Betriebs­rat grün­den: So set­zen Sie erfolg­reich die wich­tigs­te Arbeit­neh­mer­ver­tre­tung ein

Jeder hat schon ein­mal vom Betriebs­rat gehört und bei eini­gen Unter­neh­men exis­tiert ein sol­cher auch bereits. In der weit über­wie­gen­den Zahl von Betrie­ben besteht eine sol­che Arbeit­neh­mer­ver­tre­tung aller­dings noch nicht.

Damit ver­zich­ten vie­le Arbeit­neh­mer in Deutsch­land auf eine durch­set­zungs­star­ke Ver­tre­tung ihrer Inter­es­sen gegen­über ihrem Arbeit­ge­ber. Denn der Betriebs­rat stellt die wich­tigs­te Arbeit­neh­mer­ver­tre­tung dar.

Sein pri­mä­res Ziel ist es, sich für die Belan­ge der Arbeit­neh­mer ein­zu­set­zen. Dafür räumt das Gesetz dem Betriebs­rat teil­wei­se sehr umfang­rei­che Mit­be­stim­mungs­rech­te ein. Dies bedingt aber das Vor­han­den­sein eines Betriebsrats.

Die Vor­aus­set­zun­gen für die Grün­dung müs­sen die Arbeit­neh­mer selbst schaf­fen. Besteht in Ihrem Betrieb noch kein Betriebs­rat, müs­sen Sie Eigen­in­itia­ti­ve zei­gen und eine Betriebs­rats­wahl ansto­ßen. Wie das geht und wor­auf dabei zu ach­ten ist, lesen Sie in dem fol­gen­den Beitrag.

1. Unter wel­chen Vor­aus­set­zun­gen kann man einen Betriebs­rat gründen?

Für die Grün­dung eines Betriebs­rats müs­sen drei gesetz­li­che Vor­aus­set­zun­gen gege­ben sein.

  1. Man muss bei einem pri­va­ten Arbeit­ge­ber ange­stellt sein.Das bedeu­tet, dass inner­halb einer öffent­li­chen Ver­wal­tung kein Betriebs­rat gegrün­det wer­den kann.
  2. Es darf noch kein Betriebs­rat in dem Unter­neh­men gegrün­det wor­den sein.
    Ein Betrieb kann grund­sätz­lich nur einen Betriebs­rat gründen.Anders ist es, wenn ein Unter­neh­men meh­re­re ein­zel­ne Betrie­be hat. Zum Bei­spiel kann jede Nie­der­las­sung einen sepa­ra­ten Betriebs­rat grün­den. Falls Stand­or­te enger anein­an­der lie­gen, muss gericht­lich die Eigen­stän­dig­keit fest­ge­legt werden.
  3. Es müs­sen min­des­tens fünf Arbeit­neh­mer: innen in dem Betrieb ange­stellt sein.Diese müs­sen jeweils das 18. Lebens­jahr voll­endet haben und drei müs­sen bereits drei Mona­te in dem Betrieb tätig sein.

Bei Ihrem Arbeit­ge­ber besteht noch kein Betriebs­rat und Sie den­ken dar­über nach, die Wahl die­ses Gre­mi­ums anzu­sto­ßen? Sie füh­len sich aber unsi­cher, wel­che wei­te­ren Vor­aus­set­zun­gen noch zu beach­ten sind und befürch­ten even­tu­ell Wider­stand durch Ihren Arbeitgeber?

Wir bera­ten Sie ger­ne in die­ser Situa­ti­on und sor­gen dafür, dass die Wahl erfolg­reich verläuft.

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2. Über­blick über den Ablauf einer Betriebsratswahl

Ein Betriebs­rat wird in zwei Schrit­ten gegründet.

