Insol­venz­an­fech­tung bei Beratern

Anfech­tungs­ri­si­ko für Berater

In das Faden­kreuz der Insol­venz­ver­wal­ter sind in den ver­gan­ge­nen Jah­ren zuneh­mend auch die Steu­er­be­ra­ter, Rechts­an­wäl­te und Sanie­rungs­be­ra­ter gera­ten. In einer gan­zen Rei­he von Urtei­len, wur­den die Bera­ter zur Rück­zah­lung ihrer berech­tig­ten Hono­rar­an­sprü­che auf der Grund­la­ge des Insol­venz­an­fech­tungs­rechts verurteilt.

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Die wesent­li­chen Urteile

  • OLG Frank­furt am Main, Urt. v. 29.03.2019 – 8 U 218/17 (Kei­ne Haf­tung des Sanie­rungs­be­ra­ters, wenn kei­ne steu­er­li­che- und recht­li­che Bera­tung ver­ein­bart ist; weg­wei­sen­de Dif­fe­ren­zie­rung https://www.buchalik-broemmekamp.de/blog/1660-olg-frankfurt-bei-ausschluss-der-rechtlichen-und-steuerlichen-beratung-haftet-berater-nicht-fuer-fehlenden-hinweis-auf-insolvenzantragspflicht)
  • OLG Köln, Urt. v. 09.08.2017 – 2 U 9/17 (Wer ein Sanie­rungs­kon­zept prüft, aus dem die dro­hen­de Zah­lungs­un­fä­hig­keit her­vor­geht, muss auch dann, wenn er die Sanie­rung nicht beglei­tet, die erfolg­rei­che Umset­zung sämt­li­cher Maß­nah­men des Kon­zepts doku­men­tie­ren, sofern er nach der Prü­fung Zah­lun­gen ‑z. B. in Raten- erhält)
  • OLG Düs­sel­dorf, Urt. v. 11.05.2017 – I – 12 U 55/16 (erleich­ter­te Anfech­tung bei Über­schrei­tung des Gebüh­ren­rah­mens durch Steuerberater)
  • LG Ham­burg, Urt. v. 10.01.2017 – 303 O 515/15, (Unschlüs­si­ges Sanie­rungs­kon­zept führt zur Anfecht­bar­keit; Ein Sanie­rungs­kon­zept ist unschlüs­sig, wenn es tat­säch­li­che Umstän­de, die geeig­net erschei­nen, eine posi­ti­ve Fort­füh­rungs­pro­gno­se des Unter­neh­mens­ge­gen­stan­des des Schuld­ners nach­voll­zieh­bar zu begrün­den, nicht auf­zeigt und sich statt­des­sen auf die Zufüh­rung fri­schen Kapi­tals und Stun­dun­gen der fäl­li­gen Ver­bind­lich­kei­ten beschränkt, ohne hier­bei auf­zu­zei­gen, wie die in der Ver­gan­gen­heit ange­häuf­ten Ver­bind­lich­kei­ten zurück­ge­führt wer­den sollen)
  • LG Des­sau-Roß­lau, Urt. v. 24.07.2015 – 2 O 480/14, ZIn­sO 2015, 2384 ff. (unan­ge­mes­sen hohe Ver­gü­tung; Schen­kungs­an­fech­tung, § 134 InsO)
  • OLG Cel­le, Urt. v. 08.10.2015 – 16 U 17/15, juris (Sanie­rungs­kon­zept unge­eig­net, Kennt­nis nach § 133 Abs. 1 InsO nicht beseitigt)
  • LG Frank­furt, Urt. v. 07.05.2015 – 2–32 O 102/13, ZIn­sO 2015, 1688 ff. (Sanie­rungs­kon­zept ungeeignet)
  • OLG Bre­men, Urt. v. 03.07.2015 – 2 U 145/14, Zin­sO Rn. 45 (Sanie­rungs­kon­zept ungeeignet)
  • LG Ber­lin, Urt. v. 26.06.2014 – 63 O 11/14, ZIP 2014, 1688 ff. (Zur Anfech­tung von Beraterhonoraren)
  • LG Würz­burg, Urt. v. 16.12.2013 – 92 O 2268/12, ZIn­sO 2014, 564 ff. (Zur Anfech­tung von Beraterhonoraren)
  • LG Wup­per­tal, Urt. v. 22.08.2013 – 9 S 248/10, juris (zum The­ma Steu­er­be­ra­ter und Näheverhältnis)
  • BGH, Urt. v. 12.05.2016 – IX ZR 65/14 (Stren­ge Anfor­de­run­gen an Sanierungskonzepte)

