Es ist mög­li­cher­wei­se der größ­te Anla­ge­be­trugs­skan­dal in Deutsch­land: Vor einem Jahr mel­de­te der Schiff­s­con­tai­ner­ver­mie­ter P&R Insol­venz an. Danach erhär­te­te sich der Ver­dacht: Nur ein Drit­tel der 1,6 Mil­lio­nen ver­mie­te­ten Fracht­bo­xen sol­len exis­tie­ren. Wei­ter­hin soll das Unter­neh­men ein Schnee­ball­sys­tem betrie­ben haben. Die rund 55.000 Anle­ger dürf­ten des­halb von den inves­tier­ten rund 3,5 Mrd. Euro kaum mehr etwas wie­der­se­hen. „Ein­zi­ger Hoff­nungs­schim­mer sind Kla­gen gegen den Wirt­schafs­prü­fer oder die bera­ten­de Bank“, so Sascha Borow­ski, Fach­an­walt für Bank- und Kapi­tal­markt­recht von der Wirt­schafts­kanz­lei Bucha­lik Brömmekamp.

Die Plei­te der P&R‑Gesellschaften traf die meis­ten Anle­ger unver­hofft. Rund die Hälf­te soll über 60 Jah­re alt sein. Vie­le sind Rent­ner und Pen­sio­nä­re, die ihren Lebens­abend mit dem Direkt­in­vest­ment finan­zie­ren woll­ten. Mode­ra­te drei Pro­zent nach Steu­ern ver­sprach P&R als Ren­di­te. Doch schon kurz nach dem Insol­venz­an­trag mach­te Insol­venz­ver­wal­ter Micha­el Jaf­fé klar, dass die Anle­ger wohl um ihr Erspar­tes ban­gen müs­sen. Den über­wie­gen­den Teil der Con­tai­ner gibt es de fac­to nicht und zudem sind die Anle­ger gar nicht Eigen­tü­mer der Con­tai­ner gewor­den. Doch gera­de das Eigen­tum war für sie der Aus­schlag für die Inves­ti­ti­ons­ent­schei­dung in die­ses Kapi­tal­an­la­ge­mo­dell. Für vie­le ein tra­gi­scher Trug­schluss, wie sich nun­mehr herausstellte.

Die Anle­ger fra­gen sich nun, wie ein sol­ches Modell, das laut Insol­venz­ver­wal­ter bereits seit 2010 insol­venz­reif war, noch wei­te­re acht Jah­re hat exis­tie­ren kön­nen. Ins Blick­feld rückt dabei der Wirt­schafts­prü­fer. Sämt­li­che P&R‑Gesellschaften lie­ßen Jah­res­ab­schlüs­se erstel­len und tes­tie­ren. Doch der lang­jäh­ri­ge Abschluss­prü­fer hat den sich über Jah­re auf­ge­bau­ten Fehl­be­stand von Con­tai­nern in Höhe von zwei Drit­teln nicht erkannt. „Rück­bli­ckend fehl­ten wohl die rele­van­ten Zah­len. Unter die­sen Umstän­den hät­te ein Tes­tat eigent­lich nicht erteilt wer­den dür­fen. Die Inan­spruch­nah­me von nicht insol­ven­ten Per­so­nen, wie dem Wirt­schafts­prü­fer, ist des­halb alter­na­tiv­los, wenn die Anle­ger ihre Inves­ti­tio­nen nicht kom­plett abschrei­ben wol­len“, meint Borow­ski. Die Haf­tung der Wirt­schafts­prü­fer sei zwar kein Selbst­läu­fer, aber eine Durch­set­zung von Ansprü­chen ist mög­lich und auch zielführend.

P&R‑Container gal­ten bei Ban­ken und Spar­kas­sen als begehr­tes Pro­dukt. Sie berie­ten die Kun­den gegen eine Pro­vi­si­on von bis zu 10 Pro­zent des Kauf­prei­ses bei den Anla­ge­ob­jek­ten. Dafür soll­ten die Anla­ge­be­ra­ter aus­führ­lich über Chan­cen und Risi­ken auf­klä­ren. Über über­höh­te Kauf­prei­se, das Con­tai­ner­über­an­ge­bot auf dem Welt­markt, ein mög­li­cher Total­ver­lust und der Umstand, dass P&R die Con­tai­ner nicht zurück­kau­fen muss – die­se The­men muss­ten Teil des Kun­den­ge­sprä­ches sein. „Die Bank hat zunächst zu prü­fen, ob die Zah­len für Kapi­tal­an­la­ge wirt­schaft­lich plau­si­bel sind. Die Warn­zei­chen über P&R wur­den über­hört. Die Bank­be­ra­ter könn­ten zudem ihren Auf­klä­rungs­pflich­ten nicht aus­rei­chend nach­ge­kom­men sein. Das sind gute Ansatz­punk­te für Scha­dens­er­satz­an­sprü­che“, meint Kapi­tal­markt­ex­per­te Borowski.