  • Zunächst muss vor der Betriebs­rats­wahl ein Wahl­vor­stand bestellt wer­den. Die­ser voll­zieht dann im nächs­ten Schritt die Betriebs­rats­wahl. Der Wahl­vor­stand wird ent­we­der durch den amtie­ren­den Betriebs­rat ernannt oder bei Neu­grün­dung durch eine Betriebs­ver­samm­lung bestellt. Er ist gem. § 18 BetrVG ver­pflich­tet, die Wahl unver­züg­lich nach sei­ner Beru­fung einzuleiten.
  • Der Betriebs­rat selbst wird durch ein ver­ein­fach­tes Wahl­ver­fah­ren (Mehr­heits­wahl) oder durch ein regu­lä­res Ver­fah­ren (Ver­hält­nis­wahl) gewählt. Wel­ches Ver­fah­ren Anwen­dung fin­det, hängt von der Zahl der wahl­be­rech­tig­ten Arbeit­neh­mer ab. Wahl­be­rech­tigt sind alle Arbeit­neh­mer eines Betriebs, die das 16. Lebens­jahr voll­endet haben.

Ablauf des regu­lä­ren Wahl­ver­fah­rens (Ver­hält­nis­wahl)

Der Wahl­vor­stand hat für die Betriebs­rats­wahl zunächst eine Lis­te der Wahl­be­rech­tig­ten zu erstel­len. Die­se ist des­halb von her­aus­ge­ho­be­ner Bedeu­tung, weil sie am Ende fest­legt, wer von den Arbeit­neh­mern berech­tigt ist, an der Betriebs­rats­wahl teilzunehmen.

Der Arbeit­ge­ber hat dem Wahl­vor­stand alle für die Anfer­ti­gung der Wäh­ler­lis­te erfor­der­li­chen Aus­künf­te zu ertei­len und die erfor­der­li­chen Unter­la­gen zur Ver­fü­gung zu stellen.

Die regu­lä­re Betriebs­rats­wahl wird dann offi­zi­ell mit­tels eines Wahl­aus­schrei­bens ein­ge­lei­tet. Die­ses Schrei­ben muss gem. § 3 Abs. 2 WO fol­gen­de Punk­te beinhalten:

  • das Datum sei­nes Erlasses
  • die Bestim­mung des Orts, an dem die Wäh­ler­lis­te ausliegt
  • dass nur Arbeit­neh­me­rin­nen und Arbeit­neh­mer wäh­len oder gewählt wer­den kön­nen, die in die Wäh­ler­lis­te ein­ge­tra­gen sind, und dass Ein­sprü­che gegen die Wäh­ler­lis­te nur vor Ablauf von zwei Wochen seit dem Erlass des Wahl­aus­schrei­bens schrift­lich beim Wahl­vor­stand ein­ge­legt wer­den können
  • die Zahl der zu wäh­len­den Betriebsräte
  • die Bestim­mung des Orts, an dem die Wahl­vor­schlä­ge bis zum Abschluss der Stimm­ab­ga­be aus­hän­gen
  • Ort, Tag und Zeit der Stimm­ab­ga­be sowie die Betriebs­tei­le und Kleinst­be­trie­be, für die schrift­li­che Stimm­ab­ga­be beschlos­sen ist sowie
  • Ort, Tag und Zeit der öffent­li­chen Stimmauszählung

Zusam­men mit dem Wahl­aus­schrei­ben wird die Wäh­ler­lis­te bekannt gege­ben, der alle wahl­be­rech­tig­ten bzw. wähl­ba­ren Arbeit­neh­mer zu ent­neh­men sind.

Mit Bekannt­ga­be steht es den Arbeit­neh­mern frei, inner­halb von zwei Wochen Ein­spruch gegen die Wäh­ler­lis­te zu erhe­ben. Eben­falls inner­halb die­ser 2‑Wo­chen-Frist müs­sen Wahl­vor­schlä­ge beim Wahl­vor­stand ein­ge­reicht werden.

Der Wahl­vor­stand hat nach Ablauf der Frist mit­tels förm­li­chen Beschlus­ses fest­zu­stel­len, ob die ein­ge­reich­ten Vor­schlä­ge für die Wahl des Betriebs­rats gül­tig sind.

