Was Anleger/Investoren wis­sen sollten

Die kon­zern­lei­ten­de Mut­ter­ge­sell­schaft der ADCADA Grup­pe hat am 22.09.2020 beim Amts­ge­richt (Insol­venz­ge­richt) Ros­tock einen Insol­venz­an­trag gestellt. Im August 2020 infor­mier­te ADCADA (wenigs­tens) einen Teil ihrer Inves­to­ren über die wirt­schaft­li­chen Kon­se­quen­zen der Coro­­na-Pan­­de­­mie. In einem Mai­ling wur­de mit­ge­teilt, dass alle Zins- und Kapi­tal­rück­zah­lun­gen aus­ge­setzt wer­den. Hier­durch soll­te nicht nur ADCADA, son­dern auch „das Invest­ment best­mög­lich geschützt wer­den“, so das Unter­neh­men. In einem wei­te­ren Infor­ma­ti­ons­schrei­ben vom 24.09.2020 teil­te die Geschäfts­lei­tung sodann mit, dass sie einen Insol­venz­an­trag beim Amts­ge­richt Ros­tock gestellt hat. Neben den Aus­wir­kun­gen der Coro­na Pan­de­mie soll auch das Vor­ge­hen der BaFin (Rück­ab­wick­lung der Inha­­ber-Teil­­schul­d­­ver­­­schrei­­bung) der Grund für die­sen Schritt gewe­sen sein. Letz­te­res ist jedoch nicht nach­voll­zieh­bar, da die Inha­­ber-/Teil­­schul­d­­ver­­­schrei­­bung nicht von der ADCADA GmbH (also der Insol­venz­schuld­ne­rin) selbst aus­ge­ge­ben wur­de, son­dern von der Adca­da health­ca­re GmbH.

Die vier Säu­len der Unternehmensgruppe

Nach eige­nen Anga­ben wer­den unter der Lei­tung der Insol­venz­schuld­ne­rin im Wesent­li­chen vier Geschäfts­be­rei­che ver­ant­wor­tet. Hier­zu gehören

  • der Han­del (adcada.shop)
  • die Immo­bi­li­en (adcada.immo)
  • die Finan­zen (adcada.finance) und
  • das Mar­ke­ting (adcada.marketing)

Geld­an­la­gen der ADCADA Unternehmensgruppe

Die Unter­neh­mens­grup­pe beschränk­te sich somit nicht nur auf den Han­del mit Mode, son­dern war auch am Immo­bi­li­en­markt tätig und ver­such­te sich als Anbie­ter von Geld­an­la­gen. So wur­den fol­gen­de Anla­gen angeboten:

  • Nach­rang­dar­le­hen
  • Schuld­ver­schrei­bun­gen
  • aber auch „fest­ver­zins­li­che Immo­bi­li­en­dar­le­hen mit 110-pro­­­zen­­ti­­ger Besi­che­rung erst­ran­gi­ger Brief­grund­schul­den mit einer Lauf­zeit über 2, 4 oder 5 Jah­re

Hohe Zin­sen für „fest­ver­zins­li­che Immo­bi­li­en­dar­le­hen

Die „fest­ver­zins­li­chen Immo­bi­li­en­dar­le­hen“ ließ sich die Insol­venz­schuld­ne­rin eini­ges kos­ten. Bei der Lauf­zeit von 2 Jah­ren soll­ten jähr­lich 6 % Zin­sen auf den Anla­ge­be­trag fäl­lig wer­den, bei einer 4‑jährigen Lauf­zeit 8 % jähr­lich und bei 5 Jah­ren sogar 9 % p.a. Nach Anga­ben der ADCADA GmbH soll­te es sich bei die­sen „fest­ver­zins­li­chen Immo­bi­li­en­dar­le­hen“ nicht um eine Ver­mö­gens­an­la­ge im Sin­ne des Ver­mö­gens­an­la­ge­ge­set­zes han­deln. Mit einer Beschrän­kung auf 20 Ver­trä­ge soll­te die Pro­spekt­pflicht nach dem Ver­mö­gens­an­la­ge­ge­setz umgan­gen werden.

