Ein Sanie­rungs­gut­ach­ten ist die Grund­la­ge einer „nach­voll­zieh­ba­ren, schlüs­si­gen Dar­stel­lung der Sanie­rungs­fä­hig­keit eines Unter­neh­mens“ (IDW S6 Tz 2) für die Sta­ke­hol­der (Gesell­schaf­ter, Geschäfts­füh­rer, Arbeit­neh­mer, Lie­fe­ran­ten, Kun­den, Finan­zie­rer, poten­ti­el­le Inves­to­ren, Staat/Öffentlichkeit). Wegen der nicht sicher vor­her­seh­ba­ren Zukunft ist die Aus­sa­ge „sanie­rungs­fä­hig“ bei IDW S6-Gut­ach­­ten eine Wahr­schein­lich­keits­aus­sa­ge. Es ist für alle Betei­lig­ten wich­tig zu wis­sen, auf wel­chen (unsi­che­ren) Annah­men die Aus­sa­ge basiert und wie hoch die Sanie­rungs­er­folgs­wahr­schein­lich­keit ist.

Dies ist mög­lich durch eine Risi­ko­ana­ly­se und ‑simu­la­ti­on des Sanie­rungs­kon­zepts. Auf­grund der Unvor­her­seh­bar­keit der Zukunft und der Unwäg­bar­kei­ten einer Unter­neh­mens­kri­se las­sen sich die Kon­se­quen­zen einer Restruk­tu­rie­rungs­stra­te­gie nie punkt­ge­nau bestim­men. Statt­des­sen kön­nen ledig­lich Band­brei­ten und Kor­ri­do­re ange­ge­ben wer­den. Hier­zu müssen:

  • wesent­li­che (auch unsi­che­re) Annah­men trans­pa­rent dar­ge­stellt und kon­sis­tent aus­ge­wer­tet werden,
  • Risi­ken im Ent­schei­dungs­kal­kül adäquat berück­sich­tigt werden,
  • Kon­sen­se („Kon­sens­band­brei­te“) bezüg­lich wesent­li­cher Modell­an­nah­men (z. B. die zukünf­ti­ge Umsatz­ent­wick­lung) zwi­schen den invol­vier­ten Sta­ke­hol­dern ent­ste­hen und
  • sämt­li­che ent­schei­dungs­re­le­van­te Infor­ma­tio­nen kon­sis­tent aus­ge­wer­tet und beur­teilt werden.

Nur dann ist es mög­lich, die für IDW S6-Gut­ach­­ten wich­ti­ge Aus­sa­ge zur Sanie­rungs­wahr­schein­lich­keit ablei­ten zu können.

Vor­ge­hen

Erfor­der­lich für eine fun­dier­te Beur­tei­lung des Sanie­rungs­kon­zep­tes ist folg­lich eine „sto­chas­ti­sche Pla­nung“, die die wesent­li­chen Pla­nungs­po­si­tio­nen durch geeig­ne­te Wahr­schein­lich­keits­ver­tei­lun­gen abbil­det. Der Umfang mög­li­cher Pla­n­ab­wei­chun­gen zeigt die Risi­ken der Restruk­tu­rie­rung auf. Ein höhe­rer Risi­ko­um­fang erfor­dert mehr Liqui­di­tät (Zah­lungs­fä­hig­keit) bzw. Eigen­ka­pi­tal (Über­schul­dung). Mit­tels einer „Mon­­te-Car­­lo-Simu­la­­ti­on“ wer­den meh­re­re Tau­send risi­ko­be­ding­te Zukunfts­sze­na­ri­en berech­net. Die­se stel­len unter­schied­li­che Aus­wir­kun­gen der geplan­ten Restruk­tu­rie­rungs­maß­nah­men in ver­schie­de­nen Ent­wick­lun­gen der Umwelt dar. Im Ergeb­nis wird den Sanie­rungs­be­tei­lig­ten ein stra­te­gi­sches Kon­so­li­die­rungs­pro­gramm vor­ge­legt, das die Über­le­bens­wahr­schein­lich­keit des Unter­neh­mens plau­si­bel abbil­det und zeigt, wie durch geeig­ne­te Restruk­tu­rie­rungs­maß­nah­men der Unter­neh­mens­wert nach­hal­tig gestei­gert wer­den kann. Ein sol­cher Sanie­rungs­plan stellt die zen­tra­le Grund­la­ge dar, um die Zustim­mung der ver­schie­de­nen Anspruchs­grup­pen zur Umset­zung der Restruk­tu­rie­rungs­stra­te­gie zu erhal­ten. Nach­fol­gend wird gezeigt, wie die mbb [con­sult] in Zusam­men­ar­beit mit der Futur­eVa­lue Group AG die­se viel­fäl­ti­gen Anfor­de­run­gen mit einer Simu­la­ti­ons­soft­ware in der Pra­xis umsetzt.

