Heinrich Woerner GmbH

Die Wurzeln des Unternehmens Heinrich Woerner GmbH aus Heilbronn gehen zurück bis in das Jahr 1925. In diesem Jahr gründete Herr Heinrich Woerner einen Reklameverlag. Die Entwicklung von einem örtlichen Reklameverlag zum größten Versandhaus für Visual Merchandising in Europa begann 1959, als Herr Heinrich Woerner in der Heilbronner Innenstadt ein Ladengeschäft für „Schaufenster-Dekorationsartikel“ gründete.

Im Jahr 1972 wurde dann die Heinrich Woerner GmbH gegründet. Diese war bereits im Jahr 1973 erstmals auf einer regionalen Ausstellermesse vertreten. Das Unternehmen ist bis heute ununterbrochen inhabergeführt.

Gegenstand der Gesellschaft ist der Vertrieb von Visual Merchandising Produkten in Deutschland bzw. in Europa. Zu den Auftraggebern gehören neben dem Facheinzelhandel auch namhafte Modehäuser, Handels- und Hotelketten, Kreuzfahrtschiffe sowie Shopping-Center. Die Kunden können aus einem Sortiment von über 10.000 Artikeln von Dekoration bis Ladenausstattung auswählen. Dafür gibt es 14 Kataloge, die außer in Deutsch auch in Englisch und Französisch aufgelegt werden. Zudem werden, auf Wunsch, gemeinsam mit dem Kunden auch maßgeschneiderte, individuelle Produkte für besondere Projekte und Deko-Konzepte entwickelt.

Als weiterer Hauptvertriebskanal betreibt das Unternehmen einen Webshop, dessen Modernisierung im Rahmen der Fortführung des Geschäftsbetriebs der Schuldnerin - Heinrich Woerner GmbH - einen Hauptpunkt der Restrukturierungsbemühungen dargestellt hat. Ineffiziente Prozessabläufe und der veraltete Webshop waren es, die zu einem Umsatzeinbruch und im Rahmen einer internen Restrukturierungsprüfung durch die vom neuen Gesellschafter eingesetzte Interimsgeschäftsführung schlussendlich zu der Erkenntnis führten, dass in Zeiten der Corona-Pandemie in absehbarer Zeit die für die Umsetzung der Restrukturierungsmaßnahmen notwendigen positiven Ergebnisse nicht zu erwirtschaften sein würden.

Aus diesem Grund hat die Heinrich Woerner GmbH unter Begleitung von Buchalik Brömmekamp und plenovia ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung durchgeführt. Der Antrag wurde am 07. Mai 2020 gestellt, das Verfahren am 31.12.2020 aufgehoben. Zum Zeitpunkt der Antragstellung beschäftigte das Unternehmen ca. 80 Mitarbeiter.

 

Herr Ahlemeyer, was hat Sie motiviert in ein ESUG Verfahren einzutreten?

Ich habe im Dezember 2019 ein Unternehmen mit guten Produkten, hoher fachlicher Kompetenz und stabilen Kundenbeziehungen sowie vor allem einer über Jahrzehnte gewachsenen Tradition gekauft. Es steckte allerdings aufgrund veralteter Strukturen in einer Umsatz- und Ergebniskrise. Vor allem die hohen Kosten für den aufgrund des veralteten Webshops noch immer vorherrschenden Katalogvertrieb konnten letztlich nicht mehr durch den erzielbaren Umsatz gedeckt werden. Corona wirkte als Brandbeschleuniger. Ich glaube an den profitablen Kern des Unternehmens und wollte diesen erhalten und gleichzeitig die Altlasten beseitigen und die notwendigen Modernisierungsmaßnahmen unserer Strukturen optimieren. Das ESUG Verfahren ermöglichte mir diesen Weg. Ohne dieses Verfahren, wäre die Heinrich Woerner GmbH in Kürze in die Regelinsolvenz geraten und der profitable Kern zusammen mit allen 80 Arbeitsplätzen wäre verloren gewesen.

Ist Ihnen der Schritt leichtgefallen?

Nein – in keiner Weise. Ich bin kein Experte im Insolvenzrecht. Das „I“ –Wort verband ich intuitiv mit Scheitern und Versagen. Welcher Gesellschafter/Geschäftsführer will schon damit in Verbindung gebracht werden. Erst eine nüchterne Analyse des Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung zusammen mit Fachleuten zeigte mir, dass dies der richtige Weg für das Unternehmen war.

Wie genau sah dieser Prozess der „Erkenntnis“ aus?

Ich habe mich kurz vor dem ersten Lockdown der Coronakrise mit meiner damaligen Interimsgeschäftsführung und den Beratern von Buchalik Brömmekamp zusammen an einen Tisch gesetzt und mir die Überlegungen und deren Analyse angehört. Nach anfänglicher Skepsis konnten mich die eindeutigen Argumente für diesen Weg überzeugen und ich bekam über transparente Kommunikation auch im gesamten Team der Mitarbeiter Rückendeckung für diesen Weg.  

