Timm Fleisch- und Wurstmanufaktur GmbH

Über die Zusammenarbeit

"Am Anfang war ich verhältnismäßig skeptisch, ob die Situation überhaupt lösbar wäre. Deshalb habe lange vor dem eigentlichen Insolvenzantrag die Möglichkeit einer Planinsolvenz mit Buchalik Brömmekamp diskutiert. Erhebliche Bedenken hatte ich wegen der Kunden- und Lieferantenbeziehungen, ob diese in der Eigenverwaltung weiterhin bestand hätten. Wie mir Buchalik Brömmekamp vorher schon bestätigt hatte, waren diese Befürchtungen jedoch vollkommen haltlos. Ich bin jedenfalls glücklich darüber, dass sich letztlich alle Schwierigkeiten mit dem gewählten Verfahren der Planinsolvenz in Eigenverwaltung lösen ließen. Durch den Insolvenzplan konnten wir Timm vollständig entschulden und das Unternehmen sich von Altlasten befreien.

Ich bin dem Team von Buchalik Brömmekamp, den Rechtsanwälten wie auch den Beratern, sehr dankbar. Sie haben mit ihrer jederzeit und in allen Belangen, ob wirtschaftlich, rechtlich oder steuerrechtlich hoch professionellen Vorgehensweise das fast Unmögliche möglich gemacht."

Paul Timm, ehem. Geschäftsführer der Timm Fleisch- und Wurstmanufaktur GmbH

Der preissensible Markt und eine fehlende Aufbau- sowie Ablauforganisation für eine neue Produktionsstätte brachte den Lebensmittelhersteller Timm Fleisch- und Wurstmanufaktur GmbH vor fünf Jahren in wirtschaftliche Schwierigkeiten. Trotz wachsender Umsätze verzeichnete das Traditionsunternehmen mehrere Jahre hintereinander Verluste, die auch ein Sanierungskonzept nicht verhindern konnte. Erst ein Eigenverwaltungsverfahren stoppte die Talfahrt. Bei der Beratung und die Verfahrensbegleitung entschied sich Timm für den Marktführer Buchalik Brömmekamp.

Timm ist ein regionaler Fleisch- und Wurstproduzent aus Oberhausen. Das Familienunternehmen wurde bereits im Jahre 1956 gegründet. Mehr als 80 Mitarbeiter produzieren ein umfangreiches Sortiment an Fleisch- und Wurstwaren und erwirtschaften einen Jahresumsatz von rd. 7 Mio. Euro (2015). Die wesentliche Kundengruppe bilden Krankenhäuser und Zentralküchen. Zudem werden Senioreneinrichtungen und Betriebskantinen durch einen eigenen Fuhrpark beliefert.

Timm bewegt sich in einem schwach wachsenden und sehr preissensiblen Markt. In diesem Markt ist seit geraumer Zeit eine Verdrängung der kleinen durch große Unternehmen zu beobachten.

Umzug verstärkte Krisenursache

Die Krise bei Timm begann 2011 mit einem Umzug in eine neue Produktionsstätte. Damals hatte Timm es insbesondere versäumt, die erforderliche Neustrukturierung der Aufbau- und Ablauforganisation vorzunehmen. Hierdurch ergaben sich zunehmend Probleme in der Abstimmung zwischen Produktion, Vertrieb und Logistik. Darüber hinaus fehlte es an den notwendigen kaufmännischen Steuerungselementen, insbesondere einem funktionierenden Controlling.

Seit 2012 hatte Timm trotz kontinuierlich steigender Umsätze erstmals Verluste zu verzeichnen. Ende 2014 erstellte deshalb eine von Timm beauftragte Beratungsgesellschaft ein umfassendes Sanierungskonzept. Dennoch verschärfte sich Anfang 2015 infolge weiterer, stark rückläufiger Umsätze die Krise. Aufgrund der sich hierdurch abzeichnenden Liquiditätskrise nahm die Geschäftsführung von Timm Kontakt zu Buchalik Brömmekamp auf. Nach eingehender Prüfung kam das Beratungsunternehmen zu dem Ergebnis, dass eine Sanierung außerhalb eines Insolvenzverfahrens nur mit erheblichen finanziellen Mitteln möglich wäre. Da weder der Gesellschafter von Timm über entsprechende Mittel verfügte noch die Banken aufgrund der fortwährenden Krise nicht dazu bereit waren, weitere Kreditmittel zur Verfügung zu stellen, entschied sich die Geschäftsführung zur Fortsetzung der Sanierung im Rahmen einer Eigenverwaltung. Noch Ende Februar 2015 stellte die Unternehmensleitung beim zuständigen Insolvenzgericht ein Insolvenzantrag verbunden mit dem Antrag auf Anordnung der vorläufigen Eigenverwaltung.

