insolvenzverfahren immer und ausschließlich zugunsten der Gläubiger stattfindet und die Gläubiger hier ganz erhebliche Mitspracherechte beim Ablauf des Verfahrens haben (beispielsweise müssen die Gläubiger die Person des Insolvenzverwalters bestätigen oder können ihn auch abwählen). Oftmals wird ein Gläubigerausschuss installiert, der das Handeln des Verwalters beaufsichtigt. Wenn sich hier die Gläubiger professionell beraten lassen und Ihre Interessen bündeln, hilft das letztlich allen Gläubigern.