Ist dies der Fall, sind die Wäh­ler­lis­ten oder, wenn nur ein Vor­schlag vor­liegt, der Wahl­vor­schlag min­des­tens eine Woche vor der Wahl durch den Wahl­vor­stand im Betrieb bekannt zu machen.

Der Wahl­vor­stand hat nun die Durch­füh­rung der Stimm­ab­ga­be zu pla­nen und im Nach­gang die Stim­men aus­zu­zäh­len. Die gewähl­ten Betriebs­rä­te wer­den unver­züg­lich über die Wahl infor­miert und die Namen der gewähl­ten Arbeit­neh­mer wer­den im Betrieb bekannt gegeben.

Die gewähl­ten Betriebs­rä­te erhal­ten zudem inner­halb einer Woche nach dem Wahl­tag eine Ein­la­dung zur kon­sti­tu­ie­ren­den Sit­zung des Betriebsrats.

Ablauf des ver­ein­fach­ten zwei­stu­fi­gen Wahlverfahrens

Das ver­ein­fach­te Wahl­ver­fah­ren fin­det gem. § 14a BetrVG in Betrie­ben mit in der Regel fünf bis 100 wahl­be­rech­tig­ten Arbeit­neh­mern Anwen­dung und unter­schei­det sich von der regu­lä­ren Wahl ins­be­son­de­re durch ver­kürz­te Fristen.

Besteht in Betrie­ben mit ent­spre­chen­der Anzahl von Arbeit­neh­mern noch kein Betriebs­rat, fin­det das ver­ein­fach­te zwei­stu­fi­ge Wahl­ver­fah­ren Anwendung.

  • In einem ers­ten Schritt ist in die­sem Fall zunächst eine Betriebs­ver­samm­lung durch­zu­füh­ren. Im Rah­men die­ser Wahl­ver­samm­lung wird der Wahl­vor­stand gewählt. Der Wahl­vor­stand ist dann für die ord­nungs­ge­mä­ße Durch­füh­rung der Betriebs­rats­wahl verantwortlich.
  • Die Betriebs­rats­wahl fin­det bereits eine Woche nach der ers­ten Wahl­ver­samm­lung im Rah­men einer zwei­ten Wahl­ver­samm­lung statt. In die­sem Rah­men wird der neue Betriebs­rat mit­tels einer Per­so­nen­wahl gewählt.

Es gibt dar­über hin­aus auch das ver­ein­fach­te ein­stu­fi­ge Wahl­ver­fah­ren. Da sich die­ser Bei­trag aber auf Betrie­be kon­zen­triert, die noch über kei­nen Betriebs­rat ver­fü­gen, sol­len die Vor­aus­set­zun­gen hier nicht näher erläu­tert wer­den. Soll­ten Sie zu dem ein­stu­fi­gen Wahl­ver­fah­ren Fra­gen haben, kön­nen Sie uns aber natür­lich ger­ne anspre­chen.

Eine Betriebs­rats­wahl ist ein kom­ple­xer Vor­gang. Selbst lang­jäh­ri­ge Betriebs­rä­te besu­chen im Vor­feld anste­hen­der Wah­len regel­mä­ßig unse­re Semi­na­re zu die­sem The­ma. Wenn Sie hier­zu Fra­gen haben, neh­men Sie ger­ne unver­bind­lich Kon­takt zu uns auf. Unse­re Fach­an­wäl­te für Arbeits­recht ver­fü­gen über lang­jäh­ri­ge Erfah­rung und geben Ihnen fun­dier­te Auskünfte.

3. Ist ein Betriebs­rat Pflicht?

Nein, die Pflicht einen Betriebs­rat zu grün­den besteht nicht. Unter­neh­men kön­nen, unab­hän­gig von ihrer Grö­ße, ein der­ar­ti­ges Gre­mi­um nicht bil­den. Viel­mehr liegt es bei den Arbeitnehmer:innen, ob ein Betriebs­rat gegrün­det wer­den soll.

