• Amts­ge­richt folgt Antrag des Unter­neh­mens für ein Eigenverwaltungsverfahren

Beucha/Leipzig. 17. Janu­ar 2017. Die Säch­si­schen Druck­guß GmbH (Dru­bo) hat beim Amts­ge­richt Leip­zig einen Antrag auf ein Eigen­ver­wal­tungs­ver­fah­ren gestellt. Das Amts­ge­richt folg­te der Begrün­dung des Unter­neh­mens und stimm­te dem Antrag zu. „Die Guss­in­dus­trie lei­det seit meh­re­ren Jah­ren unter Über­ka­pa­zi­tä­ten, brö­ckeln­den Absatz­märk­ten und fal­len­den Prei­sen. Als dann noch über­ra­schend der Umsatz mit einem unse­rer Haupt­kun­den stark ein­brach, erwie­sen sich rück­bli­ckend für die­se Auf­trä­ge getä­tig­te nen­nens­wer­te Inves­ti­tio­nen als falsch. Trotz lau­fen­der Kos­ten­sen­kungs­pro­gram­me und Opti­mie­run­gen in unse­ren Pro­zes­sen wer­den die aktu­ell ver­blie­be­nen Umsät­ze die­se Kos­ten nicht decken kön­nen. Mit den Inves­ti­tio­nen war ein hoher Kapi­tal­dienst ver­bun­den, den das Unter­neh­men in dem der­zei­ti­gen Umfeld nicht tra­gen kann. Des­halb haben wir uns für ein Eigen­ver­wal­tungs­ver­fah­ren ent­schie­den, um das Unter­neh­men wie­der wett­be­werbs­fä­hig auf­zu­stel­len und nach­hal­tig in die Zukunft zu füh­ren“, erklärt Geschäfts­füh­rer Edu­ard Jahn. Der Sanie­rungs­an­satz kon­zen­triert sich im Wesent­li­chen auf drei Punk­te: Diver­si­fi­zie­rung, um eine grö­ße­re Unab­hän­gig­keit von ein­zel­nen Auf­trag­ge­bern und Pro­duk­ten zu erlan­gen, die Berei­ni­gung der sehr brei­ten Pro­dukt­pal­let­te und schließ­lich eine klas­si­sche Kos­ten­op­ti­mie­rung in allen Unter­neh­mens­be­rei­chen. Von dem Eigen­ver­wal­tungs­an­trag ist das süd­deut­sche Part­ner­un­ter­neh­men Kor­und­al GmbH nicht betroffen.

Der Geschäfts­be­trieb und die Pro­duk­ti­on der Gie­ße­rei lau­fen in dem Ver­fah­ren unver­än­dert wei­ter. Alle Auf­trä­ge wer­den in der gewohn­ten Qua­li­tät umge­setzt. Die Mit­ar­bei­ter sind heu­te in einer Betriebs­ver­samm­lung von dem Antrag und über die wei­te­ren Schrit­te infor­miert wor­den. Löh­ne und Gehäl­ter sind über das Insol­venz­geld für drei Mona­te gesi­chert. Ein Arbeits­platz­ab­bau ist nicht geplant.

Für die Beglei­tung des Eigen­ver­wal­tungs­ver­fah­rens hat sich die Säch­si­sche Druck­guß für das Bera­tungs­un­ter­neh­men Bucha­lik Bröm­me­kamp (Ber­lin, Düs­sel­dorf) ent­schie­den. Die Unter­neh­mens­be­ra­tung und Wirt­schafts­kanz­lei hat seit der Ein­füh­rung des neu­en Insol­venz­rech­tes im Jahr 2012 über 100 Unter­neh­men in einer Eigen­ver­wal­tung bera­ten, dar­un­ter die Hul­ver­shorn Eisen­gie­ße­rei (Bocholt) und eine Eisen­gie­ße­rei in Bün­de. Sie wird das Unter­neh­men in recht­li­chen Belan­gen des Eigen­ver­wal­tungs­ver­fah­rens beglei­ten und die betriebs­wirt­schaft­li­che sowie ope­ra­ti­ve Restruk­tu­rie­rung durch­füh­ren. Neben der Erstel­lung des Sanie­rungs­pla­nes wird der Sanie­rungs­ex­per­te Nils Aver­beck (Bucha­lik Bröm­me­kamp) die Geschäfts­füh­rung begleiten.

