Mit dem Urteil vom 04.05.2017 (Az. IX ZR 285/16) hat der Bun­des­ge­richts­hof die Rech­te der Gläu­bi­ger im Fall der Insol­venz­an­fech­tung ins­be­son­de­re beim Bar­ge­schäft wei­ter gestärkt.  Danach muss ein Gläu­bi­ger auch wenn er die dro­hen­de oder ein­ge­tre­te­ne Zah­lungs­un­fä­hig­keit sei­nes Schuld­ners kennt, nicht dar­auf schlie­ßen, dass der Schuld­ner bei der Beglei­chung sei­ner Rech­nung ande­re Gläu­bi­ger­for­de­run­gen nicht bezahlt und damit Gläu­bi­ger benach­tei­ligt. Dies gilt aller­dings nur, wenn Gläu­bi­ger und Schuld­ner die wech­sel­sei­ti­gen Leis­tun­gen in bar­ge­schäfts­ähn­li­cher Wei­se aus­tau­schen und der Gläu­bi­ger nicht weiß, dass der Schuld­ner unren­ta­bel arbei­tet, also Ver­lus­te erwirt­schaf­tet. Eine Insol­venz­an­fech­tung schei­det dann aus. Belie­fert bei­spiels­wei­se ein Lie­fe­rant sei­nen Kun­den wei­ter, obwohl er von des­sen dro­hen­der Zah­lungs­un­fä­hig­keit weiß, kann er die Ver­gü­tung für die neu gelie­fer­te Ware auch im Fall der spä­te­ren Insol­venz des Kun­den behal­ten. Vor­aus­set­zung ist aber, dass der Kun­de wie ver­ein­bart und inner­halb von maxi­mal 30 Tagen ab Lie­fe­rung bezahlt. Nur inner­halb die­ses Zeit­rau­mes besteht eine bar­ge­schäfts­ähn­li­che Lage. Bezahlt der Kun­de hin­ge­gen Alt­ver­bind­lich­kei­ten, müs­sen die­se Beträ­ge im Wege der Insol­venz­an­fech­tung an den Insol­venz­ver­wal­ter her­aus­ge­ge­ben wer­den. Lie­fe­ran­ten soll­ten des­halb vor­ge­ben, wel­che Rech­nung der Schuld­ner bezah­len soll und dies spä­ter auch prü­fen. Hält sich der Schuld­ner nicht dar­an, kann der Gläu­bi­ger für kon­kre­te Lie­fe­run­gen Vor­kas­se ver­lan­gen und so selbst die not­wen­di­ge zeit­li­che Ver­knüp­fung herstellen.

Der BGH wen­det damit im Kern das im April 2017 in Kraft getre­te­ne neue Anfech­tungs­recht schon auf ver­gleich­ba­re Alt­fäl­le an. Gläu­bi­ger, die kon­se­quent die Vor­aus­set­zun­gen des Bar­ge­schäfts ein­hal­ten, kön­nen so eine Anfech­tung ver­mei­den. Der Insol­venz­ver­wal­ter muss den Nach­weis füh­ren, dass der Gläu­bi­ger die defi­zi­tä­re Unter­neh­mens­fort­füh­rung des Schuld­ners kann­te, was in der Pra­xis nur sel­ten gelingt. Kann der Gläu­bi­ger den Schuld­ner nicht zur recht­zei­ti­gen Bezah­lung der neu­en Ver­bind­lich­kei­ten bewe­gen, soll­te er wie im ent­schie­de­nen Fall nur noch gegen Vor­kas­se lie­fern. Gläu­bi­ger, deren Kun­den vor dem 05.04.2017 in die Insol­venz gera­ten sind, soll­ten im Fall von Anfech­tungs­ver­lan­gen der Insol­venz­ver­wal­ter sehr genau prü­fen, ob eine Anfech­tung im Hin­blick auf eine bar­ge­schäfts­ähn­li­che Lage nicht doch unbe­grün­det ist.

Autor: Dr. Olaf Hiebert

Wei­te­re infor­ma­tio­nen zur Anfech­tung fin­den Sie auf http://insolvenzanfechtung-buchalik.de/

 

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