Der Bre­mer Schiffs­fond Alpha­bet (ehe­mals MCE Ster­nen­flot­te) hat am 21. Sep­tem­ber 2018 Insol­venz ange­mel­det. Für die rund 8.000 Anle­ger, die 230 Mio. Euro inves­tiert haben, ist das ein Alp­traum. Nicht nur das inves­tier­te Kapi­tal dürf­te ver­lo­ren sein, es dro­hen zusätz­lich noch Rück­zah­lun­gen der bis­her erhal­te­nen Aus­schüt­tun­gen. Vie­le Anle­ger ken­nen das risi­ko­rei­che Kon­zept ihrer Betei­li­gung nicht. Schon des­halb soll­ten sich Anle­ger anwalt­lich bera­ten las­sen, um das künf­ti­ge Haf­tungs­ri­si­ko rich­tig ein­zu­schät­zen. Wur­den bei­spiels­wei­se die Risi­ken bei der Inves­ti­ti­on ver­schwie­gen, könn­ten Anle­gern Scha­dens­er­satz­an­sprü­che zustehen.

Alpha­bet oder die MCE Ster­nen­flot­te gehört zu den gro­ßen deut­schen Anbie­tern von Zwei­t­­markt-Schiffs­­fonds. Sie wur­de 2007 gegrün­det und hat seit­her neun Fonds auf­ge­legt. Hin­ter­grund der Schief­la­ge ist die wei­ter­hin schlech­te Kon­junk­tur am Schiffs­markt und sich häu­fen­de Pro­spekt­haf­tungs­kla­gen, die schließ­lich das Insol­venz­ver­fah­ren aus­ge­löst haben.

Schiffs­fonds – Ein Kapi­tal­an­la­ge mit vie­len Gesich­tern und hohen Ausfällen

Zig­tau­sen­de Inves­to­ren betei­lig­ten sich als (Treuhand-)Kommanditisten an geschlos­se­nen Schiffs­fonds. Die dahin­ter­ste­hen­de Idee ist, dass mit­hil­fe der ein­ge­sam­mel­ten Gel­der Schif­fe, teils sogar gan­ze Schiffs­flot­ten gebaut und betrie­ben wer­den. Vie­len Anle­gern ist jedoch nicht bekannt, dass die­se unter­neh­me­risch gepräg­ten Betei­li­gungs­mög­lich­kei­ten enor­me Risi­ken in sich bergen.

Das Betei­li­gungs­mo­dell

Die Inves­to­ren betei­li­gen sich meist als Kom­man­di­tis­ten an den Publi­­kums-Kom­­man­­di­t­­ge­­sel­l­­schaf­­ten und neh­men damit eine Gesell­schaf­ter­stel­lung ein. Sie wer­den als Kom­man­di­tis­ten mit ihrer Haft­ein­la­ge nament­lich in das Han­dels­re­gis­ter ein­ge­tra­gen, das von jedem ein­ge­se­hen wer­den kann. Anle­ger, die eher anonym blei­ben wol­len, bevor­zu­gen des­halb eine Treu­hand­lö­sung. Die sich betei­li­gen­den Kom­man­di­tis­ten betei­li­gen sich über eine Treu­hand­ge­sell­schaft, die stell­ver­tre­tend für die Anle­ger in das Han­dels­re­gis­ter mit einer zuvor fest­ge­leg­ten Haft­sum­me in die­sem ein­ge­tra­gen wird. Die­se treu­hän­de­ri­sche Betei­li­gung ändert jedoch nichts dar­an, dass die Anle­ger Gesell­schaf­ter des als Kom­man­dit­ge­sell­schaft betrie­be­nen Publi­kums­fonds wer­den. Sie haf­ten eben­so mit dem Kapi­tal, das sie in die Kom­man­dit­ge­sell­schaft inves­tiert haben, gegen­über Gläubigern.

Anle­ger in der Kri­se des Fonds

Viel­fach sieht die Kon­zep­ti­on vor, dass der Erwerb der Schif­fe nicht allein durch die Anle­ger­gel­der erfolgt, son­dern zum Teil über Ban­ken fremd­fi­nan­ziert wird. Bei einer Viel­zahl der geschlos­se­nen Schiffs­fonds lagen die ein­ge­nom­me­nen Char­ter­ra­ten aller­dings unter­halb der an die Bank zu zah­len­den Kre­dit­zin­sen. In der Ver­gan­gen­heit haben Ban­ken wegen rück­stän­di­ger Zins­zah­lun­gen teil­wei­se die Finan­zie­rungs­ver­trä­ge been­det. Dies hat­te für den Fonds und damit für die Anle­ger zahl­rei­che nega­ti­ve Konsequenzen.

Gera­ten sol­che Kom­man­dit­ge­sell­schaf­ten in eine finan­zi­el­le Schief­la­ge, bei­spiels­wei­se weil das Schiff weder die pro­spek­tier­ten noch die für den Betrieb erfor­der­li­chen Raten erwirt­schaf­ten, dann gehen die Geschäfts­füh­rer die­ser Fonds oft auf die Kapi­tal­ge­ber zu und ver­su­chen, die­se in Anspruch zu nehmen.

Sanie­ren oder ausscheiden?

Bis­wei­len ver­sucht die Geschäfts­füh­rung, zum Teil unter­stützt von wei­te­ren Mit­ge­sell­schaf­tern, die Fonds­ge­sell­schaf­ten zu „sanie­ren“. Unter dem Stich­wort „sanie­ren oder aus­schei­den“ sol­len mit­hil­fe von Gesell­schaf­ter­be­schlüs­sen soge­nann­te Sanie­rungs­bei­trä­ge von den Anle­gern ein­ge­wor­ben wer­den. Anle­ger, die sich dar­an nicht betei­li­gen, schei­den aus der Gesell­schaft aus und wer­den bei etwai­gen, künf­ti­gen „Gewin­nen“ nicht mehr berück­sich­tigt. Nur Anle­ger, die sich an der Sanie­rung durch Zah­lung von wei­te­ren Geld­mit­teln betei­li­gen, blei­ben Gesell­schaf­ter des Publikumsfonds.