Erfas­sung der Aus­gangs­si­tua­ti­on, Pla­nun­gen und Unsicherheiten

Im ers­ten Schritt wer­den die schon vor­lie­gen­den Daten über die Aus­gangs­si­tua­ti­on (z. B. Jah­res­ab­schlüs­se) erfasst. Die­se wer­den um Ana­ly­se­er­geb­nis­se und Plan­er­geb­nis­se (Plan-Gewinn- und Ver­lust­rech­nung sowie Plan-Bilanz vor Restruk­tu­rie­rungs­maß­nah­men) ergänzt. Danach wer­den die Restru­k­­tu­­rie­­rungs- und Sanie­rungs­maß­nah­men erfasst und Infor­ma­tio­nen über Chan­cen und Gefah­ren (Risi­ken), die sich aus der Sanie­rung erge­ben, berück­sich­tigt. Anschlie­ßend wird eine rea­lis­ti­sche Plan-Gewinn- und Ver­lust­rech­nung sowie eine Plan-Bilanz für die Zeit nach Ende der Restruk­tu­rie­rung erstellt. Für die wesent­li­chen Plan­an­nah­men und Maß­nah­men wer­den jeweils ein Min­dest­wert, ein wahr­schein­lichs­ter Wert und ein Höchst­wert abge­stimmt. Dies trägt der Tat­sa­che Rech­nung, dass die Plan­an­nah­men und Maß­nah­men selbst nicht sicher sind. Die Betei­lig­ten der Sanie­rungs­pla­nung kön­nen den wahr­ge­nom­me­nen Grad an Risi­ko – Umfang mög­li­cher Pla­n­ab­wei­chun­gen – durch die „Kon­sens­band­brei­ten“ adäquat aus­drü­cken und bei­spiel­wei­se eine sehr unter­schied­li­che Ein­schät­zung der zukünf­ti­gen Gewin­ne durch eine ent­spre­chend hohe Band­brei­te der Schät­zun­gen deut­lich machen. Mit Hil­fe der Risi­ko­si­mu­la­ti­on (Mon­­te-Car­­lo-Simu­la­­ti­on) ent­steht durch die Viel­zahl reprä­sen­ta­ti­ver, risi­ko­be­dingt mög­li­cher Zukunfts­sze­na­ri­en Trans­pa­renz über das Ertrags-Risi­­ko-Pro­­­fil des Sanie­rungs­kon­zepts. Im Gegen­satz zu tra­di­tio­nel­len Punkt­schät­zun­gen (real case, ggf. noch best/worst case) wer­den rea­lis­ti­sche Band­brei­ten der Ertrags- und Liqui­di­täts­ent­wick­lung erstellt (sie­he Abbil­dung 1) und die Infor­ma­tio­nen aus­ge­wer­tet. Schließ­lich wird mit der Soft­ware im Rah­men einer Simu­la­ti­on die Aus­fall­wahr­schein­lich­keit des Unter­neh­mens (Anteil der Fäl­le, in denen die ver­füg­ba­re Liqui­di­tät bzw. das ver­füg­ba­re Eigen­ka­pi­tal unter­schrit­ten wird) pro­gnos­ti­ziert. Es wird deut­lich, inwie­weit ein Unter­neh­men aus eige­ner Kraft oder mit zusätz­li­chen finan­zi­el­len Mit­teln (zur Erhö­hung der Risi­ko­trag­fä­hig­keit, ggf. durch einen Inves­tor) die Chan­ce einer erfolg­rei­chen Restruk­tu­rie­rung hat.