Sie müs­sen den Grün­dungs­pro­zess durch Eigen­in­itia­ti­ve star­ten. Der Arbeit­ge­ber kann die Grün­dung nicht ver­hin­dern und muss ihr auch nicht zustimmen.

Dabei macht die Grün­dung eines Betriebs­rats aus Sicht der Arbeit­neh­mer Sinn. Denn sei­ne pri­mä­re Auf­ga­be ist es, sich für die Belan­ge der Arbeit­neh­mer ein­zu­set­zen. Gem. § 80 BetrVG hat das Gre­mi­um dem­entspre­chend u. a. dar­auf zu ach­ten, dass der Arbeit­ge­ber die zuguns­ten der Arbeit­neh­mer gel­ten­den Geset­ze, Unfall­ver­hü­tungs­vor­schrif­ten, Tarif­ver­trä­ge und Betriebs­ver­ein­ba­run­gen ein­ge­hal­ten und durch­ge­führt werden.

Sie möch­ten wei­te­re Infor­ma­tio­nen zu den Auf­ga­ben und Pflich­ten eines Betriebs­rats? Dann lesen Sie unse­ren Bei­trag hier­zu oder neh­men Sie unver­bind­lich Kon­takt zu unse­ren Fach­an­wäl­ten für Arbeits­recht auf. Sie ver­mit­teln Ihnen die wich­tigs­ten Grund­la­gen und ver­an­stal­ten regel­mä­ßig Semi­na­re für Mit­glie­der eines Betriebsrats.

4. War­um ist es wich­tig, einen Betriebs­rat zu haben?

Ein Betriebs­rat macht sich für die Rech­te der Arbeitnehmer:innen stark und stellt im Rah­men sei­ner Arbeit sicher, dass Geset­ze und Vor­schrif­ten ein­ge­hal­ten werden.

Fol­gen­de Vor­tei­le kann die Grün­dung eines Betriebs­rats mit sich bringen:

  • Vor­tei­le für die Arbeit­neh­mer: innen:
    • Die Ansich­ten und Inter­es­sen von Arbeit­neh­mern wer­den vom Arbeit­ge­ber bei sei­nen Ent­schei­dun­gen stär­ker berücksichtigt
    • Bei sozia­len Fak­to­ren des Arbeits­ver­hält­nis­ses (z.B. Über­stun­den, Kün­di­gung oder Video­über­wa­chung) kann der Betriebs­rat mit­be­stim­men und mitgestalten
    • Lohn­un­ter­schie­de sind bei Unter­neh­men mit einem Betriebs­rat nach­weis­lich gerin­ger
    • Arbeit­neh­mer müs­sen ihre Anlie­gen und Fra­gen nicht direkt beim Arbeit­ge­ber plat­zie­ren, was Hem­mun­gen in aller Regel deut­lich redu­ziert
  • Vor­tei­le für den Arbeit­ge­ber:
    • Es kann davon aus­ge­gan­gen wer­den, dass eine bes­se­re Arbeits­at­mo­sphä­re in Betrie­ben mit Betriebs­rä­ten besteht
    • Unter­su­chun­gen zei­gen, dass bei Bestehen eines Betriebs­ra­tes die Leis­tungs­fä­hig­keit bei glei­chem Lohn­ni­veau deut­lich höher ist
    • Gerin­ge­rer Wech­sel von Arbeit­neh­mern, da sie sich durch den Betriebs­rat bes­ser ver­stan­den fühlen
    • Pro­duk­ti­ve­res und inno­va­ti­ve­res Arbei­ten, wel­ches sich für den Arbeit­ge­ber oft­mals wirt­schaft­lich posi­tiv auswirkt
  • Vor­tei­le für Betriebs­rats­mit­glie­der:
    • Betriebs­rä­te kön­nen sich in per­sön­li­cher Hin­sicht wei­ter­ent­wi­ckeln und durch die Arbeit im Betriebs­rat Ver­ant­wor­tung für die Mit­ar­bei­ten­den übernehmen
    • Wert­schät­zung inner­halb des Kollegiums
    • Tie­fe­rer Ein­blick in die Funk­ti­ons­wei­se eines Unter­neh­mens durch Zusam­men­ar­beit mit dem Arbeitgeber
    • Betriebs­rä­te ver­fü­gen über Son­der­kün­di­gungs­schutz

