• Sanier­te Unter­neh­men sehr zufrie­den mit dem Verfahren
  • Mehr Auf­klä­rung über die Eigen­ver­wal­tung erforderlich

 

Düs­sel­dorf. 24. Mai 2018. Sechs Jah­re nach Inkraft­tre­ten des ESUG (Gesetz zur wei­te­ren Erleich­te­rung der Sanie­rung von Unter­neh­men) eta­bliert sich die Eigen­ver­wal­tung immer mehr zu einem Erfolgs­mo­dell. Laut einer Stu­die des DIAI, des BV ESUG und der West­fä­li­schen Hoch­schu­le zeig­ten sich 80 Pro­zent der Unter­neh­men, die ein sol­ches Ver­fah­ren durch­lau­fen haben, mit dem Ver­lauf sehr zufrie­den. Neun von zehn Unter­neh­mer wür­den den Weg in einer Kri­se erneut gehen. Auch gesamt­wirt­schaft­lich gese­hen schnei­den die Eigen­ver­wal­tungs­ver­fah­ren deut­lich bes­ser ab als eine Rege­l­in­sol­venz: So erhal­ten die unge­si­cher­ten Gläu­bi­ger eine rund zwei- bis drei­mal höhe­re Insol­venz­quo­te und es wer­den deut­lich mehr Arbeits­plät­ze geret­tet. Im Durch­schnitt blei­ben 78 Pro­zent der Arbeits­plät­ze erhal­ten, die in einer Liqui­da­ti­on ver­lo­ren gegan­gen wären.

„Die Eigen­ver­wal­tung nimmt mit stei­gen­den Umsatz und stei­gen­der Mit­ar­bei­ter­zahl immer wei­ter an Attrak­ti­vi­tät zu. Damit hat das Insol­venz­ver­fah­ren wesent­lich zur Stär­kung des Wirt­schafts­stand­or­tes Deutsch­land bei­getra­gen. In Zukunft wird es aber wich­tig sein, dass wei­ter inten­si­ve Auf­klä­rung betrie­ben wird, um mög­lichst vie­len Unter­neh­men den Weg in die Eigen­ver­wal­tung zu öff­nen“, fasst Prof. Dr. Hans Haar­mey­er, Lei­ten­der Direk­tor des DIAI, die Ergeb­nis­se zusammen.

Das Deut­sche Insti­tut für ange­wand­tes Insol­venz­recht (DIAI) e.V. in Koope­ra­ti­on mit dem Bun­des­ver­band ESUG und Sanie­rung Deutsch­land e.V. (BV ESUG) und dem Lehr­stuhl für Wirt­schafts­recht an der West­fä­li­schen Hoch­schu­le in Reck­ling­hau­sen befrag­te 668 Unter­neh­mer und Insol­venz­ex­per­ten zu ihren Erfah­run­gen und Ein­schät­zun­gen. Die­se hat­ten als Geschäfts­füh­rer oder CRO (Sanie­rungs­ge­schäfts­füh­rer) ein Eigen­ver­wal­tungs­ver­fah­ren durch­ge­führt. Im ers­ten Teil der Stu­die wur­den die sta­tis­ti­schen Daten ana­ly­siert, wie erfolg­reich die Eigen­ver­wal­tungs­ver­fah­ren im Ver­gleich zu Rege­l­in­sol­venz­ver­fah­ren in den Jah­ren 2012 bis 2016 ver­lau­fen sind und wel­che Unter­schie­de zwi­schen den bei­den Ver­fah­rens­ar­ten bestehen. Danach gaben 82 Unter­neh­mer Aus­kunft über die Zusam­men­ar­beit der Akteu­re des Insol­venz­ver­fah­rens wie z.B. Bera­ter, Sach­wal­ter, Insol­venz­ver­wal­ter, Gläu­bi­ger­aus­schuss und Richter.