Wie haben Ihre Kunden, wie haben Ihre Lieferanten reagiert?

Die Kunden waren anfangs skeptisch, aber eine offene Kommunikation mit regelmäßigen Updates über den Verfahrensstand erzeugte das notwendige Vertrauen.

Einige Lieferanten drohten mit Lieferstopp. Fast alle Lieferanten waren aber bereit mit uns einen gangbaren Weg zu finden. Auch hier war Transparenz und regelmäßige Kommunikation wichtig. Ein weiterer Erfolgsfaktor war, dass wir vor, während und auch jetzt, nach dem Verfahren, alle Lieferverpflichtungen und auch alle Verbindlichkeiten rechtzeitig erfüllt haben, sofern es uns insolvenzrechtlich erlaubt war. Hier ist nicht zuletzt das reibungslose Zusammenspiel mit einem erfahrenen Beraterteam entscheidend.

Welche Veränderungen sind mit dem Verfahren umgesetzt worden?

Die Mitarbeiterstruktur wurde auf den reduzierten Umsatz ausgerichtet, die Einkaufspreise wurden neu verhandelt bzw. an die Benchmarks angepasst. Zudem wurde ein neuer Webshop implementiert und parallel dazu ein Sanierungsprogramm zur nachhaltigen Umsetzung der Prozessverbesserungen aufgesetzt. Damit gelang es, die Restrukturierung auch während des Corona-bedingten Umsatzrückgangs anzustoßen bzw. umzusetzen.

Sind Sie mit der Neuaufstellung zufrieden oder hätten Sie etwas Anderes gewünscht?

Ich bin mit der Neuaufstellung sehr zufrieden. Neben der reduzierten Kostenstruktur, den erzielten Preisanpassungen sowie der Optimierung unserer Prozessabläufe und Strukturen, sind wir nun mitten in der operativen Umsetzung des Sanierungs- und Modernisierungsplanes.

Was sind aus Ihrer Sicht die größten Vorteile des Verfahrens, welche Nachteile sehen Sie?

Der größte Vorteil des Verfahrens ist, sich von Altlasten befreien zu können.

Der größte Nachteil des Verfahrens in Eigenverwaltung ist, dass es immer noch ein Ableger der Regelinsolvenz ist und daher viele Verfahrensschritte beinhaltet, die für die Eigenverwaltung unnötig wären. Dies generiert unnötigen Aufwand und Kosten. Des Weiteren ist das Wort „Insolvenz“ noch immer mit einem Stigma behaftet. Die Eigenverwaltung ist gegenüber Geschäftspartnern erklärungsbedürftig. Aber, wie ich jetzt weiß, die Vorteile überwiegen die Nachteile bei weitem und deshalb ist diese Erklärung auch möglich.

Wie haben Sie Ihren Sanierungsberater ausgewählt?

Neben eigener Recherche habe ich auf die Empfehlungen eines Interim-Managers aus dem Bereich der Restrukturierung vertraut.

Wie hat Sie der Berater unterstützt?

Buchalik Brömmekamp und plenovia unterstützten uns durch den gesamten Insolvenzprozess. Neben den rechtlichen Themen (Insolvenzrecht, Arbeitsrecht, Steuerrecht), sind es Profis in der Umsetzung der Insolvenz in Eigenverwaltung. Sie beantworteten Fragen, die außerhalb der Insolvenz wenigen geläufig sind: Welche Schritte müssen im Insolvenzverfahren aufeinander folgen? Wie sollte der Gläubigerausschuss besetzt sein? Welche Informationen benötigt der Sachwalter? Welches Reporting in welcher Form ist im Verfahren notwendig? Welche Gutachten müssen beigebracht werden? Welche externen Dienstleister können dies effizient abdecken? Welche rechtlichen Möglichkeiten eröffnet das Insolvenzrecht und welche auch nicht? Wie muss ein Insolvenzplan aufgebaut sein? Welche rechtlichen Fallstricke muss der Geschäftsführer im Insolvenzverfahren beachten? Welche Termine sind essentiell? Der Berater übernahm im Verfahren auch eigene Verantwortung als Generalbevollmächtigter.

Waren Sie mit seiner Leistung zufrieden?

Ich bin sehr zufrieden mit der Leistung. Ohne diese kompetente Beratungsleistung, hätte die Firma Heinrich Woerner GmbH das Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung nicht erfolgreich durchlaufen können.

Haben Sie Ihre Erwartungen an die Sanierung des Unternehmens erfüllt?

Ja! Ich hatte die Erwartungshaltung bis zum Ende des Jahres 2020 gestärkt und eigenständig aus dem Verfahren hervorzugehen. Dies ist exakt so gelungen, wie es zu Beginn angekündigt worden war.

Herwig Ahlemeyer, Geschäftsführer, Heinrich Woerner GmbH