Haben Sie Fra­gen zu den Auf­ga­ben eines Betriebs­rats? Dann lesen Sie unse­ren aus­führ­li­chen Arti­kel hier­zu oder set­zen Sie sich direkt und unver­bind­lich mit uns in Ver­bin­dung. Unse­re Fach­an­wäl­te für Arbeits­recht ver­fü­gen über lang­jäh­ri­ge Exper­ti­se bei der Bera­tung von Betriebs­rä­ten und ver­an­stal­ten regel­mä­ßig Semi­na­re zu The­men aus die­sem Bereich.

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5. Wie vie­le Per­so­nen braucht man für die Grün­dung eines Betriebsrats?

Um einen Betriebs­rat bil­den zu kön­nen, muss ein Unter­neh­men min­des­tens fünf Arbeit­neh­mer: innen haben. Die­se müs­sen wahl­be­rech­tigt sein. Das bedeu­tet, sie müs­sen das 18. Lebens­jahr voll­endet haben. Außer­dem müs­sen min­des­tens drei Mitarbeiter:innen auch wähl­bar für einen Betriebs­rat sein.

Als Arbeit­neh­mer gel­ten gem. § 5 Abs. 2 BetrVG z. B. nicht:

  • Mit­glie­der der Geschäfts­füh­rung einer GmbH
  • Gesell­schaf­ter
  • der Ehe­gat­te oder Lebens­part­ner, der in häus­li­cher Gemein­schaft mit dem Arbeit­ge­ber lebt

Die genaue Anzahl an Betriebs­rats­mit­glie­der ist gesetz­lich gere­gelt (§ 9 BetrVG) und bemisst sich an der Anzahl der wahl­be­rech­tig­ten Beschäftigten.

6. Kann der Arbeit­ge­ber einen Betriebs­rat verhindern?

Nein, der Arbeits­ge­ber kann nicht ver­hin­dern, dass ein Betriebs­rat gegrün­det wird.

Wür­de er dies tun, macht er sich nach § 119 Absatz 1 Num­mer 1 BetrVG sogar straf­bar. Die Auf­ga­be des Arbeit­ge­bers ist es viel­mehr, sämt­li­che Unter­la­gen zur Ver­fü­gung zu stel­len, wel­che für die Grün­dung von Bedeu­tung sind. Dazu zäh­len zum Bei­spiel sol­che, die dar­le­gen wer wahl­be­rech­tigt oder wähl­bar ist.

Dar­über hin­aus ist auch der Zugang zu Büro­räu­men zu gewäh­ren. Der Arbeit­ge­ber hat das Ver­fah­ren also zu för­dern.

7. Kann man gekün­digt wer­den, wenn man einen Betriebs­rat grün­den möchte?

Häu­fig wer­den uns sei­tens Rat­su­chen­der Fra­gen zum The­ma Kün­di­gung gestellt. Es ist nach­voll­zieh­bar, dass sich die Men­schen Sor­gen um ihre Arbeit machen. Kur­sie­ren doch eini­ge denk­wür­di­ge Geschich­ten im Zusam­men­hang mit der Betriebsratsgründung.

Die gute Nach­richt: Die Sor­ge ist unbe­grün­det. Jeder, der an der Wahl eines Betriebs­rats teil­nimmt, kommt in den Genuss von beson­de­rem Kündigungsschutz.

