Der Über­schul­dungs­tat­be­stand gem. § 19 InsO wird von Kri­ti­kern als unprak­ti­ka­bel erach­tet, teils wird sogar für sei­ne Abschaf­fung plä­diert. Dies nicht zuletzt, weil in der Pra­xis Insol­venz­an­trä­ge in über­wie­gen­dem Maße auf die Zah­lungs­un­fä­hig­keit gem. § 17 InsO und kaum auf eine Über­schul­dung gestützt wer­den. Trotz der Kom­ple­xi­tät einer Über­schul­dungs­prü­fung und mög­li­cher Miss­brauchs­ge­fah­ren ist die Prü­fung jedoch ein wert­vol­les Kri­sen­früh­erken­nungs­tool. Der vor­lie­gen­de Bei­trag zeigt ihre Fall­stri­cke auf.

Das Ziel des Gesetz­ge­bers, durch die Ein­füh­rung des Über­schul­dungs­be­griffs in die InsO regel­mä­ßig recht­zei­ti­ge Insol­venz­an­trä­ge und somit früh­zei­tig Sanie­run­gen unter Insol­venz­schutz zu ermög­li­chen, scheint bis­her nicht voll­ends erreicht. Nach wie vor wird die über­wie­gen­de Anzahl der Insol­venz­an­trä­ge fast aus­schließ­lich bei vor­lie­gen­der Zah­lungs­un­fä­hig­keit, d. h. in einem sehr spä­ten Kri­sen­sta­di­um gestellt. Eine Sanie­rung in der Insol­venz wird wegen des fort­ge­schrit­te­nen Wer­te­ver­zehrs erheb­lich erschwert.

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Pres­se­mit­tei­lun­gen

  • Die NEUERO-Farm- und För­der­tech­nik GmbH will sich mit­hil­fe eines Eigen­ver­wal­tungs­ver­fah­rens sanie­ren. Am 23.02.2022 stell­te die Geschäfts­füh­rung einen ent­spre­chen­den Antrag beim Amts­ge­richt Osna­brück. Das Gericht ent­sprach dem Antrag und ord­ne­te die vor­läu­fi­ge Eigen­ver­wal­tung an.

  • Insol­venz­ver­fah­ren Deut­sche Licht­mie­te AG: Rund 20 Gesell­schaf­ten mit über 5.000 Anle­gern sind von der Insol­venz betrof­fen. Rechts­an­walt Sascha Borow­ski ver­tritt im Kapitalmarktrecht.

  • BBR Bucha­lik Bröm­me­kamp Rechts­an­wäl­te hat das ers­te Restruk­tu­rie­rungs­ver­fah­ren eines Ein­zel­un­ter­neh­mers nach den neu­en StaRUG-Rege­lun­gen in Rhein­land-Pfalz erfolg­reich bera­ten und beglei­tet. Die plan­be­trof­fen Gläu­bi­ger nah­men am 28.10.2021 den Restruk­tu­rie­rungs­plan in allen Plan­grup­pen ein­stim­mig an und das AG Koblenz als Restruk­tu­rie­rungs­ge­richt bestä­tig­te den Plan noch im Abstimmungstermin.

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