Lud­wigs­burg. 20. Dezem­ber 2018. Die Gläu­bi­ger der insol­ven­ten Ener­co Sys­tems GmbH & Co. KG haben den Insol­venz­plan zur Sanie­rung des Unter­neh­mens bei nur einer Gegen­stim­me mehr­heit­lich ange­nom­men. Direkt im Anschluss an den Erör­­te­­rungs- und Abstim­mungs­ter­min bestä­tig­te das Amts­ge­richt Lud­wigs­burg den Plan. Das Eigen­ver­wal­tungs­ver­fah­ren des Gas­lie­fe­ran­ten soll nun Ende Dezem­ber 2018 auf­ge­ho­ben wer­den. Das posi­ti­ve Votum für den Insol­venz­plan ist eine wich­ti­ge Vor­aus­set­zung für die Been­di­gun­gen des insol­venz­recht­li­chen Sanie­rungs­ver­fah­rens. Mit der Auf­he­bung wird der ein­ge­tre­te­ne Inves­tor, die Nimex Petro­le­um (Neu-Isen­­­burg), den Ener­gie­lie­fe­ran­ten unter Bei­be­hal­tung der Fir­mie­rung Ener­co Sys­tems fortführen.

Ener­co Sys­tems, die zuletzt einen Umsatz von mehr als 100 Mio. Euro erwirt­schaf­te­te, konn­te nun in einer Rekord­zeit von nur sechs Mona­ten mit­tels eines Insol­venz­plans in Eigen­ver­wal­tung ent­schul­det wer­den. „Vie­le Ener­gie­lie­fe­ran­ten sind bis­her mit der Sanie­rung inner­halb eines Insol­venz­ver­fah­rens geschei­tert. Umso mehr freut es mich, dass wir die­ses Ergeb­nis durch den enga­gier­ten Ein­satz von Mit­ar­bei­tern, Gläu­bi­ger­aus­schuss, Lie­fe­ran­ten, Kun­den, Gericht und Sach­wal­ter errei­chen konn­ten. Mein beson­de­rer Dank gilt allen Betei­lig­ten, die den Sanie­rungs­weg unter­stützt haben“, erklärt Geschäfts­füh­rer Tho­mas Schus­ter nach der Gläu­bi­ger­ver­samm­lung. In einem Eigen­ver­wal­tungs­ver­fah­ren trägt die Geschäfts­füh­rung wei­ter­hin die Ver­ant­wor­tung für alle Ent­schei­dun­gen. Sie führt die Sanie­rung selbst durch.

Die Gläu­bi­ger erhal­ten in die­sem Eigen­ver­wal­tungs­ver­fah­ren der Ener­co Sys­tems eine über­durch­schnitt­lich hohe Quo­te. Der genaue Wert wird aller­dings erst 13 Mona­te nach Rechts­kraft des Plans fest­ste­hen. Nach der­zei­ti­gem Stand soll die fle­xi­ble Quo­te rund 17,7 Pro­zent betra­gen. Damit erhal­ten die Gläu­bi­ger durch das Eigen­ver­wal­tungs­ver­fah­ren eine vier­fach höhe­re Zah­lung im Ver­gleich zu einer Rege­l­in­sol­venz. Laut sta­tis­ti­schem Bun­des­amt liegt die Deckungs­quo­te in die­ser Ver­fah­rens­art durch­schnitt­lich bei nur 4,1 Prozent.

Ener­co Sys­tems wur­de in dem Ver­fah­ren von der Wirt­schafts­kanz­lei und Unter­neh­mens­be­ra­tung Bucha­lik Bröm­me­kamp juris­tisch und betriebs­wirt­schaft­lich bera­ten. Dar­über hin­aus ergänz­te der Sanie­rungs­ex­per­te Dirk Eichel­baum (eben­falls Bucha­lik Bröm­me­kamp) die Unter­neh­mens­lei­tung als Sanie­rungs­ge­schäfts­füh­rer (CRO). „Auf­grund der vie­len Gläu­bi­ger und der hohen Gas­prei­se, die sich über die Som­mer­mo­na­te anti­zy­klisch nach oben beweg­ten, war die Sanie­rung sehr anspruchs­voll. Mit Hil­fe der Eigen­ver­wal­tung und dem Ein­stieg eines Inves­tors konn­ten wir für alle Betei­lig­ten die bes­te Lösung fin­den“, so Rechts­an­walt Dirk Eichel­baum. Sanie­rungs­ge­schäfts­füh­rer Eichel­baum wird mit der Auf­he­bung aus dem Unter­neh­men plan­mä­ßig ausscheiden.

Hin­ter­grund der wirt­schaft­li­chen Schief­la­ge waren stei­gen­de Beschaf­fungs­prei­se bei fixier­ten Absatz­ver­trä­gen und ein ungüns­ti­ger Wech­sel­kurs, die bei dem Ener­gie­un­ter­neh­men zu erheb­lich Kos­ten­stei­ge­run­gen führ­ten. Des­halb bean­trag­te Tho­mas Schus­ter bereits Anfang Juni 2018 vor­sorg­lich ein Schutz­schirm­ver­fah­ren, um das Unter­neh­men umfas­send und selbst­be­stimmt zu sanie­ren. Zum 1. Janu­ar 2019 wird die Nimex Petro­le­um neue Allein­ge­sell­schaf­te­rin der Ener­co Sys­tems sein und das Unter­neh­men wei­ter­hin unter der glei­chen Fir­mie­rung fort­füh­ren. Fokus der neu­en, ent­schul­de­ten Ener­co Sys­tems mit ihren Mit­ar­bei­tern ist das Erd­gas­ge­schäft. Von der Strom­lie­fe­rung hat­te sich der Ener­gie­lie­fe­rant bereits vor Mona­ten getrennt. Nimex Petro­le­um wur­de bei dem Erwerb im Rah­men des Insol­venz­plan­ver­fah­rens recht­lich von Graf von West­pha­len und betriebs­wirt­schaft­lich von RGT Con­sul­tants beraten.

Wäh­rend des Ver­fah­rens wird das Unter­neh­men, das den Antrag frei­wil­lig gestellt hat, dem unmit­tel­ba­ren Zugriff sei­ner Gläu­bi­ger ent­zo­gen. Die Geschäfts­füh­rung wird dabei von einem Sach­wal­ter beauf­sich­tigt. Die­ser über­wacht die Ein­hal­tung der insol­venz­recht­li­chen Rege­lun­gen und soll Gläu­bi­ger­be­nach­tei­li­gun­gen ver­hin­dern. Als Sach­wal­ter ist Dr. Tibor Braun von der Kanz­lei Rechts­an­wäl­te Illig, Braun und Kir­sch­nek aus Stutt­gart tätig. „Das Insol­venz­plan­ver­fah­ren in Eigen­ver­wal­tung hat sich hier erfreu­li­cher­wei­se wie­der ein­mal als Erfolgs­mo­dell erwie­sen, auch die ver­bind­li­che Aus­kunft zur Steu­er­frei­heit des Sanie­rungs­ge­winns wur­de von den Finanz­be­hör­den erteilt“, so Dr. Braun.

image_pdf

Pres­se­mit­tei­lun­gen

Ver­an­stal­tun­gen

News­let­ter

Bücher

Stu­di­en & Leitfäden

Vide­os

image_pdf