Abb. 1: Ent­wick­lung Liqui­di­tät (Band­brei­te)

Die Simu­la­ti­ons­er­geb­nis­se sind im Pro­jekt­ver­lauf mit Ver­bes­se­rung der Daten­la­ge durch Ana­ly­sen zuneh­mend „belast­ba­rer“, d. h. Band­brei­ten wer­den klei­ner. Die Simu­la­ti­ons­er­geb­nis­se wer­den bei der Erstel­lung des Sanie­rungs­gut­ach­tens regel­mä­ßig aus­ge­wer­tet, um bei­spiels­wei­se Aus­sa­gen abzu­lei­ten über:

  • Pla­nungs­si­cher­heit, also den rea­lis­ti­schen Umfang von Planabweichungen,
  • den risi­ko­be­ding­ten Liqui­­di­­täts- und Eigenkapitalbedarf,
  • die zukünf­ti­ge Ent­wick­lung (der Band­brei­te) der Insolvenzwahrscheinlichkeit.

Fun­dier­te Bewer­tung alter­na­ti­ver Sanierungskonzepte

Mit der Metho­de kön­nen alter­na­ti­ve Sanie­rungs­kon­zep­te und der Grad der Umset­zung von Maß­nah­men hin­sicht­lich der benö­tig­ten Liqui­­di­­täts- und Kapi­tal­aus­stat­tung bewer­tet wer­den. Selbst bei einer unmit­tel­bar dro­hen­den oder bereits ein­ge­tre­te­nen Insol­venz kann mit die­ser Metho­dik die Sanie­rungs­fä­hig­keit des Unter­neh­mens bzw. die risi­ko­ab­hän­gi­ge Erfolgs­wahr­schein­lich­keit einer Restruk­tu­rie­rung effi­zi­ent und fun­diert abge­schätzt wer­den. Für alle betei­lig­ten Part­ner der Unter­neh­mens­sa­nie­rung wird hier­durch eine fai­re und ver­läss­li­che Infor­­ma­­ti­ons- und Ver­hand­lungs­grund­la­ge geschaffen.

Prä­zi­se Sanierungswahrscheinlichkeit

Die Vor­tei­le des Simu­la­ti­ons­mo­dells in Sanie­rungs­gut­ach­ten las­sen sich wie folgt zusammenfassen:

  • Durch die Inte­gra­ti­on von Risi­ken in die Unter­neh­mens­pla­nung wer­den die­se expli­zit im Ent­schei­dungs­kal­kül berücksichtigt.
  • Wesent­li­che und vor allem unsi­che­re Plan­an­nah­men wer­den trans­pa­rent dar­ge­stellt, der rea­lis­ti­sche Umfang von Pla­n­ab­wei­chun­gen wird auf­ge­zeigt und kon­sis­tent ausgewertet.
  • Zwi­schen den invol­vier­ten Sta­ke­hol­dern ent­steht ein Kon­sens bzw. eine Kon­­sens-Ban­d­­brei­­te bezüg­lich wesent­li­cher Modell­an­nah­men (z. B. die zukünf­ti­ge Umsatz­ent­wick­lung, den risi­ko­be­ding­ten Liqui­­di­­täts- und Eigen­ka­pi­tal­be­darf oder die zukünf­ti­ge Ent­wick­lung der Band­brei­te der Insolvenzwahrscheinlichkeit).
  • Die gemäß IDW S6 erfor­der­li­chen Anga­ben zur Sanie­rungs­fä­hig­keit wer­den durch Ermitt­lung einer Sanie­rungs­wahr­schein­lich­keit präzisiert.

Kon­takt: Dr. Wer­ner Gleißner
Vor­stand der Futur­eVa­lue Group AG
Schwer­punk­te: Risi­ko­ma­nage­ment, Bewer­­tungs- und Rating­ver­fah­ren, Stra­te­gie­ent­wick­lung sowie Wei­ter­ent­wick­lung von Metho­den wert­ori­en­tier­ter Unter­neh­mens­steue­rung und Kapitalanlagemanagement

Tel. 0711 – 79 73 58 30

w.gleissner@FutureValue.de

 

Hart­mut Ibershoff

Dipl.-Kfm., Dipl.-Volksw.
Con­trol­ler (IHK), Head of Finance
Schwer­punk­te: Erstel­lung und Umset­zung von Sanie­rungs­kon­zep­ten, Inte­grier­te Unter­neh­mens­pla­nung, Controlling

Tel. 0211 – 82 89 77 167

hartmut.ibershoff@mbbgmbh.de

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