Hand­lun­gen des Geschäfts­füh­rers im Rah­men des übli­chen Geschäfts­ver­kehrs außer­halb der Insol­venz kön­nen in der Insol­venz sei­ne per­sön­li­che Haf­tung gegen­über den Gesell­schaf­tern bzw. Gläu­bi­gern der Gesell­schaft aus­lö­sen. Dabei erhö­hen sich die Haf­tungs­ri­si­ken in Abhän­gig­keit von der Nähe zwi­schen Hand­lung und Insol­venz­an­trags­pflicht. Das deut­sche Recht ver­fügt über kei­ne ein­heit­li­che Sys­te­ma­tik bezüg­lich der Haf­tung von Geschäfts­füh­rern. Viel­mehr fin­den sich die poten­zi­el­len Haf­tungs­re­ge­lun­gen in einer Viel­zahl von Geset­zen, was es den Betrof­fe­nen schwer macht, das Risi­ko, wel­chem sie bei ihrer täg­li­chen Arbeit aus­ge­setzt sind, zu überschauen.

Dabei las­sen sich die zivil­recht­li­chen Haf­tungs­re­ge­lun­gen in zwei grund­le­gen­de Berei­che, näm­lich die Innen­haf­tung – also Ansprü­che der Gesell­schaft gegen den Geschäfts­füh­rer – und die Außen­haf­tung, in Form von Ansprü­chen Drit­ter gegen den Geschäfts­füh­rer unter­tei­len. Dane­ben steht die straf­recht­li­che Haftung.

Teil I. „Innen­haf­tung“

Bei der Innen­haf­tung han­delt es sich um Ansprü­che der Gesell­schaf­ter gegen den Geschäfts­füh­rer als han­deln­des Organ. Hand­lun­gen die außer­halb der Insol­venz, ins­be­son­de­re bei Gesell­schaf­ter geführ­ten GmbHs ohne Fol­ge blei­ben, sind in der Insol­venz mit­un­ter anders zu beur­tei­len. Jetzt prüft anstatt des Gesell­schaf­ters der Insol­venz­ver­wal­ter oder der Sach­wal­ter mög­li­che Haf­tungs­an­sprü­che gegen den Geschäfts­füh­rer, mit dem Ziel, die Mas­se ent­spre­chend anzureichern.

1. Unsorg­fäl­ti­ge Geschäfts­füh­rung gemäß § 43 GmbHG

Nach § 43 Abs. 1 GmbHG hat der Geschäfts­füh­rer in den Ange­le­gen­hei­ten der Gesell­schaft die Sorg­falt eines ordent­li­chen Geschäfts­man­nes anzu­wen­den. Ver­letzt er die­se Ver­pflich­tung, haf­tet er gegen­über der Gesell­schaft im Inter­es­se des Gesell­schaf­ters, da die­ser durch den Scha­den der Gesell­schaft einen Scha­den in sei­ner Betei­li­gung, d. h. einen Wert­ver­lust hin­neh­men muss, vor dem er geschützt wer­den soll. Bei dem die­ser Haf­tungs­norm zu Grun­de lie­gen­den Ver­hal­ten han­delt es sich übli­cher­wei­se um schlich­te Feh­ler im Rah­men der Aus­übung der Geschäfts­füh­rung, d. h. um zum Bei­spiel kauf­män­nisch feh­ler­haft kal­ku­lier­te Prei­se oder Bezah­lung von unge­recht­fer­tig­ten Rechnungen.

Die Haf­tung ist in zwei Fäl­len aus­ge­schlos­sen. Zum einen bei Ein­schlä­gig­keit der „Busi­ness Jud­ge­ment Rule“, zum ande­ren im Fal­le eines Gesell­schaf­ter­be­schlus­ses, auf dem die schä­di­gen­de Hand­lung fußt (also immer bei Per­so­nen­iden­ti­tät zwi­schen Geschäfts­füh­rer und Alleingesellschafter).
Die „Busi­ness Jud­ge­ment Rule“ ist im Akti­en­recht (§ 93 Ans. 1 Satz 2 AktG) gere­gelt und fin­det nach der Recht­spre­chung des BGH auch auf den Geschäfts­füh­rer einer GmbH Anwen­dung, wobei er die­ser ent­spricht, wenn die fol­gen­den Tat­be­stands­merk­ma­le vorliegen:

