Start­sei­teRechts­be­ra­tungFor­de­rungs­an­mel­dung im Insolvenzverfahren

For­de­rungs­an­mel­dung im Insolvenzverfahren

Sie erfah­ren über­ra­schend, dass Ihr Geschäfts­part­ner Insol­venz ange­mel­det hat und das Insol­venz­ver­fah­ren über das Ver­mö­gen eröff­net wur­de. Gegen die­sen Geschäfts­part­ner haben Sie noch eine offe­ne For­de­rung, die bis zur Insol­venz­eröff­nung nicht aus­ge­gli­chen wurde.

Wahr­schein­lich haben Sie schon mal davon gehört, dass Sie die­se For­de­rung zur Insol­venz­ta­bel­le anmel­den kön­nen. Für vie­le Unter­neh­mer und Ver­brau­cher ist das The­ma Insol­venz und For­de­rungs­an­mel­dung bzw. Durch­set­zung der For­de­rung Neu­land. Nur wenn Sie Ihre For­de­rung recht­zei­tig zur Insol­venz­ta­bel­le anmel­den, wer­den Sie bei der Aus­zah­lung der Insol­venz­quo­te auch berücksichtigt.

In dem nach­fol­gen­den Arti­kel fin­den Sie eini­ge wich­ti­ge Infor­ma­tio­nen im Zusam­men­hang mit der For­de­rungs­an­mel­dung im Insol­venz­ver­fah­ren, die aber nicht abschlie­ßend sind:

  1. Was ist eine Insolvenzforderung?

Zunächst ein­mal erklä­ren wir Ihnen, was mit dem Begriff „Insol­venz­for­de­rung“ gemeint ist.  Unter einer „Insol­venz­for­de­rung“ ver­steht man alle For­de­run­gen eines Gläu­bi­gers gegen einen Schuld­ner, die bei Eröff­nung des Insol­venz­ver­fah­rens bestehen. Recht­li­che Grund­la­ge ist § 38 InsO.

2. Wann kann ich mei­ne For­de­rung anmelden?

Die offe­ne For­de­rung kön­nen Sie erst nach der Eröff­nung des Insol­venz­ver­fah­rens anmel­den. Im vor­läu­fi­gen Insol­venz­ver­fah­ren nach Stel­lung des Insol­venz­an­trags ist dies noch nicht möglich.

Für die Anmel­dung Ihrer For­de­rung erhal­ten Sie in der Regel ein Anschrei­ben von dem zustän­di­gen Insol­venz­ver­wal­ter. Die­ser for­dert Sie aus­drück­lich zur Anmel­dung auf. In der Regel ent­hält das Schrei­ben auch den gericht­li­chen Beschluss über die Eröff­nung des Insol­venz­ver­fah­rens (Eröff­nungs­be­schluss).

3. In wel­cher Form muss ich mei­ne offe­ne For­de­rung anmelden?

Der Insol­venz­ver­wal­ter schickt Ihnen mit der Auf­for­de­rung zur Anmel­dung Ihrer For­de­rung ein Merk­blatt mit, wel­ches wich­ti­ge Infor­ma­tio­nen ent­hält. Nut­zen Sie zur Anmel­dung Ihrer For­de­rung das eben­falls zuge­sand­te Anmel­dungs­for­mu­lar. Die­ses muss zwei­fach ein­ge­reicht werden.

In die­sem For­de­rungs­for­mu­lar ist der soge­nann­te For­de­rungs­grund (Waren­lie­fe­rung, Mie­te, Dar­le­hen etc.) anzu­ge­ben. Neben der Höhe der For­de­rung kön­nen Sie Zin­sen bis zum Zeit­punkt der Ver­fah­rens­er­öff­nung gel­tend machen. Das Datum der Ver­fah­rens­er­öff­nung ergibt sich aus dem Eröffnungsbeschluss.

Ihre For­de­rung müs­sen Sie auch bele­gen. Fügen Sie also ent­spre­chen­de Rech­nun­gen oder Ver­trä­ge bei. Wenn Sie einen soge­nann­ten Voll­stre­ckungs­ti­tel bereits erwirkt haben, muss die­ser im Ori­gi­nal bei­gefügt werden.

