Pfeiffer-Reisen will mit Eigenverwaltung aus der Krise

  • Reisebetrieb sowie Linien- und Schulverkehr weiterhin sichergestellt
  • Sanierung zur Unternehmensfortführung in eigener Regie 

Bad Zwischenahn, 18. Januar 2016. Geschäftsführer Stefan Pfeiffer hat für seine Unternehmen Pfeiffer-Reisen GmbH & Co. KG und Primo Logistik GmbH & Co. KG die Eröffnung eines Eigenverwaltungsverfahrens beim Amtsgericht Oldenburg beantragt. Ziel des Verfahrens ist es, die beiden Unternehmen über Insolvenzpläne zu sanieren und wieder wettbewerbsfähig aufzustellen. Den Sanierungsplänen, die der Geschäftsführer mit dem Beratungsunternehmen Buchalik Brömmekamp aus Düsseldorf entwickeln wird, müssen das Gericht und die Gläubiger zustimmen. Kunden, die eine Reise gebucht haben, können unbesorgt ihren Urlaub antreten, da der Reise- und Busbetrieb weiterhin sichergestellt ist.

Pfeiffer-Reisen ist im Linienverkehr in der Stadt und über Land, im Fernbus-, Schulbus-, Behinderten- und Reiseverkehr tätig. Weiterhin unterhält es ein eigenes Reisebüro. Die Primo Logistik übernimmt Speditions- und Logistikdienstleistungen. Die 150 und 27 Mitarbeiter der beiden Unternehmen wurden in Betriebsversammlungen über das Verfahren und das weitere Vorgehen informiert. Die Löhne und Gehälter sind durch das Insolvenzgeld für drei Monate abgesichert.

In der Eigenverwaltung kann die Geschäftsführung die Restrukturierung der Pfeiffer-Reisen und Primo Logistik selber durchführen. Dazu hat sich Stefan Pfeiffer mit dem Sanierungsexperten Tim Langstädtler von der Wirtschaftskanzlei Buchalik Brömmekamp als weiteren Sanierungsgeschäftsführer verstärkt. „Der Geschäftsbetrieb ist stabil und die Kunden werden wie gewohnt betreut und beliefert. Mit der Eigenverwaltung haben wir den richtigen Weg zur Sanierung gewählt, um im Interesse der Mitarbeiter, Kunden, Lieferanten und Gläubiger den Fortbestand der Unternehmen zu sichern“, erklärt Geschäftsführer Pfeiffer.

Grund für dieses erforderliche Sanierungsverfahren ist erstens der unerwartete Ausstieg eines Fernbusanbieters. Das hatte einen hohen Umsatzeinbruch zur Folge, der nicht aufgefangen werden konnte. Zweitens ließ die Einführung des Mindestlohnes die Personalkosten erheblich ansteigen. Diese Kostensteigerung konnte bisher aufgrund langfristiger Vertragsbindungen nicht weitergegeben werden. Weiterhin entstanden durch Großschäden an zwei Reisebussen deutliche Mehraufwendungen und Umsatzausfälle. Mit dem nun gewählten Verfahren ist die Umsetzung von Sanierungsmaßnahmen, wie etwa die Beendigung unrentabler Vertragsverhältnisse oder langlaufender Dauerschuldverhältnisse, deutlich schneller und wesentlich kostengünstiger möglich. 

In den nächsten Wochen wird das Sanierungskonzept für die beiden Unternehmen entwickelt. Dieses sieht neben Vertragsverhandlungen einen Ausbau der Vertriebsaktivitäten im Reiseunternehmen sowie in der Spedition Primo Logistik vor. „Die nächsten Wochen werden intensiv dazu genutzt, um das Unternehmen wieder auf die Erfolgsspur zu bringen“, erklärt Sanierungsgeschäftsführer Tim Langstädtler.

Das Verfahren hat den wesentlichen Vorteil, dass die Geschäftsführung weiterhin die Geschicke des Unternehmens lenken kann. Sie übernimmt dabei die meisten Aufgaben, die in einem Regelinsolvenzverfahren von einem Insolvenzverwalter wahrgenommen wurden. Anstelle eines Insolvenzverwalters wird ein Sachwalter bestellt, der hauptsächlich die Aufgabe hat, die wirtschaftliche Lage des Schuldners zu prüfen und die Geschäftsführung zu überwachen. Als vorläufige Sachwalterin bestellte das Amtsgericht Oldenburg Rechtsanwältin Anna Kuleba. Kuleba ist Fachanwältin für Insolvenzrecht und Partnerin der Kanzlei SBS Stellmach Bröckers Dr. Schoofs aus Oldenburg. „Als Sachwalterin unterstütze ich die uneingeschränkte Fortführung des Unternehmens und die Geschäftsleitung im Sanierungsverfahren in Eigenverwaltung. Änderungen im Betriebsablauf wird es nicht geben. Ganz wichtig ist, dass die Kunden und Auftraggeber weiterhin vollstes Vertrauen in die bestehende Leistungsfähigkeit des Unternehmens haben können“, so Anna Kuleba.