Nach den deut­schen P&R‑Gesellschaften ist nun auch gegen P&R‑Gründer Heinz Roth ein Insol­venz­ver­fah­ren eröff­net wor­den. Zum Insol­venz­ver­wal­ter wur­de Rechts­an­walt Miguel Gros­ser aus der Kanz­lei Jaf­fé bestellt. Der macht den Anle­gern nicht vie­le Hoff­nun­gen, denn die Ver­bind­lich­kei­ten von Roth sol­len über eine Mil­li­ar­de Euro betra­gen, das Pri­vat­ver­mö­gen dage­gen gera­de mal in einem zwei­stel­li­gen Mil­lio­nen Euro Bereich lie­gen. Für die geschä­dig­ten P&R‑Anleger blie­be nur eine mar­gi­na­le Quo­te. Lohnt es sich den­noch, die Ansprü­che gegen den Fir­men­grün­der anzu­mel­den, oder wit­tern hier Anwäl­te nur das Geschäft mit der Angst der Anle­ger? Die Anmel­de­frist für die For­de­run­gen läuft bis zum 18. April 2019.

Die Insol­venz­ver­wal­ter der deut­schen P&R‑Gesellschaften (Dr. Jaf­fé und Dr. Hein­ke) haben einen Insol­venz­an­trag über das Ver­mö­gen des Fir­men­grün­ders Heinz Roth gestellt. Das Amts­ge­richt Mün­chen (Insol­venz­ge­richt) ist den Anträ­gen nach­ge­kom­men und hat inzwi­schen das Insol­venz­ver­fah­ren eröff­net. Das Ver­fah­ren wird unter dem Az. 1542 IN 3055/18 geführt. Ob die P&R‑Anleger ihre Ansprü­che im Insol­venz­ver­fah­ren anmel­den soll­ten, kann der­zeit lei­der nicht mit einem kla­ren „Ja“ oder „Nein“ beant­wor­tet werden.

Zu den Fakten:

Dass Anle­gern der P&R‑Gesellschaften ein Scha­dens­er­satz­an­spruch gegen Roth zuste­hen dürf­te, liegt wohl auf der Hand. Die Staats­an­walt­schaft Mün­chen hat die Ermitt­lun­gen gegen den P&R‑Gründer auf­ge­nom­men und zwi­schen­zeit­lich Ankla­ge erho­ben. Ihm wer­den im Wesent­li­chen das Betrei­ben eines Schnee­ball­sys­tems, also Betrug, sowie Steu­er­hin­ter­zie­hung zur Last gelegt.

Vor dem Hin­ter­grund, dass die Insol­venz­ver­wal­ter der P&R‑Gesellschaften bereits ankün­dig­ten, in nen­nens­wer­tem Umfang For­de­run­gen im Insol­venz­ver­fah­ren von Heinz Roth anzu­mel­den, stel­len sich die nach­fol­gen­den bei­den Fragen:

  1. Mel­den die Insol­venz­ver­wal­ter der P&R Gesell­schaf­ten auch die Ansprü­che der P&R‑Anleger im Insol­venz­ver­fah­ren von Heinz Roth an?

Nein, P&R‑Anleger müs­sen ihre Ansprü­che selbst oder durch einen Rechts­an­walt beim Insol­venz­ver­wal­ter Miguel Gros­ser aus der Kanz­lei Jaf­fé anmel­den. Die Insol­venz­ver­wal­ter mel­den ledig­lich die Ansprü­che der P&R‑Gesellschaften im Insol­venz­ver­fah­ren des Herrn Roth an.

  1. Lohnt sich die Anmel­dung von Scha­dens­er­satz­an­sprü­che im Insolvenzverfahren?

Die Wirt­schaft­lich­keit der For­de­rungs­an­mel­dung kann durch­aus in Fra­ge gestellt wer­den. Wie­der­um kann eine For­de­rungs­an­mel­dung auch Ansprü­che der Anle­ger sichern.

Um dies nach­voll­zie­hen zu kön­nen, bedarf es einer inten­si­ve­ren Aus­ein­an­der­set­zung mit dem gesam­ten Sach­ver­halt. Bekannt ist, dass Roth die Antei­le an der schwei­ze­ri­schen P&R Equip­ment Finan­ce Corp (auch kurz als „E&F“ bezeich­net) hielt. Über die­se Gesell­schaft erfolgt der Kauf und Ver­kauf der Con­tai­ner sowie deren Ver­mie­tung. Dies bedeu­tet, dass das Geld nicht von den deut­schen P&R‑Gesellschaften ver­dient wird, son­dern von der E&F. Die Insol­venz­ver­wal­ter der deut­schen P&R‑Gesellschaften wer­den ihrer­seits wie­der­um Ansprü­che gegen die schwei­ze­ri­sche Gesell­schaft gel­tend machen und auf die­se Wei­se die Mas­se der insol­ven­ten Gesell­schaf­ten erhö­hen. Eine inso­weit beab­sich­ti­ge Erhö­hung der Mas­se führt letzt­end­lich bei den Anle­gern zu der Zah­lung einer Insolvenzquote.