  • Unter­neh­me­ri­sche Entscheidung
  • Han­deln zum Woh­le der Gesellschaft
  • Kein Inter­es­sen­kon­flikt
  • Han­deln auf der Grund­la­ge ange­mes­se­ner Informationen
  • Kei­ne über­gro­ßen Risiken

Die Beweis­last ob des Vor­lie­gens die­ser Tat­be­stands­merk­ma­le trägt der Geschäfts­füh­rer, der für sich den Haf­tungs­aus­schluss in Anspruch nimmt.

2. Liqui­di­täts­schutz nach § 64 GmbHG

Der § 64 GmbHG ist neben dem spä­ter noch dar­zu­stel­len­den § 15 a InsO (frü­her § 64 Abs. 1 GmbHG) die für den
Geschäfts­füh­rer wohl gefähr­lichs­te Haf­tungs­norm, da sein Anwen­dungs­be­reich nicht klar umris­sen ist. Der Wort­laut der Norm wird durch die Aus­le­gung der ein­zel­nen Tat­be­stands­merk­ma­le auf Fäl­le erstreckt, die sich ohne genaue Kennt­nis des Mei­nungs­stan­des in Recht­spre­chung und Lite­ra­tur nicht ohne Wei­te­res erschließen.

a. Zah­lung an Gläu­bi­ger nach Insol­venz­rei­fe (§ 64 Satz 1 GmbHG)

Nach dem Wort­laut des § 64 Satz 1 GmbHG dür­fen nach Ein­tritt der Zah­lungs­un­fä­hig­keit (§ 17 InsO) oder Fest­stel­lung der Über­schul­dung (§ 19 Abs. 2 InsO) kei­ne Zah­lun­gen durch den Schuld­ner geleis­tet wer­den. Zah­lungs­un­fä­hig­keit nach § 17 Abs. 2 InsO liegt vor, wenn der Schuld­ner nicht in der Lage ist, die fäl­li­gen Zah­lungs­pflich­ten zu erfül­len, wobei sie in der Regel anzu­neh­men ist, wenn der Schuld­ner sei­ne Zah­lun­gen ein­stellt. Eine For­de­rung ist in der Regel dann im Sin­ne von § 17 Abs. 2 InsO fäl­lig, wenn eine Gläu­bi­ger­hand­lung fest­steht, aus der sich der Wil­le, vom Schuld­ner Erfül­lung zu ver­lan­gen, im All­ge­mei­nen ergibt. For­de­run­gen, deren Gläu­bi­ger sich für eine Zeit vor Eröff­nung eines Insol­venz­ver­fah­rens mit einer spä­te­ren oder nach­ran­gi­gen Befrie­di­gung ein­ver­stan­den erklärt haben, sind bei der Prü­fung der Zah­lungs­un­fä­hig­keit des Schuld­ners nicht zu berücksichtigen.

Dage­gen ist Über­schul­dung nach § 19 Abs. 2 InsO gege­ben, wenn das Ver­mö­gen des Schuld­ners die bestehen­den Ver­bind­lich­kei­ten nicht mehr deckt, es sei denn, die Fort­füh­rung des Unter­neh­mens ist nach den Umstän­den über­wie­gend wahrscheinlich.