4. Wor­auf muss ich bei der For­de­rungs­an­mel­dung achten?

Über­le­gen Sie gut, wel­che Unter­la­gen Sie mit der For­de­rungs­an­mel­dung ein­rei­chen. Aus der For­de­rungs­an­mel­dung erge­ben sich für den Insol­venz­ver­wal­ter teil­wei­se wich­ti­ge Infor­ma­tio­nen, die er im Rah­men einer Insol­venz­an­fech­tung gegen Sie ver­wen­den kann.

Häu­fig wer­den gera­de bei Dau­er­schuld­ver­hält­nis­sen wie z. B. der Mie­te For­de­rungs­kon­ten ein­ge­reicht, die das Zah­lungs­ver­hal­ten des Insol­venz­schuld­ners über einen län­ge­ren Zeit­raum doku­men­tie­ren. Ergibt sich dar­aus, dass das Zah­lungs­ver­hal­ten bereits seit län­ge­rer Zeit auf­fäl­lig war, z. B. durch Zah­lungs­ver­zug, Auf­bau eines hohen For­de­rungs­rück­stan­des, Teil­zah­lun­gen etc., dann sind die­se Infor­ma­tio­nen für den Insol­venz­ver­wal­ter von hohem Interesse.

5. Bei wem muss ich mei­ne offe­ne For­de­rung anmelden?

Ihre For­de­run­gen kön­nen Sie aus­schließ­lich beim Insol­venz­ver­wal­ter oder beim Sach­wal­ter (im Fall der Eigen­ver­wal­tung) anmel­den. Mel­den Sie Ihre For­de­rung also nicht beim Insol­venz­ge­richt oder dem Insol­venz­schuld­ner an.

6. Bis wann kann ich mei­ne For­de­rung zur Insol­venz­ta­bel­le anmelden?

Die Frist zur For­de­rungs­an­mel­dung wird vom Gericht fest­ge­legt und ergibt sich eben­falls aus dem Eröff­nungs­be­schluss. Falls Sie die­se Frist ver­säumt haben, ist den­noch eine For­de­rungs­an­mel­dung bis zum soge­nann­ten „Schluss­ter­min“ am Ende des Insol­venz­ver­fah­rens möglich.

Hier­für müs­sen Sie einen zusätz­li­chen Betrag in Höhe von ca. 20,00 Euro an das Gericht bezahlen.

7. Lohnt es sich über­haupt, For­de­run­gen im Insol­venz­ver­fah­ren anzumelden?

Eine Anmel­dung der For­de­rung lohnt sich in vie­len Fäl­len. Nicht sel­ten zahlt der Insol­venz­ver­wal­ter höhe­re Insol­venz­quo­ten aus, als dies im Durch­schnitt üblich ist.  Teil­wei­se erfol­gen auch vor­ab Zah­lun­gen im Wege einer Teil­aus­schüt­tung. Gera­de bei hohen For­de­run­gen lohnt sich dies.

Ein wei­te­rer Vor­teil Ihrer For­de­rungs­an­mel­dung liegt dar­in, dass Sie als Gläu­bi­ger ein Stimm­recht haben. Mit die­sem Stimm­recht kön­nen Sie Ein­fluss auf das Insol­venz­ver­fah­ren neh­men. Bei­spiels­wei­se dür­fen die Gläu­bi­ger die Per­son des Insol­venz­ver­wal­ters bestä­ti­gen oder kön­nen ihn abwäh­len. Oft­mals wird auch ein Gläu­bi­ger­aus­schuss instal­liert, der das Han­deln des Ver­wal­ters beaufsichtigt.

Es muss aber auch gesagt wer­den, dass der Durch­schnitt einer Insol­venz­quo­te bei ca. 4 bis 5 Pro­zent liegt.

8. Ich habe einen Eigen­tums­vor­be­halt, was kann ich tun?

Soweit Sie Ihre For­de­rung zusätz­lich gesi­chert haben, z. B. durch einen Eigen­tums­vor­be­halt, haben Sie die Chan­ce Ihren Aus­fall zu verringern.

