Die Sanie­rung unter Insolvenzschutz

Unter­neh­mens­kri­sen, d. h. die Exis­tenz­ge­fähr­dung von Unter­neh­men, sind ein häu­fi­ges Pro­blem. Ursäch­lich sind kon­junk­tu­rel­le Ent­wick­lun­gen, Geset­zes­än­de­run­gen oder die Vola­ti­li­tät von Roh­stoff- und Wäh­rungs­prei­sen, aber auch inter­ne Fak­to­ren wie Füh­rungs­feh­ler im Manage­ment, fal­sche Akqui­si­tio­nen oder unaus­ge­wo­ge­ne Finan­zie­rungs­struk­tu­ren. Kri­sen­si­tua­tio­nen sind Aus­nah­me­si­tua­tio­nen, denen selbst ein gut auf­ge­stell­tes Manage­ment man­gels aus­rei­chen­der Erfah­rung nur sel­ten gewach­sen ist. Die Bewäl­ti­gung stellt das Manage­ment eines Unter­neh­mens vor gro­ße Herausforderungen.

Häu­fig wer­den die Pro­ble­me noch durch die Nach­wir­kung der Finanz- und Wirt­schafts­kri­se ver­stärkt, die maß­geb­lich das Eigen­ka­pi­tal geschwächt und die Liqui­di­tät auf­ge­zehrt hat. Schlech­te Bilanz­re­la­tio­nen füh­ren bank­sei­tig zu einem ver­schlech­ter­ten Rating und trotz aus­rei­chend am Markt vor­han­de­ner Mit­tel zu einer zurück­hal­ten­den Kre­dit­ver­ga­be. Der­zeit genü­gen schon gering­fü­gi­ge Kri­sen­ver­stär­ker, wie zuneh­men­der Wett­be­werb oder sai­so­na­le Umsatz­rück­gän­ge, um aus einer Ergeb­nis­kri­se eine aus­ge­wach­se­ne Liqui­di­täts­kri­se wer­den zu las­sen. Wäh­rend der vor­letz­ten gro­ßen Wirt­schafts­kri­se im Jahr 2009 hat der Gesetz­ge­ber mit gesetz­ge­be­ri­schen Maß­nah­men, wie ver­län­ger­ter Kurz­ar­beit oder Lan­des­bürg­schaf­ten, viel zur Kri­sen­be­wäl­ti­gung beigetragen.

Gleich­wohl war früh­zei­tig erkenn­bar, dass ins­be­son­de­re die Finanz- und Wirt­schafts­kri­se zu wei­te­ren Fol­ge­wir­kun­gen füh­ren wird. Der Gesetz­ge­ber hat des­we­gen vor­aus­schau­end und, um den Wirt­schafts­stand­ort Deutsch­land wei­ter zu stär­ken, am 1. März 2012 ein neu­es Gesetz, das ESUG (Gesetz zur wei­te­ren Erleich­te­rung der Sanie­rung von Unter­neh­men), in Kraft gesetzt, mit dem die Sanie­rung von Unter­neh­men in Deutsch­land geför­dert wer­den soll. Die Beson­der­heit besteht dar­in, dass es sich um eine Sanie­rung unter Insol­venz­schutz handelt.

Der welt­weit ein­ma­li­ge Weg ist in vie­len Belan­gen sogar dem viel gerühm­ten US-ame­ri­ka­ni­schen Chap­ter 11 über­le­gen. Trotz einer Viel­zahl von Ver­öf­fent­li­chun­gen und mitt­ler­wei­le vie­ler erfolg­reich abge­schlos­se­ner Ver­fah­ren ist das neue Recht in wei­ten Tei­len der deut­schen Wirt­schaft unbe­kannt oder allen­falls in Ansät­zen bekannt. Des­halb machen noch viel zu wenig Unter­neh­men davon Gebrauch. Die Insol­venz bie­tet mit dem ESUG stra­te­gi­sche Optio­nen zur Bewäl­ti­gung einer Kri­sen­si­tua­ti­on in einem bis­her nie gekann­ten Aus­maß. Dies ist beson­ders in der Coro­na­kri­se von ganz gro­ßem Vor­teil. Am Ende des Ver­fah­rens steht des­halb ein gut auf­ge­stell­tes Unter­neh­men und nicht die Liqui­da­ti­on des Unter­neh­mens oder der häu­fig benann­te Asset Deal, bei dem vom alten Rechts­trä­ger die inter­es­san­ten Akti­va, wie Kun­den­be­zie­hun­gen, Maschi­nen  und Grund­stü­cke, von einem Inves­tor gekauft wer­den und der Rest vom Insol­venz­ver­wal­ter liqui­diert wird.