Übli­cher­wei­se wird die­ser Anspruch nach Insol­venz­eröff­nung durch den Sach­wal­ter bzw. Insol­venz­ver­wal­ter gel­tend gemacht. Dabei ist der Zah­lungs­be­griff weit aus­zu­le­gen. Die­ser erstreckt sich auch auf den Fall, dass der Schuld­ner auf sein im Soll befind­li­ches Kon­to zahlt, also eine Zah­lung auf eine Ver­bind­lich­keit gegen­über sei­ner Bank vor­nimmt. Aller­dings kann die haf­tungs­be­grün­den­de Hand­lung auch schon weit vor der Kri­se erfolgt sein, die haf­tungs­aus­lö­sen­de Zah­lung sich aber als Auto­ma­tis­mus einer ver­trag­li­chen Ver­ein­ba­rung erst nach Antrags­stel­lung voll­zie­hen. Nach aktu­el­ler Recht­spre­chung (OLG Mün­chen Urt. v. 13.02.2013) wird die Begrün­dung eines Pfand­rechts (Cross-Pledge-Ver­­ein­­ba­­rung), wel­ches meh­re­re Jah­re (vor Insol­venz­an­trag­stel­lung) ver­ein­bart wur­de und wel­ches zu einer Ver­rech­nung im Fal­le der Ver­wer­tung mit einem ande­ren Kon­to (in die­sem Fall des Gesell­schaf­ters) führt, als Zah­lung und somit als Ver­stoß gegen § 64 Satz 1 GmbHG gewer­tet. Zwar kann dem geschäfts­füh­ren­den Gesell­schaf­ter in die­sem Fall vor­ge­wor­fen wer­den, er habe die Sphä­ren zwi­schen Gesell­schaft und Pri­vat­ver­mö­gen nicht aus­rei­chend getrennt. Nichts­des­to­trotz erscheint das schar­fe Schwert des § 64 GmbH, der auch ohne einen Scha­den zu einer Haf­tung des Geschäfts­füh­rers führt, als über­zo­ge­ne Sank­ti­on. Ob im beschrie­be­nen Fall dem Geschäfts­füh­rer wirk­lich ein Ver­schul­den, wie für den sub­jek­ti­ven Tat­be­stand des § 64 Satz erfor­der­lich, in Form von Fahr­läs­sig­keit vor­ge­wor­fen wer­den kann, erscheint zumin­dest frag­lich, wur­de aber vom OLG bejaht. Es bleibt nur zu hof­fen, dass der BGH die­se Aus­wüch­se ein­dämmt, um das Haf­tungs­ri­si­ko von Geschäfts­füh­rern nicht unkal­ku­lier­bar wer­den zu lassen.
Von der Haf­tung nach Satz 1 im Fall des § 64 Satz 2 aus­ge­nom­men ist die Zah­lung, die trotz Insol­venz­rei­fe mit der Sorg­falt eines ordent­li­chen Geschäfts­man­nes ver­ein­bar ist. Dies wird man dann anneh­men, wenn – aus ex-ante-Sicht – die Zah­lung mehr Vor- als Nach­tei­le für die Gläu­bi­ger­ge­samt­heit ver­spricht. Ob die­se dann letzt­end­lich ein­tre­ten, ist uner­heb­lich. Als Bei­spie­le wären hier­für zu nen­nen ein Aktiv­tausch ohne Mas­se­schmä­le­rung (unmit­tel­ba­re Gegen­leis­tung); Wei­ter­lei­tung von Gel­dern, die treu­hän­de­risch zur Wei­ter­lei­tung erhal­ten wur­den; Zah­lung an ab- bzw. aus­son­de­rungs­be­rech­tig­te Gläu­bi­ger; u. U. Zah­lun­gen, die zur Fort­füh­rung des Geschäfts­be­trie­bes in der Insol­venz wesent­lich sind (Strom, Was­ser etc.). Außer­dem dür­fen nach Mei­nung der Recht­spre­chung Zah­lun­gen geleis­tet wer­den, die im Fal­le der Nicht­zah­lung zu einer straf­recht­li­chen Ver­fol­gung des Geschäfts­füh­rers füh­ren wür­den (§ 266 a StGB „Vor­ent­hal­tung und Ver­un­treu­ung von Arbeits­ent­gel­ten“ und § 370 AO bzw. § 26 b UStG i.V.m. §§ 69, 34 AO „Steu­er­hin­ter­zie­hung bzw. Schä­di­gung des Umsatzsteueraufkommens“).

b. Zah­lung an Gesell­schaf­ter, die zur Zah­lungs­un­fä­hig­keit füh­ren (§ 64 Satz 3 GmbHG)

Auch der § 64 Satz 3 GmbHG erscheint vom Wort­laut her klar umris­sen. Nach die­sem dür­fen kei­ne Zah­lun­gen an Gesell­schaf­ter geleis­tet wer­den, soweit die­se zur Zah­lungs­un­fä­hig­keit der Gesell­schaft füh­ren. Bis­her war man­gels weg­wei­sen­der Ent­schei­dun­gen inner­halb der Lite­ra­tur umstrit­ten, ob der Anwen­dungs­be­reich des § 64 Satz 3 GmbHG eng oder weit zu fas­sen ist.