„Die Säch­si­sche Druck­guss wird sich in dem Eigen­ver­wal­tungs­ver­fah­ren ope­ra­tiv neu auf­stel­len und aus­rei­chend liqui­de Mit­tel erwirt­schaf­ten, um den Kapi­tal­dienst in Zukunft zu decken. Die Vor­aus­set­zun­gen hier­zu beur­tei­le ich als aus­ge­zeich­net, weil das Unter­neh­men trotz der Insol­venz über ein unge­wöhn­lich hohes Eigen­ka­pi­tal mit einer Eigen­ka­pi­tal­quo­te von fast 50 Pro­zent ver­fügt und unter dem Schutz des ESUG die not­wen­di­ge Zeit bekommt, um die Restruk­tu­rie­rungs­zie­le umzu­set­zen“, so Dr. Huber­tus Bar­tel­hei­mer, Part­ner der Wirt­schafts­kanz­lei Bucha­lik Brömmekamp.

„Die Mit­ar­bei­ter sind hoch moti­viert und die aktu­el­le Auf­trags­la­ge stützt unse­ren Opti­mis­mus, die ange­streb­ten Zie­le, mit deren Umset­zung wir bereits begon­nen haben, schnell zu errei­chen. Zumal wir im abge­lau­fe­nen Geschäfts­jahr nur gerin­ge Ver­lus­te erwirt­schaf­tet haben, aber unter dem Druck des hohen Kapi­tal­diens­tes gezwun­gen waren, die­sen Weg zu gehen“, ergänzt Geschäfts­füh­rer Edu­ard Jahn.

Mit dem Ver­fah­ren nutzt das Unter­neh­men die Chan­ce, die der Gesetz­ge­ber mit dem ESUG (Gesetz zur wei­te­ren Erleich­te­rung der Sanie­rung von Unter­neh­men) vor vier Jah­ren geschaf­fen hat, damit sich Unter­neh­men in schwie­ri­gen Situa­tio­nen wie­der neu auf­stel­len kön­nen. Die Unter­neh­mens­lei­tung bleibt in der Eigen­ver­wal­tung wei­ter­hin im Amt und wird die Sanie­rung selbst­stän­dig durch­füh­ren. „Mei­ne Auf­ga­be wird es zunächst sein, das Ver­trau­en der Kun­den, Lie­fe­ran­ten und Mit­ar­bei­ter für den Erhalt des Unter­neh­mens zu schaf­fen. Ich sehe die Säch­si­sche Druck­guss sehr gut auf­ge­stellt und die Eigen­ver­wal­tung als rich­ti­gen Weg, die Sanie­rung im Inter­es­se aller Betei­lig­ten schnell und erfolg­reich umzu­set­zen“, erklärt Sanie­rungs­be­ra­ter Averbeck.

In der Eigen­ver­wal­tung steht die Unter­neh­mens­lei­tung unter der Auf­sicht eines vor­läu­fi­gen Sach­wal­ters. Das Amts­ge­richt Leip­zig hat als vor­läu­fi­gen Sach­wal­ter Dr. Ste­phan Thie­mann von der PLUTA Rechts­an­walts GmbH bestellt. „Die Mit­ar­bei­ter bei der Säch­si­schen Druck­guß sind sehr moti­viert. Auch die Betei­lig­ten haben ihre Bereit­schaft zu einer wei­te­ren Zusam­men­ar­beit signa­li­siert“, so der vor­läu­fi­ger Sach­wal­ter Dr. Thie­mann nach einem Besuch in der Gießerei.

Pres­se­mit­tei­lun­gen

Ver­an­stal­tun­gen

News­let­ter

Bücher

Stu­di­en & Leitfäden