Familien- und Krankenpflege Herne e.V.

Über die Zusammenarbeit

„Als ich im November 2018 vom Gericht zum Notvorstand bestellt wurde, da der Verein handlungsunfähig war, musste ich mir erst einmal einen Überblick verschaffen. Sehr schnell wurde mir dann klar, dass die Zahlungsunfähigkeit drohte und wir Hilfe benötigen würden. Wir haben uns für die Kanzlei Buchalik Brömmekamp aus Düsseldorf entschieden, da sie auf die Sanierung angeschlagener Unternehmen spezialisiert ist und unter anderem auch gerade im Bereich der Sozialwirtschaft Expertise und Erfahrung vorweisen kann.“ 

Dirk Brieskorn, Vorstand der Familien- und Krankenpflege e.V., Herne

„Wir haben uns auf eine persönliche Empfehlung hin an die Wirtschaftskanzlei Buchalik Brömmekamp gewandt. Nach einem kurzen Anruf hat uns Herr Buchalik persönlich kurzfristig einen Termin angeboten – dies geschah sehr unkompliziert. In diesem Gespräch wurden uns Möglichkeiten aufgezeigt, wie wir die Zukunft des Vereins gestalten könnten. Schlussendlich haben wir uns aufgrund des positiven Gesprächs, aber auch, weil wir die bestmögliche professionelle Begleitung während unserer Insolvenz in Eigenverwaltung gesichert haben wollten, für Buchalik Brömmekamp entschieden.

Die größte Herausforderung bestand darin, alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an Bord zu behalten, da der Begriff der „Insolvenz“ in Belegschaften naturgemäß oftmals als negativ aufgefasst wird. An dieser Stelle haben die Mitarbeiter von Buchalik Brömmekamp, in Kooperation mit dem vorläufigen Sachwalter, den Betriebsrat und auch die Belegschaft in einer ersten Betriebsversammlung sehr gut informiert. Wir haben sowohl die Verfahrenszeit als auch das Verfahren selbst als positiv empfunden. Dies ist wohl auch ein Verdienst der sehr guten Zusammenarbeit der beteiligen Akteure. Alle Mitarbeiter der Kanzlei waren jederzeit erreichbar und haben exzellent auf jede Situation und Anfrage reagiert. Das Kanzleiteam verfügt über sehr gute Kontakte, die es nutzt, um das Bestmögliche für Ihre Mandanten zu erreichen. Wir können diese Kanzlei ausdrücklich weiterempfehlen.“

Mike Imminger, Geschäftsführer der Familien- und Krankenpflege e.V., Herne

 

Über das Verfahren

Die Familien- und Krankenpflege e. V. Herne wurde 1975 gegründet. Sie ist als freier Wohlfahrtsträger dem Paritätischem Landesverband angeschlossen. Die Familien- und Krankenpflege bündelt die vielfältigsten Aufgaben der Gesundheitsdienste sowie der Sozialen Dienste. Hierzu gehören ambulante Grund- und Behandlungspflegen, Menüservice, Hausnotruf, Hauswirtschaftsdienste, Seniorenberatung, Sozialpädagogische Familienhilfen, Individuelle Schwerstbehindertenbetreuung, Schulbegleitung und vieles mehr.

Im November 2018 musste die Familien- und Krankenpflege Herne (FuK) Insolvenz anmelden. Gut ein Jahr später hat das Amtsgericht das Eigenverwaltungsverfahren aufgehoben. Der Verein gilt damit als erfolgreich saniert und entschuldet. Erleichtert konnten der amtierende Vorstand und die neue Geschäftsführung verkünden, dass die FuK gestärkt aus dem Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung hervorgeht. Die etwa 175 Arbeitsplätze konnten ebenfalls gerettet und damit die Versorgung von vielen Hundert Patienten sichergestellt werden.

Gut ein Jahr zuvor sah die Zukunft des Vereins weit weniger gewiss aus: Da der Verein damals handlungsunfähig war, wurde Dirk Brieskorn vom Gericht zum Notvorstand bestellt. Es dauerte nur wenige Tage, um festzustellen, dass die Zahlungsunfähigkeit drohte. Daher entschied der Vorstand umgehend die Hilfe von insolvenzerfahrenen Spezialisten einzuholen. „Durch kritische Umstände, zu denen auch Verfehlungen der Altgeschäftsführung zählten, hat sich unser Verein – die Familien- und Krankenpflege e.V., Herne – in einer fast ausweglosen Situation befunden. Alle Ansätze, um das Problem zu lösen, waren gescheitert. Aus finanziellen Gründen wurden dringend notwendige Investitionen bereits über lange Zeit nicht getätigt und unser Verein stand kurz vor dem Aus“, schildert Mike Imminger, den der neue Vorstand Brieskorn als neuen Geschäftsführer gewinnen konnte. „Auf Empfehlung eines überörtlichen Verbandes haben wir die Düsseldorfer Kanzlei Buchalik Brömmekamp mit ins Boot geholt. Mit großem Einsatz und auch unkonventionellen Ansätzen ist es gelungen die FuK Herne – im Rahmen eines Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung – wieder in ruhiges Fahrwasser zu lenken. Ohne die Ideen und die Kreativität des Teams von Buchalik Brömmekamp wäre das aber nicht möglich gewesen“, so Imminger weiter.