Gezahl­te „Ren­di­ten“ wer­den zurück­ge­for­dert – Eigen­ka­pi­tal­rück­ge­währ, §§ 171, 172 HGB

In den ver­gan­ge­nen Jah­ren muss­ten rund 600 Fonds­schif­fe Insol­venz anmel­den. Meh­re­re hun­dert Mil­lio­nen Euro haben pri­va­te Anle­ger damit ver­senkt. Eine Insol­venz­quo­te erhal­ten sie als Gesell­schaf­ter regel­mä­ßig nicht. Es bedeu­tet den Total­ver­lust der Inves­ti­ti­on. Dar­über hin­aus müs­sen sie mit­un­ter auch mit einer Inan­spruch­nah­me durch den Insol­venz­ver­wal­ter rechnen.

Mit­un­ter wer­den von den Anle­gern die­je­ni­gen Zah­lun­gen, wel­che der Fonds als „Aus­schüt­tun­gen“, „Ren­di­ten“ o.ä. bezeich­ne­te, (von den Insol­venz­ver­wal­tern) zurück­ge­for­dert. Begrün­det wird dies damit, dass die­se Zah­lun­gen nicht aus Über­schüs­sen der Gesell­schaft stam­men, son­dern aus der ursprüng­lich von den Kapi­tal­an­le­gern gezahl­ten Kom­man­dit­ein­la­gen, §§ 171, 172 HGB. Dahin­ge­hen­de Rück­for­de­rungs­an­sprü­che kön­nen nicht nur von der Gesell­schaft sowie vom Insol­venz­ver­wal­ter gel­tend gemacht wer­den, son­dern auch von Gläu­bi­gern der Publi­­kums-KG, also Ver­trags­part­nern der Gesell­schaft, die selbst For­de­run­gen gegen die KG haben. Hier­zu zäh­len Ban­ken, die die Schif­fe antei­lig mit­fi­nan­ziert haben.

Umgang mit der Kri­se durch den Anle­ger – Haf­tungs­frei­stel­lun­gen für den Anleger

Anle­ger, die sich sol­chen Rück­for­de­rungs­an­sprü­chen aus­ge­setzt sehen, soll­ten sich vor einer vor­schnel­len Zah­lung anwalt­lich bera­ten las­sen. Dies gilt außer­dem in den Fäl­len von Sanie­rungs­be­mü­hun­gen, die zu einem Aus­schei­den aus der Gesell­schaft füh­ren kön­nen. Inves­to­ren soll­ten sich bewusst sein, dass sie es mit kom­ple­xen gesell­schafts­recht­li­chen Fra­ge­stel­lun­gen zu tun haben. Mit­un­ter kön­nen schon die Beschlüs­se, die die Grund­la­ge der Rück­for­de­rung sind, nicht wirk­sam gefasst sein. Wäh­rend sich Unter­neh­mer bei ver­gleich­ba­ren gesell­schafts­recht­li­chen Fra­ge­stel­lun­gen eher bera­ten las­sen, sind vie­len pri­va­ten Anle­gern die Trag­wei­te der zu fas­sen­den Ent­schei­dun­gen kaum bekannt. Ent­we­der stim­men sie dann ohne ent­spre­chen­de Kennt­nis­se zu haben in Gesell­schaf­ter­ver­samm­lun­gen ab oder sie betei­li­gen sich erst gar nicht an den anste­hen­den Gesell­schaf­ter­be­schlüs­sen. Die Fol­gen sind oft verheerend.

Über­se­hen wird zudem, dass vie­le Anle­ger Ansprü­che gegen die unter­schied­lichs­ten Per­so­nen haben kön­nen. Neben der Inan­spruch­nah­me von Treu­hän­dern, die über feh­ler­haf­te Mit­tei­lun­gen in den Pro­spek­ten auf­zu­klä­ren haben, konn­ten in der Ver­gan­gen­heit eben­falls Ansprü­che gegen Mit­tel­ver­wen­dungs­kon­trol­leu­re rea­li­siert wer­den, wenn sie die ein­ge­sam­mel­ten Fonds­gel­der zu früh oder unge­prüft freigaben.

Oft wur­den die Kom­man­dit­be­tei­li­gun­gen antei­lig finan­ziert, da die Anle­ger nicht über das auf­zu­brin­gen­de Kom­man­dit­ka­pi­tal (auch als Ein­la­ge bezeich­net) ver­füg­ten. Mit Hil­fe des Wider­rufs der Finan­zie­rungs­ver­ein­ba­rung kön­nen Anle­ger ihre Ver­lus­te reduzieren.

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Seit über zehn Jah­ren ver­tritt Rechts­an­walt Sascha Borow­ski (Fach­an­walt für Bank- und Kapi­tal­markt­recht) von der Kanz­lei Bucha­lik Bröm­me­kamp erfolg­reich Inves­to­ren sowohl bei der Abwehr von For­de­run­gen durch den Insol­venz­ver­wal­ter, als auch bei der Durch­set­zung von Ansprü­chen geschä­dig­ter Investoren.

Die Kanz­lei Bucha­lik Bröm­me­kamp zählt zu den mark­füh­ren­den Insol­­venz- und Sanie­rungs­be­ra­tern und wur­de viel­fach, so u.a. vom FOCUS zur TOP Wirt­schafts­kanz­lei im Bereich Insol­venz & Sanie­rung ausgezeichnet.

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