Die über­wie­gen­de Auf­fas­sung ging bis­her von einem wei­ten Anwen­dungs­be­reich aus. Nach man­chen Stim­men in der Lite­ra­tur ist zum Bei­spiel in der Sicher­hei­ten­be­stel­lung für Ver­bind­lich­kei­ten eines Gesell­schaf­ters im Fal­le der Ver­wer­tung die­ser Sicher­heit dar­in eine Zah­lung zu sehen, die, wenn sie zur Zah­lungs­un­fä­hig­keit des Schuld­ners füh­ren wür­de, die Scha­dens­er­satz­pflicht des Geschäfts­füh­rers aus­lö­sen kön­ne. Da auf­stei­gen­de Sicher­hei­ten ins­be­son­de­re im Bereich der Kon­­zern- und Akqui­si­ti­ons­fi­nan­zie­run­gen üblich sind, ist die­ses The­ma bei Ver­trags­ver­hand­lun­gen immer wie­der heiß dis­ku­tiert, ins­be­son­de­re wenn die Geschäfts­füh­rer der die Sicher­heit stel­len­den Grup­pen­ge­sell­schaf­ten anwalt­lich ver­tre­ten sind.

Eine aktu­el­le Ent­schei­dung des BGH (Urt. v. 9.10.2012 – II ZR 298/11) bringt nun in Teil­be­rei­chen Klar­heit. Der Anwen­dungs­be­reich ist mit der Min­der­mei­nung in der Lite­ra­tur auf die Fäl­le beschränkt wor­den, in denen auf eine For­de­rung, die nicht in einer Liqui­di­täts­bi­lanz zu berück­sich­ti­gen ist, geleis­tet wird (zum Bei­spiel, da die­se nicht fäl­lig ist). Das Risi­ko aus die­ser Norm ist mit­hin wesent­lich ver­rin­gert, auch dadurch, dass der BGH klar­ge­stellt hat, dass sich aus § 64 Satz 3 GmbHG eine Ein­re­de gegen eine nach die­ser Norm unzu­läs­si­ge Zah­lungs­auf­for­de­rung zu Guns­ten der Gesellschaft/des Geschäfts­füh­rers ergibt, da die­se® nicht unter Inkauf­nah­me der per­sön­li­chen Haf­tung Leis­tun­gen bewir­ken muss.

Dies bedeu­tet, dass ins­be­son­de­re in den Fäl­len, in denen der Insol­venz­grund schon des­halb gege­ben ist, weil eine in der Liqui­di­täts­bi­lanz ein­ge­stell­te For­de­rung zu einer Zah­lungs­un­fä­hig­keit führt, ein Ver­stoß gegen § 64 Satz 3 GmbHG nicht mehr durch nach­ge­la­ger­te Hand­lun­gen, zum Bei­spiel eine nach­fol­gen­de Sicher­hei­ten­ver­wer­tung, aus­ge­löst wer­den kann. Ins­be­son­de­re bei Grup­pen­fi­nan­zie­run­gen über einen Kon­sor­ti­al­kre­dit liegt bei Kün­di­gung und Fäl­lig­stel­lung des Kre­dits (inkl. Betriebs­mit­tel­li­ni­en) mit über­wie­gen­der Wahr­schein­lich­keit ein Insol­venz­grund in Form der Zah­lungs­un­fä­hig­keit aller Grup­pen­ge­sell­schaf­ten vor.

