In einem Wirt­schafts­straf­pro­zess bei­spiels­wei­se wegen Insol­venz­ver­schlep­pung oder Bank­rott hat der Geschäfts­füh­rer der insol­ven­ten Fir­ma häu­fig ein Inter­es­se dar­an, dass die von ihm enga­gier­ten Bera­ter nicht aus­sa­gen. Wirt­schafts­prü­fer, Rechts­an­wäl­te oder Steu­er­be­ra­ter sind soge­nann­te Berufs­ge­heim­nis­trä­ger und die­ser Per­so­nen­kreis hat – ähn­lich wie Ärz­te – ein Zeug­nis­ver­wei­ge­rungs­recht nach § 53 Straf­pro­zess­ord­nung. Sie müs­sen also nicht zu Las­ten des Geschäfts­füh­rers aus­sa­gen. Pro­ble­ma­tisch ist jedoch, dass die­ses Ver­wei­ge­rungs­recht ent­fällt, wenn der Auf­trag­ge­ber den Bera­ter von der Schwei­ge­pflicht ent­bin­det. Juris­ten und Gerich­te strei­ten dar­über, wer die Ent­bin­dung der Schwei­ge­pflicht vor­neh­men darf. Der betrof­fe­ne Geschäfts­füh­rer der Gesell­schaft, der Insol­venz­ver­wal­ter der Gesell­schaft oder gar ein neu bestell­ter Geschäfts­füh­rer. Letz­te­re haben meist kein Inter­es­se an der Aus­sa­ge­ver­wei­ge­rung der Bera­ter. Denn die Aus­sa­gen und der Straf­pro­zess ins­ge­samt eröff­nen ihnen sehr häu­fig Mög­lich­kei­ten, den ehe­ma­li­gen Geschäfts­füh­rer zivil­recht­lich in Anspruch zu neh­men (Geschäfts­füh­rer­haf­tung; Insol­venz­an­fech­tung, vgl.www.insolvenzanfechtung-buchalik.de).
Nach über­wie­gen­der Mei­nung, der die aktu­el­le Ent­schei­dung des OLG Hamm (Beschl. vom 17.8.2017 — Az. 4 Ws 130/17) folgt und die auch ande­re Gerich­te ver­tre­ten (z.B. OLG Köln, Beschl. v. 01.09.2015 – 2 Ws 544/15) kann nur der­je­ni­ge den Bera­ter von der Schwei­ge­pflicht ent­bin­den, zu des­sen Guns­ten sie gesetz­lich begrün­det wur­de. Bestand das Bera­tungs­man­dat nur zwi­schen der Gesell­schaft und dem Bera­ter, so ist der aktu­el­le gesetz­li­che Ver­tre­ter zur Abga­be der Ent­bin­dungs­er­klä­rung beru­fen. In einem Insol­venz­ver­fah­ren kann dem­nach der Insol­venz­ver­wal­ter den Bera­ter von der Schwei­ge­pflicht ent­bin­den. Der Ver­wal­ter hat ein berech­tig­tes Inter­es­se an den Infor­ma­tio­nen des Bera­ters, da die­se Aus­sa­gen häu­fig wei­te­re Bewei­se für eine Insol­venz­ver­schlep­pung des frü­he­ren Geschäfts­füh­rers ergeben.
Wird hin­ge­gen das Man­dat so aus­ge­stal­tet, dass auch der (ehe­ma­li­ge) Geschäfts­füh­rer bera­ten wird, müs­sen in einem spä­te­ren Pro­zess der aktu­el­le sowie der frü­he­re Geschäfts­füh­rer die Ent­bin­dungs­er­klä­rung abge­ben. Die­se soge­nann­ten Dop­pel­man­da­te sind damit für den Geschäfts­füh­rer deut­lich vor­teil­haf­ter. Aus stra­te­gi­schen Grün­den ist daher zu über­le­gen, die Man­da­te ent­spre­chend zu gestal­ten und den Vor­gang für regel­mä­ßig erst vie­le Jah­re spä­ter statt­fin­den­de Pro­zes­se zu dokumentieren.

Wei­te­re Infor­ma­tio­nen unter: www.insolvenzanfechtung-buchalik.de/

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