• ESUG noch mit Kinderkrankheiten
  • Bran­chen­treff für Unter­neh­mer, Sanie­rungs­be­ra­ter, Rechts­an­wäl­te, Work-Out-Exper­­ten, Insolvenzverwalter/Sachwalter und Richter

Düs­sel­dorf, 7. Mai 2013. Ein Jahr nach Inkraft­tre­ten des Geset­zes zur Erleich­te­rung der Sanie­rung von Unter­neh­men (ESUG) wird deut­lich, wie tief­grei­fend der Wan­del ist, der sich mit die­sem Gesetz für Unter­neh­men in der Kri­se, Gläu­bi­ger, die bera­ten­den Beru­fe und auch für die Insol­venz­ver­wal­ter voll­zo­gen hat. „Rund 250 Ver­fah­ren sind in den ver­gan­ge­nen Mona­ten bei den Insol­venz­ge­rich­ten ange­mel­det wor­den und die Ten­denz ist wei­ter stei­gend. Mit dem ESUG sind wir auf dem rich­ti­gen Weg“, erklärt Ver­an­stal­ter Prof. Dr. Hans Haar­mey­er vom Deut­schen Insti­tut für ange­wand­tes Insol­venz­recht (DIAI). Die plan­ba­re Sanie­rung unter Insol­venz­schutz ist damit ein abso­lu­tes Novum und mit die­sen Instru­men­ten gewinnt Deutsch­land erst­mals Anschluss an die Sanie­rungs­kul­tu­ren in ande­ren Län­dern. Den­noch steht der stei­gen­den Pro­fes­sio­na­li­tät bei den insti­tu­tio­nel­len Gläu­bi­gern, Sach­wal­tern und sanie­rungs­er­fah­re­nen Bera­tern eine weit­ge­hen­de Unkennt­nis der Unter­neh­mer und Klein­gläu­bi­ger sowie ein Behar­ren an den alten Ver­fah­ren durch eini­ge Gerich­te ent­ge­gen. Der 2. Deut­sche Gläu­bi­ger­kon­gress am 5. Juni 2013 in Düsseldorf/Neuss soll die Stol­per­stei­ne der Ver­fah­ren auf­de­cken und einen effi­zi­en­ten Weg zu einer erfolg­rei­chen Unter­neh­mens­sa­nie­rung sowie einer Sanie­rungs­kul­tur in Deutsch­land aufzeigen.

Exper­ten schät­zen, dass bis­her Insol­venz­an­trä­ge erst ein Jahr nach der tat­säch­li­chen ein­ge­tre­te­nen Insol­venz gestellt wur­den, denn der Gang zum Insol­venz­ge­richt stig­ma­ti­siert. Das Schutz­schirm­ver­fah­ren konn­te die Hemm­schwel­le, den Gang des Unter­neh­mers zum Insol­venz­ge­richt, deut­lich sen­ken. Den­noch gilt es als offi­zi­el­les Insol­venz­ver­fah­ren mit aller nega­ti­ven Öffent­lich­keits­wir­kung. „Ein eigen­stän­di­ges Sanie­rungs­ver­fah­ren, das nicht als Insol­venz­ver­fah­ren bekannt gemacht wer­den muss, aber die Mög­lich­kei­ten des ESUG nutzt, kann die Moti­va­ti­on zur frü­he­ren Antrags­stel­lung wei­ter erhö­hen. Dadurch könn­ten deut­lich mehr Arbeits­plät­ze und Lie­fe­ran­ten­for­de­run­gen geret­tet wer­den“, so Sanie­rungs­ex­per­te Robert Bucha­lik (Bucha­lik Bröm­me­kamp). In Polen, Frank­reich oder Groß­bri­tan­ni­en sind vor­insol­venz­li­che Ver­fah­ren schon üblich.

Einer der wesent­li­chen Kos­ten­fak­to­ren eines Insol­venz­ver­fah­rens ist die Ver­gü­tung des Insol­venz­ver­wal­ters. Die gesetz­li­che Inten­ti­on, die Gläu­bi­ger best­mög­lich zu befrie­di­gen, wird damit nicht voll­um­fäng­lich erfüllt. „Die Ver­fah­rens­kos­ten und die Ver­gü­tung soll­ten auf einen Maxi­mal­an­teil von 30 Pro­zent der für die Gläu­bi­ger vor­han­de­nen Mas­se begrenzt wer­den“, so der DIAI-Dire­k­­tor Prof. Dr. Hans Haar­mey­er. Die Ver­gü­tung des Insol­venz­ver­wal­ters könn­te zukünf­tig auch von der Zustim­mung der Gläu­bi­ger und nicht wie bis­her der Gerich­te abhän­gig gemacht wer­den, zumal die­se den Ver­wal­ter auch bestimmt haben.