Hohes Informationsbedürfnis über Eigenverwaltungsverfahren

Unmittelbar nach Anordnung der vorläufigen Eigenverwaltung informierte die Geschäftsführung zunächst die wichtigsten Kunden und Lieferanten. Im Rahmen der Gespräche mit den Lieferanten wurde jedoch schnell klar, dass das Informationsbedürfnis sehr hoch war, da das Eigenverwaltungsverfahren noch recht unbekannt war. Rund eine Woche nach Antragsstellung fand die erste Informationsveranstaltung für die Lieferanten statt, welche im weiteren Verlauf des Verfahrens mehrfach wiederholt wurde. Am Tag der Antragsstellung informierte die Geschäftsleitung zudem die Mitarbeiter in einer Betriebsversammlung über das Verfahren sowie die Insolvenzgeldvorfinanzierung. Im Anschluss hieran erfolgte eine Schulung zum Kommunikationsverhalten für die Führungskräfte sowie die Mitarbeiter aus dem Telefonverkauf und der Logistik. Wenige Tage nach Antragsstellung fand zudem eine Informationsveranstaltung für die beteiligten Banken statt. Durch ein monatliches Bankenreporting konnten die Banken dann den Verfahrensverlauf verfolgen. Aufgrund der durchweg transparenten Kommunikation mit sämtlichen Verfahrensbeteiligten verlief das Eigenverwaltungsverfahren besonders auf Kunden- und Lieferantenseite von Beginn an sehr ruhig.

Laufender Überblick über Verfahrensschritte

Zur Überwachung der Betriebsfortführung wurden mit Anordnung der vorläufigen Eigenverwaltung Controllinginstrumente eingeführt, die dem (vorläufigen) Gläubigerausschuss sowie auch dem (vorläufigen) Sachwalter mittels eines Tagesreportings den aktuellen Verlauf aufzeigten. In den monatlichen Sitzungen des (vorläufigen) Gläubigerausschusses erhielten die Gläubiger einen Überblick über die wirtschaftliche Entwicklung und stimmten danach die weiteren Verfahrensschritte ab.

Zu Beginn des Antragsverfahrens erstellte die Buchalik Brömmekamp Unternehmensberatung ein Sanierungskonzept, das mit der Geschäftsführung und den Führungskräften von Timm weiterentwickelt wurde. Diesem Konzept stimmten dann die Verfahrensbeteiligten, insbesondere dem vorläufigen Gläubigerausschuss, dem vorläufigen Sachwalter sowie den beteiligten Banken zu.

Operative Sanierungsmaßnahmen

Das Konzept sah insgesamt 65 Einzelmaßnahmen vor, die sich auf den Einkauf, Produktion, IT, Vertrieb, Logistik, kaufmännische Steuerung und Organisation verteilten.

Wesentliche Maßnahmengruppen zur Beseitigung der kritischsten Schwachpunkte waren:

  • Eine Verbesserung der kaufmännischen Steuerung durch Optimierung des Reportings, der Kostenstellen- und Kostenträgerrechnung und die Nutzung von KPIs;
  • Eine Stärkung des Vertriebs durch strukturierte Analyse der Kundensegmentierung, Erarbeiten neuer Produktideen, Analysieren der Marktpotentiale mit neuen Zielkunden und Verkaufsschulungen für die Mitarbeiter;
  • Eine Reduzierung der Logistikkosten durch eine verbesserte Tourenplanung;
  • Eine Überarbeitung des Produktionslayouts durch die Entzerrung der Kommissionierung und die Optimierung der Maschinenstandorte zur Verbesserung des Warenflusses sowie
  • Ein sukzessiver Austausch einzelner Produktionsmaschinen zur Verbesserung der Produktivität.

Direkt nach Verabschiedung des Sanierungskonzepts durch den Gläubigerausschuss und den Sachwalter begann die Maßnahmenumsetzung, die durch die Betriebswirte und Wirtschaftsingenieure der Buchalik Brömmekamp Unternehmensberatung begleitet wurde. Im Zuge der Maßnahmenumsetzung zeigte sich jedoch, dass die operative Begleitung deutlich aufwändiger sein würde als zunächst geplant, da innerhalb kürzester Zeit eine Vielzahl an Maßnahmen umzusetzen war. Ein Interimsmanager, der nahezu täglich vor Ort war, unterstützte deshalb zusätzlich die Maßnahmenumsetzung. Parallel dazu startete in Abstimmung mit dem vorläufigen Sachwalter und dem vorläufigen Gläubigerausschuss die Suche nach einem starken Partner, um den trotz der identifizierten Sanierungsmaßnahmen notwendigen Finanzierungsbedarf zu decken. Im Laufe des M&A-Prozesses konnte sodann ein strategischer Investor aus dem Lebensmittelbereich gefunden werden, der infolge zahlreicher Synergieeffekte hervorragend zu Timm passt.

Vollständige Entschuldung von Timm

Unmittelbar nach Insolvenzeröffnung erstellte Buchalik Brömmekamp den Insolvenzplan, der im Wesentlichen dem Sanierungskonzept entsprach und der mit den Verfahrensbeteiligten, dem Sachwalter und Gläubigerausschuss abgestimmt wurde. Der Insolvenzplan sieht neben den Sanierungsmaßnahmen, die Entschuldung des Unternehmens, die Quotenzahlungen an die Gläubiger sowie den Einstieg eines Investors mittels eines sogenannten Share Deals (Übernahme von Geschäftsanteilen) vor. Durch den Insolvenzplan konnte Timm vollständig entschuldet werden und sich von Altlasten befreien.

Letztlich stimmten die Gläubiger im Rahmen des Erörterungs- und Abstimmungstermins vor dem Amtsgericht Duisburg über den Insolvenzplan ab. Die Gläubiger nahmen den Plan einstimmig an und das Gericht bestätigte den Plan umgehend. 

Durch das erfolgreich durchgeführte Insolvenzplanverfahren in Eigenverwaltung ist es gelungen, Timm in eine sichere Zukunft zu führen, nicht zuletzt durch den Einstieg eines strategischen Partners.