Mit­hin kann durch eine nach­ge­la­ger­te Sicher­hei­ten­ver­wer­tung kein Ver­stoß gegen § 64 Satz 3 InsO mehr aus­ge­löst wer­den. Davon zu unter­schei­den sind Akqui­si­ti­ons­fi­nan­zie­run­gen und auf­stei­gen­de Sicher­hei­ten außer­halb einer Kon­zern­fi­nan­zie­rung, da in die­sen Fäl­len bei Kün­di­gung des Dar­le­hens nicht zwangs­läu­fig die Insol­venz der Sicher­hei­ten gewäh­ren­den Toch­­ter- oder Schwes­ter­ge­sell­schaft mit aus­ge­löst wird.
Es ist zu erwar­ten, dass sich vor dem Hin­ter­grund die­ser Ent­schei­dung die Bedeu­tung des § 64 Satz 3 GmbHG als Haf­tungs­norm und die bis­her in der Lite­ra­tur dis­ku­tier­ten Anwen­dungs­be­rei­che deut­lich redu­zie­ren wer­den. Im Rah­men der Ursäch­lich­keits­prü­fung wird bei § 64 Satz 3 GmbHG ein enger Zusam­men­hang zwi­schen Zah­lungs­un­fä­hig­keit und Zah­lung ver­langt, d. h. Zah­lun­gen sol­len ver­bo­ten sein, die ohne Hin­zu­tre­ten wei­te­rer Kau­sal­bei­trä­ge zur Zah­lungs­un­fä­hig­keit der Gesell­schaft führen.

Als Excul­pa­ti­ons­mög­lich­keit gilt auch für § 64 Satz 3 GmbHG Satz 2 und schließt die Erstat­tungs­pflicht für den Fall aus, dass die (zwin­gen­de) Her­bei­füh­rung der Zah­lungs­un­fä­hig­keit auch mit der Sorg­falt eines ordent­li­chen Geschäfts­man­nes nicht erkenn­bar ist.

3. Exis­tenz­ver­nich­tung § 826 BGB

Der exis­tenz­ver­nich­ten­de Ein­griff, eine beson­de­re Fall­grup­pe der vor­sätz­li­chen sit­ten­wid­ri­gen Schä­di­gung gemäß § 826 BGB, rich­tet sich an den Gesell­schaf­ter. Ins­be­son­de­re der geschäfts­füh­ren­de Gesell­schaf­ter und der Geschäfts­füh­rer einer Grup­­pen-Hol­­ding kön­nen in den Anwen­dungs­be­reich die­ser Rechts­fi­gur kom­men. In der Kri­se eines Unter­neh­mens bzw. einer Unter­neh­mens­grup­pe wer­den in der Pra­xis häu­fig Maß­nah­men ver­an­lasst, wel­che die Sub­stanz und mit­hin die Exis­tenz einer Gesell­schaft gefähr­den (die­se also „aus­ge­plün­dert“ wird). Als Bei­spiel wären der Ent­zug von Liqui­di­tät im Cash-Pool ohne Berück­sich­ti­gung der Inter­es­sen der Toch­ter­ge­sell­schaft, die Über­nah­me der Akti­va gegen Über­nah­me nur eines klei­nen Teils der Ver­bind­lich­kei­ten oder die Ver­la­ge­rung von Geschäftschancen/Ressourcen auf eine ande­re Gesell­schaft zu nen­nen. Auf den ers­ten Blick kom­mer­zi­ell sinn­vol­le Ent­schei­dun­gen, die aller­dings, wenn sie für die Insol­venz der Betei­li­gung ursäch­lich sind und zumin­dest mit beding­tem Vor­satz erfol­gen, in eine Scha­dens­er­satz­pflicht mün­den kön­nen. Dabei ist das Bewusst­sein der Sit­ten­wid­rig­keit nicht erforderlich.