Kurz nach Eröff­nung des Insol­venz­ver­fah­rens der in Deutsch­land ansäs­si­gen P&R‑Gesellschaften ver­pfän­de­te Roth (auf Betrei­ben der Insol­venz­ver­wal­ter) sei­ne Antei­le an der E&F. Zudem wur­de ein schwei­zer Wirt­schafts­prü­fer zum Ver­wal­tungs­rat eben die­ser Gesell­schaft bestellt. Hier­durch soll der Zah­lungs­fluss sei­tens der schwei­ze­ri­schen Gesell­schaft an die deut­schen insol­ven­ten P&R‑Gesellschaften gesi­chert wer­den. Solan­ge also das Geld aus der Schweiz an die deut­schen Gesell­schaf­ten fließt, haben die Anle­ger berech­tig­te Hoff­nung auf eine Quo­te im Insol­venz­ver­fah­ren, wenn sie ihre Ansprü­che dort bereits ange­mel­det haben. Soll­te jedoch die Ver­pfän­dung der Antei­le und die von den Ver­wal­tern selbst als Siche­rungs­maß­nah­me bezeich­ne­ten Akti­vi­tä­ten nicht wirk­sam sein, bestün­de grund­sätz­lich die Mög­lich­keit, dass die Antei­le an der schwei­ze­ri­schen Gesell­schaft in das Insol­venz­ver­fah­ren von Heinz Roth fal­len wür­den. Ob dies an der Zah­lungs­ver­pflich­tung der schwei­ze­ri­schen Gesell­schaft gegen­über den deut­schen P&R‑Gesellschaften etwas ändert, darf bezwei­felt wer­den. Aller­dings ist auch zu berück­sich­ti­gen, dass die Ver­trä­ge zwi­schen den deut­schen P&R‑Gesellschaften sowie der E&F von den Insol­venz­ver­wal­tern nicht offen­ge­legt wer­den. Sel­bi­ges gilt auch für die Ver­pfän­dungs­ver­ein­ba­rung von Roth über sei­ne Antei­le an der E&F.

Bemü­hun­gen, Infor­ma­tio­nen aus der Kanz­lei des Insol­venz­ver­wal­ters bzw. ihrer Anwäl­te zu erhal­ten, sind bis­lang über­wie­gend erfolg­los geblie­ben. Vor die­sem Hin­ter­grund kann der­zeit lei­der nicht mit Sicher­heit abge­schätzt wer­den, ob die Anmel­dung der For­de­rung Ansprü­che der Anle­ger sichert.

Das Risi­ko besteht für die Anle­ger dar­in, dass das Ver­mö­gen der E&F in das Insol­venz­ver­fah­ren von Heinz Roth fließt und die deut­schen P&R‑Gesellschaften eben­so leer aus­ge­hen, wie die­je­ni­gen Anle­ger, die kei­ne Ansprü­che im Insol­venz­ver­fah­ren von Heinz Roth ange­mel­det haben. Infol­ge der restrik­ti­ven Infor­ma­ti­ons­po­li­tik der Insol­venz­ver­wal­ter kann dies nicht aus­ge­schlos­sen werden.

Hin­zu kommt, dass Anle­ger, deren For­de­run­gen im Insol­venz­ver­fah­ren von Heinz Roth fest­ge­stellt wer­den, auch dann noch ein Zugriff auf das Ver­mö­gen von Roth mög­lich ist, wenn des­sen Insol­venz­ver­fah­ren abge­schlos­sen ist, er kei­ne Rest­schuld­be­frei­ung erhält (davon ist im Fal­le einer straf­recht­li­chen Ver­ur­tei­lung aus­zu­ge­hen) und spä­ter Ver­mö­gens­wer­te auf­tau­chen, die wert­hal­tig sind.

Fazit:

Im Ergeb­nis besteht eine erheb­li­che Rechts­un­si­cher­heit, die durch die Anmel­dung der For­de­run­gen im Insol­venz­ver­fah­ren von Heinz Roth begeg­net wer­den kann. Soll­ten die Insol­venz­ver­wal­ter ihre Infor­ma­ti­ons­po­li­tik jedoch ändern und die zugrun­de­lie­gen­den Ver­pfän­dungs­ver­trä­ge von Roth sowie die Ver­ein­ba­rung der P&R‑Gesellschaften mit der E&F offen­le­gen, bestün­de die Mög­lich­keit einer zuver­läs­si­ge­ren Ein­schät­zung. Von mehr Trans­pa­renz sei­tens der Ver­wal­ter ist in abseh­ba­rer Zeit jedoch nicht auszugehen.

Auch wenn die For­de­run­gen noch nach der vom Gericht gesetz­ten Frist am 18.04.2019 ange­mel­det wer­den kön­nen, soll­ten die Anle­ger nicht ewig war­ten, da auch die For­de­run­gen ver­jäh­ren, wenn die­se nicht oder nicht rich­tig ange­mel­det werden.

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Die Kanz­lei Bucha­lik Bröm­me­kamp zählt zu den mark­füh­ren­den Insol­­venz- und Sanie­rungs­be­ra­tern und wur­de viel­fach, so u.a. vom FOCUS zur TOP Wirt­schafts­kanz­lei im Bereich Insol­venz & Sanie­rung ausgezeichnet.

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