Am 6. Juni 2019 hat der Euro­päi­sche Rat die EU-Rich­t­­li­­ne 2019/1023 zum prä­ven­ti­ven Restruk­tu­rie­rungs­rah­men ver­ab­schie­det. Erst­mals wird damit euro­pa­weit die Mög­lich­keit geschaf­fen, außer­halb eines Insol­venz­ver­fah­rens, aber inner­halb eines ver­bind­li­chen Rechts­rah­mens, betrieb­li­che Sanie­rungs­maß­nah­men mit den Betei­lig­ten zu ver­ein­ba­ren. Ent­steht damit tat­säch­lich eine “neue Sanie­rungs­kul­tur” in Euro­pa oder wird ledig­lich das “Res­t­u­k­­tu­­rie­­rungs-Hop­­ping” von Pro­blem­un­ter­neh­men beflü­gelt? Ant­wor­ten auf die­se und ande­re Fra­gen zum prä­ven­ti­ven Restruk­tu­rie­rungs­rah­men gibt Rechts­an­walt Dr. Utz Bröm­me­kamp, Vor­stands­mit­glied der Deut­schen Gesell­schaft für Kri­sen­ma­nage­ment e.V. (DGfKM) in Ham­burg und Geschäfts­füh­rer der Bucha­lik Bröm­me­kamp Unter­neh­mens­be­ra­tung GmbH in Düs­sel­dorf, im Gespräch mit dem Restrukturierungsmagazin.

Restruk­tu­rie­rungs­ma­ga­zin: Kern­ele­ment des prä­ven­ti­ven Restruk­tu­rie­rungs­rah­mens ist ein soge­nann­ter Restruk­tu­rie­rungs­plan. Mit ihm las­sen sich — so die Hoff­nung — deut­lich indi­vi­du­el­le­re und prä­zi­se­re Maß­nah­men zur Sanie­rung ver­ein­ba­ren als im bis­he­ri­gen Insol­venz­ver­fah­ren. Gleich­zei­tig soll damit der Ein­griff in die Rech­te und Inter­es­sen der Betei­lig­ten auf das not­wen­di­ge Min­dest­maß beschränkt wer­den. Ist damit tat­säch­lich mit einem höhe­ren Sanie­rungs­er­folg zu rech­nen als bei den bis­he­ri­gen Insol­venz­plä­nen bzw. Sanie­rungs­kon­zep­ten gemäß IDW S6?

Dr. Utz Bröm­me­kamp: Die EU-Vor­­­ga­­ben für ein prä­ven­ti­ves Restruk­tu­rie­rungs­ver­fah­ren ori­en­tie­ren sich stark an unse­rem deut­schen Insol­venz­plan­ver­fah­ren, aller­dings mit dem fei­nen Unter­schied, dass es sich gera­de nicht um ein offi­zi­el­les Insol­venz­ver­fah­ren han­delt. Ver­gleich­bar dem Insol­venz­plan wird auch der Restruk­tu­rie­rungs­plan in der Tat das Kern­stück des neu­en Ver­fah­rens sein. Denn schließ­lich wer­den dort die vor­ge­stell­ten Maß­nah­men und Gläu­bi­ger­bei­trä­ge erläu­tert, die dann mit dem Erfor­der­nis einer qua­li­fi­zier­ten Mehr­heit zur Abstim­mung gestellt wer­den. Ob indi­vi­du­el­le­re und prä­zi­se­re Maß­nah­men Bestand­teil des Plans sein kön­nen, wird maß­geb­lich davon abhän­gen, in wel­chem Maße die ein­zel­nen Mit­glieds­staa­ten bei der jewei­li­gen Umset­zung der Richt­li­nie in natio­na­les Recht den Ein­griff in Gläu­bi­ger­rech­te zulas­sen wer­den. Fest steht nur, dass anders als nach der deut­schen Insol­venz­ord­nung nicht sämt­li­che Gläu­bi­ger ein­be­zo­gen wer­den müs­sen, son­dern auch nur ein­zel­ne Gläu­bi­ger oder Gläu­bi­ger­grup­pen vom Plan betrof­fen sein kön­nen. Fest steht auch, dass zumin­dest im Grund­satz nicht nur finanz­wirt­schaft­li­che, son­dern auch ope­ra­ti­ve Maß­nah­men Gegen­stand einer Plan­lö­sung sein kön­nen. Ob der deut­sche Gesetz­ge­ber in die­sem Zusam­men­hang auch Ein­grif­fe in Ver­trags­ver­hält­nis­se zulas­sen wird, bleibt mit Span­nung abzu­war­ten. Bis­lang setzt dies bei uns die Eröff­nung eines Insol­venz­ver­fah­rens voraus.

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