In die­sem Fall geht es dar­um, die Siche­rungs­rech­te sehr früh­zei­tig dem Insol­venz­ver­wal­ter anzu­zei­gen und mit dem Ver­wal­ter Kon­takt auf­zu­neh­men. Ohne Unter­stüt­zung durch einen Exper­ten im Insol­venz­recht wer­den Sie hier­bei oft ver­trös­tet. Ein Dia­log Ihres Rechts­an­walts mit dem Insol­venz­ver­wal­ter „auf Augen­hö­he“ ver­bes­sert ganz klar Ihre Situation.

9. Wann wird mei­ne ange­mel­de­te For­de­rung geprüft?

Wenn Sie Ihre For­de­rung frist­ge­recht ange­mel­det haben, dann wird die­se For­de­rung im soge­nann­ten Prü­fungs­ter­min fest­ge­stellt. Das Datum des Prü­fungs­ter­mins steht eben­falls im Eröff­nungs­be­schluss und schließt sich an den soge­nann­ten Berichts­ter­min an. Bei­de Ter­mi­ne wer­den bei grö­ße­ren Ver­fah­ren vor Ort beim zustän­di­gen Insol­venz­ge­richt abge­hal­ten. Bei klei­nen Ver­fah­ren wird der Prü­fungs­ter­min ledig­lich schrift­lich ohne Prä­senz­ver­an­stal­tung durchgeführt.

Wenn Ihre For­de­rung vom Insol­venz­ver­wal­ter aner­kannt wird, erhal­ten Sie kei­ne Nach­richt. Nur wenn Ihre For­de­rung bestrit­ten wur­de, erhal­ten Sie hier­über eine Auskunft.

10. Was kann ich tun, wenn mei­ne For­de­rung bestrit­ten wurde?

Häu­fig ent­hält die Mit­tei­lung des Ver­wal­ters Hin­wei­se dazu, wes­halb die For­de­rung bestrit­ten wur­de. Dies kann zum einen feh­len­de Unter­la­gen oder Ähn­li­ches sein. Neh­men Sie Kon­takt zu dem Ver­wal­ter auf, um die Aner­ken­nung der For­de­rung zu errei­chen. Falls der Ver­wal­ter die For­de­rung wei­ter­hin bestrei­tet, müs­sen Sie Kla­ge auf Fest­stel­lung der For­de­rung erheben.

11. Kann mich der Insol­venz­ver­wal­ter beraten?

Nein, falls Sie recht­li­che Unter­stüt­zung benö­ti­gen müs­sen Sie Ihren eige­nen Rechts­an­walt beauftragen.

Der Insol­venz­ver­wal­ter ist kraft sei­nes Amtes durch das Gericht ein­ge­setzt, um die Inter­es­sen der Gläu­bi­ger­ge­samt­heit zu berück­sich­ti­gen, nicht Ihrer per­sön­li­chen Inter­es­sen als Ein­zel­per­son. Das­sel­be gilt für das Insolvenzgericht.

12. Wie kann Bucha­lik Bröm­me­kamp Sie unterstützen?

Wir haben eine lang­jäh­ri­ge Exper­ti­se im Bereich des Insol­venz­rechts. Die Anmel­dung von Insol­venz­for­de­run­gen gehört zu unse­rem täg­li­chen Geschäft, so dass wir Sie in allen Fra­gen auf fach­lich hohem Niveau bera­ten können.

Pro­fi­tie­ren Sie von unse­rer Erfah­rung und Exper­ti­se durch die Ver­tre­tung von mehr als 1.000 Gläu­bi­gern bei­spiels­wei­se bei gro­ßen Anla­ge­insol­ven­zen wie P&R, bei Groß­in­sol­ven­zen wie Air Ber­lin und dem Buch­groß­händ­ler KNV. Selbst­ver­ständ­lich bera­ten wir Sie auch ger­ne in klei­ne­ren Insolvenzen.

Kom­men Sie ger­ne auf uns zu. Wir küm­mern uns um Ihre Forderung.

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Bit­te beach­ten Sie auch das offi­zi­el­le Merk­blatt zur For­de­rungs­an­mel­dung.

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