Steffen Zerkaulen

Rechtsanwalt, Fachanwalt für Insolvenz- und Sanierungsrecht

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Werdegang

Rechtsanwalt seit 1996
Fachanwalt für Insolvenz- und Sanierungsrecht seit 2009
Studium der Rechtswissenschaften, Universität Trier
Jahrgang 1965

1994 bis 1996
Referendariat – OLG Zweibrücken, LG Frankenthal
2000 bis 2002
Rechtsanwalt bei Kanzlei Breitenbücher
2002 bis 2007
Rechtsanwalt bei Kübler GbR
2007 bis 2011
Rechtsanwalt bei Westhelle & Partner / Leonhardt Westhelle & Partner
seit 2009
Referent an der Handwerkskammer Erfurt
2011 bis 2024

Rechtsanwalt bei Reinhardt & Kollegen Rechtsanwälte und Insolvenzverwalter GmbH, Erfurt

seit 2025

Geprüfter ESUG-Berater und StaRUG-Berater (Deutsches Institut für angewandtes Insolvenzrecht e.V. – DIAI)

StaRUG - Sanierungsmoderator & Restrukturierungsbeauftragter
Geprüfter ESUG-Berater

Im Interview

Rechtsanwalt Steffen Zerkaulen ist Fachanwalt für Insolvenz- und Sanierungsrecht und Insolvenzverwalter. Wir stellten ihm 10 Fragen rund um sein Fachgebiet.

Ich bin tatsächlich in den Beruf „hereingerutscht“, als ich zu Beginn meiner beruflichen Laufbahn in einem Verwalterbüro tätig war. Später waren es das Interesse an Betriebsfortführungen, an der konstruktiven Auseinandersetzung sowie am Erhalt von Unternehmen und Arbeitsplätzen, die mich gepackt haben.

Zu den Hauptaufgaben zählt die Sicherung und Verwertung des vorhandenen Schuldnervermögens, um eine bestmögliche Befriedigung der Gläubigeransprüche zu gewährleisten. Daneben ist die Forderungsprüfung ein erheblicher Teil der Tätigkeit, um dann die quotale Befriedigung der Gläubiger sicherzustellen. Letztlich, und das dürfte das Wesentlichste sein, bildet die Fortführung und Sanierung des Unternehmens einen Schwerpunkt, um nach Möglichkeit die Arbeitsplätze und wirtschaftlichen Werte zu erhalten.

Die Bandbreite der Verfahren, die an einen Insolvenzverwalter herangetragen werden, ist enorm, weshalb eine Spezialisierung nur schwer möglich ist. Ich selbst habe Erfahrungen in der Automotive-Branche, aber auch im Bereich von Druckereien, interessiere mich aber grundsätzlich für alle Bereiche, in denen ein Insolvenzverwalter noch Werte und Arbeitsplätze erhalten kann.

Ich bin seit Ende der 1990er Jahre in der Insolvenzverwaltung tätig und seit rund 25 Jahren selbst als Insolvenzverwalter bestellt. In dieser Zeit gab es viele interessante und spannende rechtliche sowie tatsächliche Änderungen in der Szene. Was im Moment geschieht, ist allerdings herausfordernd. Ich meine dabei einerseits die sich immer mehr verändernde Art des Arbeitens durch papierlose Büros und den Einsatz künstlicher Intelligenz, andererseits aber auch die gerade anlaufenden europäischen Harmonisierungsbemühungen, die das Berufsbild des Insolvenzverwalters neu prägen könnten.

Last but not least: Wir spüren gerade deutlich, dass sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen negativ verändern. Hier sei nur auf die anhaltende Rezession hingewiesen. Die wirtschaftlichen Parameter stellen eine wirkliche Herausforderung bei der Sanierung von Unternehmen dar, was allerdings auch sehr motivierend ist.

In meiner Ausbildung spielte das Konkursrecht, wie es damals noch hieß, keine Rolle. Der Beruf des Insolvenzverwalters ist ein Paradebeispiel für „Learning by Doing“. Als ich Anfang der 2000er-Jahre als Insolvenzverwalter die ersten Verbraucherinsolvenzen beendet hatte, gab es Schuldner, die sich mit einem Kuchen oder einer Flasche Wein bedankt haben. Das war sehr überraschend und hat mich auch sehr gefreut.

