Die Sta­tio­nen der Bus­li­nie 330 kennt Ste­fan Pfeif­fer aus­wen­dig: Wie­felstede Am Tief, Neu­en­kru­ge Mit­te, Met­jen­dorf Am Sport­platz, und dann irgend­wann die End­sta­ti­on, Olden­burg ZOB. Es ist sei­ne Lieb­lings­stre­cke, wenn er ein­springt, weil einer sei­ner Fah­rer über Nacht krank gewor­den ist. 48 Minu­ten hin, 48 Minu­ten zurück. „Der Bus ist mor­gens voll, und ich unter­hal­te mich gern mit den Fahr­gäs­ten.“ Es fehl­te nicht viel, und die Fahr­gäs­te hät­ten den freund­li­chen Chauf­feur nie mehr hin­ter dem Lenk­rad gese­hen. Pfeif­fer, Inha­ber des alt­ein­ge­ses­se­nen Omni­bus­be­triebs Pfei­f­­fer-Rei­­sen, war zah­lungs­un­fä­hig. Zu viel ange­fan­gen, zu schnell gewach­sen, dann noch Pech gehabt. So lässt sich in einem Satz beschrei­ben, was dem 48-Jäh­­ri­­gen mit sei­ner Fir­ma wider­fah­ren ist. Aber Pfeif­fer hat­te auch Glück im Unglück. Mit­ar­bei­ter und Kun­den hiel­ten zu ihm, Gläu­bi­ger zeig­ten Geduld, und ein erfah­re­ner Sanie­rungs­be­ra­ter half bei der Umstruk­tu­rie­rung des Unter­neh­mens. Heu­te zieht Pfeif­fer das eher unge­wöhn­li­che Fazit: „So schwer die Situa­ti­on war, ich habe auch schö­ne Erfah­run­gen gemacht.“ Und sein Unter­neh­men? Ist seit acht Mona­ten raus aus der Insol­venz. Es schreibt schwar­ze Zah­len und hat 159 Mit­ar­bei­ter, 14 mehr als vor dem Konkurs.

Im Herbst 2015 hör­te Alfons Kos­sen, Freund und Steu­er­be­ra­ter von Pfeif­fer, einen Vor­trag der Düs­sel­dor­fer Anwalts­kanz­lei und Unter­neh­mens­be­ra­tung Bucha­lik Bröm­me­kamp über das soge­nann­te Plan­ver­fah­ren in Eigen­ver­wal­tung. „Er kam zurück und sag­te: Ich glau­be, das ist was für dich“, erin­nert sich Pfeiffer.

Selbst bei Fach­leu­ten sind die in 2012 ver­bes­ser­ten Mög­lich­kei­ten der Eigen­ver­wal­tung auch heu­te noch viel­fach unbe­kannt. Es han­delt sich um eine Insol­venz ohne klas­si­schen Insol­venz­ver­wal­ter. Viel­mehr ist es der Geschäfts­füh­rer selbst, der sein Unter­neh­men saniert – unter­stützt­von Exper­ten (sie­he Kas­ten). „Zu den Vor­aus­set­zun­gen gehört, dass die Ursa­chen für die Schief­la­ge durch struk­tu­rel­le Anpas­sun­gen besei­tigt wer­den kön­nen“, erklärt Bozi­dar Rad­ner, Geschäfts­füh­rer von Bucha­lik Brömmekamp.

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