EU-Rat nimmt Richt­li­nie über prä­ven­ti­ven Restruk­tu­rie­rungs­rah­men an

Brüs­sel. 6.Juni 2019. Die EU gibt seriö­sen insol­ven­ten Unter­neh­mern eine zwei­te Chan­ce und erleich­tert ren­ta­blen Unter­neh­men in finan­zi­el­len Schwie­rig­kei­ten den früh­zei­ti­gen Zugang zu prä­ven­ti­ven Restruk­tu­rie­rungs­rah­men, um auf die­se Wei­se Insol­ven­zen abzu­wen­den. Dazu hat der Rat der EU die Richt­li­nie über prä­ven­ti­ve Restruk­tu­rie­rungs­rah­men, die zwei­te Chan­ce und Maß­nah­men zur Stei­ge­rung der Effi­zi­enz von Restrukturierungs‑, Insol­­venz- und Ent­schul­dungs­ver­fah­ren heu­te förm­lich ange­nom­men. Damit ist das Gesetz­ge­bungs­ver­fah­ren abge­schlos­sen. Nun jat das Bun­des­jus­tiz­mi­nis­te­ri­um zwei Jah­re Zeit, um die neu­en Bestim­mun­gen umzu­set­zen. Das Euro­päi­sche Par­la­ment hat am 28. März 2019 förm­lich über die Richt­li­nie abgestimmt.

Das über­grei­fen­de Ziel der Richt­li­nie ist es, die größ­ten Hin­der­nis­se für den frei­en Kapi­tal­ver­kehr abzu­bau­en, die sich aus den unter­schied­li­chen Restru­k­­tu­­rie­­rungs- und Insol­venz­rah­men der Mit­glied­staa­ten erge­ben, und die Sanie­rungs­kul­tur in der EU nach dem Grund­satz der zwei­ten Chan­ce zu ver­bes­sern. Fer­ner zie­len die neu­en Regeln dar­auf ab, die Anzahl der not­lei­den­den Kre­di­te in den Bank­bi­lan­zen zu ver­rin­gern und eine Anhäu­fung der­ar­ti­ger not­lei­den­der Kre­di­te in Zukunft zu ver­mei­den. Dabei soll ein ange­mes­se­nes Gleich­ge­wicht zwi­schen den Inter­es­sen der Schuld­ner und denen der Gläu­bi­ger her­ge­stellt werden.

Zu den wich­tigs­ten Ele­men­ten der neu­en Regeln gehört Folgendes:

  • Früh­war­nung und Zugang zu Infor­ma­tio­nen, die Schuld­nern hel­fen, Umstän­de zu erken­nen, die zu einer Insol­venz füh­ren kön­nen, und ihnen signa­li­sie­ren, dass rasch gehan­delt wer­den muss.
  • Prä­ven­ti­ve Restruk­tu­rie­rungs­rah­men: Schuld­ner erhal­ten Zugang zu einem prä­ven­ti­ven Restruk­tu­rie­rungs­rah­men, der es ihnen ermög­licht, sich zu restruk­tu­rie­ren, um eine Insol­venz abzu­wen­den und ihre Bestands­fä­hig­keit sicher­zu­stel­len, wodurch Arbeits­plät­ze und die Geschäfts­tä­tig­keit geschützt wer­den. Prä­ven­ti­ve Restruk­tu­rie­rungs­rah­men kön­nen auch auf Antrag der Gläu­bi­ger und der Arbeit­neh­mer­ver­tre­ter zur Ver­fü­gung stehen.
  • Erleich­te­rung der Ver­hand­lun­gen über prä­ven­ti­ve Restruk­tu­rie­rungs­plä­ne durch die Bestel­lung – in bestimm­ten Fäl­len – eines Restruk­tu­rie­rungs­be­auf­trag­ten zur Unter­stüt­zung bei der Aus­ar­bei­tung eines Plans.
  • Restruk­tu­rie­rungs­plä­ne: Die neu­en Regeln sehen eine Rei­he von ver­pflich­ten­den Bestand­tei­len eines Plans vor, ein­schließ­lich einer Beschrei­bung der wirt­schaft­li­chen Situa­ti­on, der betrof­fe­nen Par­tei­en und ihrer Klas­sen, der Bedin­gun­gen des Plans usw.
  • Aus­set­zung von Ein­zel­voll­stre­ckungs­maß­nah­men: Schuld­ner kön­nen eine Aus­set­zung von Ein­zel­voll­stre­ckungs­maß­nah­men zur Unter­stüt­zung der Ver­hand­lun­gen über einen Restruk­tu­rie­rungs­plan auf der Grund­la­ge eines prä­ven­ti­ven Restruk­tu­rie­rungs­rah­mens in Anspruch neh­men. Die ursprüng­li­che Dau­er einer Aus­set­zung von Ein­zel­voll­stre­ckungs­maß­nah­men ist auf einen Höchst­zeit­raum von vier Mona­ten begrenzt.
  • Ent­schul­dung: Über­schul­de­te Unter­neh­mer erhal­ten Zugang zu min­des­tens einem Ver­fah­ren, das nach höchs­tens drei Jah­ren unter den in der Richt­li­nie fest­ge­leg­ten Bedin­gun­gen zu einer vol­len Ent­schul­dung füh­ren kann.

Die Richt­li­nie in Deutsch fin­den Sie unter: https://data.consilium.europa.eu/doc/document/PE-93–2018-INIT/de/pdf

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