Je nach Stel­lung inner­halb des Grün­dungs­ver­fah­rens unter­schei­det sich der Kündigungsschutz:

  • Für Initia­to­ren der Betriebs­rats­grün­dung beginnt der beson­de­re Kün­di­gungs­schutz mit der Abga­be einer öffent­lich beglau­big­ten Erklä­rung oder mit Ein­la­dung zur Betriebs­wahl­ver­samm­lung. Geschützt wer­den die Initia­to­ren vor einer ordent­li­chen Kün­di­gung. Der beson­de­re Kün­di­gungs­schutz endet ent­we­der drei Mona­te nach Ver­sen­den der Ein­la­dun­gen (wenn kei­ne Wahl zustan­de gekom­men ist) oder nach Bekannt­ga­be der Wahlergebnisse.
  • Der beson­de­re Kün­di­gungs­schutz für den Wahl­vor­stand beginnt mit des­sen Wahl und endet nach Bekannt­ga­be der Wahl­er­geb­nis­se. Der Kün­di­gungs­schutz umfasst die ordent­li­che Kün­di­gung und ver­langt für eine außer­or­dent­li­che Kün­di­gung die vor­he­ri­ge Zustim­mung des Betriebsrats.
  • Wahl­be­wer­ber erhal­ten den beson­de­ren Kün­di­gungs­schutz, sobald sie sich als Kan­di­dat oder Kan­di­da­tin auf­stel­len las­sen. Auch hier endet der Kün­di­gungs­schutz mit Bekannt­ga­be des Wahl­er­geb­nis­ses. Geschützt sind Wahl­be­wer­ber vor einer ordent­li­chen Kün­di­gung. Im Fal­le einer außer­or­dent­li­chen Kün­di­gung bedarf die­se der Zustim­mung des Betriebsrats.Sollten Bewer­ber nicht gewählt wer­den, dür­fen die­se wei­te­re sechs Mona­te nicht durch eine außer­or­dent­li­che oder ordent­li­che Kün­di­gung ent­las­sen werden.
  • Der Kün­di­gungs­schutz eines Betriebs­rats­mit­glie­des umfasst die gesam­te Dau­er sei­ner Amts­zeit. Mit­glie­der sind vor einer ordent­li­chen Kün­di­gung geschützt und eine außer­or­dent­li­che Kün­di­gung ist nur erschwert durch Zustim­mung des Betriebs­rats möglich.

8. Wel­che Nach­tei­le hat ein Betriebsrat?

Zunächst ist es sehr auf­wen­dig, einen Betriebs­rat zu bil­den und es setzt eine gewis­se Grund­kennt­nis vor­aus. Durch die Grün­dung eines Betriebs­ra­tes kön­nen sich die per­sön­li­chen Ver­hält­nis­se zwi­schen Arbeit­neh­men­den und Arbeit­ge­bern verschlechtern.

Auch die Bezie­hun­gen zwi­schen den Mit­ar­bei­ten­den kön­nen durch einen mög­li­chen Wahl­kampf lei­den und die Arbeits­at­mo­sphä­re nega­tiv beein­träch­ti­gen. Durch die Tätig­keit als Betriebs­rat besteht außer­dem die Gefahr, dass eige­ne Auf­ga­ben ver­nach­läs­sigt wer­den und dadurch die per­sön­li­che Leis­tung am Arbeits­platz beein­träch­tigt wird.

9. War­um gibt es nicht in jedem Betrieb einen Betriebsrat?

Vie­le Unter­neh­men haben nicht die erfor­der­li­che Anzahl an Mitarbeiter:innen, wes­halb die Vor­aus­set­zun­gen für das Grün­den eines Betriebs­ra­tes nicht gege­ben sind.

Die Initia­ti­ve einen Betriebs­rat bil­den zu wol­len, muss außer­dem von den Arbeit­neh­men­den kom­men. Vie­le erach­ten die Grün­dung eines Betriebs­rats als nicht erfor­der­lich oder trau­en sich nicht, die Wahl eines sol­chen anzu­sto­ßen. Häu­fig fehlt den Arbeitnehmer:innen auch die Kennt­nis bezüg­lich ihres Rechts zur Grün­dung eines Betriebsrats.