Ande­re Optio­nen, an das bis­her ange­leg­te Geld zu kom­men, schei­den für die Anle­ger prak­tisch aus. Die über­wie­gen­de Zahl der Anle­ger hofft noch auf eine Quo­te im Insol­venz­ver­fah­ren. Doch selbst die­se gerin­ge Aus­zah­lung wird noch ein Streit­punkt. Die Anle­ger muss­ten ihre For­de­run­gen im ver­gan­ge­nen Jahr anmel­den. In den Berichts­ter­mi­nen im Okto­ber 2018 in der Münch­ner Olym­pia­hal­le wur­de ihnen dann aller­dings mit­ge­teilt, dass die For­de­run­gen von den Ver­wal­tern bestrit­ten wer­den – also nicht fest­ge­stellt sind. Ohne fest­ge­stell­te For­de­run­gen gibt es aller­dings kei­ne Quo­te. Die Anle­ger müs­sen nun ihre For­de­run­gen einklagen.

Inzwi­schen ver­folgt die Staats­an­walt­schaft die Machen­schaf­ten des P&R‑Gründers Heinz Roth. Dem 75-jäh­­ri­­gen wird gewerbs­mä­ßi­ger Betrug in 414 Fäl­len vor­ge­wor­fen. Wei­ter­hin wird wegen des Betriebs eines Schnee­ball­sys­tems ermit­telt. Anstatt mit fri­schen Inves­to­ren­gel­dern neue Con­tai­ner zu kau­fen, bezahl­te P&R Mie­ten an Alt­an­le­ger und kauf­te Con­tai­ner von die­sen zurück. Im Fal­le eines Schnee­ball­sys­tems droht den geprell­ten Anle­gern zusätz­lich eine Inan­spruch­nah­me durch die Insol­venz­ver­wal­ter. Sie könn­ten alle in den letz­ten vier Jah­ren gezahl­ten Mie­ten zurück­for­dern. In den Berichts­ter­mi­nen im Okto­ber 2018 wichen die Ver­wal­ter aller­dings auf die Fra­gen aus, ob sie die­sen Weg gehen wer­den. Ob dies tak­ti­sches Kal­kül war, um einen Eklat in den Gläu­bi­ger­ver­samm­lun­gen zu ver­mei­den, wird sich zeigen.

Das Geschäft mit der Ver­mie­tung von P&R‑Containern läuft der­weil unter der Regie des Insol­venz­ver­wal­ters wei­ter. Für das nächs­te Jahr stellt er sogar eine ers­te Zah­lung aus der Ver­wer­tung in Aus­sicht. Bis Ende 2021 will er Ein­nah­men in Höhe von 560 Mil­lio­nen Euro gene­rie­ren. Vor­aus­set­zun­gen sind die unge­stör­te Wei­ter­ver­mie­tung, die wei­te­re gute Ent­wick­lung in der Logis­tik und ein opti­ma­ler Wech­sel­kurs. Das Insol­venz­ver­fah­ren wird sich noch meh­re­re Jah­re hin­zie­hen und erst danach wird eine Aus­schüt­tung der Quo­te erfol­gen. Die dürf­te jedoch nur im nied­ri­gen zwei­stel­li­gen Pro­zent­be­reich lie­gen und ein Lebens­abend damit nicht zu finan­zie­ren sein.

Wei­te­re Infor­ma­tio­nen für Anle­ger zum Ver­fah­ren P&R

Über Bucha­lik Brömmekamp

Seit über zehn Jah­ren ver­tritt Rechts­an­walt Sascha Borow­ski (Fach­an­walt für Bank- und Kapi­tal­markt­recht) von der Kanz­lei Bucha­lik Bröm­me­kamp erfolg­reich Inves­to­ren sowohl bei der Abwehr von For­de­run­gen durch den Insol­venz­ver­wal­ter als auch bei der Durch­set­zung von Ansprü­chen geschä­dig­ter Investoren.

Die Kanz­lei Bucha­lik Bröm­me­kamp zählt zu den mark­füh­ren­den Insol­­venz- und Sanie­rungs­be­ra­tern und wur­de viel­fach, so u. a. vom FOCUS zur TOP Wirt­schafts­kanz­lei im Bereich Insol­venz & Sanie­rung ausgezeichnet.

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