Ergänzend wurden Rechtsanwalt Philipp Künne (Buchalik Brömmekamp) und Nico Koning (Familien- und Krankenpflege e.V. Herdecke und Wetter) von der Mitgliederversammlung in den Vorstand gewählt. Die erste Herausforderung für die drei neuen Vorstandsmitglieder bestand zunächst darin, sich einen Überblick über die Lage des Vereins zu verschaffen. „Durch die lange faktische Führungslosigkeit war es eine anspruchsvolle Aufgabe, hier auch wirtschaftlich den Überblick zu gewinnen. Wir konnten uns aber auf die Verwaltungsmitarbeiter voll und ganz verlassen, die alle mitgewirkt haben, Licht ins Dunkel zu bringen“, berichtet Künne. Imminger ergänzt: „Es war zudem wichtig, einen wirtschaftlichen Überblick über die Lage des Vereins zu gewinnen. Hier hat Herr Buchalik persönlich über seine Kontakte binnen weniger Minuten vor Ort einen Buchhalter für unseren Verein organisiert, welcher dann in zwei Tagen die Buchhaltung aufgearbeitet hat.“

Durch Liquiditätseffekte des Verfahrens konnten ausreichend liquide Mittel generiert werden, um etwa – noch während des Eigenverwaltungsverfahrens – den Großteil des Fahrzeugparks erneuern. Heute ist der Verein mit ausreichenden finanziellen Mitteln zukunftsfest aufgestellt. Zu Beginn des Verfahrens wurden dafür zum Beispiel zügig Mietverträge aufgelöst, um nicht genutzte Flächen abzustoßen und finanziell Luft zu bekommen. Auch eine hochdefizitäre Niederlassung wurde geschlossen, ohne die soziale Verantwortung dabei aus dem Blick zu verlieren: Bei der Schließung des Standorts wurde darauf geachtet, dass sowohl die betroffenen Patienten, als auch die dortigen Mitarbeiter an einen anderen Anbieter vermittelt bzw. dort übernommen werden konnten. Weitere Erfolgsbausteine waren u.a. die erfolgreichen Vergütungsverhandlungen mit Kostenträgern, die Vereinfachung von Arbeitsabläufen und der Zusammenhalt in der Belegschaft, welcher sich durch diesen gemeinsam erarbeiten Erfolg weiter verstärkt hat.

Mit der Eigenverwaltung nutzte die Familien- und Krankenpflege Herne (FuK) die seit 2012 geltenden Möglichkeiten einer Sanierung unter Insolvenzschutz. Im Eigenverwaltungsverfahren bleibt die unternehmerische Verantwortung bei der bisherigen Geschäftsführung. Diese führt den Sanierungsprozess selbstständig und ohne Insolvenzverwalter aber mit einem zur Seite gestellten Sachwalter durch. Ein Sachwalter übernimmt eine Aufsichtsfunktion und hat darüber hinaus die Aufgabe, die wirtschaftliche Lage des Schuldners zu prüfen.  Nach erfolgreichem Abschluss des Verfahrens ist der eingesetzte Sanierungsvorstand Herr Künne planmäßig wieder aus dem Vorstand ausgeschieden. Insgesamt wurde das Sanierungsverfahren in gutem Einvernehmen mit den Gläubigern, den Arbeitnehmervertretern, dem Sachwalter und den anderen Verfahrensbeteiligten abgeschlossen. „Es hat allerdings nicht überrascht, wie sehr alle Beteiligten an einem Strang gezogen haben“, sagt der Sanierungsexperte Künne. Mike Imminger ergänzt: „Unser Verfahren ist erfolgreich verlaufen und es wurden dabei finanzielle Erfolge erzielt – dies aber nicht zum Nachteil der Gläubiger. Finanzielle Mittel wurden vor allem in die Infrastruktur investiert – in neue Fahrzeuge, neue Server, neue Software und ähnliches.“