Ansonsten muss man sich immer bewusst sein, dass die Menschen, die man als Insolvenzverwalter beruflich kennenlernt, gleich, ob es sich um Einzelunternehmer, Geschäftsführer einer GmbH oder Vorstände einer AG handelt, meist mit dem Rücken zur Wand stehen, einen monatelangen Weg hinter sich haben und enormer Anspannung ausgesetzt sind. In dieser Situation kommt es zu den unterschiedlichsten Reaktionen, die aber in der Regel gut ausgehen.

Grundsätzlich bedarf es eines gewissen Einfühlungsvermögens und auch eines Bewusstseins für die Verantwortung gegenüber den Mitarbeitenden in den Unternehmen, die es oftmals abzuholen und zu motivieren gilt.

Die bei uns bearbeiteten Insolvenzverfahren sind so breit gefächert wie unsere Gesellschaft. Entsprechend unterschiedlich sind auch die Persönlichkeiten in den Verfahren sowie auch die Gründe, warum sich eine Person oder ein Unternehmen in der Insolvenz befindet. Da kann die gescheiterte Ehe der Grund sein oder ein Haftantritt. Aber auch Geschäftsführer: innen von juristischen Personen sind nur Menschen. So kommt es vor, dass auch im Zuge von Erstgesprächen ehemalige Leistungssportler zusammenbrechen und abtauchen. Hier die Motivation wieder zu erarbeiten, ist eine Herausforderung. Oft sind es genau diese Menschen, die das Unternehmen fortführen können. Sie sollten daher im Boot bleiben.

Wenn sich die Frage auf die Person des Insolvenzverwalters im eröffneten Verfahren bezieht, muss man bedenken, dass zwischen dem Unternehmer bzw. der privaten Person und dem Insolvenzverwalter kein Mandatsverhältnis besteht, der Insolvenzverwalter die Gläubigerinteressen vertritt und durch das Gericht kontrolliert wird. Er ist also weder der Berater des Schuldners noch dessen Coach und muss Distanz wahren. Andererseits ist aber ein gutes Verhältnis zwischen Verwalter und Schuldner beispielsweise bei einer Betriebsfortführung nicht zu unterschätzen, wenn es keinen greifbaren Investor gibt.

Bezieht sich die Frage auf den beratend tätigen Rechtsanwalt auf Seiten des Unternehmens oder des Schuldners, besteht für diesen auch die Möglichkeit, dass er nicht von juristischer Spezialmaterie überrollt wird. Er hat in einem insolvenzrechtlich erfahrenen Begleiter quasi einen Dolmetscher, den er bei Zweifelsfällen konsultieren kann. Diese Art der Beratung ist besonders bei Unternehmensfortführungen hilfreich, da in einem solchen Fall die Uhren in vielerlei Hinsicht anders ticken und ein Ratgeber Gold wert ist.

Ja, denn es gibt wenige Berufe, in denen man so unterschiedliche Wirtschaftsbereiche kennenlernen kann. Die sich ergebenden Problemstellungen sind aus rechtlicher und tatsächlicher Sicht so vielfältig, dass man ständig gefordert ist. Daneben ist es für mich selbstverständlich, dass ein redlicher Schuldner eine zweite Chance bekommen sollte, denn nicht immer sind es selbstverschuldete Situationen, die zur Insolvenzreife führen. Zu guter Letzt: Ich arbeite gerne im Team. Das ist beispielsweise bei einer Unternehmensfortführung in Insolvenzverfahren unerlässlich, denn das funktioniert nur im Team.

Ich bin ein großer Krimi- und Thriller-Fan, gerne von deutschen Autoren. Aber auch Bildbände, besonders über Architektur, faszinieren mich.

Ich koche sehr gerne nach Rezept oder auch Freestyle und habe eine Leidenschaft für alte „Vespen“ und Autos.

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