Hittech PRONTOR GmbH

Das Unternehmen Hittech PRONTOR GmbH aus Bad Wildbad wurde 1902 durch die Brüder Gauthier gegründet und produzierte anfänglich Kameraverschlüsse.
as Unternehmen war z.B. führend bei Entwicklung von Schnellverschlüssen, wie sie bereits in den frühen Jahren des zwanzigsten Jahrhundert in der Sportfotographie eingesetzt wurden. Daraus hat sich auch der Name „PRONTOR“ im Sinne von „Schnell“ ergeben. Als sich die Eigentümerfamilie Anfang der Zwanzigerjahre aus dem Geschäft zurückgezogen haben, wurde das Unternehmen durch die Zeiss Gruppe übernommen. Über viele Jahrzehnte war Hittech Prontor ein Tochterunternehmen von Zeiss. Im Jahr 2014 hat die Hittech Group BV das Unternehmen übernommen.

Hittech Prontor stellt Optoelektronik und Präzisionsmechanik her und beliefert mit ihren Produkten namhafte Kunden der Branche. Ein Fokus liegt dabei auf der Entwicklung medizinischer Produkte im Bereich Mechatronik, Optik und Elektronik gemäß Verordnungen der Medizinbranche. .

Hittech deckt die gesamte Wertschöpfungskette von der Entwicklung, Beschaffung, mechanische Bearbeitung, Oberflächenbehandlung bis zur Produktion ab. In 2019 bestand noch die Erwartung erheblicher Umsatzausweitungen, deshalb wurde auch neues Personal eingestellt. Die hohe Komplexität bedingt durch die hohe Fertigungstiefe und starke Umsatzeinbrüche gleich zu Beginn der Coronakrise führten über die Ergebniskrise in die Liquiditätskrise. Hinzu kamen schlecht verhandelte Produktpreise und Einkaufspreise für die benötigten Materialien und Ineffizienzen in der Fertigung und nicht zuletzt hohe Pensionslasten die die Liquidität beanspruchten.

Das Unternehmen wird von Herrn Volker Kiefer seit November 2019 als Fremdgeschäftsführer geführt.

Hittech Prontor hat mit Begleitung von Buchalik Brömmekamp und plenovia ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung durchgeführt.  Der Antrag wurde am 28. April 2020 gestellt, das Verfahren am 31.12.2020 aufgehoben. Zum Zeitpunkt der Antragstellung beschäftigte das Unternehmen ca. 300 Mitarbeiter.

Herr Kiefer, was hat Sie motiviert in ein ESUG Verfahren einzutreten?

Ich fand im November 2019 ein Unternehmen mit guten Produkten, hoher fachlicher Kompetenz und stabilen Kundenbeziehungen vor. Das Unternehmen hat ein belastbares Alleinstellungsmerkmal. Es steckt aber in der Liquiditätskrise. Die Schieflage war durch historische Altlasten wie etwa die Pensionslast und zu hohen Personalkosten entstanden, die nicht durch den erzielbaren Umsatz gedeckt waren. Corona wirkte als Brandbeschleuniger. Ich glaube an den profitablen Kern des Unternehmens und wollte diesen erhalten und gleichzeitig die Altlasten beseitigen und die Fehlentwicklungen korrigieren. Das ESUG Verfahren ermöglichte mir diesen Weg. Ohne dieses Verfahren, wäre Hittech Prontor in Kürze in die Regelinsolvenz geraten und der profitable Kern zusammen mit allen 300 Arbeitsplätzen wäre verloren gewesen.

Ist Ihnen der Schritt leicht gefallen?

Nein – in keiner Weise. Ich kein Experte im Insolvenzrecht. Das „I“ –Wort verband ich intuitiv mit Scheitern und Versagen. Welcher Geschäftsführer will schon damit in Verbindung gebracht werden. Erst eine nüchterne Analyse des Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung zusammen mit Fachleuten zeigte mir, dass dies der richtige Weg für das Unternehmen war.

Welche Hürden mussten Sie überwinden?

Ich holte den wichtigsten Kunden und die Gesellschafter mitten im ersten Lockdown der Coronakrise zusammen an einen Tisch und legte ihnen meine Überlegungen und meine Analyse dar. Nach anfänglicher Skepsis konnten meine Argumente die „Stakeholder“ überzeugen und ich bekam Rückendeckung für diesen Weg.  

Wie haben Ihre Kunden, wie haben Ihre Lieferanten reagiert?