Anders ver­hält es sich bei der Pla­nin­sol­venz in Eigen­ver­wal­tung. Ziel ist der Erhalt des bis­he­ri­gen Rechts­trä­gers, der im Ver­fah­ren saniert wird. Dies geschieht dadurch, dass die Pas­siv­sei­te der Bilanz ver­kürzt wird, indem Alt­ver­bind­lich­kei­ten ganz oder zum Teil abge­schnit­ten wer­den, und gleich­zei­tig im Wege der ope­ra­ti­ven Sanie­rung die bis­he­ri­gen Kri­sen­ur­sa­chen besei­tigt wer­den. Bei­des, die bilan­zi­el­le und die ope­ra­ti­ve Sanie­rung, sind Bestand­tei­le des soge­nann­ten Insol­venz­plans, über den die Gläu­bi­ger am Ende des Ver­fah­rens abstim­men. Stim­men sie dem Plan mit den vom Gesetz vor­ge­se­he­nen Mehr­hei­ten zu, wird der Insol­venz­plan oft im Abstim­mungs­ter­min vom Gericht bestä­tigt und das Ver­fah­ren nach zwei bis vier Wochen end­gül­tig aufgehoben.

Die Insol­venz kann dann nach fünf bis sie­ben Mona­ten bereits voll­stän­dig been­det sein. Bucha­lik Bröm­me­kamp ist es seit Inkraft­tre­ten des neu­en Geset­zes mehr als 100-mal gelun­gen, Unter­neh­men im Rah­men eines von uns beglei­te­ten Pla­nin­sol­venz­ver­fah­rens in Eigen­ver­wal­tung dau­er­haft zu erhal­ten, ohne dass der Unter­neh­mer dabei sein Unter­neh­men ver­lo­ren hat. In den von uns durch­ge­führ­ten Ver­fah­ren haben die Unter­neh­mer weit über­wie­gend ihre voll­stän­di­ge Gesell­schaf­ter­stel­lung behal­ten, das Eigen­ka­pi­tal wur­de maß­geb­lich gestärkt, die Eigen­ka­pi­tal­quo­te ver­bes­ser­te sich aus nega­ti­ven Berei­chen bis in mitt­le­re zwei­stel­li­ge, posi­ti­ve Berei­che und es wur­de aus­rei­chend Liqui­di­tät in dem Ver­fah­ren gene­riert, ohne dass Bank­kre­di­te zusätz­lich in Anspruch genom­men wer­den mussten.

Wesent­li­che Vor­aus­set­zung für das Gelin­gen eines sol­chen Ver­fah­rens ist aber die pro­fes­sio­nel­le Vor­be­rei­tung und  Durch­füh­rung, denn das Ver­fah­ren birgt vie­le Fall­stri­cke. Rich­tig ange­gan­gen und ange­wandt, bie­tet es eine über­ra­gen­de Chan­ce für den Unter­neh­mer, sein Unter­neh­men zu erhal­ten, es von der Schul­den­last zu befrei­en und mit einem Neu­start in die Zukunft zu gehen. Die dabei erziel­ten Ergeb­nis­se sind nicht sel­ten fast unglaublich.

Unse­re Refe­ren­zen bestä­ti­gen dies ein­drucks­voll. Sie zei­gen den Weg von Unter­neh­men nach, die eine Insol­venz in Eigen­ver­wal­tung erfolg­reich absol­viert haben.

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