Das Schuld­ver­schrei­bungs­ge­setz (kurz: „SchVG“) ermög­licht seit über 100 Jah­ren die Ein­set­zung eines gemein­sa­men Ver­tre­ters. Er soll die Inter­es­sen der Anlei­he­gläu­bi­ger gegen­über der Emit­ten­tin wahr­neh­men. Im Rah­men der Restruk­tu­rie­rung und Sanie­rung eines Unter­neh­mens kann die Ein­set­zung eines sol­chen Ver­tre­ters unver­zicht­bar sein. Dies gilt im Beson­de­ren bei bör­sen­no­tier­ten Anlei­hen. Dem emit­tie­ren­den Unter­neh­men und damit auch dem Restruk­tu­rie­rer sind die ein­zel­nen Gläu­bi­ger der notier­ten Schuld­ver­schrei­bun­gen nicht bekannt, was eine Ver­hand­lung über die Rück­zah­lung der Anlei­he, die Aus­set­zung von Zins­zah­lun­gen etc. mit die­ser Gläu­bi­ger­grup­pe oft unmög­lich macht. Die Ein­set­zung eines gemein­sa­men Ver­tre­ters, der die Anlei­he­gläu­bi­ger reprä­sen­tiert, ändert die­ses oft anzu­tref­fen­de Fias­ko. Der gemein­sa­me Ver­tre­ter ist sowohl für die Emit­ten­tin als auch für die Anlei­he­gläu­bi­ger die Mit­­­tels-/Kon­­tak­t­­per­­son.

Sowohl die Ein­set­zung als auch die Ver­tre­tung durch einen gemein­sa­men Ver­tre­ter ist außer­halb des Insol­venz­ver­fah­rens für die Gläu­bi­ger grund­sätz­lich mit kei­nen Kos­ten ver­bun­den. Vom Geset­zes­wort­laut des SchVG aus­ge­hend hat der Emit­tent die Kos­ten und Auf­wen­dun­gen des gemein­sa­men Ver­tre­ters zu zah­len, § 7 Abs. 6 SchVG. Eine Aus­nah­me von die­ser gesetz­li­chen Regel hat der Bun­des­ge­richts­hof in sei­nem Urteil vom 12.01.2017, IX ZR 87/16, für den erst im Insol­venz­ver­fah­ren bestell­ten gemein­sa­men Ver­tre­ter ange­nom­men. Die Insol­venz­mas­se darf mit den Kos­ten des im Insol­venz­ver­fah­ren bestell­ten gemein­sa­men Ver­tre­ters nicht belas­tet wer­den, so der BGH.

Mit die­ser Ent­schei­dung hat der BGH den Anlei­he­gläu­bi­gern sowie den gemein­sa­men Ver­tre­tern, aber auch den Insol­venz­ver­wal­tern, kei­nen Dienst erwie­sen. Zahl­rei­che Insol­venz­ver­wal­ter müs­sen der­zeit prü­fen, ob in der Ver­gan­gen­heit an die gemein­sa­men Ver­tre­ter gezahl­te Hono­ra­re zurück­ge­for­dert wer­den müs­sen, um einer eige­nen Scha­dens­er­satz­pflicht zu entgehen.

Der kom­plet­te Arti­kel “Der gemein­sa­me Ver­tre­ter” von Sascha Borowski.

Lesen Sie auch das gesam­te Spe­cial “Anlei­hen 2018” im Bond­gui­de.

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