Uner­laub­tes Ein­la­gen­ge­schäft laut Bafin

Mit Bescheid vom 09.03.2020 hat­te die BaFin die Ein­stel­lung und Abwick­lung eben die­ser Ver­trä­ge als uner­laub­tes Ein­la­gen­ge­schäft ange­ord­net. Auf der Sei­te der BaFin heißt es:

Das Unter­neh­men nahm auf der Grund­la­ge von „Ver­trä­gen über eine Immo­­bi­­li­en-Anla­­ge mit einer 110 Pro­zent besi­cher­ten Brief­grund­schuld“ Anle­ger­gel­der an, betreibt damit das Ein­la­gen­ge­schäft ohne die erfor­der­li­che Erlaub­nis der BaFin.

Das Unter­neh­men ist ver­pflich­tet, die ein­ge­nom­me­nen Gel­der per Über­wei­sung unver­züg­lich und voll­stän­dig an die Kapi­tal­ge­ber zurückzuzahlen.

Die Ver­fü­gun­gen der BaFin sind von Geset­zes wegen sofort voll­zieh­bar …“.

Ob eine Abwick­lung tat­säch­lich erfolg­te, ist nicht nach­voll­zieh­bar. Fest steht jedoch, dass eini­gen Inves­to­ren die­se Beträ­ge nicht zurück­ge­zahlt wur­den, von denen sich eini­ge an uns gewen­det haben.

Auf der fir­men­ei­ge­nen Home­page wird in Kennt­nis der Unter­sa­gung der BaFin geti­telt: „ADCADA vs. BaFin: Das Duell David gegen Goliath“.

Wei­ter­hin wird auf der Home­page sei­tens eines Rechts­an­walts betont: „Die Hypo­­­zins-Ver­­­trä­­ge durch adcada.money gehö­ren wei­ter­hin zu den sichers­ten Anla­ge­pro­duk­ten in die­sem Bereich am deut­schen Markt ­– sie sind insol­venz­si­cher und recht­lich ein­wand­frei und erfül­len als sol­che jeg­li­che Anfor­de­run­gen der BaFin. Aus den Feh­lern der Ver­gan­gen­heit bei der Abwick­lung der Sicher­hei­ten­be­stel­lung hat ADCADA gelernt.“

Ob die­se Insol­venz­si­cher­heit nun­mehr besteht, wird sich zei­gen, da die Gesell­schaft eine Insol­venz­an­trag gestellt hat.

Boni­täts­nach­weis der Creditreform

Bewor­ben wur­den die Immo­bi­li­en­dar­le­hen mit einem Boni­täts­nach­weis der Credit­re­form. Zudem soll es sich bei der Insol­venz­schuld­ne­rin zum dama­li­gen Zeit­punkt um ein bilan­zi­ell schul­den­frei­es Unter­neh­men (kei­ne Ver­bind­lich­kei­ten bei Banken/Lieferanten) gehan­delt haben. Das Pro­dukt war aus Sicht der Insol­venz­schuld­ne­rin für Anle­ger gedacht, „die Wert auf eine höchst­mög­li­che Sicher­heit legen“. Das auch als „Hypo­zins“ bezeich­ne­te Pro­dukt wur­de wei­ter damit bewor­ben, dass eine „amt­li­che Ein­tra­gung einer Brief­grund­schuld im Grund­buch einer der ADCADA Bestands­im­mo­bi­li­en“ erfol­gen soll­te, die erst­ran­gig (ohne Nach­rang­klau­sel) und damit ein­ma­lig in Deutsch­land gewe­sen sein soll.