4. Haf­tung auf Rück­zah­lung auf Grund eines Ver­sto­ßes gegen Kapi­tal­erhal­tungs­vor­schrif­ten nach §§ 30, 31 GmbHG

Die Kapi­tal­erhal­tungs­vor­schrif­ten sind das klas­si­sche Bei­spiel für eine Haf­tungs­fol­ge, die erst in der Insol­venz des Schuld­ner­un­ter­neh­mens greift, begrün­det durch eine Hand­lung der Geschäfts­füh­rung, die aus Sicht eines „durch­schnitt­li­chen“ Geschäfts­füh­rers nicht unbe­dingt als Haf­tungs­ri­si­ko vor­aus­seh­bar ist. Zu nen­nen sind in die­sem Zusam­men­hang z. B. die Gewäh­rung von Sicher­hei­ten für Dar­le­hen eines Gesell­schaf­ters oder die Ver­ein­ba­rung eines Cash-Pools im Kon­zern. Da die Geschäfts­füh­rung nach Mei­nung der Recht­spre­chung ver­pflich­tet ist, wäh­rend der Dau­er einer sol­chen ver­trag­li­chen Bezie­hung die Boni­tät der Mut­ter­ge­sell­schaft, von der die Rück­zah­lungs­fä­hig­keit der Dar­le­hens­ver­bind­lich­keit an den Drit­ten (Bank) bzw. beim Cash-Pool an die Schuld­ne­rin selbst abhängt, fort­lau­fend zu über­wa­chen, liegt ein poten­zi­el­les Haf­tungs­ri­si­ko auf der Hand. Selbst wenn die Schuld­ne­rin die Boni­tät und mit­hin die Voll­wer­tig­keit des Gegen­leis­tungs­an­spruchs prüft, bedarf es, um hand­lungs­fä­hig zu sein, geeig­ne­ter ver­trag­li­cher Rege­lun­gen, die bei Gefahr in Ver­zug die Kün­di­gung der ver­trag­li­chen Bezie­hun­gen ermög­licht oder aber zum Bei­spiel die Ver­wer­tung Drit­ten gewähr­ter Sicher­hei­ten beschränkt (Limi­ta­ti­on Lan­guage). Die­se Art ver­trag­li­cher Siche­rungs­me­cha­nis­men fin­det man in den wenigs­ten der bei­spiel­haft genann­ten Ver­ein­ba­run­gen, außer die betrof­fe­nen Unter­neh­men wur­den bei Abschluss sol­cher Finan­zie­rungs­ver­trä­ge durch spe­zia­li­sier­te Anwalts­kanz­lei­en beraten.

Teil II „Außen­haf­tung“

Die Außen­haf­tung bie­tet Gläu­bi­gern der insol­ven­ten Gesell­schaft den direk­ten Zugriff auf die aus ihrer Sicht häu­fig – zumin­dest für einen Teil ihres Aus­falls – ver­ant­wort­li­chen Geschäfts­füh­rer. Es kom­men ver­trag­li­che (z. B. Garan­tie, Bürg­schaft, Mit­haft), ver­trags­ähn­li­che (z. B. Ver­trau­ens­haf­tung (c.i.c.) eben­so wie delik­ti­sche Ansprü­che (§§ 823 Abs. 1 und 826 BGB) in Betracht. Dabei ist das Delikts­recht in der Form der Ver­let­zung eines Schutz­ge­set­zes, ins­be­son­de­re § 823 Abs. 2 BGB i.V.m. § 15a InsO, von wohl wich­tigs­ter Bedeutung.

1. Ver­let­zung eines Schutz­ge­set­zes (§ 823 Abs. 2 BGB)

Im Vor­der­grund der Betrach­tung ste­hen die Schutz­ge­set­ze im Sin­ne des § 823 Abs. 2 BGB, deren Tat­be­stand übli­cher­wei­se im Vor­feld einer Insol­venz ver­wirk­licht wird. Im Fol­gen­den sol­len die in der Insol­venz wich­tigs­ten Schutz­ge­set­ze, auf Grund derer sich ein Haf­tungs­an­spruch erge­ben kann, dar­ge­stellt werden.

(i) Vor­ent­hal­tung von Sozi­al­ver­si­che­rungs­bei­trä­gen (§ 266 a StGB)

In der Pra­xis sehr bedeut­sam ist die Vor­ent­hal­tung von Bei­trä­gen des Arbeit­neh­mers zur Sozi­al­ver­si­che­rung. Soll­te in der Kri­se die Bezah­lung die­ser Bei­trä­ge aus­blei­ben, kann es zur per­sön­li­chen Haf­tung des Geschäfts­füh­rers gegen­über der Sozi­al­ver­si­che­rung kommen.