Die Kunden waren anfangs skeptisch, aber eine offene Kommunikation mit regelmäßigen Updates über den Verfahrensstand erzeugte das notwendige Vertrauen.

Einige Lieferanten drohten mit Lieferstopp. Fast alle Lieferanten waren aber bereit mit uns einen gangbaren Weg zu finden. Auch hier war Transparenz und regelmäßige Kommunikation wichtig. Ein weiterer Erfolgsfaktor war, dass wir vor, während und auch jetzt, nach dem Verfahren, alle Lieferverpflichtungen und auch alle Verbindlichkeiten rechtzeitig erfüllt haben, sofern es uns insolvenzrechtlich erlaubt war.

Welche Veränderungen sind mit dem Verfahren umgesetzt worden?

Die Personalausgaben wurden reduziert, die Pensionslast wurde deutlich gemindert, Produktpreise wurden neu verhandelt, die strategische Ausrichtung wurde geschärft und ein Sanierungsprogram zur nachhaltigen Umsetzung der Prozessverbesserungen wurde aufgesetzt. Damit gelang es, schon im November wieder einen positiven EBIT zu erwirtschaften.

Sind Sie mit der Neuaufstellung zufrieden oder hätten Sie etwas Anderes gewünscht?

Ich bin mit der Neuaufstellung sehr zufrieden. Neben der reduzierten Zahllast für Personalausgaben und den erzielten Preisanpassungen, sind wir nun mitten in der operativen Umsetzung des Sanierungsplanes.

Was sind aus Ihrer Sicht die größten Vorteile des Verfahrens, welche Nachteile sehen Sie?

Der größte Vorteil des Verfahrens ist, sich von Altlasten befreien zu können. Die Pensionslast ist z.B. eine solche Altlast, die noch aus der Zeit der Konzernzugehörigkeit stammte und die das Unternehmen aus eigener Kraft niemals hätte überwinden können.

Der größte Nachteil des Verfahrenes in Eigenverwaltung ist, dass es ein Ableger der Regelinsolvenz ist und daher viele Verfahrensschritte beinhaltet, die für die Eigenverwaltung unnötig wären. Dies generiert Aufwand und Kosten. Des Weiteren ist das Wort „Insolvenz“ mit einem Stigma behaftet und die Eigenverwaltung ist gegenüber Geschäftspartnern erklärungsbedürftig.

Wie haben Sie ihren Sanierungsberater ausgewählt?

Neben eigener Recherche habe ich auf die Empfehlungen eines Interim Managers aus dem Bereich der Restrukturierung vertraut.

Wie hat Sie der Berater unterstützt?

Buchalik Brömmekamp und plenovia unterstützten uns durch den gesamten Insolvenzprozess. Neben den rechtlichen Themen (Insolvenzrecht, Arbeitsrecht, Steuerrecht), sind es Profis in der Umsetzung der Insolvenz in Eigenverwaltung. Sie beantworteten Fragen, die außerhalb der Insolvenz wenigen geläufig sind:

  • Welche Schritte müssen im Insolvenzverfahren aufeinander folgen?
  • Wie sollte der Gläubigerausschuss besetzt sein?
  • Welche Informationen benötigt der Sachwalter?
  • Welches Reporting in welcher Form ist im Verfahren notwendig?
  • Welche Gutachten müssen beigebracht werden?
  • Welche externen Dienstleister können dies effizient abdecken?
  • Welche rechtlichen Möglichkeiten eröffnet das Insolvenzrecht und welche auch nicht?
  • Wie muss ein Insolvenzplan aufgebaut sein?
  • Welche rechtlichen Fallstricke muss der Geschäftsführer im Insolvenzverfahren beachten?
  • Welche Termine sind essentiell?

Der Berater übernahm im Verfahren auch eigene Verantwortung als Generalbevollmächtigter.

Waren Sie mit seiner Leistung zufrieden?

Ich bin sehr zufrieden mit der Leistung. Ohne diese kompetente Beratungsleistung, hätte die Firma Hittech Prontor GmbH das Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung nicht erfolgreich durchlaufen können.

Haben Sie Ihre Erwartungen an die Sanierung des Unternehmens erfüllt?

Ja! Ich hatte die Erwartungshaltung bis zum Ende des Jahres 2020 gestärkt und eigenständig aus dem Verfahren hervorzugehen.

Dies ist exakt so gelungen, wie es zu Beginn angekündigt worden war.

Herzlichen Dank!

Volker Kiefer, Fremdgeschäftsführer, Hittech PRONTOR GmbH