 Unter­sa­gung des Ver­triebs der Inha­­ber/-Teil­­schul­d­­ver­­­schrei­­bung

Ende Juni 2020 hat­te die Bun­des­an­stalt für Finanz­dienst­leis­tungs­auf­sicht (BaFin) der Adca­da health­ca­re GmbH den Ver­trieb der von ihr aus­ge­ge­ben Inha­­ber-Teil­­schul­d­­ver­­­schrei­­bung unter­sagt, weil das Wert­pa­pier ohne den von der Euro­päi­schen Uni­on vor­ge­schrie­be­ne Pro­spekt her­aus­ge­ge­ben wor­den sein soll. Die Ren­di­te soll­te 12 % im Jahr betra­gen. Der Stand der Abwick­lung ist der­zeit unbekannt.

Nach­rang­dar­le­hen

Wenigs­tens einer Gesell­schaft der ADCA­­DA-Unter­­neh­­men­s­­grup­­pe soll sog. Nach­rang­dar­le­hen aus­ge­ge­ben haben.

In der Ver­gan­gen­heit waren zahl­rei­che Nach­rang­klau­seln Gegen­stand der gericht­li­chen Über­prü­fung und viel­fach wur­den sol­che Nach­rang­dar­le­hens­ver­ein­ba­run­gen von den Gerich­ten für intrans­pa­rent gehal­ten. Dies ließ nicht nur den Nach­rang ent­fal­len, son­dern zudem ver­stie­ßen die Emit­ten­ten die­ser Pro­duk­te gegen das Kre­dit­we­sen­ge­setz (KWG).

Was soll­ten Investoren/Anleger beachten?

Gera­de Inves­to­ren der insol­ven­ten ADCADA GmbH, die „fest­ver­zins­li­chen Immo­bi­li­en­dar­le­hen“ gezeich­net haben, soll­ten sich schon jetzt recht­lich bera­ten las­sen. Die Ver­trä­ge sehen zwar einen außer­or­dent­li­chen Kün­di­gungs­grund vor, die­ser wird aber erst nach Eröff­nung des Insol­venz­ver­fah­rens zum Tra­gen kom­men. Hin­zu kommt, dass der­zeit noch frag­lich ist, wie die Insol­venz­ver­wal­tung mit der Abwick­lungs­an­ord­nung BaFin umge­hen wird. Soll­te die Besi­che­rung der „fest­ver­zins­li­chen Immo­bi­li­en­dar­le­hen“ nicht wirk­sam erfolgt sein, könn­ten die Anle­ger ledig­lich eine ein­fa­che und unbe­si­chert For­de­rung im Insol­venz­ver­fah­ren anmel­den. Inso­weit bedarf es einer zutref­fen­den recht­li­chen Ein­schät­zung und Argu­men­ta­ti­on, auch und gera­de schon im vor­läu­fi­gen Insol­venz­ver­fah­ren, um die Rech­te eben die­ser Gläu­bi­ger­grup­pe zu sichern.

Inves­to­ren der Inha­­ber-/Teil­­schul­d­­ver­­­schrei­­bung soll­ten sich eben­falls recht­lich ver­tre­ten las­sen, auch wenn die emit­tie­ren­de Gesell­schaft kei­nen Insol­venz­an­trag gestellt hat. Zudem wird allen Inves­to­ren der ADCA­­DA-Unter­­neh­­men­s­­grup­­pe gera­ten, sich recht­lich bera­ten zu las­sen, um einem Ver­lust der inves­tier­ten Gel­der zuvor zu kommen.

Soweit es die Nach­rang­dar­le­hen betrifft, soll­te über­prüft wer­den, ob die­se Klau­seln tat­säch­lich der höchst­rich­ter­li­chen Recht­spre­chung stand­hal­ten oder nicht doch ein­fa­che For­de­run­gen sind und damit gege­be­nen­falls ein erlaub­nis­pflich­ti­ges Ein­la­gen­ge­schäft im Sin­ne des Kre­dit­we­sen­ge­set­zes (KWG) vor­liegt. Ver­fügt die Gesell­schaft nicht über eine ent­spre­chen­de Erlaub­nis, dann wären auch die­se Nach­rang­dar­le­hen rückabzuwickeln.

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