Für wei­te­re Dis­kus­sio­nen dürf­ten auf dem Kon­gress die Maß­nah­men zu mehr Pro­fes­sio­na­li­sie­rung der Ver­fah­rens­ab­wick­lung sor­gen. Nach 15 Mona­ten sam­meln die Ver­fah­rens­be­tei­lig­ten noch Erfah­run­gen. Ange­sicht eines jähr­li­chen Insol­venz­scha­dens für die Gläu­bi­ger von durch­schnitt­lich 40 Mil­li­ar­den Euro ist jedoch Eile gebo­ten, die Qua­li­fi­ka­ti­on schnellst­mög­lich zu erhö­hen. Bei den Gerich­ten könn­te eine Kon­zen­tra­ti­on auf weni­ge Stand­or­te mit spe­zia­li­sier­ten Insol­venz­rich­tern zu mehr Ver­fah­rens­si­cher­heit bei­tra­gen. Sanie­rungs­be­ra­ter und Sach­wal­ter soll­ten sich für Sanie­run­gen unter Insol­venz­schutz in beson­de­rer Wei­se qua­li­fi­zie­ren und zer­ti­fi­zie­ren las­sen, um Miss­brauch und Schlecht­be­ra­tung vor­zu­beu­gen. Und für die Gläu­bi­ger soll­te die Mög­lich­keit geschaf­fen wer­den, sich durch bun­des­weit auf­ge­stell­te Ver­bän­de ver­tre­ten zu las­sen. Denn die Inter­es­sen der unge­si­cher­ten Klein­gläu­bi­ger blei­ben im Gläu­bi­ger­aus­schuss oft außen vor, obwohl sie zah­len­mä­ßig die größ­te Grup­pe dar­stel­len. „Mit sol­chen Maß­nah­men“, so Wirt­schafts­prü­fer und Steu­er­be­ra­ter Chris­toph Hil­le­brand (Mor­i­son Köln AG), „kann die Insol­­venz- und Sanie­rungs­land­schaft in den nächs­ten Jah­ren wesent­lich ver­bes­sert wer­den. Dies kommt gera­de den klein- und mit­tel­stän­di­schen Unter­neh­men zu Gute, die von beson­ders hohen Aus­fäl­len bei Insol­ven­zen betrof­fen sind.“

Die The­men auf dem 2. Deut­schen Gläu­bi­ger­kon­gress sind viel­fäl­tig, eben­so wie die Inter­es­sen der Ver­fah­rens­be­tei­lig­ten. Im Mit­tel­punkt des Kon­gres­ses ste­hen des­halb Erfah­rungs­be­rich­te von Geschäfts­füh­rern und Vor­stän­den sanier­ter Unter­neh­men, die über “ihre erfolg­rei­che Insol­venz” spre­chen. Dar­über hin­aus berich­ten pra­xis­er­prob­te Bera­ter, Work-Out-Spe­­zia­­lis­­ten, Insol­venz­ver­wal­ter und Gläu­bi­ger über die bis­he­ri­gen Erfah­run­gen mit dem Gesetz und des­sen Umset­zung. Vor­trä­ge über die aktu­el­le Rechts­ent­wick­lung sowie zen­tra­le Fra­gen der Unter­neh­mens­steue­rung in der Kri­se und Insol­venz run­den das Kon­gress­pro­gramm ab. Der 2. Deut­sche Gläu­bi­ger­kon­gress schließt mit einem Refe­ren­dum zur Ver­bes­se­rung des Insol­venz­rechts und zur wei­te­ren Stär­kung der Gläubigerrechte.

Als Refe­ren­ten haben zugesagt:

Rechts­an­walt und Sanie­rungs­be­ra­ter Robert Bucha­lik (Bucha­lik Bröm­me­kamp), Insol­venz­ver­wal­ter Dr. Micha­el C. Fre­ge (CMS Hasche Sig­le), Insol­venz­ver­wal­ter Arndt Gei­witz (Schnei­der, Gei­witz & Part­ner), Min­Dirin Marie Lui­se Graf-Schli­­cker (Bun­des­mi­nis­te­ri­um der Jus­tiz), Prof. Dr. Hans Haar­mey­er (DIAI), Wirt­schafts­prü­fer Chris­toph Hil­le­brand (Mor­i­son Köln), Rich­ter Mar­tin Horst­kot­te (AG Char­lot­ten­burg), BGH-Rich­­ter Dr. Ger­hard Pape, Insol­venz­ver­wal­ter Micha­el Plu­ta (Plu­ta Rechts­an­walts GmbH), Mark Toschek (EIKA Ker­zen GmbH) Dr. Ahrend Weber (Bun­des­ver­band deut­scher Ban­ken (BdB)) und Rechts­an­walt Andre­as Zie­gen­ha­gen (Sal­ans).

Anmel­dung unter http://glaeubigerkongress.com/anmeldung‑2

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