„Erst jetzt, etwas mehr als sechs Jah­re nach Inkraft­tre­ten des ESUG, wer­den die Aus­wir­kun­gen und ins­be­son­de­re die Nach­hal­tig­keit der Reform­be­mü­hun­gen sicht­bar — für Gläu­bi­ger wie auch für Unter­neh­mer“, erklärt BV ESUG Vor­stand Robert Bucha­lik. Zwei Drit­tel der Unter­neh­mer sei­en wei­ter­hin noch voll­stän­dig (ca. 60 Pro­zent) oder teil­wei­se (6 Pro­zent) im Besitz ihres Unter­neh­mens. Hier zeigt sich deut­lich, welch über­ra­gen­de Rol­le die Eigen­ver­wal­tung mitt­ler­wei­le für den Mit­tel­stand spielt. Denn in der Rege­l­in­sol­venz ist der Unter­neh­mens­er­halt für den bis­he­ri­gen Eigen­tü­mer nach wie vor die abso­lu­te Aus­nah­me. „Damit steigt die Moti­va­ti­on für den Unter­neh­mer, früh­zei­tig einen Insol­venz­an­trag zu stel­len: Denn nur, wenn er nicht von vorn­her­ein damit rech­nen muss, dass er sein Unter­neh­men ver­liert, macht der früh­zei­ti­ge Insol­venz­an­trag für ihn Sinn“, ergänzt Buchalik.

Im Ver­gleich mit den Rege­l­in­sol­venz­ver­fah­ren lie­gen die Plan­quo­ten in Eigen­ver­wal­tungs­ver­fah­ren deut­lich höher. Die Deckungs­quo­te über alle Unter­neh­mens­in­sol­ven­zen, die im Zeit­raum 2012 bis 2016 eröff­net wur­den, lag laut Desta­tis im Durch­schnitt bei 4,1 Pro­zent. Aus der Unter­su­chung von 63 erfolg­reich vom Insol­venz­ge­richt bestä­tig­ten Insol­venz­plä­nen ging her­vor, dass in 52 Pro­zent der Fäl­le den unge­si­cher­ten nicht nach­ran­gi­gen Insol­venz­gläu­bi­gern eine Plan­quo­te zwi­schen 5 und 10 Pro­zent ange­bo­ten wer­den konn­te. In 16 Pro­zent der Ver­fah­ren erhiel­ten die Gläu­bi­ger sogar eine Quo­te zwi­schen 10 und 22 Pro­zent. Für unge­si­cher­te Klein­gläu­bi­ger ließ sich in neun Ver­fah­ren dar­über hin­aus eine durch­schnitt­li­che Quo­te von 52 Pro­zent erzie­len. Die durch­schnitt­li­che Quo­te in Insol­venz­plan­ver­fah­ren liegt damit deut­lich über 10 Pro­zent. Dar­über hin­aus ist die Zeit­span­ne bis zur Aus­zah­lung einer Quo­te an die Gläu­bi­ger und damit bis zur Auf­he­bung des Insol­venz­ver­fah­rens in einem Eigen­ver­wal­tungs­ver­fah­ren mit durch­schnitt­lich zwölf Mona­ten (75%) deut­lich kür­zer als in einem Regel­ver­fah­ren, das sich über meh­re­re Jah­re hin­zie­hen kann.

„Der deut­sche Gesetz­ge­ber hat ein erfolg­rei­ches Instru­ment geschaf­fen, um Unter­neh­men unter Insol­venz­schutz zu sanie­ren. Über ein ver­gleich­ba­res Sanie­rungs­in­stru­ment ver­fügt jeden­falls in Euro­pa kein ande­res Land. Als wich­tigs­te Erkennt­nis­se haben die befrag­ten Unter­neh­mer aus­ge­führt, dass es auf die recht­zei­ti­ge Antrag­stel­lung und pro­fes­sio­nel­le Bera­tung im Wesent­li­chen ankommt“, resü­miert Prof. Dr. Achim Albrecht (West­fä­li­sche Hochschule).

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