Risikomanagement

no risk - no fun? Wer seine Risiken kennt, weiß auch um seine Chancen

Einbrechende Preise, schwer zu identifizierbare Qualitätsmängel oder Substitutprodukte des Wettbewerbs - jedem Inhaber und Geschäftsführer werden schon bei kurzem Nachdenken zahlreiche Geschäftsrisiken einfallen. Werden sie Wirklichkeit, reichen die Auswirkungen vom Imageschaden, über Schwächung der Wettbewerbsposition und Haftungsstrafen bis hin zur Existenzbedrohung. Grund genug, sich intensiv mit der Risikobeseitigung zu beschäftigen. Jedoch auf das praktizierte Risikomanagement angesprochen, spricht die Unternehmensleitung gerne vom „Bauchgefühl“, das vollkommen ausreiche. Faktisch werden die Unsicherheiten jedoch notorisch unterschätzt.

Gesetz fordert Risikomanagement

Das Risikomanagement fristet ein Schattendasein in der Unternehmensführung, dabei verpflichtet das 1998 in Kraft getretene Gesetz zur Kontrolle und Transparenz im Unternehmensbereich (KonTraG) die Einrichtung und den Betrieb. Nach § 91 II AktG hat der Vorstand bzw. die oberste Führung in vergleichbaren Gesellschaftsformen „geeignete Maßnahmen zu treffen, insbesondere ein Überwachungssystem einzurichten, damit den Fortbestand der Gesellschaft gefährdende Entwicklungen früh erkannt werden”. Ein weiteres Argument für das Risikomanagement ist Basel II. Planzahlen, Konjunkturanalysen, Markttrends, Strategien, Personalmanagement, Wettbewerbssituation und Krisenszenarien spielen bei der Kreditvergabe eine wichtige Rolle. Fehlen Gegenstrategien für die Risiken werden Unternehmen mit höheren Finanzierungskosten und bindenden finanziellen Zusicherungen des Kreditnehmers (Covenants) abgestraft. Das kommende Basel III wird die Situation weiter verschärfen.

Risikomanagement als Erkennen von Chancen betrachten

Warum wird das Risiko Management in erster Linie dennoch als lästige Pflichtübung verstanden? Drei Gründe sprechen dafür: Erstens generieren Unternehmen ein präventives und auf die Zukunft ausgerichtetes Risikomodell rein aus der Betrachtung von eingetretenen Schäden. Was noch nicht vorgekommen ist, geht in die Betrachtung nicht ein. Zweitens nimmt jede Person negative Situationen unterschiedlich war und gewichtet sie anders. Wird das Risikomanagement nicht in einem Team entwickelt, so ist das Risikomodell sehr einseitig ausgerichtet und die Akzeptanz im Unternehmen schwindet. Und drittens werden Fehlerdiskussionen schnell mit einer persönlichen Verantwortung verbunden. Herrscht im Unternehmen kein konstruktiver Umgang mit Fehlern, so boykottieren die Mitarbeiter eine Mitwirkung an der Risikoanalyse. Hilfreich kann in diesen Situationen sein, das Risikomanagement vielmehr als Erkennen von Chancen und nicht als Vermeidung von Risiko zu sehen. Damit das Risikomodell fast die Realität abbildet, müssen die Beteiligten darauf achten, zukünftige Risiken nicht durch den Rückspiegel zu betrachten, sondern mögliche Extremszenarien und kaum fassbare Situationen auf das Unternehmen herunterzubrechen.