Mehr als 2.500 Gläu­bi­ger besuch­ten die ers­te von ins­ge­samt vier Gläu­bi­ger­ver­samm­lun­gen (Berichts­ter­min) für die insol­ven­ten deut­schen P&R Gesell­schaf­ten. Dazu kamen in die Münch­ner Olym­pia­hal­le wei­te­re 7.723 Anwäl­te, dar­un­ter auch Sascha Borow­ski von Bucha­lik Bröm­me­kamp. Viel Neu­es konn­te Insol­venz­ver­wal­ter Dr. Micha­el Jaf­fé den geschä­dig­ten Anle­gern nicht mit­tei­len, und bei der Höhe der Ver­lus­te blieb er sehr vage. Den­noch soll 2020 eine ers­te Abschlags­zah­lung an die Inves­to­ren erfolgen.

Laut Jaf­fé bestand die dro­hen­de Zah­lungs­un­fä­hig­keit bereits seit 2010. Schon damals reich­ten die Erlö­se aus der Ver­mie­tung der Con­tai­ner­flot­te nicht mehr aus, um die Miet­an­sprü­che der Anle­ger zu bedie­nen. Die fäl­li­gen Zah­lun­gen an die Inves­to­ren wur­den mit neu ein­ge­wor­be­nen Gel­dern finan­ziert. Das Schnee­ball­sys­tem brach dann infol­ge der Insol­venz des Wett­be­wer­bers Magel­lan in den Jah­ren 2016 und 2017 sowie der Pro­spekt­pflicht ein, da kaum Neu­kun­den gewon­nen wer­den konn­ten. Als die Liqui­di­tät im März 2018 auf­ge­braucht war, stell­ten die P&R Gesell­schaf­ten die Insolvenzanträge.

P&R hat­te rund 3,5 Mil­li­ar­den Euro ein­ge­sam­melt und soll­te rund 1,6 Mio. Con­tai­ner dafür kau­fen. Vor­han­den sind aller­dings nur rund 630.000 Boxen. Die Münch­ner Staats­an­walt­schaft, die P&R‑Firmengründer Heinz R. im Sep­tem­ber wegen Betrugs­ver­dachts in Unter­su­chungs­haft neh­men ließ, schätzt den Scha­den auf 1,5 bis zwei Mil­li­ar­den Euro. Scha­dens­er­satz­an­sprü­che gegen die Geschäfts­füh­rer will Jaf­fé durch­set­zen. Er sieht jedoch kei­ne nen­nens­wer­ten Zuflüs­se in die Insolvenzmasse.

Der Insol­venz­ver­wal­ter ver­sucht, die Ver­mie­tung der vor­han­de­nen Con­tai­ner, die vom schwei­ze­ri­schen Zug aus an Ree­de­rei­en und Lea­sing­fir­men erfolgt, wei­ter­zu­füh­ren. Die Boxen sol­len erst nach und nach ver­kauft wer­den. Bis 2021 könn­ten damit 560 Mil­lio­nen Euro erwirt­schaf­tet wer­den, sofern die schwei­ze­ri­sche P&R‑Gesellschaft nicht selbst in die Insol­venz rutscht und die Ver­mie­tung und Ver­wer­tung unge­stört weiterläuft.

Einen über­eil­ten Ver­kauf der Con­tai­ner schließt Jaf­fé der­zeit aus. „Ers­te Abschlags­zah­lun­gen kön­nen jedoch erst erfol­gen, wenn ent­spre­chen­de Mit­tel gene­riert wur­den und Rechts­si­cher­heit auch über die fest­ge­stell­ten For­de­run­gen her­ge­stellt ist. Ziel ist es, mög­lichst zügig die Vor­aus­set­zun­gen für eine ers­te Abschlags­ver­tei­lung an die Gläu­bi­ger zu schaf­fen“, so der Ver­wal­ter. Ein Groß­teil der Anle­ger ist mehr als 70 Jah­re alt und er wis­se um die berech­tig­ten Erwar­tun­gen der Anle­ger auf Zah­lun­gen inner­halb eines über­schau­ba­ren Zeit­rah­mens. Ers­te Zah­lung an die Gläu­bi­ger wären im Jahr 2020 mög­lich. Über die Höhe schwieg Jaf­fé, der wie auch der Gläu­bi­ger­aus­schuss in der Gläu­bi­ger­ver­samm­lung bestä­tigt wurde.

Bri­sant bleibt für die Anle­ger die Fra­ge, ob der Insol­venz­ver­wal­ter die gezahl­ten Mie­ten und Rück­kaufs­zah­lun­gen für Con­tai­ner im Rah­men der Anfech­tung zurück­for­dert. Betrof­fen wären alle Zah­lun­gen, die frü­her als vier Jah­re vor Antrag auf Eröff­nung des Insol­venz­ver­fah­rens vor­ge­nom­men wur­den. Das Anfech­tungs­vo­lu­men dürf­te meh­re­re Mil­li­ar­den Euro betra­gen. Die Gläu­bi­ger müs­sen zudem die Kos­ten für die Durch­set­zung der Anfech­tungs­an­sprü­che tra­gen. Hier könn­ten allein die damit beschäf­tig­ten Anwäl­te meh­re­re 100 Mil­lio­nen Euro ver­schlin­gen. Auf der Gläu­bi­ger­ver­samm­lung woll­te sich Jaf­fé trotz inten­si­ver Nach­fra­gen zur Anfech­tung nicht zu den Rück­for­de­run­gen äußern. Wie in ande­ren Fäl­len berei­ten die Ver­wal­ter die Ansprü­che lie­ber von lan­ger Hand vor. Jaf­fé kann sich dafür bis zur Ver­jäh­rung im Jahr 2021 Zeit lassen.

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