In jedem Fall müs­sen die­se Bei­trä­ge abge­führt wer­den, wenn Liqui­di­tät vor­han­den ist, unab­hän­gig davon, ob ande­re Ver­bind­lich­kei­ten durch die Zah­lung der Sozi­al­ver­si­che­rungs­bei­trä­ge nicht bezahlt wer­den kön­nen. Eine Straf­bar­keit wird selbst dann ange­nom­men, wenn die Gesell­schaft im Fäl­lig­keits­zeit­punkt nicht leis­tungs­fä­hig war, es aber bei Anzei­chen von Liqui­di­täts­pro­ble­men unter­las­sen hat, Siche­rungs­vor­keh­run­gen für die Zah­lung der Arbeit­neh­mer­bei­trä­ge zu tref­fen und dabei bil­li­gend in Kauf genom­men hat, dass die­se spä­ter nicht mehr erbracht wer­den können.

(ii) Haf­tung wegen Insol­venz­ver­schlep­pung (§ 15 a Abs. 1 Satz 1 InsO)

Eine der wich­tigs­ten Haf­tungs­nor­men für den Geschäfts­füh­rer einer GmbH gegen­über Gläu­bi­gern ergibt sich aus § 823 Abs. 2 BGB in Ver­bin­dung mit § 15 a InsO. Die Ver­let­zung des § 15 a InsO als Schutz­ge­setz ist gege­ben, wenn die Gesell­schaft zah­lungs­un­fä­hig (§17 InsO) oder über­schul­det (§ 19 InsO) ist und der Geschäfts­füh­rer nicht inner­halb von drei Wochen nach Ein­tritt der Zah­lungs­un­fä­hig­keit oder Über­schul­dung den Antrag auf Eröff­nung eines Insol­venz­ver­fah­rens stellt. Ist die Sanie­rung der Gesell­schaft ohne Chan­ce, darf er die Frist nicht voll aus­schöp­fen, son­dern muss unver­züg­lich den Antrag auf Insol­venz­eröff­nung stel­len. Die Frist beginnt für den Geschäfts­füh­rer bei Erkenn­bar­keit der Zah­lungs­un­fä­hig­keit oder Überschuldung.

Im Rah­men des Ver­schul­dens reicht auf Sei­ten des Geschäfts­füh­rers fahr­läs­si­ges Han­deln (vgl. § 15 a Abs. 4 InsO), d. h. die Erkenn­bar­keit der Insolvenzreife.

(iii) Wei­te­re Schutzgesetze

Dane­ben wären die fol­gen­den Schutz­ge­set­ze, die in der Pra­xis von eher unter­ge­ord­ne­ter Bedeu­tung sind, zu nennen:

  • Betrug (§ 263 StGB)
  • Kre­dit­be­trug (§ 265 b StGB)
  • Untreue ( § 266 StGB);
  • Insol­venz­straf­ta­ten ( §§ 283 bis 283 d StGB)

2. Exkurs: Steu­er­recht­li­che Haf­tung auf Grund der Nicht­ab­füh­rung von Steu­ern (§§ 69, 34 AO)

Die vor­sätz­li­che oder grob fahr­läs­si­ge Nicht­ab­füh­rung von Steu­ern (unab­hän­gig wel­cher Art) führt zu einer per­sön­li­chen Haf­tung eines jeden Geschäfts­füh­rers auf Scha­dens­er­satz gegen­über den Finanzbehörden.

Fazit

Die per­sön­li­chen Haf­tungs­ri­si­ken eines GmbH Geschäfts­füh­rers sind viel­fäl­tig. Sind Haf­tungs­ri­si­ken in der Kri­se für den Geschäfts­füh­rer noch mit eigen­üb­li­cher Sorg­falt erkenn­bar, bzw. hat er bereits selbst­stän­dig auf Grund der Situa­ti­on einen exter­nen recht­li­chen Bera­ter hin­zu­ge­zo­gen, so muss immer wie­der fest­ge­stellt wer­den, dass ins­be­son­de­re im Rah­men des Abschlus­ses von Finan­zie­rungs­ver­trä­gen außer­halb der Kri­se Risi­ken durch Geschäfts­füh­rer ein­ge­gan­gen wer­den, deren sich in der Insol­venz rea­li­sie­ren­des Gefah­ren­po­ten­zi­al nicht beach­tet oder aber man­gels recht­li­cher Kennt­nis­se nicht wahr­ge­nom­men wird.

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