Insol­venz heißt nicht Schei­tern: Sie­ben Jah­re nach der Ein­füh­rung des neu­en Insol­venz­rechts zieht Robert Bucha­lik, Insol­venz­rechts­ex­per­te, eine posi­ti­ve Bilanz.

Seit sie­ben Jah­ren gilt das neue Insol­venz­recht. Wie fällt Ihr Fazit aus?
Robert Bucha­lik: Das Gesetz zur wei­te­ren Erleich­te­rung der Sanie­rung von Unter­neh­men (ESUG) ist allen Unken­ru­fen zum Trotz ein Erfolgs­mo­dell. Wäh­rend es in den ers­ten Jah­ren ins­be­son­de­re von­sei­ten eini­ger Insol­venz­ver­wal­ter klein­ge­re­det wur­de, ist es heu­te zum Geschäfts­mo­dell auch für Insol­venz­ver­wal­ter gewor­den. Aktu­el­le Fäl­le bele­gen das ein­drucks­voll. Mehr als die Hälf­te aller gro­ßen Fäl­le fin­den heu­te bereits in Eigen­ver­wal­tung statt, und es gelingt nicht nur immer häu­fi­ger, Unter­neh­men zu erhal­ten, son­dern sie auch dem Unter­neh­mer zu erhalten.

Was sind die häu­figs­ten Ursa­chen, die zur Insol­venz führen?
Eine Kri­se kommt aber sel­ten über Nacht, und die Grün­de dafür sind meist viel­schich­tig und auch bran­chen­ab­hän­gig. Zu hohe Laden­mie­ten, gestie­ge­ne Per­so­nal­kos­ten, Preis­kampf in einer Bran­che, teu­re Kre­dit­ver­trä­ge, ungüns­ti­ge Liefer‑, Lea­­sing- oder Absatz­ver­trä­ge kön­nen – meist in Kom­bi­na­ti­on – in eine
Ertrags­kri­se füh­ren. In der Pra­xis kommt dann oft auch noch ein schwer­wie­gen­des sin­gu­lä­res Ereig­nis hin­zu, wel­ches dann eine Insol­venz­an­trags­pflicht aus­löst. Das kann etwa der plötz­li­che Ver­lust eines Groß­auf­trags, die Kün­di­gung von Kre­dit­ver­trä­gen, die Plei­te des Haupt­lie­fe­ran­ten oder ein Total­scha­den an der wich­tigs­ten Pro­duk­ti­ons­ma­schi­ne sein. Viel­fach sind es auch kon­junk­tu­rel­le Ein­flüs­se. Oft spielt der Preis­kampf unter Wett­wer­bern eine gro­ße Rol­le, nicht sel­ten haben die Unter­neh­men es ver­säumt, ihr Geschäfts­mo­dell den sich ver­än­dern­den Gege­ben­hei­ten anzu­pas­sen. Ein Unter­neh­men muss sich ins­be­son­de­re im Zeit­al­ter der Digi­ta­li­sie­rung stän­dig neu erfin­den, macht es das nicht, ver­liert es schnell den Anschluss.

Was wür­den Sie einem Unter­neh­mer mit­ge­ben, der beab­sich­tigt, einen sol­chen Weg zu beschreiten?
Das Wich­tigs­te ist, dass er den rich­ti­gen Bera­ter fin­det. Lei­der tum­meln sich vie­le Bera­ter im Markt, die ent­we­der „Jugend forscht“ betrei­ben oder ande­re Zie­le als den Unter­neh­mens­er­halt im Auge haben. Der Unter­neh­mer muss gro­ßes Ver­trau­en zum Bera­ter ent­wi­ckeln, denn zunächst legt er – wenn auch nur vor­über­ge­hend – sein geschäft­li­ches Schick­sal in die Hän­de sei­nes Bera­ters. Er soll­te sich davon über­zeu­gen, dass es dem Bera­ter in ers­ter Linie um den Erhalt des Unter­neh­mens und um den Schutz des Unter­neh­mers geht, damit die Exis­tenz des Unter­neh­mers wei­ter­hin gesi­chert ist.

Das kom­plet­te Inter­view ESUG — Ein gutes Modell aus der Lebens­mit­tel Praxis

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