Insol­venz­an­fech­tung – Beispiele

Insol­venz­an­fech­tung – im Grund­satz eine gerech­te Sache

Die Bei­spie­le zei­gen deut­lich, wes­halb die Insol­venz­an­fech­tung im Grund­satz eine gerech­te Sache ist. Das Insol­venz­recht behan­delt im Grund­satz alle Gläu­bi­ger gleich. So steht es im ers­ten Para­gra­fen der Insol­venz­ord­nung. Kein Gläu­bi­ger soll einen Vor­teil erlan­gen oder erhal­ten. Über­trägt der Schuld­ner vor der Insol­venz Ver­mö­gen an Fami­lie, Freun­de und Bekann­te oder auch an ein Toch­ter­un­ter­neh­men, ist das unge­recht. Denn die­ses Ver­mö­gen steht den Gläu­bi­gern des Schuld­ners dann nicht mehr zum Aus­gleich ihrer berech­tig­ten For­de­run­gen zur Verfügung. Von die­sen offen­sicht­li­chen Fäl­len abge­se­hen, ist es aber auch unge­recht, wenn ein Gläu­bi­ger noch Geld bekommt, obwohl er weiß, dass der Schuld­ner bereits plei­te ist oder bald Insol­venz anmel­den wird. Denn wäh­rend er sein Geld bekommt, müssen alle ande­ren Gläu­bi­ger auf ihr Geld ver­zich­ten, obwohl jeder Gläu­bi­ger einen gleich­be­rech­tig­ten Anspruch hat.

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Bei­spiel 1

Die Lie­fe­ran­ten A, B und C lie­fern seit Jah­ren an einen Unter­neh­mer, der einen Insol­venz­an­trag nicht mehr ver­mei­den kann. Alle drei Lie­fe­ran­ten haben jeweils eine For­de­rung i. H. v. 100.000 Euro, die der Unter­neh­mer nicht zah­len kann. Der Unter­neh­mer ist mit Lie­fe­rant C befreun­det. Des­halb infor­miert der Unter­neh­mer zunächst den Lie­fe­ran­ten C und bezahlt spä­ter auch sei­ne Lie­fe­ran­ten­rech­nung (1). Fünf Mona­te spä­ter stellt der Unter­neh­mer einen Insol­venz­an­trag. Die Lie­fe­ran­ten A und B gehen leer aus, wäh­rend C bereits sein Geld erhal­ten hat­te. Das ist „unge­recht“, weil alle Gläu­bi­ger einen Anspruch gegen den Unter­neh­mer haben, aber nur C sein Geld bekom­men hat. Der Insol­venz­ver­wal­ter kann die Zah­lung an C anfech­ten (2) und ver­teilt den Erlös spä­ter gleich­mä­ßig an alle Gläu­bi­ger (3) (Insol­venz­quo­te).
Beispiel für Insolvenzanfechtung

Bei­spiel 2

Ein Lie­fe­rant hat sei­nem Kun­den, einem selbst­stän­di­gen Hei­zungs­bau­er, Hei­zungs­roh­re gelie­fert, die ver­baut wur­den. Den Rech­nungs­be­trag in Höhe von 10.000 Euro brut­to zahl­te der Hei­zungs­bau­er nicht. Statt­des­sen erhält er nach vier Mona­ten das Schrei­ben eines Insol­venz­ver­wal­ters mit der Auf­for­de­rung, sei­ne For­de­rung zur Insol­venz­ta­bel­le anzu­mel­den, was der Lie­fe­rant auch macht. Nach wei­te­ren vier Jah­ren wird er dar­über infor­miert, dass im Rah­men der Schluss­ver­tei­lung ein Betrag in Höhe von 20.000 Euro zur Ver­tei­lung an die Gläu­bi­ger bereit­ste­he und ins­ge­samt 1.000.000 Euro Ver­bind­lich­kei­ten zur Insol­venz­ta­bel­le fest­ge­stellt sei­en. Die 20.000 Euro sind also auf 1.000.000 Euro Ver­bind­lich­kei­ten zu ver­tei­len. Jeder Gläu­bi­ger erhält dem­nach eine Quo­te von zwei Pro­zent auf sei­ne zur Tabel­le fest­ge­stell­te For­de­rung. Der Lie­fe­rant erhält auf sei­ne For­de­rung von 10.000 Euro also gera­de ein­mal 200 Euro.
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