Las­sen Sie sich bei Inter­es­se zunächst unver­bind­lich von unse­ren Fach­an­wäl­ten für Arbeits­recht bera­ten oder besu­chen Sie eins unse­rer Semi­na­re. In die­sem Rah­men erhal­ten Sie vie­le wert­vol­le Infor­ma­tio­nen rund um das The­ma Betriebsrat.

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10. Was pas­siert, wenn kein neu­er Betriebs­rat gewählt wird?

Soll­te nach Ablauf der aktu­el­len Amts­zeit eines bestehen­den Betriebs­rats kein neu­er Betriebs­rat gewählt wer­den, gibt es danach kei­nen mehr. Die Amts­zeit des amtie­ren­den Betriebs­rats wird nicht auto­ma­tisch ver­län­gert. Viel­mehr gehen dann alle Rech­te, die das Betriebs­ver­fas­sungs­recht vor­sieht, ver­lo­ren.

11. Wel­che Rech­te haben Arbeitnehmer:innen in einem Betrieb ohne Betriebsrat?

In Betrie­ben ohne Betriebs­rat kön­nen die Rech­te nach dem Betriebs­ver­fas­sungs­ge­setz, und damit ins­be­son­de­re die gere­gel­ten Mit­wir­kungs- und Beschwer­de­rech­te des Betriebs­rats, grund­sätz­lich nicht aus­ge­übt wer­den. Ohne den Betriebs­rat kann der Arbeits­ge­ber deut­lich unab­hän­gi­ger Ent­schei­dun­gen tref­fen und dürf­te dabei in aller Regel weni­ger Rück­sicht auf die Inter­es­sen der Arbeit­neh­mer: innen nehmen.

12. Fazit

Falls Sie die Grün­dung eines Betriebs­rats in Ihrem Unter­neh­men beab­sich­ti­gen, soll­ten Sie fol­gen­de Check­lis­te beach­ten: Das Unter­neh­men muss min­des­tens fünf Per­so­nen beschäf­tig­ten, wel­che alle wahl­be­rech­tigt sind. Drei davon müs­sen auch selbst wähl­bar sein. Außer­dem müs­sen Sie bei einem pri­va­ten Arbeit­ge­ber ange­stellt sein, bei wel­chem noch kein Betriebs­rat besteht.

Wäh­rend der Grün­dungs­pha­se unter­fal­len alle Betei­lig­ten einem beson­de­ren Kün­di­gungs­schutz, wes­halb Sie die Initia­ti­ve ergrei­fen kön­nen und soll­ten. Übri­gens darf der Arbeit­ge­ber die Betriebs­rats­grün­dung nicht ver­hin­dern. Ver­sucht er dies doch, macht er sich ggf. sogar strafbar.

Die Grün­dung selbst ist in den meis­ten Fäl­len sehr auf­wen­dig und ver­langt eine gewis­se Grund­kennt­nis, jedoch kann die Arbeit für das Gre­mi­um durch­aus auch eine per­sön­li­che Berei­che­rung darstellen.

Zum einen setzt sich der Betriebs­rat für die Rech­te und Inter­es­sen der Beschäf­tig­ten ein und kann bei sozia­len Fak­to­ren mit­be­stim­men. Dar­über hin­aus ist bei einem Betriebs­rat die Wahr­schein­lich­keit höher, dass sich die Arbeits­at­mo­sphä­re ver­bes­sert und sich die Arbeits­be­din­gun­gen der beschäf­tig­ten Arbeit­neh­mer gene­rell ver­bes­sern. Der Arbeit­ge­ber wie­der­um pro­fi­tiert von einer höhe­ren Leis­tungs­fä­hig­keit des Unter­neh­mens als Gan­zes. Es ist also für bei­de Sei­ten eine Win-Win-Situa­ti­on.

Wenn Sie bei sich oder Ihren Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen Schu­lungs­be­darf sehen, neh­men Sie Kon­takt zu uns auf. Wir ver­an­stal­ten regel­mä­ßig Semi­na­re, wel­che die wesent­li­chen Fra­gen rund um das The­ma Betriebs­rat behan­deln. Viel­leicht ist hier auch etwas für Sie dabei.

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