Zen­tra­le Aus­sa­gen des BGH zu den Anfor­de­run­gen an ein Sanierungskonzept

  • Den Gläu­bi­ger, der die (dro­hen­de) Zah­lungs­un­fä­hig­keit des Schuld­ners und die Benach­tei­li­gung der Gläu­bi­ger kennt, trifft die Dar­le­gungs- und Beweis­last, dass er spä­te­re Zah­lun­gen auf der Grund­la­ge eines schlüs­si­gen Sanie­rungs­kon­zep­tes erlangt hat.Der Gläu­bi­ger kann nur dann von einem schlüs­si­gen Sanie­rungs­kon­zept des Schuld­ners aus­ge­hen, wenn er in Grund­zü­gen über die wesent­li­chen Grund­la­gen des Kon­zep­tes infor­miert ist; dazu gehö­ren die Ursa­chen der Insol­venz, die Maß­nah­men zu deren Besei­ti­gung und eine posi­ti­ve Fortführungsprognose.Der Gläu­bi­ger, der im Rah­men eines Sanie­rungs­ver­gleichs quo­tal auf sei­ne For­de­run­gen ver­zich­tet in der Annah­me, ande­re Gläu­bi­ger ver­zich­te­ten in ähn­li­cher Wei­se, kann von einer Sanie­rung des Schuld­ner­un­ter­neh­mens allein durch die­se Maß­nah­me nur aus­ge­hen, wenn nach sei­ner Kennt­nis die Kri­se allein auf Finan­zie­rungs­pro­ble­men beruht, etwa dem Aus­fall berech­tig­ter For­de­run­gen des Schuldners. 

    Erfor­der­lich ist ein schlüs­si­ges Kon­zept, das jeden­falls in den Anfän­gen schon in die Tat umge­setzt ist und infol­ge­des­sen auf der Sei­te des Schuld­ners bei Vor­nah­me der Rechts­hand­lung ernst­haf­te und begrün­de­te Aus­sich­ten auf Erfolg recht­fer­tigt. Die Recht­spre­chung stellt kla­re Anfor­de­run­gen an ein Sanie­rungs­kon­zept. Die Schlüs­sig­keit bzw. die Geeig­net­heit des Sanie­rungs­kon­zepts sind objek­tiv zu bestim­men, wobei die „Schlüs­sig­keit“ nur dann gege­ben ist, wenn das Kon­zept von den erkann­ten und erkenn­ba­ren tat­säch­li­chen Gege­ben­hei­ten aus­geht und aus Sicht eines unvor­ein­ge­nom­me­nen bran­chen­kun­di­gen Fach­manns nicht „offen­sicht­lich undurch­führ­bar“ ist (vgl. BGH, 04.12.1997, IX ZR 47/97, NJW 1998, 1561, 1564 Rn. 25 mwNw). Das Sanie­rungs­kon­zept muss dar­auf ange­legt sein, die wirt­schaft­li­che Lage des Schuld­ners dau­er­haft zu sta­bi­li­sie­ren. Die Prü­fung muss die wirt­schaft­li­che Lage des Schuld­ners im Rah­men sei­ner Wirt­schafts­bran­che ana­ly­sie­ren und die Kri­sen­ur­sa­chen sowie die Vermögens‑, Ertrags- und Finanz­la­ge erfas­sen. Dies gilt grund­sätz­lich auch für den Ver­such der Sanie­rung eines klei­ne­ren Unter­neh­mens; ledig­lich das Aus­maß der Prü­fung kann dem Umfang des Unter­neh­mens und der ver­füg­ba­ren Zeit ange­passt wer­den (BGH aaO).

    Zum Son­der­pro­blem: Zah­lung des Bera­ter­ho­no­rars nach Stel­lung des Insol­venz­an­tra­ges Buchalik/Hiebert, ZIn­sO 2014, 1423–1430

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